Warum photographiert ihr mit Grossformat?

  • Ich benutze Großformat fürs Training!


    Einmal eine Sinar in 8x10" die Tromm hochbefördern schafft gut ein Kilo Speck weg!*


    *Angabe ohne Gewähr ;)


    ... gut, ein bisschen übertrieben, aber etwas Wahres ist dran: Ich fahre Rad, um halbwegs fit zu bleiben. Dabei habe ich mehr Spaß daran, mit einer ordentlich großen Kamera hinten auf dem Fahrrad durch die Feldwege zu fahren, als mit einem Pulk Radrennfahrer über die Asphaltpisten.


    Davon abgesehen freue ich mich immer noch über jedes gelungene große Stück Diafilm :)


    Viele Grüße
    Wilfried

  • Ich probiere halt gerne was aus ohne den Anspruch zu erheben in die Fußstapfen von Meister A.A. zu treten. Es ist auch nicht mehr so dass jeder der eine Fachkamera bedingt ein Profi und ein Könner ist oder das er den Anschein erwecken will wie das hier mehrfach unterstellt wird. Die Geräte schmeißen sie dir nach weil keiner sie mehr im Beruf brauchen kann. Die Objektive sind durchwegs erschwinglich wenn man nichtausgerechnet mit gesuchten seltenen Linsen fotografieren möchte. Einen Tag Spaß mit meiner Kamera kostet mich nicht mehr wie ein Mittagessen.


    Hier meine ersten Versuche in Kollodium. Welchen Anschein möchte ich den damit erwecken liebe mit Foranten.


  • Moin Adi,


    bei mir erweckst Du keinen Eindruck sondern Freude, dass Du uns die Aufnahmen zeigst. Ich kann sonst recht wenig mit Portraits anfangen, insbesondere mit Studioaufnahmen. Aber Deine Aufnahmen sind ganz nach meinem Geschmack, gerade das harte Sonnenlicht passt hervorragend. Insbesondere die erste Aufnahme fasziniert mich (fairer Weise mag es an meiner Bud Spencer (R.I.P.) Assoziation liegen). Beim zweiten trübt meinen Blick die Brille etwas ;)


    Danke fürs zeigen,
    Friedrich

  • Danke Friedrich


    Der auf dem ersten Bilde bin ich und auf dem zweiten ist Jerudi. Wir haben uns gegenseitig fotografiert einen ganzen Nachmittag lang. Die zusammengekniffenen Augen sind den Aufhellen und dem harten Licht geschuldet weil wir auf kurze Belichtungszeiten kommen wollten. Da wir nur ein Buch gelesen haben und keinen Kurs besucht haben wollten wir es uns so leicht wie möglich machen das erste Mal. Leider hatten wir auch nur einen Liter Silbernitrat und in den Tank passten 1,2l daher fehlt halt ein cm unten rum. Der Hut warf einen Schatten auf Torstens Augen. Ich hab ihn den Hut immer wieder aus dem Gesicht genommen und er hat ihn wieder hinein gezogen und wir einigten uns den auf den Kompromiss.


    LG
    Adi

  • Hahaha... Genial, ich bin begeistert! Gerade die Aufnahme von Dir hat etwas Ikonenhaftes und ich habe die zusammengekniffenen Augen als bewusstes Mittel interpretiert - gerade durch diesen "konzentrierten" Blick wirken eure Aufnahmen.


    Aber Du wirst nun auf ewig (in höchster Wertschätzung) mit meiner Assoziation leben müssen ;)


    Wenn wir mal zu dritt unterwegs sind, kann ich zumindest hinsichtlich des Bartes mithalten ;)


    Sehr schön... Bei den Aufnahmen kann ich lange verweilen

  • Erstmal vielen Dank für den regen Gedankenaustausch. Vieles von dem, wasgeschrieben wurde, trifft auch das was ich fühle und denke. Gefallen hat mirinsbesondere auch die Absage an das Elitäre. Ich bin ganz bestimmt keinebesserer Fotograf nur weil ich eine 4x5" Kamera benutze, oder alternativ wennich solche Ikonen wie Hasselblad, Rollei oder Leica verwenden würde. Aber ichglaube schon, dass es keine ursprünglichere Fotografie gibt als die, bei derman alles selbst einstellen muss (und kann!)
    Ich war ein paar Tage nicht im Forum und es haben sich einige Aspekteergeben. Ich werde die Beiträge nochmals sorgfältig durchlesen und gegebenenfallsnoch meinen Senf dazu geben.

  • Da habe ich eher gegenteilige Erfahrungen gemacht. Es lässt sich fast nicht vermeiden, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, mir begegnet in aller Regel Neugier.

    Dazu zwei kleine Geschichten: 1979 - 1980 habe ich in den USA gearbeitet und damals meine erste 4x5" Kamera gekauft. Ich habe damals mich in Downtown Flint, MI als Weisser inmitten Schwarzer aufgestellt und fotografiert. Was problemlos möglich war, da die Kamera nicht als aggressiv empfunden wurde. Leider sind die Negative in meinen vielen Umzügen seitdem verloren gegangen. Aber die positiven Kontakte damals (vielleicht hat es geholfen, dass ich mich als German erkenntlich gemacht habe) habe ich in guter Erinnerung.


    Ei weireres mal habe ich die geschmiedete Kirchentür der evangelischen Kirche in Hennef fotografiert, als eine verwirrte ältere Dame auftauchte. Wir haben versucht ihr zu helfen und letztlich wurde die Polizei gerufen, die die Dame schon kannte und zurück nach hause brachte. Leute standen rum, die Polizei war da, und meine Kamera stand da noch in voller Pracht: roter Balgen, vergoldete Beschläge, Holzstativ: Da fragte mich doch tatsächlich eine Passantin, ob ich von der Presse sei um dem Vorgang zu fotografieren. Ich verneinte und musste mich doch sehr beherrschen um nicht zu schmunzeln.

  • Hallo,


    Ich denke auch, die Wertschätzung ist eine ganz andere.
    In Dänemark habe ich einen halben Tag lang am Fjord fotografiert. Es sind "nur" zwei Bilder dabei herausgekommen.
    Dafür sind beide aber so geworden, wie ich mir das vorgestellt hatte, eigentlich sogar noch besser. Was will ich mehr?


    Grüße Schwarzweißseher

  • Hallo zusammen,


    die zu Beginn des Forums aufgeworfene Frage ist grundsätzlich eine spannende und wichtige, wie ich finde. Nachdem ich die vielen Argumente gelesen und versucht habe zu verstehen, bin von der inneren Einstellung her bei den Ausführungen von Adi.


    Eine Diskussion, ob es Sinn macht, mit GB zu fotografieren, halte ich auch für nicht zielführend, eher für abwegig. Sinn macht klingt so nach rentieren oder Opportunität.....


    Gleichwohl halte ich, die Frage, warum mit GB fotografieren für akzeptabel.
    Bin sehr engagierter Kleinbild Fotograf -ohne seinen Unterhalt damit verdienen zu müssen- und plane nun den Einstieg in die GB Fotografie. Das Mittelformat möchte ich auslassen, da mir der Qualitätssprung von Kleinbild nicht hoch genug ist und insbesondere der Preissprung m.E. nicht gerechtfertigt ist.
    Im Ergebnis reizt mich die Großbild Fotografie, da ich damit wohl ein Gefühl einkaufe, mich gerne mich auf Motive konzentriere, ohne unter Zeitdruck zu stehen, die zu erreichende Qualität mich reizt, und das "Schleppen" mir nicht viel ausmacht.
    Bin gerade in der Überlegung, welches Format das geeignete sein kann....4x5 inch scheint mir zunächst eine gute Lösung zu sein.


    Wolu

  • Eine Diskussion, ob es Sinn macht, mit GB zu fotografieren, halte ich auch für nicht zielführend, eher für abwegig. Sinn macht klingt so nach rentieren oder Opportunität.....

    Es kommt meines Erachtens darauf an, WAS man damit fotografiert.
    Die Großbild kommt bei mir hauptsächlich für Architektur dran, dafür ist sie gemacht. Oder bei Stills im Atelier, wo ich auf die Schärfendehnung angewiesen bin. Also für alles, was Sinn macht. Natürlich auch Automobil- und Möbelfotografie.
    Für Portrait, so schön es auch sein mag, nehme ich lieber die RB67. Landschaften sind auch noch eine Marke für die Großbild, aber nur, wenn ich auch entsprechend große Abzüge herstellen will. Ansonsten reicht da auch eine hochauflösende Digitale.


    Gruß
    Winfried

  • Hallo Moorlander!


    Ich halte Deine Frage nach dem "Warum" für erstmal zweitrangig, konsequenter wäre für mich persönlich an erster Stelle die Frage, warum eigentlich analoges Ablichten? Das ist eher die Frage, die mir von Digital- und Handyknipsern gestellt wird...


    Die rein mechanische Funktion, die Auseinandersetzung mit Zeiten und Blenden, das tagelange Haften des Fixiererduftes im Laborkittel, das hab ich auch mit KB und MF.
    Die Frage nach "Warum GF" ist wie die Frage unter Malern, warum der eine 'nen 2cm breiten Pinsel benutzt, der andere auf 5cm Breite abfährt...Und ich denke, dass die letztliche Entscheidung für's GF so individuell ist, wie wir selbst und immer auch mehrere Gründe gleichzeitig zusammenspielen. Ich hatte z.B. beim Kauf meiner Linhof an 13x18-Kontakte für Cyanotypien o.ä. gedacht - jetzt setze ich mich immer mehr mit dem Prügel auseinander und merke, meine Gründe für's Format kommen bei mir erst NACH dem Kauf hervor, vor dem Kauf war's 'ne kaum überdachte Verliebtheit (Kamera gesehn, Puls & Blutdruck hoch, Hirnfunktion eingetrübt, Blick auf's Konto, FREUDE... und Klick).


    Gruß, Tim

  • Nachdem bisher „Gesagten“ komme ich für mich zu dem Zwischenergebnis -unter Außerachtlassung der jeweils individuellen Gefühlsmomente-, dass unter Qualitätsgesichtspunkten (Schärfe, Brillanz) auf jeden Fall das größere Format ausschlaggebend ist gegenüber der Mittel- und Kleinbildwelt.
    Nachdem, was ich bisher an Fotos gesehen habe, fällt mir der Unterschied hauptsächlich bei Landschaft (Auflösung) auf. Bin daher der Meinung, dass ein Aufstieg / Umstieg schon deswegen ein Weg ist. Auch Architektur zeigt ähnliche Empfindungen. Insoweit kann ich die Ausführungen von Winfried nur unterstreichen.
    Anmerkung:
    Nach einer Unterhaltung mit einem versierten Berusfotografen (auch Großbild) wurde mir mit auf den Weg gegeben, dass einer der wichtigsten Aspekte ein wirklich sehr gutes Statv mit einer möglichst großen Auflagefläche und einem möglichst niedrig liegenden Stativkopf sei. Die Problematik der „Verwackelung“ , die manchmal kaum auffalle, nur im direkten Vergleich mit wirklich nicht verwackelten Aufnahmen (springende Schärfe / Brillanz) werde über alle Formate hinweg unterschätzt. Der Spruch, „das beste Objektiv ist ein gutes Stativ“ gelte durchwegs.
    Gruß
    Wolu

  • Anmerkung:
    Nach einer Unterhaltung mit einem versierten Berusfotografen (auch Großbild) wurde mir mit auf den Weg gegeben, dass einer der wichtigsten Aspekte ein wirklich sehr gutes Statv mit einer möglichst großen Auflagefläche und einem möglichst niedrig liegenden Stativkopf sei. Die Problematik der „Verwackelung“ , die manchmal kaum auffalle, nur im direkten Vergleich mit wirklich nicht verwackelten Aufnahmen (springende Schärfe / Brillanz) werde über alle Formate hinweg unterschätzt. Der Spruch, „das beste Objektiv ist ein gutes Stativ“ gelte durchwegs.
    Gruß
    Wolu

    ...ja, mir hat's auch immer wieder in den Fingern gejuckt, unser gutes Nivellierstativ auf der Baustelle "verdunsten" zu lassen, dann wären von jetzt auf gleich sämtliche Wackelnuancen mit egal welcher Kamera ad acta gewesen... Allerdings wäre ich das dann auch, wenn mein Vorarbeiter das mitkriegte...
    Geb ich Dir vollkommen Recht, ohne vernünftiges Stativ ist die beste Kamera machtlos.


    Gruß, Tim

  • Zum Thema Stativ:


    das kann, je nach verwendetem Kamerasystem, nicht schwer und massiv genug sein.
    Für eine Technika 9/12 reicht ein Linhof-Alu-Doppelprofilstativ noch gut aus, auch für eine kleine Plaubel Peco Junior 9/12.
    Eine Plaubel Peco Profia N oder Z benötigt, wie deren andere optische Bank Kameras auch, ein wesentlich massiveres Stativ. Hier verwenden wir ein Lumpp Stativ mit dicken Beinen und einem "persönlichen" Gewicht um die 8kg.
    Stativkopf: entweder der hohe 3 Wege Kopf von Gizo oder den 3-D Kopf von Lumpp-Riess, auch von Plaubel erhältlich. Der ist sehr niedrig, aber extrem stabil. Koastet halt um die € 300,. Eine Ausgabe, die sich lohnt. Von Kugelköpfen halte ich im Bezug auf GB rein garnichts.


    Gruß
    Winfried

  • Ich habe mal einen Vergleich gemacht (nach solch einem Vergleich habe ich einen Stativkopf verschenkt):


    https://www.flickr.com/photos/…/album-72157623467222194/


    Stativvergleich - Ausschnitt - Epson V700 - ohne Schärfung
    Linhof Master Technika mit ApoRonar 360mm 1/4s Bl22 TMAX100
    Gitzo Carbon Mountaineer mit MA410 Getriebekopf
    Manfrotto MA055 mit MA329 3D-Neiger




    Manfrotto MA075 mit MA229 3D-Neiger

  • Das Manfrotto MA075 verwende ich seit gut 25 Jahren


    gemeinsam mit dem Plaubel 3D Kopf.
    Der Vorteil gegenüber dem Linhof Doppelprofilstativ: man kann die Beine einzeln verstellen. Manchmal lästig, um es ins Wasser zu bekommen, aber gut, man kommt fast auf Bodennähe herunter und kann das Stativ auch mal auf eine Kirchenbank stellen, da die Beine nicht starr sind. Muß ich (natürlich mit Erlaubnis) sehr oft machen, um eine erhöhten Standpunkt zu erreichen. Mit normalen Stativen komme ich mit einem Bein nicht auf die vordere Kirchenbank, dank der einzeln verstellbaren Beinen des 075 geht das sehr gut.


    Übrigens: Sehr große Unterschiede sehe ich bei den Vergleichsaufnahmen nicht. Müsste man höher vergrößern können.


    Winfried

  • Auch kleine Unterschiede sind interessant - erstaunlich gut das kleine Carbon Stativ - in sich wacklig das 055 - sehr guter Kopf der 329 (ich habe dann noch Vergleiche angestellt, unterschiedliche Köpfe auf dem selben Stativ). Übrigens ist meine Linhof Technika mit dem 360er besser als meine Sinar P2!


    Und:
    schwerer ist besser ist so nicht korrekt - das Stativ darf in sich kein Spiel haben (auf die Platte oben greifen und drehen, da sollte sich nichts rühren)
    Ich benutze jetzt für draußen ein Carbon-Stativ mit 3er Rohr und den leichten und flachen 3d-Neiger 329. Das wiegt sehr wenig, erfüllt aber die Anforderungen an Steifigkeit (Stativ) und kleine Hebel (Stativkopf).

  • Kompromisslos vorgehen könnte man wie folgt:


    Gitzo Systematic: z.B. GT 5533 LS (derzeit rund 900 € oder auch GT 5543 LS (Preis ähnlich)
    Gitzo 3 Wege Neiger 1570 M (derzeit rund 280 €)


    Hiermit liebäugele ich, auch mit Blick auf den evtl. Erwerb einer Linhof Technikardan re.


    Auf You Tube ist diese Kombi zu sehen bei Ben Horne (amerikanischer Landscaper), aber nur in den Videos, die sich mit den Jahren 2016 und früher befassen, danach ist er vom Stativ Kopf her auf Arca Swiss umgestiegen, aber aus persönlichen praktikablen Gründen.
    Der genannte Stativ Kopf von Gitzo hat m.E. eine große Auflagefläche, ist sehr flach und hoch professionell. In dem Segment wohl kaum zu toppen.Von Kugelköpfen würde ich -wie auch Winfried- absehen.
    Gruß
    Wolu

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