• Und wenn man ein Foto vorlegt, bei dem die Gebäudekanten nicht parallel zueinander und parallel zu den Bildseiten verlaufen, wird man gefragt, warum das denn so ist, mit deutlichem Ausdruck, daß man das so eigentlich nicht macht.

    Man sagt in Wien: Wie's es machst, machst es falsch.

  • Es geht doch weniger um "entweder/oder" als um "sowohl/als auch".
    Ab einem gewissen Blickwinkel erscheint dem Betrachter das (z.B.) Gebäude bei Herstellung exakter Parallelität der Senkrechten nach oben auseinander zu driften.
    Wenn man allerdings überhaupt gar nicht korrigiert, erscheint es dem Betrachter nach hinten zu kippen.
    Also ist es m.E. durchaus sinnvoll, solche Aufnahmen zu "entstürzen", aber eben nicht zu 100 Prozent, sondern mit optischem Feingefühl.
    Wenn es denn bei der Aufnahme nicht gelungen ist, kann man ja immer noch in der Duka (wie ich) nachjustieren, oder mit GIMP/Photoshop etc. dem Thema zu Leibe rücken (da habe ich allerdings keinerlei praktische Erfahrung).

  • Es geht nicht um Amateur oder Profi. Es geht nicht um positiv und negativ oder richtig und falsch. Es geht um die Motivation heraus einen Kommentar zu schreiben. Unser Siegfried ist kompetent, begabt und hat ein tiefes Fachwissen. Man kann sagen er ist am höchsten Niveau das man erreichen kann. Trotzdem hat er jedes Forum gesprengt was er betreten hat weil er ein selbst verliebtes Arschloch ist. Werbung selbst Beweihräucherung und elitäres Denken ist fehl am Platz um sein Wissen weiter zu geben.

    LG

    Adi

  • ähh... Entschuldigung, bin ich hier richtig? weil, draußen dran stand "Kesselhaus", aber das ist wohl noch von früher???

  • .. das kesselhaus ist für mich eindeutig ein sehr gutes foto.
    das motiv ist sehr gut im format, hat tolles licht, einen großen tonwertreichtum und vielfälltige partialkontraste.

    große klasse - es ist eine zierde für unsere galerie.
    ich hoffe wir sehen noch mehr von dir.

    uwe

    "phantasie ist etwas, was sich manche leute nicht vorstellen können!"

  • Ich persönlich bin der Meinung, daß die Sache mit den stürzenden Linien nicht so einfach auf eine ganz einfache Formel zu bringen ist. So möchte ich ein paar markante Beispiele erläutern, die zumindest nach meinem Empfinden ziemlich eindeutig sind*:

    1.) Eine Häuserfront direkt frontal fotografiert. Die Fensterfronten der einzelnen Stockwerke verlaufen im Bild genau horizontal. Hier würde auch schon das geringste Abkippen der senkrechten Linien fehlerhaft wirken. Es ist hierbei völlig gleichgültig, aus welcher Entfernung, Höhe, und mit welcher Brennweite fotografiert wird -- die Linien müssen hier genau senkrecht sein.

    2.) Als Gegenbeispiel eine hoch gebaute, ungefähr quadratische Burg mit vier (genau senkrecht gebauten) Türmen an den vier Ecken, die nicht frontal fotografiert wird, sondern mit einem Weitwinkel vor einer der Ecken. Die im Bild seitlich sichtbaren Türme werden sehr merkwürdig nach außen kippend aussehen, wenn sie per Shift im Bild genau senkrecht gestellt werden.

    Man könnte das sicher noch wesentlich tiefgehender erörtern. Es wäre vielleicht mal interessant dazu einen themenbezogenen Thread mit Beispielbildern zu machen.

    Was mir auch schon aufgefallen ist: Verschiedene Betrachter scheinen solche Dinge oft unterschiedlich zu bewerten. Das hängt wohl auch mit individuellen -- sagen wir: Bilderfahrungen? -- zusammen.

    Umso befremdlicher finde ich es, wenn Leute mit einer vorgefassten Meinung alles andere als die genaue Umsetzung ihrer Vorstellung pauschal als fehlerhaft bezeichnen (und dann nicht mal bereit sind zu erklären, wie es ihrer Meinung nach denn nun richtig wäre!).


    -- mein Beispiel bezieht sich aus meiner Sicht indirekt auf das Kesselhausbild, da hier die Diskussion darum entfacht ist, ob es korrekt ist, daß die Linien genau senkrecht ausgerichtet wurden.

    *Natürlich sehe ich das nicht absolut so. Es gibt in der Kunst immer auch die Möglichkeit, Regeln (oder als Regeln empfundene Sichtweisen) zu brechen, aus den verschiedensten Gründen.

    Viele Grüße
    Wilfried

  • Manchmal kann man den Standpunkt einnehmen "ich finde aber", manchmal paßt der nicht. Bloß, weil ein Gebäude auf dem Foto ist, muß es sich noch nicht um Architekturfotografie handeln.
    Wenn man Wert drauf legt, sein Foto als Architekturfotografie anerkannt zu sehen, kann man nachschauen, ob es für dieses Genre Regeln gibt, die man dann tunlichst einhalten sollte.

    Bei Wikidingsda ist aus verschiedenen Quellen dies zusammen getragen worden:

    <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<


    Methoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die Sichtweise der Architekturfotografie ist traditionell von der Zeichnung abgeleitet. Die dabei angewandte Zentralperspektive geht dabei zumeist vom Standpunkt eines menschlichen Beobachters, der sich in der Umgebung des Bauwerkes bewegt oder einer erhöhten Position (Vogelperspektive) aus.
    Die Umsetzung der Sichtweise der Planzeichnung in die fotografische Abbildung stößt auf einige Probleme:

    • Übliche Optiken weisen optische Fehler im Sinne kissen- und tonnenförmiger Verzeichnungen auf. Obwohl derartige Abbildungen durchaus reizvoll sein können (z. B. beim Fischaugenobjektiv), sind diese zumeist als billiger Effekt unerwünscht oder bei der photogrammetrischen Arbeit (zur Vermessung von Bauwerken) störend. Verzeichnungs„freie“ Objektive sind besonders im Weitwinkelbereich bei Spiegelreflexkameras schwer herzustellen, da diese, bedingt durch den Freiraum des Schwingspiegels, nicht symmetrisch aufgebaut, sondern retrofokussierend sind. Diese optischen Fehler können entweder beim analogen Vergrößerungsprozess durch eine exakte Berechnung der Optiken oder durch Mittel der elektronischen Bildbearbeitung korrigiert werden.
    • Wenn die Film-Ebene nicht parallel zu den vertikalen und/oder horizontalen Linien des Gebäudes liegt, werden diese „stürzen“ und/oder „flüchten“. Bei vertikalen Linien entsteht dadurch der Eindruck, dass das Bauwerk nach hinten kippt. Übliche Kleinbild- und Mittelformat Kameras mit fixen Objektiven müssen zur Vermeidung dieser Effekte exakt horizontal gehalten werden. Dies schränkt die Gestaltungsmöglichkeiten ein. Abhilfe schaffen Hochstative, Faltenbalgkameras mit denen die Scheimpflugsche Regel zur Anwendung kommt, Shift-Objektive, die Verstellmöglichkeiten der Großformatkamera bzw. Fachkamera oder die Entzerrung mit der elektronischen Bildbearbeitung.
    • In vielen Fällen ist eine scharfe Abbildung des gesamten Objektes oder von Flächen, die nicht parallel zur Filmebene liegen, erforderlich. Wege dazu sind ausreichendes Abblenden und die Verstellmöglichkeiten von Tilt-Objektiven, der Großformatkamera bzw. Fachkamera.
    • Oft ist eine detailreiche und kornarme Abbildung erwünscht. Dazu sind große Filmformate erforderlich.

    Neben der künstlerisch-dokumentarischen Abbildung von Bauwerken kommt dem Einsatz fotografischer Methoden bei der Vermessung Bedeutung bei. Insbesondere ist durch stereoskopische Aufnahmen eine räumliche Vermessung möglich.

  • Wenn ich Architekturbilder sehe mit leichter, vielleicht sogar beabsichtigter Verjüngung, denke ich insgeheim immer: gut, er hat sich ja bemüht, aber ganz gelungen ist es ihm nicht.

  • Diesch:
    das spricht genau das an, was ich "gelernt" habe. Nur gerade Linien bei Architektur sind "richtig"...


    Was mir auch schon aufgefallen ist: Verschiedene Betrachter scheinen solche Dinge oft unterschiedlich zu bewerten. Das hängt wohl auch mit individuellen -- sagen wir: Bilderfahrungen? -- zusammen.

    Teils teils. Kommt wohl sehr darauf an, wie man das Sehen gelernt hat. In meinem Fall von einem Architekturfotografen, den hier jeder kennt. Das verinnerlicht man dann im Laufe seines Lebens und sieht alles, was dem egtgegenspricht, als falsch an. - Und das kann durchaus auch die falsche Meinung sein.
    Wer Fotografie nicht gelernt hat, sieht die Dinge anders. Ich gehe mal davon aus, daß jeder Amateur mit einer KB angefangen hat. Wohl kaum einer mit der Großbild. - Da hat man sich an stürzende Linien gewöhnt, weil man es nicht anders kannte (und auch technisch nicht konnte mangels entsprechender Optik). Ich sage damit nicht, der Amateur könne und wüsste es nicht. Aber im Laufe der Jahre hat sich das eben ins Bewusstsein eingebrannt und man "kann einfach nicht anders".
    Zumindest ergeht es mir so.

    Da wir derzeit einen Mediengestalter ausbilden, habe ich hier auch schon so einiges mir anhören müssen (schulischerseits). Mein Buchdesign sei altmodisch, moderne Komponenten fehlen. Warum? Eben weil ich "zu alt" für die Werbung bin. Andererseits wehre ich mich dagegen, da das, was wir machen, im Bereich der alten Kunst und der Sakralkunst liegt. Und da sollte es keine aufgemotzten Buchseiten geben.
    - Man sieht, man kann es von mehreren Richtungen aus betrachten und ein jeder mag dabei recht oder auch unrecht haben. Ich für meinen Teil bleibe beim "Althergebrachten", da ich nur noch das mache, was ich will. Mag`s der Kunde nicht, dann soll er zu jemanden anderen gehen. Schließlich bin ich offiziell Rentner und muß mich mit anderen Meinungen nicht mehr auseinandersetzen.

    Trotzdem höre ich gerne zu, was andere dazu zu sagen haben.

    Gruß
    Winfried

  • Die Sichtweise der Architekturfotografie ist traditionell von der Zeichnung abgeleitet. Die dabei angewandte Zentralperspektive geht dabei zumeist vom Standpunkt eines menschlichen Beobachters, der sich in der Umgebung des Bauwerkes bewegt oder einer erhöhten Position (Vogelperspektive) aus.

    Lieber Dieter, lieber Winfried,

    ob die Architekturfotografie der Architekturzeichnung folgen soll, kann man so sehen, muss man aber nicht. Vor allem aber welcher Darstellungsart soll die Fotografie folgen? Da haben wir die Isometrien ohne Fluchtpunkte, dann einfachere Perspektiven mit einem oder zwei Fluchtpunkten. Bis hierhin sind die Senkrechten noch parallel. Sobald wir aber den dritten Fluchtpunkt einführen haben wir auch in der Architekturzeichnung stürzende Linien und damit bei hohen Häusern mehr "gutes Drama" :-). Bei anderen Häusern ist dieses "Drama" der perspektivischen Überhöhung aber völlig unsinnig, da braucht es schlichte orthogonale Bildkompositionen. Obwohl auch ich in der Regel persönlich mehr zu den sauber ausgerichteten, zentralperspektivischen Kompositionen neige, gibt es 'als Ausnahme' (!) überzeugende Bildbeispiele, die sich davon lösen.

    Meine private Meinung: Ich schätze das "Kesselhaus" wegen Motivwahl, Tonigkeit etc., das ist zweifellos gut gemacht, aber die Perspektive wirkt für mich etwas überzeichnet und von daher nicht ganz überzeugend.

    LG
    Wolf

    ja mei, was soll man dazu sagen........

  • ist eigentlich ein fotografierte gebäude eine architekturaufnahme?
    was macht ein fotografiertes gebäude denn zu einer architekturaufnahme .. ?
    was ist denn, wenn der autor gar nicht im sinn hatte, architekturaufnahmen zu machen ..
    (was ich mir hier bei diesem bild durchaus vorstellen könnte)
    wird es dann trotzdem eine architekturaufnahme wenn ein gebäude drauf ist?

    "phantasie ist etwas, was sich manche leute nicht vorstellen können!"

  • Lieber Uwe,

    Architekturfotografie ist vielgestaltig und ein ganz grob umgangssprachlicher Allgemeinplatz, wenn Siedlungen, Häuser oder Innenräume und streng genommen auch gestaltete Gärten abfotografiert werden. Aber längst nicht alle fotografierten Häuser sind Architektur. Es gibt Aussagen, dass 95% unserer gebauten Umwelt "gebaute Konjunktur" sind und nur 5% Architektur. Ich sehe auch die Stadtlandschaften von Dieter unbedingt als Architekturfotografie an, auch wenn die Häuser ausgedient haben oder aus einer anderen Zeit stammen. Das sind frei motivierte Arbeiten neben dem mehr kommerziellen Mainstream.

    Denn den professionellen Kern der Architekturfotografie bilden weiterhin (gern mit GF hergestellte) Fotos zwecks Dokumentation von Neubauten für Bücher, Fachzeitschriften, Werkverzeichnisse von Büros etc......Industrieanlagen nicht zu vergessen! Das sind dann überwiegend für Architekten, Bauherrn und die interessierte Öffentlichkeit gemachte Auftragsarbeiten.

    Die beiden Dinge stehen eben nebeneinander mit etwas unterschiedlichem Ansatz. Ich kann mir schon vorstellen, dass nicht jeder, der ein Gebäude fotografiert den Gedanken in sich trägt "Architekturfotografie" zu betreiben, aber auf Katzenbildern sind halt auch einfach Katzen drauf :) ..... da fällt mir gerade ein Bild ein, wo in einer großartigen Landschaft eher am Rande und winzig ein ganz herausragendes Gebäude platziert ist. Auch das ist Architekturfotografie, veröffentlicht in einer namhaften Architekturzeitschrift.

    Wolf

    ja mei, was soll man dazu sagen........

  • ja mei, was soll man dazu sagen........

    ausser vielleicht - ..
    schön allgemein gültig - aber nix zu dem bild kesselhaus konkret lieber wolf : ).

    vielleicht ist es der name des bildes, der in die falsche? richtung führte.
    "zerstörte landschaft" wäre doch bestimmt anders kommentiert worden?

    uwe

    "phantasie ist etwas, was sich manche leute nicht vorstellen können!"

  • ja mei, was soll man dazu sagen........

    ausser vielleicht - ..
    schön allgemein gültig - aber nix zu dem bild kesselhaus konkret lieber wolf : ).

    ..... da könnte dann vielleicht ein Blick in den letzten Absatz von Beitrag 53 hilfreich sein .....

    HG
    Wolf

    ja mei, was soll man dazu sagen........

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!