Kirchenfotografie mit der 9/12

  • Hier einmal etwas aus meiner täglichen Arbeit, der Kirchenfotografie.


    Alle aufnahmen: Plaubel Peco Junior 9/12cm, Super Angulon 5,6/90mm. Film Ektachrome 64T, konvertiert auf Tageslicht, da die Belichtungszeiten über 30 Sekunden lagen. Verlust hierbei 1/3 Blende zuzüglich 1 Blende durch den Filter.
    Von links nach rechts: unfertiges Poster, St.Jakob, Rothenburg ob der Tauber. Heilsbronn bei Nürnberg, Innenansicht nach Osten. Kath. Pfarrkirche Kitzingen am Main sowie ebenfalls Kitzingen, die Taufkapelle mit modernen Fenstern.


    Gruß
    Winfried


  • Danke Peter.


    Das hat seinen Grund, den wenige verstehen: bei der Zentralperspektive hat man 3/4 der Aufnahme den leeren Mittelgang, der Rest verschwindet als viel zu klein. Zudem nehme ich bei einem Kifü die Gesamtaufnahme in die Mitte des Führers. Hätte ich da eine Zentralperspektive, dann läge alles wichtige wie der Hauptaltar genau im Falz des Heftes.
    Zudem finde ich es so spannender.


    Gruß
    Winfried

  • Hast Du einen 85B benutzt?

    Ja, den 85b, um den Film von Kunstlicht auf Tageslicht zu konvertieren

    Woraus resultiert der 1/3 Blendenverlust? Das habe ich nicht verstanden.

    Das ist der von Kodak angegebene Schwarzschilkomponent, der geringste bei allen Filmen, die es gibt, besser gesagt gab.


    Zu Linse:
    Natürlich ist eine Architekturaufnahme auch eine Reproduktion des Vorhandenen. Was soll es denn sonst sein? Meinst Du, ich würde in einem offiziellen Kirchenführer irgendwelche Gags oder Spitzlichter hineinbringen oder vielleicht noch farbiges Licht setzen?
    Ich glaube, Du hast Architekturfotografie für professionelle Anwendungen (Katalog, Kirchenführer) nicht verstanden.
    Zum ersten Bild: lies doch auch mal den Text, das ist ein noch nicht fertiggestelltes Poster. Das wird erst zu Ostern kommen, wenn die Kirchenmusiktage anstehen.


    Gruß
    Winfried

  • Hallo Winfried,


    gelungene Bilder.


    Kannst du noch was zu den Tageszeiten / Lichtverhältnissen und der Nachbearbeitung sagen.


    Die Bilder scheinen bei tiefstehender Sonne aufgenommen zu sein. In Kirchen ist das Kontrastverhältnis ja eher problematisch.


    Grüße
    Jockel123

  • Tja Jockel,


    bei digital würde ich jetzt auf die EXIF schauen....
    Ich weiß es nicht mehr so genau, hab`s mir aber nochmal angeschaut:
    Die erste bestimmt gegen 17 Uhr, wohl September, dem Sonnenstand nach zu urteilen. Ich weiß ja noch, wo die Figur steht .
    Heilsbronn ist geostet, demnach gegen 10 Uhr morgens, das war Juni/Juli.
    Kitzingen war früh nachmittags, die Kanzel steht am Nordschiff, das Licht steht im Süden, wohl gegn 15 Uhr.
    Die Taufkapelle irgendwann, spielt hier auch keine Rolle, denn die Aufnahme ist voll ausgeleuchtet.


    Generell kommt es bei Kirchenaufnahmen sehr auf die Belichtung an. Ich weiß, daß der 64T in den Dunkelheiten etwa 1,3 Blenden verträgt und in den Lichtern 2 Blenden. Also messe ich so ziemlich alles aus, auf was es ankommt und grüble dann in der Kirchenbank über meine Aufzeichnungen, was wohl die richtige wäre.
    Zudem mache ich immer 3 Aufnahmen. Die erste, die ich als richtig empfinde, dann eine mit 2/3 dunkler und eine mit 2/3 heller. Zuerst wird die hellste entwickelt, dann sehe ich, ob die "richtige" auch richtig ist. Demnach werden die beiden anderen entwickelt.


    Da ich bei einem Kirchenführer in 9/12 mindestens 6-8 Aufnahmen mache, können auch so viele immer gleichzeitig entwickelt werden. Der Rest ist dann Rollfilm mit der Plaubel und dem 6x9 bzw. dem Rotationsrpckteil von Horseman, bestückt mit der RB67 Kassette. Diese Filme werden unmanipuliert entwickelt, da ich auch hier jeweils 3 Belichtungen in gleicher Weise mache.


    Nachbearbeitet ist da nichts, nur eingescannt. Bei Kitzingen kann es sein, daß ich die Fenster im Chor etwas nachbelichtet habe (Photoshop).
    Alle Scans übrigens mit dem Heidelberger Topaz-II, die Filmentwicklung in der Jobo ATL-3.


    Gruß
    Winfried


    Nachsatz: Ich weiß, das ist ziemlich viel Material, was ich da einsetze. Aber es sind Auftragsarbeiten, da spielen die beiden Sicherheitsbelichtungen preislich keine Rolle mehr. Wenn ich bedenke, ich bin im Wallis in Saint Maurice (etwa 700km einfach) und verhunze dort 1-2 Aufnahmen, dann ist das teurer als zuviel verschossenes Material.

  • Das sind Fotos, die eigentlich nur mit solchen Spezialkameras richtig gut werden. Schön ausgerichtet für Architektur und hervorragend im Licht. So liebe ich es.
    Schöne Beispiele für gelungene Ergebnisse. :)

  • Danke


    für Eure positiven Kommentare. Ich weiß, daß Kirchenfotografie nicht jedermanns Sache ist.
    Bei mir sind es eben Aufnahmen, die etwa 80% meiner Arbeit ausmachen, da ich von unseren Kirchenführern lebe. Irgendein Nieschenprodukt muß man sich eben aussuchen. Da ich neben dem Fotografen noch den Beruf des Kunstgeschichtlers habe, fällt einem die Arbeit natürlich etwas leichter, da ich die verschiedenen Arten der Architektur kenne und sie so auch ins rechte Licht setzen kann. Schon mein Schwiegervater und meine Frau haben in diesem Metier gearbeitet und dafür sind wir hauptsaächlich in der Szene bekannt.


    Gruß
    Winfried

  • Interessant finde ich übrigens, daß eine ganz normale Großformatkamera auf optischer Bank hier als Spezialkamera eingestuft wird. Ich bin ja auch der Meinung, da auch für mich die wichtigste Eigenschaft die Verstellbarkeit ist.


    Und du erinnerst dich richtig, daß da ein 90mm Objektiv auf 4x5" Film benutzt wurde? Ich hätte auf den ersten Blick auf kürzer getippt. (Mein Vergleich 17mm auf KB-Format - Behelf mit Shift-Objektiv)
    https://www.flickr.com/photos/…/album-72157623590891236/

  • Diesch:


    Ja, es war das Super Angulon 5,6/90mm (oder ist es ein Grandagon?, wir haben beide), Aufnahmeformat soweit ich mich erinnere 9/12, da ich nur 4 Doppelkassetten in 4x5" habe. Die würden nicht ausreichen oder ich müsste dauernd umlegen.
    Zudem endet meine Objektipalette bei 75mm, das 65er haben wir nicht, da es im Hochformat kaum noch verstellbar ist. Fast alle meine Innenaufnahmen werden mit dem 90mm gemacht, eine meiner Lieblingsoptiken.


    Gruß
    Winfried

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