Busch-Bis-Telar Ser. II F=7 270mm

  • Hallo,


    mir ist dieses Objektiv zugeflogen.


    Kann mir jemand etwas sagen zu Bildkreis (für 13x18 reicht es wohl nicht) und sinnvollster Verwendung?


    Eigenartiger Weise braucht das Objektiv trotz 270 mm Brennweite nur vielleicht 180 mm für unendlich.


    Und mit den Blendenwerten sehe ich auch nicht durch, irgendwie vielleicht eine frühere Skala (5; 6; 12; 24; 48; 96; usw. bis 384;). Kann mir das jemand erklären?


    Hat jemand Erfahrung mit diesem Objektiv? Da die Linsen (zwar unvergütet) klar sind und nur wenig Staub haben, würde ich es gern nutzen.


    Schönen Abend


    Ralf

  • Danke Wolfgang für die schnelle Antwort.


    Ich muss es noch an meine "Kleine" adaptieren.


    Kannst du mir zu der Blendenskala weiterhelfen?
    Ich würde sagen Offenblende 7 kommt hin, aber geschlossen vielleicht 45 oder 64 aber niemals 384!


    Wie kann man das umrechnen?

  • So ein Busch Bis-Telar steht auch noch auf meiner Wunschliste.


    Ich verwende einige alte Objektive. Die haben meistens andere Blendenreihen, als die gewohnte internationale Blendenreihe moderner Objektive.


    Die Emil Busch AG verwendete die Zahlenreihe nach Dallmeyer und Stolze. Diese Zahlenreihe bezeichnet die relative Belichtungszeit und eben nicht die Blendenöffnung.
    Die Zahl 5 als relative Belichtungszeit entpricht der Blendenzahl von rund 1:7. Die Zahl 384 entspicht der Blendenzahl 1:62.


    6 = Blende 1:7,7
    12 = Blende 1:11
    24 = Blende 1:15,5
    48 = Blende 1:22
    96 = Blende 1:31
    192 = Blende 1:44


    Die Berechnungsformel habe ich nicht so richtig kapiert. Doch mit dieser Liste arbeite ich, wenn ich das Busch Porträt Aplanat- Objektiv, das dieselben Zahlen aufweist, verwende.


    Diese Angaben zu den Zahlen-, respektive Blendenreihe stammt aus dem Buch: "Handbuch der Photographie - Optik" von Charles Diserens, erschienen im Hallwag Verlag Bern.


    Ich hoffe, ich habe das richtig und für Dich nützlich wiedergegeben.
    Sollte sich jemand besser mit diesen alten Blendenreihen auskennen und das auch besser erklären können, bitte unbedingt machen.



    Freundliche Grüsse, stephan

  • Ich habe soeben im Internet eine Abbildung von einem 34 cm 7,5 Bis-Telar gefunden, wo beide Skalen aufgebracht sind.


    Es ist dann tatsächlich so:


    Der Zahl 12 steht Blende 11 gegenüber
    Der Zahl 24 steht Blende 16 gegenüber
    Der Zahl 48 steht Blende 22 gegenüber
    Der Zahl 96 steht Blende 32 gegenüber
    Der Zahl 192 steht Blende 45 gegenüber
    Der Zahl 384 steht Blende 64 gegenüber


    Damit lässt sich doch trefflich arbeiten.


    Es scheint, als hätten die deutschen Hersteller bei den für den Export bestimmten Objektiven, auch die internationale Blendenreihe eingraviert. Die gibt es ja schon seit Beginn des 20. Jh. Das genaue Jahr weiss ich nicht mehr.

  • Mein Bis-Telar 7/27cm Serien-Nr. 279090 hat schon die alte deutsche Blendenreihe 9 12 18 25 36 graviert.



    Der optische Aufbau vom Bis-Telar ist ein Teleobjektiv in seiner einfachsten Form. Vor der Blende ein verkitteter Achromat mit positiver Brennweite und hinter der Blende ein verkitteter Achromat mit negativer Brennweite als Teleglied.



    Der gleiche Aufbau wurde auch beim Meyer Telemegor und beim Plaubel Tele-Peconar verwendet. Beim Tele-Peconar ist zusätzlich der Abstand der beiden Linsengruppen variabel und ermöglicht daher verschiedene Gesamtbrennweiten.



    Bei der Verwendung aller dieser Objektivtypen ist bei der Motivauswahl zu beachten, dass sie erhebliche kissenförmige Verzeichnung liefern.



    Ferner verändert sich insbesonders beim Bis-Telar beim Abblenden die Schärfenebene (Blendendifferenz). Es ist die exakte Scharfeinstellung also immer bei Arbeitsblende auf der Mattscheibe vorzunehmen.

  • norma und Ulrich H


    Danke für die Informationen.


    Die alten Objektive sind ein spannendes Thema. Damit arbeiten hat seine Tücken, bis man mal begriffen hat, was ihre Eigenheiten sind. Da muss man sich ein bisschen mit Technik- Kram herumschlagen. Doch es lohnt sich und macht Freude.


    Freundliche Grüsse, stephan

  • KLASSE!


    Ich finde es Spitze, was Amateure (?) uns Profis alles erzählen können.
    Gut, die alte Blendenreihe kenne ich noch und was ein "echtes" Teleobjektiv bedeutet auch noch (und wie man es im Nahbereich umrechnet), aber was ihr so alles darüber hinaus wisst, einfach Klasse!


    Gruß
    Winfried

  • Hallo Wolfgang,


    ich lasse mir gerade einen Gewindeadapter für den Compurverschluss an meiner 9x12 drehen.


    Wenn fertig, werde ich auch das eine oder andere mal zeigen. Bei so viel Hilfe, wie ich hier bekommen habe, - Versprochen.


    Schönen Abend


    Ralf

  • Was mir bei diesen ganzen Blendenwerten imer sauer aufstößt ist das alle nur theoretische Werte sind, also das Verhältnis Brennweite/Ø
    Es wird einfach ausser Acht gelassen das jede Glas/Luft Fläche bis zu 8% Licht schlucken kann wenn sie nicht vergütet ist, dazu kommt noch der Lichtverlust der beim Durchgang durch das Glas entsteht.

    Das ist wie so oft richtig, aber falsch. Oder umgekehrt. Die T-Werte sind super - für die Belichtungssteuerung. Die F-Werte als geometrisch basierte Daten sind super für die Bestimmung der Schärfezonen. Wat nu? Einen Tod stirbt man immer!


    Ende Klugscheißermodus.

  • Bei Kino Objektiven oder auch Kleinbild und Mittelformat ist eine Tiefenschärfenskala graviert die die Schärfezone anzeigt. Da erübrigt es sich eh.

    Das ist eine schöne Idee. Leider haben mittlerweile - zumindest im inzwischen digitalisierten KB-Bereich - die Objektive oft weder Blenden- noch Tiefenschärfenskalen. Vielleicht ist es den "Bewusstlosfotografen" auch egal ... auf einer Minimattscheibe bzw einem Minidisplay ist sowas nicht gut kontrollierbar.

    • Official Post

    Das ist eine schöne Idee. Leider haben mittlerweile - zumindest im inzwischen digitalisierten KB-Bereich - die Objektive oft weder Blenden- noch Tiefenschärfenskalen. Vielleicht ist es den "Bewusstlosfotografen" auch egal ... auf einer Minimattscheibe bzw einem Minidisplay ist sowas nicht gut kontrollierbar.

    Der Nutzen der Tiefenschärfenskala ist auch recht begrenzt. Die Skala gilt nämlich nur, wenn das Ausgabeformat eine bestimmte Grösse nicht überschreitet. Auf den klassischen KB-Objektiven ist das ein Format von etwa 13x18cm und wenn man das Bild in der Hand hält und so betrachtet. Vergrössert man auf 50x60cm und geht mit der Nase ran, sind weite Bereiche bereits unscharf.


    Das kleine Digitaldisplay hat damit übrigens wenig zu tun: früher konnte man die Schärfe bei KB auch nicht wirklich kontrollieren, bevor der Film entwickelt war.


    Grüsse
    Andreas

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