Goertz Dagor 240mm f 5.5

  • Hallo zusammen,


    ich besitze ein C.P. Goertz Dagor, zu dem ich Informationen suche und speziell zu dieser Objektivausführung im Internet bisher nicht finden kann.


    Hier mal die Daten:


    C.P. Goertz Berlin
    Dopp. Agnastigmat
    Serie III A
    Dagor
    SN 252270
    F = 240 mm
    f. 5.5
    Blende 5.5 - 64
    14 Blendenlamellen


    Bei dem Objektiv handelt es sich offensichtlich um ein Ausstellungsstück oder Vorführmuster, dass vermutlich nie zur Fotografie benutzt wurde.
    Das Objektiv ist auf eine 8-eckige Holzplatte aufgeschraubt und trägt die Gravur "Unverkäuflich"
    Das Objektiv ist unbeschädigt, hat aber einige Alterungsspuren. Die Blende geht geschmeidig und ist meiner Meinung nach auch völlig ölfrei.
    Leider sind in beiden Linsengruppen zwischen den Einzellinsen feine Plizfäden zu sehen.


    Zu einem Dagor mit f 5.5 bin ich im Internet bisher an keiner Stelle fündig geworden. 240 mm mit anderen Ausgangsblenden werden schon erwähnt.


    Mich würde interessieren, von wann dieses Objektiv sein könnte (Seriennummer ist ja 252270).
    Gibt es irgendwo eine Liste oder Webseite, wo diese Linse aufgeführt sein könnte?
    Und ob es grundsätzlich möglich wäre, den Pilz zu entfernen.
    der würde jemand, der es wirklich benutzen möchte auch so einsetzen können?


    Vielen Dank für Eure Informationen.


    forum.grossformatfotografie.de/attachment/8793/forum.grossformatfotografie.de/attachment/8794/forum.grossformatfotografie.de/attachment/8795/forum.grossformatfotografie.de/attachment/8796/forum.grossformatfotografie.de/attachment/8797/forum.grossformatfotografie.de/attachment/8798/forum.grossformatfotografie.de/attachment/8799/forum.grossformatfotografie.de/attachment/8800/

  • Mir persönlich ist ein Dagor mit f/5,5 noch nicht untergekommen, es gab Ende des 19. Jahrhunderts einen f/5,5 Doppelanastigmaten von Goerz der aber mit 10 Linsen eine absolute Katastrophe war, viel zu teuer.
    In Lens Makers Vademecum, was manchmal eine gute Quelle ist, steht zu dem Objektiv nichts.
    Zu datieren ist es etwa auf 1910. Die Angaben der Goerz Nummern sind nicht o genau:
    200,000 -- 1908
    300,000 -- 1915
    Vermutlich ist es ein Handmuster oder Prototype. Interessant ist die Standard Blendenskala, Goerz hat normalerweise eine andere verwendet, daher ist anzunehmen dass dieses Objektiv direkt für den US Markt entwickelt wurde.
    Voigtländer hat sein Kollinear ebenfalls in zwei Varianten angeboten, mit f/6,8 und f/6,3 bzw. f/5,4
    Vielleicht wollte man da in Berlin nachziehen. Der Nachteil ist dass das Objektiv durch die Lichtstärke schon recht groß wird und eine halbe Blende Lichtgewinn nicht der Brüller ist, zu gebrauchen sind die vollen Öffnungen vermutlich eh nicht.
    Wenn es wie das klassische Dagor aufgebaut ist dann sitzt der Glaspilz nur an den äusseren Linsen, den kannst Du mit stark verdünnter Essigsäure versuchen zu entfernen, wenn sich die Pilzausscheidungen schon in das Glas gefressen haben lassen sich diese Spuren nicht mehr entfernen, verwenden kannst Du es aber trotzdem noch, optisch macht sich das nicht bemerkbar.
    Wenn es aber zwischen den Linsen sitzt, ist es eine Neurechnung mit Luftlinsen, dann musst Du schauen ob diese einzeln verschraubt sind oder verbördelt


    Historisch ist das sicher ein interessantes Objektiv, denke aber mehr für Sammler. Optisch macht es wenig Sinn das Dagor mit dieser Lichtstärke zu bauen, es wird nur unverhältnismässig teuer aber nicht besser.
    An Deiner Stelle würde ich versuchen es als Prototypen zu verkaufen, dafür gibt es bestimmt Sammler die sich dafür interessieren und wenn Du keinen Preis ansetzt wie z.B. Boris J., und ich meine nicht den Präsi aus GB, dann wirst Du es bestimmt auch los.
    Mit einem Symmar 5,6/240mm wirst Du dann deutlich besser dastehen, das ist voll Offenblenden tauglich, hat auch einen riesen Bildwinkel und kostet nur noch Kleingeld.


    Wäre ich ein Sammler würde ich Dir ein Angebot machen, leider bin ich keiner aber ich freue mich dieses seltene Stück gesehen zu haben, leider sind unglaublich viele der frühen Prototypen verloren gegangen, das Wissen um den Wert alter Optiken ist nicht so weit verbreitet wie bei alten Uhren. Sie haben zudem bei weitem nicht den Nimbus den eine alte Lange&Söhne Uhr hat obwohl die Objektive z.T. in ähnlichen Preissegmenten lagen aber halt der Nutzerkreis deutlich kleiner war, eine Uhr kann fast jeder ablesen, mit einem solchen Objektiv zu fotografieren ist da schon etwas anderes.

  • Hallo Norma,
    vielen Dank für Deine sehr ausführliche Antwort.


    Ich bin kein Großformatfotograf, sondern fotografiere rein hobbymäßig mit Altglas - meist alte Spiegelreflexobjektive aus den 50ern bis Ende 80er Jahre an einer Systemkamera.


    Auf der Suche nach solchen Objektiven fand ich dieses bei einem Antikhändler.
    Ich konnte es nicht liegen lassen, obwohl ich keine Ahnung hatte, was genau das für ein Objektiv ist, und ob ich es für meine Fotografie werde nutzen können.
    Klar, dass es für eine alte Holz-Plattenkamera gedacht war, aber mit dieser Art der Fototechnik habe ich mich bisher nicht beschäftigt.
    Nun möchte ich erst einmal Informationen dazu erlangen um dann zu sehen, ob ich es überhaupt sinnvoll an meiner Kamera adaptieren kann oder doch an einen Sammler weiterverkaufe.
    Ich habe im Net gesehen, was zum Teil für schrottige Objektive (verbeult, zerstörte Blende...) zu teilweise horrenden Preisen angeboten werden.


    Was mich wundert, ist die hohe Seriennummer, wo du doch vermutest, es könnte ein Prototyp sein. Wurden denn Seriennummern damals über verschiedene Objektivausführungen fortlaufend vergeben, auch wenn es gar keine eigene Serie genau dieses Objektives gibt?
    Und was meinst du mit der Blendenskala für den amerikanischen Markt?


    Und da ich nun auch noch Hinweise zu einem Boris J. und Lens Vademecum in deiner Antwort gelesen habe, werde ich mal versuchen herauszufinden, was Du damit andeutest.
    Wie geschrieben, alte Messinglinsen sind mir bisher noch nicht untergekommen und deshalb auch von der Informationsseite Neuland.


    VG Brasslens

  • Mein Objektiv scheint es nicht zu geben.


    Ich habe inzwischen weiter versucht, an Informationen zu kommen.
    Dabei bin ich auch auf den Goertz-Katalog für den US-Markt aus dem Jahre 1915 gestoßen.
    Auch hier wie in allen anderen Listen über Goertz-Dagor Objektive gibt es weder eine Serie IIIA noch ein Dagor 240mm mit f5.5. Alle nur in f6.8 oder f7.7.
    Also doch was einmaliges?


    Könnt Ihr mir noch Suchquellen oder Links zu Goertz Linsen geben?


    VG Brasslens

  • Boris J. handelt mit Photographica, unter anderem mit dem Shop bei Ebay "Leica bei Boris" Der sucht immer solche Kuriositäten und zahlt vielleicht auch einen guten Preis dafür den er dann aber mindestens verdoppelt, so isser halt.
    Das Lens Lens Collectors Vademecum ist so ein Standardwerk zum Thema Objektive, die beiden Autoren haben versucht einen Überblick aller jemals hergestellten Objektive zu erstellen, das konnte natürlich nicht klappen aber es sind alle wichtigen Objektive drinnen, bei Prototypen versagen solche Werke natürlich, es gibt unzählige Objektive die nur 1-5 x hergestellt wurden und nie die Werke verlassen haben solange bis sie geschlossen wurde.
    Das Lens Collectors Vade Mecum gibt es als Download und man muss eine Spende für eine Kinderkrebsstation machen von mindestens $15. Der Link dazu sollte sich im Netz finden lassen. Alternativ kann ich aber auch eine gedruckte Version anbieten, ich müsste noch eine habe, das sind um die 500 Seiten. Muss mal schauen ob es wirklich noch da ist.


    Wenn Du selber ein Sammlerherz hast musst Du es behalten, wenn nicht verhöker es an der Höchstbietenden und kauf Dir etwas dafür was Du wirklich brauchst.

  • Hallo Norma,
    inzwischen habe ich den gesamten Samstag im Internet weiter gesucht und immerhin einen Hinweis gefunden auf ein Dagor 240mm mit f5.5.


    Allerdings ist es eine Serie IIa und die ist hier ganz anders aufgebaut, die Linsen sind gestapelt, nicht gekittet.
    Weiterhin nirgens ein Hinweis gefunden, dass es irgendwann mal eine Serie IIIA gegeben haben könnte.


    Hier die japanische Webseite.


    http://www2f.biglobe.ne.jp/~ter-1212/sakura/dagor.htm

  • Mein Objektiv scheint es nicht zu geben.

    Das Objektiv gibt es doch!
    Du hast es in Händen.


    Fotografiere damit!


    Natürlich verstehe ich Dein Interesse an der Herkunft des Objektives. Ich forsche auch immer nach den Ursprüngen meiner Objektive. Das ist interessant. Doch wenn man nichts findet ist es auch egal, solange man damit fotografieren kann.


    Vor einem Jahr konnte ich an einer Fotobörse ein Polyfotar F:4,5 210 mm von Astro Gesellschaft Berlin kaufen. Von diesem Objektiv konnte ich auch keine Informationen finden, ausser auf einer chinesischen Seite im Internet, wo es namentlich aufgeführt ist. Das ist dann aber schon alles.


    Die Abbildungsleistung ist zwar nicht so berauschend. Ich will aber nochmals einige Negative damit belichten, sobald ich das Objektiv passender an die Sinar adaptieren kann.
    Nichtsdestotrotz erfreue ich mich an dem Objektiv.


    Zu Deinem Goertz habe ich auch nichts gefunden. Im Internet nicht und nicht in den alten Büchern, deren ich einige habe.


    Freundliche Grüsse, stephan

  • Polyfotar F:4,5 210 mm von Astro Gesellschaft Berlin

    Interessant Stefan ich habe in meiner Zeit als Luftbildfotograf an meiner Linhof Aerotronica 6x9 cm jeweils ein 450 mm f 5,6 und ein 600 er von der Firma Astro in Berlin gehabt. Das 600mm habe ich Gott sei dank nie gebaucht, der Prügel war mir echt zu schwer, schon das 450mm hatte so aus dem Gedächtnis raus 5-6 kg.
    Für ganze Ortschaften hatte ich ein Schneider Symmar 120mm und ein Super Angulon 75mm


    P.S. Angeheftet ein Bild mit dem 450mm Astro Berlin und der geliebten Linhof Aerotronica high speed ein Prototyp den es nur 1 mal gab. Ich fotografierte meist mit einer 1/800 Sek. damit konnte man dann in einer Sekunde 2 Bilder machen! Was ich zwar selten brauchte aber die Auslöseverzögerung war bei dem Model eben auch kürzer. Die kürzeste Verschlusszeit war 1/1250 Sek. das ist für MF schon ganz gut. Hatte einen Rotations Schlitzverschluss 2 Scheiben die sich sehr schnell drehten.

    " You push the button and we do the rest."
    Kodak Werbespruch!
    Today
    "You push the button and the pixels do the rest"

  • Das ist das besagte 10 linsige Doppel Anastigmat welches nur sehr kurz gebaut wurde, es war einfach viel zu teuer um einen kommerziellen Nutzen für Goerz zu haben. Diese Objektive hatten aber nicht den Namen "Dagor" in der Gravur, der wurde erst später für die Sechslinser eingeführt.

    @ Norma und Clickma:
    Danke für Eure Antworten.
    Das mit dem von mir fälschlicherweise so benanntem Dagor war mein Fehler, ich habe die Linsen zwischen den Linsen nicht gesehen und vor ein paar Tagen noch nicht gewusst, dass ein Dopp.-Anastigmat nicht automatisch auch immer ein DAGOR ist.


    Und je mehr Antworten mit negativen Fundergebnissen ich bekomme, desto sicherer kann ich ja werden, dass dieses Objektiv vielleicht doch kein Serienteil ist, sondern nur ein Einzel- oder Kleinserienstück.
    Interessant, dass Du alte Bücher erwähnst. Manchmal ist in Büchern noch etwas zu finden, was noch nicht den Weg ins Internet gefunden hat.


    Also weiterhin keine Fundstelle über Dagor- Objektive mit Ausgangsblende 5.5 bekannt und auch kein einziger Fund einer SerieIIIA.


    Zur Zeit bastel ich gerade an einer provisorischen Adapterlösung zur Nutzung des Objektives an meiner APS-C- Kamera um mal ein paar Fotos mit dem Objektiv machen zu können.
    Ich bin nämlich kein Grossformatfotograf, sondern stöbere gerne nach alten Spiegelreflexoptiken aus den 30ern bis Ende 80er.
    Dabei fand ich dieses mir völlig unbekannte Dagor. Konnte es aber nicht liegen lassen, da es doch zu interessant aussah. Auch wenn ich mir keine Nutzung vorstellen konnte.


    Nein, ich sammel keine Objektive. Die sammeln sich bei mir!

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