E.Suter Basel "Stella"

  • Eine Frage in die Runde, vielleicht speziell an die GF Freunde in der Schweiz.
    Das Stella der Firma E.Suter in Basel, welchen optischen Aufbau hat es?
    In meinem Kompendium von Prof. Fritz schmidt steht das es ein Anastigmat mit einem dreier Kitglied und einer dicken Einzellinse ist.
    In der Bucht habe ich jetzt eines für kleines Geld erstanden das aber anscheinend komplett anders aufgebaut ist.
    Es scheint jeweils von außen ein Kitglied zu haben aus zwei Linsen und dann eine frei stehende Linse.
    Das Ganze Objektiv verhältnismässig lang gebaut.
    https://www.ebay.de/itm/Objekt…nc&_trksid=p2047675.l2557


    Wäre klasse wenn jemand nähere Infos dazu hätte.


    So am Rande, falls jemand für solch eine Optik einen Flanschring drehen will, das Gewinde hat einen Flankenwinkel von 60° aber eine Steigung von 40p/in bei Ø37mm
    Ist wohl eine Schweiz eigene Kombination ^^


    Mein Ring dafür habe ich gerade fertig gestellt, jetzt wird der Verschluss noch in Gang geschubst und wenn Zeit und Wetter ist soll es am WE benutzt werden.

  • In meinem Objektivschrank stehen zwei "STELLA" von E. Suter. Eines mit der Brennweite von 29 cm und das andere mit 36 cm.


    Zu den Objektiven von E. Suter, sowie zu der Firma selber, sind die Informationen spärlich. Im amerikanischen "largeformatphotography" Forum" sind einige Informationen zu finden. Aber wie in Foren üblich, widersprechen sich die Angaben oftmals. Dort schreibt auch ein Fotograf aus Dänemark, der offensichtich einiges zu den Suter Objektiven weiss.


    Meine beiden Objektive hatte ich zur Reinigung der Linsen schon auseinandergeschraubt. Die vordere und hintere Linsengruppen sind verkittet. Das gab weniger zu putzen. Nur vier Linsenflächen. Aber wieviele Linsen sind nun verkittet? Ich meinte drei gesehen zu haben.


    In dem Buch "Photographisches Praktikum" von L. David aus dem Jahre 1919 wird das "STELLA" als Doppelanastigmat für Porträts, mit 8 Linsen, je 4 ganz verkittet, halbsymmetrisch aufgeführt. Für Porträts, Gruppen, Landschaften und Momentaufnahmen. Hauptsächlich für künstlerisch weiche Porträts bei voller Öffnung.


    Im Buch von Charles Diserens "Handbuch der Photographie" aus dem Hallwag Verlag (ohne Jahr), ist das "STELLA" als Porträtanastigmat aufgeführt. Keine weiteren Angaben, ausser dass es bei grosser Öffnung leicht weichzeichnet.


    In einer französische Publikation von 1978, "Prestige de la photographie" wird das Datum des 16. November 1912 als Vorstellung des ersten Prototyps des "STELLA" angegeben. Leider fehlen Angaben zum Aufbau des Objektives. Was ich jedoch interssant finde, sind die Angaben zu den Anastigmaten von Suter. Um 1900 hat Suter ebenfalls, wie beispielsweise Goerz mit dem Dagor, solche Doppelanastigmaten auf den Markt gebracht. Die Serie I war mit zwei symmetrisch angeordneten Gruppen zu je drei verkitteten Linsen und hatte noch eine Anfangsöffnung von f8. Ab der Serie II hatte der Anastigmat je vier verkitteten Linsen in zwei symmetrischen Gruppen. Die Anfangsöffnung war f6.3. Die Serie III hatte den gleichen Aufbau wie die Serie II, aber eine Anfangsöffnung von f5. Dadurch verringerte sich der Bildwinkel von 80 Grad auf 60 Grad.


    Soweit die Angaben, die mir aus der Literatur vorliegen. Daraus kann man Mutmassungen anstellen. Meine Mutmassung ist: Suter hat seinen Doppelanastigmaten aus der Serie III beim "STELLA" so abgeändert, dass das Objektiv bei voller Öffnung weich zeichnet. Das war ja zu dieser Zeit angesagt. Dadurch war die Konstruktion nicht mehr symmetrisch.


    Eine Kopie der Querschnittzeichnungen der oben erwähnten Doppelanastigmaten darf ich hier nicht einstellen. Dafür habe ich keine Einwilligung des Herausgebers der Publikation. Darin sind die Linsenformen und deren Anordnung ersichtlich. Von der Seite sieht man tatsächlich nur drei Linsen.


    Ich hoffe meine Angaben mögen Dir dienlich sein.


    Freundliche Grüsse, stephan


    Unten an dieser Seite sind ähnliche Themen angeführt. Beim "Neuzugang" stelle ich das "STELLA" mit der Brennweite von 36 cm vor. "Angelika" und "Daria" zeigen Porträts, die ich mit dem "STELLA" fotografiert habe.

  • Vielen Dank für die üppige Ausführung und Deine Vermutung geht in die Selbe Richtung wie bei mir dass das Stella mehrmals umkonstruiert wurde.
    Letztendlich ist es auch nicht so wichtig, ich freue mich das ich eines dieser seltenen Stücke ergattern konnte und mal schauen wann ich mit dem gezeigtem Set losziehen kann.
    Das Objektiv ist jetzt jedenfalls komplett einsatzfähig.


  • Das sieht ja gut aus.


    Wahrscheinlich war Dein Objektiv ebenfalls in eine Laufbodenkamera verbaut. E. Suter hat auch Kameras gebaut und mit hauseigenen Objektiven bestückt.


    Als ergänzende Information noch: Suter hat bis 1919 oder 1920 produziert. 1928 wurde die Firma aus dem Handelsregister Basel gelöscht.


    Vielleicht magst Du dann mal ein Bild mit Deiner oben gezeigten Ausrüstung zeigen? Ich bin neugierig.

  • Geplant ist das ich morgen losziehe, Rucksack ist gepackt, das Fahrrad steht bereit.
    Wenn jetzt nichts von der Arbeit dazwischen kommt, mich die Unlust packt oder der Kreativblocker erwischt dann werde ich Aufnahmen machen.


    Ausserdem möchte ich mein Willi Zille Voigtländer 9/180 und das WW Aristostigmat 6,3/80 endlich mal einsetzen.
    Diesen Sommer hat es bisher nie gepasst mit der GF.


    Die Suter Laufbodenkameras sind heute sehr gesuchte Sammlerstücke und auch Anwenderkameras, sie waren sehr solide gebaut, halt für die Ewigkeit, wie die Schweizer es halt machen.
    Leider tauchen diese Kameras nur in homöopatischen Dosen auf.

  • Wenn ich an Pripjat denke graust es mir aber es fällt mir auch das Buch "Picknick am Wegesrand" von Arkadi und Boris Strugatzki ein, nach dem Buch hat Tarkowski den Film "Stalker" gedreht.
    Das Buch und der Film entstanden lange vor der Katastrophe aber beschreiben eine völlig surreale Zone, das könnte eben Prijat sein.


    Seltsamer Weise finde ich die Assoziation auch sehr passend.


    Der Ort an dem ich die Aufnahme gemacht habe hat auch etwas von einer verbotenen Zone, es ist das Gelände welches zu einem stillgelegten Gefängnis gehört und eigentlich ist dort das Betreten verboten.
    An solchen Orten finden sich aber leider interessante Motive, da kann mich solch ein Verbot nicht abhalten.
    Schließlich mache ich nichts kaputt, nehme nichts mit und lasse auch nichts zurück.
    Also genauso wie es die Strugatzkis im ihrem Buch beschreiben.


    Der Film ist wirklich zu empfehlen, wunderschön fotografiert, das Buch ist ebenfalls große Literatur, wenn man auf solche Geschichten steht.


    Neuer Film ist im Zulauf und ich denke das ich noch einiges mit dem Objektiv machen werde.


    We keep in touch :thumbsup:

  • das Buch "Picknick am Wegesrand" von Arkadi und Boris Strugatzki ein, nach dem Buch hat Tarkowski den Film "Stalker" gedreht.

    "Stalker" ist ganz weit oben auf der Liste meiner Lieblingsfilme. Ich habe ihn mindestens zwei Dutzend Mal gesehen. Sogar zweimal im Kino.
    Das Buch kenne ich nicht. Ich werde danach Ausschau halten. Vielleicht kann ich es sogar einmal im Original lesen. Aber ich sollte meiner Russischlehrerin mehr gehorchen und die Hausaufgaben immer schön brav machen.

  • "Stalker" ist ganz weit oben auf der Liste meiner Lieblingsfilme. Ich habe ihn mindestens zwei Dutzend Mal gesehen. Sogar zweimal im Kino.Das Buch kenne ich nicht. Ich werde danach Ausschau halten. Vielleicht kann ich es sogar einmal im Original lesen. Aber ich sollte meiner Russischlehrerin mehr gehorchen und die Hausaufgaben immer schön brav machen.

    Strugatzki im Original lesen? Alleine für den Gedanken daran meinen höchsten Respekt, ich bin noch nicht einmal in der Lage die kyrillischen Buchstaben richtig einzuordnen.


    Für mich ist "Stalker" der beste Film, egal wie oft ich ihn sehe es gibt immer wieder Neues zu entdecken.


    Interessant das wir über ein Foto solche Gemeinsamkeiten finden.

  • Der Schwiegersohn von Voigtländer, der das Vergrößerungsobjektiv "W.Z. Objektiv" konstruierte, hieß Walter Zilly. Das Objektiv war für das Format 9x12 cm vorgesehen, um aus einem (anastigmatisch) scharfen Negativ eine weichgezeichnete Vergrößerung zu erstellen. Es besteht nur aus 2 einfachen Linsen und hat dami einen sehr großen Chromatischen Fehler. Beim Vergrößern mit reinem Glühlicht ist das unbedenklich, bei Tageslichtspektrum hingegen tritt eine starke Fokusdifferenz au, die entweder durch eine gut berechnete Verschiebung des Objektives oder ein starkes Gelbfilter gebändigt werden kann. Später sind einzelne Exemplare zu Versuchszwecken in Verschlüsse gesetzt worden.
    Viel Spaß bei Deinen Experimenten!
    Thomas

    Der Fotograf zum Maler: Geiles Bild - mit welchem Pinsel gemalt?

  • Beim Vergrößern mit reinem Glühlicht ist das unbedenklich, bei Tageslichtspektrum hingegen tritt eine starke Fokusdifferenz au, die entweder durch eine gut berechnete Verschiebung des Objektives oder ein starkes Gelbfilter gebändigt werden kann.


    Hallo, Thomas,
    da zwängt sich mir eine Frage auf.
    Fokus-oder Blendendifferenz bei der Aufnahme, sowie optischer und chemischer Fokus sind mir bekannt.


    Aber beim Vergrößern sollte eine Fokusdifferenz m.E. keine Rolle spielen, da ja auf das Papier mit dem zur Verfügung stehenden Licht endfokussiert, und dann also das scharfe Abbild aufbelichtet wird?


    VG,
    Ritchie

  • Der Schwiegersohn von Voigtländer, der das Vergrößerungsobjektiv "W.Z. Objektiv" konstruierte, hieß Walter Zilly. Das Objektiv war für das Format 9x12 cm vorgesehen, um aus einem (anastigmatisch) scharfen Negativ eine weichgezeichnete Vergrößerung zu erstellen. Es besteht nur aus 2 einfachen Linsen und hat dami einen sehr großen Chromatischen Fehler. Beim Vergrößern mit reinem Glühlicht ist das unbedenklich, bei Tageslichtspektrum hingegen tritt eine starke Fokusdifferenz au, die entweder durch eine gut berechnete Verschiebung des Objektives oder ein starkes Gelbfilter gebändigt werden kann. Später sind einzelne Exemplare zu Versuchszwecken in Verschlüsse gesetzt worden.Viel Spaß bei Deinen Experimenten!
    Thomas

    Danke für Deine Anmerkung, mit dem Namen hast Du natürlich völlig recht, ich habe schon mein ganzen Leben Probleme damit mir manche Namen zu merken.
    Beim Linsenschnitte bin ich mir immer noch nicht wirklich sicher, es sieht bei meinem Objektiv aus als wenn es eine Kittkante gibt und es auch drei Spiegelungen sind.
    Wirklich Infos sind selten und der Linsenschnitt führt auch etwas in die Irre, es können sowohl je zwei verkittete Linsen oder eine sehr stark konkave zur Blende hin sein.
    Die Linsen in meinerm Objektiv sind konkav aber nicht so stark gekrümmt aber eine Zeichnung muss nicht zwingend mit der Realität übereinstimmen.


    Die Fokusdifferenz kann auch einfach durch genügendes Abblenden beseitigt werden, ich habe eine Reihe von Aufnahmen mit dem Rodenstock Bistigmat gemacht, auch ein Zweilinser, und ich habe keine Unterschiede feststellen können ab f/22 ob ich die Optik nun verstelle oder nicht.
    Im Nahbereich wird es aber nicht mehr ausreichen es durch bloßes Abblenden zu kompensieren.


    Dass das W.Z. auch von Voigtländer in einen Verschluß gesetzt wurde ist mir neu und solch eines ist mir noch nie untergekommen, ist vielleicht auch nicht verwunderlich weil sie sehr selten sind, mit oder ohne Verschluss.


    Nochmals Danke für Deine Infos und jetzt kann ich wohl davon ausgehen das es ein wunderbarer Zweilinser ist der zum Experiment einlädt.

  • Hallo Ritchie,
    das stimmt streng genommen nur für reines Glühlicht einer normalen Glühlampe. Schon bei Halogenlicht kommen zusätzliche Spektralanteile hinzu, die ggf. als Unschärfe wahrgenommen werden kann. Da aber unschärfe und Weichzeichnung zwei Paar Schuhe sind und diese W.Z. (Walter Zilly) Objektiv, die Abkürzung steht eben nicht für Weichzeichner!, wie die meisten Weichzeichnerobjektive, ihre so gewollte Weichzeichnerwirkung durch den mehr oder weniger großen Beschnitt der Randstrahlen erhalten, ist es eben auch nicht ratsam, brutal abzublenden. Der berühmte Satz "Blende 22 im Zimmer stimmt immer" geht auf Adolf Lazi in Stuttgart zurück. Im Portrait- und Genrebereich hingegen wurde nur sehr moderat abgeblendet, um eben die gewünschte Bildwirkung zu erzielen. Mit starker Blendung wird jedes Objektiv hart und die bildnerische Wirkung beliebig und austauschbar, eben gerade das, was wir nicht wollen.


    Viele Grüße Thomas

  • Gestern habe ich mich wieder kurz auf den Weg gemacht, dieses Mal habe ich aber einen Ilford FP4+ verwendet weil ich mich in letzter Zeit über die so stark schwankende Qualität des Fomapan so geärgert habe.
    Entwickelt in meinem GF Standard Adox FX-39 II, Negativ Scan mit Epsom V700


    Dieses Foto habe ich wieder mit f/5 aufgenommen aber im Gegensatz zum ersten Bild sehr genau versucht zu fokussieren, d.h. die Schärfe habe ich exakt auf den vorderen Baum gelegt.
    Solche Objektive sind schwer scharfzustellen weil es eingentlich kein wirklich scharfe Bild gibt, es ist ein ständiges hin - und her bis man sich sicher ist das IST genau der richtige Punkt.


    Die Bildwiedergabe finde ich aber wirklich sehr schön und einmalig, ich habe wirklich schon sehr viele Objektive benutzt in meinem Fotografenleben aber Vergleichbares habe ich noch bei keinem anderen Objektiv gesehen.


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