S/W Negativentwicklung Jobo CPE-2 & 4x5 - der richtige Dreh fehlt

  • Ich verzweifle gerade etwas an der s/w Rotationsentwicklung mit der CPE-2 und suche im Forum nach Rat.


    Bisher habe ich viel mit 4x5 gemacht und möchte nun auf 8x10 umsteigen (= ich warte aktuell - wie sicher einige andere auch - schon lange auf die Intrepid 8x10 Auslieferung...).


    Meine 4x5 Negative (s/w) habe ich bislang mit Kippentwicklung entwickelt und war mit den Ergebnissen immer sehr zufrieden.


    Für die Entwicklung der 8x10 Negative (und zukünftig auch für 4x5) habe ich mir eine Jobo CPE2 (mit Lift) angeschafft (Warum: niedriger Wasserverbrauch, bequemer & etwas schneller).


    Die CPE-2 habe ich bislang dreimal genutzt und immer waren die Ergebnisse völlig daneben.


    Zuletzt bin ich wie folgt vorgegangen:


    Rahmendaten:
    1. Film: HP5 4x5
    2. Geschwindigkeit CPE2: Stufe 1 (= bei der oft empfohlenen Stufe 2 hatte ich auch keine besseren Ergebnisse)
    3. Motivkontrast: f11 1/60 - f11 1/4
    4. Belichtung: Graukartenwert genommen (f11 1/15)


    Entwicklung:
    A. 5 Minuten Vorwässerung
    B. 7,5 Minuten Entwicklung (Kodak HC 110, 1/47, Dilution E, 600ml Wasser, 12,8ml Entwickler)
    C. 30 Sekunden Stoppbad (Ilfostop 1/19, 570ml Wasser, 30ml Stop)
    D. 6 Minuten Fixierung (Rapidfixer Ilford, 480ml Wasser, 120ml Fixer)
    E. 7x 30 Sekunden Wasser, 1x 30 Sekunden Netzmittelbad


    Alle Chemikalien und CPE-2 Wasserbad auf 20 Grad Temperatur gehabt.


    Anbei findet Ihr den Scan vom Ergebnis (neg./pos.; unbearbeitet):




    Alle bisher entwickelten Negative sahen so aus. In der Beurteilung der Ergebnisse tue ich mich schwer (Motiv zu wenig kontrastreich? Überentwickelt und daher wenig kontrastreich? Zu kurz entwickelt und daher keine Kontraste?). Im Aufbau des Testbilds hatte ich extra reinweiße (Blatt Papier), reinschwarze (schwarzer Tisch) und neutralgraue Stellen (Kissen) eingebaut.


    Hat jemand dazu eine Idee, was da so stark schief läuft?


    Vielen Dank für Eure Ideen / Gedanken dazu!


    Mario

  • Hi Mario,


    weder habe ich HP5 Erfahrung mit dem HP5 noch kenne ich den HC11. Daher keine Kommentare zur Entwicklungszeit und Belichtungszeit. Dennoch einige Kommentare zum Ablauf.


    Bei Rotation sollte die Entwicklungszeit um 15% gegenüber dem Kippen verkürzt werden. Ich richte mich entweder nach Datenblatt oder Massive Dev Chart. Ich wässere nie vor. Du verwendest recht viel Flüssigkeit für die Dose, warum? Ich halte mich an die Empfehlungen von Jobo, 270ml bei meiner Dose. Für das Wässern nutze ich 5x2 Minuten.


    Sieht mir insgesamt unterbelichtet aus.

  • Du schreibst nichts zur Temperatur, trotzdem eine Beobachtung von mir: Bei meinem CPA2 stimmen Termostatwert und reale Wassertemperatur nicht überein, der Offset beträgt (bei meiner) 4°C. Wenn Du das Wasserbad zuvor auch zum Temperieren nutzt, kann dir so eine Abweichung den ganzen Prozess ziemlich zerschießen. Also vllt., falls noch nicht geschehen, mal ein externes Thermometer reinhängen.

  • Noch eine Idee von meiner Seite - belichte doch mal zwei Negative genau gleich vom selben Motiv, und entwickle eines mit deiner bisherigen Kipp-Methode und das anderer mit dem CPE-2.
    Damit kannst du mal sicherstellen, dass die Belichtung korrekt war und hast einen direkten Vergleich.


    LG Daniel

  • Danke für die Ideen! Und so fix.


    Thema Wassermenge: Da war ich tatsächlich unsicher. Beim Multitank 5 mit den 4x5 Spulen wird 560ml empfohlen. Bisher habe ich etwas über 600ml genutzt (= wollte nicht Gefahr laufen, zu wenig drin zu haben). Ich gehe jetzt mal mit den von Jobo empfohlenen 560ml.


    Thema Vorwässerung: Die lasse ich jetzt auch mal weg und gehe mit der HP5 Empfehlung (ohne & -15% Zeit). Das Vorwässern hatte ich aus dem "The Rotary Processor Manual" von John Tinsley. Da wurde Vorwässern geraten (ohne die Entwicklungszeit zu kürzen).


    Thema Temperatur: Beim ersten mal Entwickeln hatte ich tatsächlich ein zu warmes Wasserbad. Das Problem hatte ich aber bei dem gezeigten Scan unter Kontrolle (und bei 20 Grad).


    Thema Vergleich Kipp/Rotation: Aufwendig, aber sehr gute Idee, um mir wirklich sicher zu sein, ob die CPE2 das macht, was sie machen soll. Danke dafür!


    Wo würdet Ihr denn den größten "Schnitzer" (bzw. größten negativen Einflussfaktor) bei meinem oben beschriebenen Vorgehen sehen? Zu viel Flüssigkeit oder Vorwässern/weggelassenes Reduzieren der Entwicklungszeit?


    Viele Grüße,
    Mario

  • Wo würdet Ihr denn den größten "Schnitzer" (bzw. größten negativen Einflussfaktor) bei meinem oben beschriebenen Vorgehen sehen? Zu viel Flüssigkeit oder Vorwässern/weggelassenes Reduzieren der Entwicklungszeit?

    Kein reduzieren der Entwicklungszeit!


    Bei den beiden anderen "Stellschrauben" habe ich bisher keine Auswirkungen auf meine Ergebnisse feststellen können. Solange man sich damit in gewissen Rahmen bewegt, klar.

  • Normalerweise fallen die Unterschiede nicht so gravieren aus.


    Setz die Wassermenge auf 270ml. 600ml ist für kipp. Dann nimm auf jeden Fall Stufe 2! Ich denk du hast mit der großen Wassermenge zu wenig Bewegung im Tank. Die Schichtseite der Filme zeigt nach innen und vergiss nicht die Flügel in die Spirale einzusetzten. Für mich sieht der Film einfach auch zu streifig aus.


    Ich wässere immer vor und nehmen die Entwicklungszeiten für kipp. Aber das ist sicher Geschmackssache.


    Gruss Sven.

  • Hallo Sven,
    ich muss noch mal nachhaken: Ich würde im Multitank 5 zwölf 4x5 Negative entwickeln wollen. Und dafür reichen tatsächlich die 270ml?


    Viele Grüße,
    Mario

  • Jap. Du hast eine 2502er Dose mit einer Spirale und 6 Filmen. Für einen Rollfilm auf der Aussenbahn reichen 180ml. Steht bei dir nix auf der Dose drauf?


    Wenn du den Fehlerherd beseitigt hast kannst du dich getrost nach einem anderen Entwickler umschauen. HC 110 arbeitet mir zu körnig. Er war o.k. zu kippen in der großen Dose weil sparsam, aber wenn du rotierst brauchst nicht mehr so viel Entwickler.


    Gruss Sven.

  • Die 15% Reduktion der Entwicklungszeit kommen übrigens aus dem Datenblatt für den Delta 100, also vielleicht anders beim HP5. Aber ich glaube auch nicht, dass das so einen Riesenunterschied macht. Vielleicht doch was beim Belichten schiefgegangen?

  • Hallo Sven,
    ich muss noch mal nachhaken: Ich würde im Multitank 5 zwölf 4x5 Negative entwickeln wollen. Und dafür reichen tatsächlich die 270ml?


    Viele Grüße,
    Mario


    Verstehe ich das richtig? Du meinst 12 x 4x5 Zoll Filme in 270 ml fertig Lösung in einem Zug zu entwickeln. Oder meins du das Konzentrat?
    Wenn es um die fertige Lösung geht. Hmmmm. Was wohl die Profis dazu sagen? Auch die Theoretiker?
    Dein Negativ und dein Positiv stimmen zu einander nicht. In der Regel muß dein Positiv recht flau aussehen (vorausgesetzt das was man von dem Negativ hier auch sieht, stimmt).


    Ich werde von dem auch ausgehen was ich hier von dem Negativ auch sehe:
    Eine viel zu lange Entwicklung in einem recht stark verdünnten und erschöpften Entwickler.
    Das alles auf keinen Profi Anspruch.

  • Stop zurück. Ich habe überlesen das es eine grosse Dose ist mit zwei Spiralen ist. Die braucht tatsächlich die 600ml.


    Ich nehme die große Dose tatsächlich nur für 8x10" und für 4x5 die kleine 2502. 12 Planfilme auf einmal hatte ich mal angedacht, aber ich habe selten den Durchsatz. Außerdem sind 12 versaute Filme ärgerlicher als 6. Und schlussendlich braucht die große Dose mehr Entwickler als zwei kleine.


    Ich habe allerdings auch Dosen von einer KB Spirale bis 60cm im Keller stehen. Da ist es kein Kunststück sich das passende herauszusuchen.


    Gruss Sven.

  • Vorwässern ist Quatsch bei modernen Filmen. HC 110 ist auch Quatsch für den Ilford-Film. Gewöhnlichen Metol-Hydrochinon-Entwickler nehmen, also so etwas altes wie D-76 oder ID-11 oder dann X-tol oder Microphen. Genügende Badmenge; Temperatur und Zeiten konstant halten. Letzter offener Faktor ist dann die Agitation. Die sollte nicht zu gering sein. Zu viel Bewegung ist auch nicht gut. Filmbearbeitung ist die Kunst der goldenen Mitte.

  • Wo würdet Ihr denn den größten "Schnitzer" (bzw. größten negativen Einflussfaktor) bei meinem oben beschriebenen Vorgehen sehen?


    Beim Nachdenken vor der Aufnahme:-)



    Also bei der schummrigen Ausleuchtung ( nur bestenfalls 5 EV Motivkontrast)


    Beim (zu reichlichen) Belichten auf die Mitten


    Beim Nicht-Anpassen an den schlappen Motivkontrast
    (Kurzformel: knapper belichten, reichlicher entwickeln)


    Beim Nicht-Entwickeln auf die Lichter



    Es wurde um die Zone V (Graukarte) herum belichtet , wie beim Automatikbelichter - hier also Schatten nur Zone III, und Lichter bei VII, theoretisch.


    Ich glaube daher nicht grundsätzlich an eine maschinenseitige oder falsch bediente Fehlentwicklung.
    Das kommt aber wohl noch erschwerend obendrauf.




    Hier Dein Negativ 1:1 invertiert, schnell mal in Gimp.
    Das ist, was Geo meinte: flauer Kontrast, und das Positiv dann schönmanipuliert :-)


  • Hallo Mario,


    deine Lichtsituation und Belichtung sind speziell, der Entwickler und die Entwicklungszeit ebenso. Meiner Meinung nach hast du zu viele Sonderfälle in deinem Workflow. Ich würde zunächst mal nach Vorschrift arbeiten, um mögliche Fehlerquellen definieren zu können.
    Abgesehen von der richtigen Belichtung – wie ShenHao oben schon sehr richtig schreibt – möchte ich außerdem einen anderen Entwickler wie Microphen oder Perceptol empfehlen. Am besten als Einmalentwickler in Verdünnung 1+3. Damit kommst du beim HP5 auf Entwicklungszeiten zwischen 22 und 30 Minuten, je nach gewünschtem Kontrast. Das wirkt sich auf die Gleichmäßigkeit der Entwicklung aus und hilft die Schlieren zu vermeiden, die ich in deinem Negativ sehe. Und die Trommelbefüllung natürlich ebenfalls nach Gebrauchsanweisung. Wahrscheinlich sind die Probleme damit schon gelöst.
    Im Übrigen bin ich irritiert von deinen kurzen Wässerungszeiten zum Abschluss der Entwicklung. Vorwässern kannst du dir dagegen sparen. Das ist kontraproduktiv.
    Viel Erfolg!

  • Ich mochte die erwähnte Menge von dem Film und der Verbrauchslösung in den Raum bringen.


    Auch die empfohlene Entwickler Menge von 560-600 ml und 12 X 4x5 Planfilm sehe ich als ziemlich optimistisch angesetzt. Ich arbeite mit der Stearman (420 ml) und dem D-76 1/1, aber da komme ich gerade noch auf 4 Filme. Und das alles nur ein mal.

  • Nach den vielen guten Tipps würde ich meinen Workflow wie unten beschrieben umstellen.


    Ich habe mir direkt mal einige Packungen ID-11 bestellt. Das sollte jetzt von der Seite besser passen. Wenn es ich es zeitlich hinbekomme, werde ich es nach dem Workflow nächste Woche noch einmal probieren und auch die Ergebnisse posten.


    An einer Stelle bin ich mir noch unschlüssig: Entwicklungszeit nach HP5 Datenblatt um 15% kürzen oder es so belassen.


    Rahmendaten:
    1. Film: HP5 4x5
    2. Geschwindigkeit CPE2: Stufe 2
    3. Alle Bäder: 20 Grad
    4. Belichtung: Diesmal klassisch nach Zonensystem auf die bildwichtigen Schatten.
    5. Dose: Jobo 2553, 2x 2509n (mit schwarzen "Klappen")
    6. Bild auch digital aufnehmen zum Check der Belichtung
    7. Zusätzlich gleiche Aufnahme mit Kippentwicklung entwickeln


    Entwicklung:
    A. keine Vorwässerung
    B. 20 Minuten Entwicklung (ID-11, 1/3, Gesamtmenge 560ml - wie auf der 2553 abgebildet; Basis Entwicklungszeit: Datenblatt HP5 ISO 400, keine Kürzung der Entwicklungszeit)
    C. 30 Sekunden Stoppbad
    D. 6 Minuten Fixierung
    E. Länger wässern als bisher(4 Min.), 1x 30 Sekunden Netzmittelbad


    Ich hoffe, dass ich so jetzt besser den Dreh hinbekomme (-;


    Viele Grüße und danke noch mal,
    Mario

  • Ich kenne das von Dir oben verlinkte Buch nicht, und will dem Autor auch keine Expertise absprechen. Aber dass man bei Rotationsentwicklung die Zeiten gegenüber Kipp nicht verkürzen soll, habe ich nicht nur noch nie irgendwo anders gelesen, sonders es erscheint mir auch rein chemisch nicht logisch. Vielleicht übersehe ich da aber auch was.


    Bei meinen Film-/Entwicklerkombinationen liege ich bei Rotation durchweg die erwähnten 15 bis 20% unter den Zeiten, die ich vorher in der Schale gebraucht habe. Wobei ich in der Schale auch immer recht sparsam bewegt habe.

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