Klassische Vorsatzlinsen (Verax, Zeiss u. Ä.): Auswahlkriterien und optische Qualität

  • Es gibt ja prinzipiell eine große Auswahl verschiedener Vorsatzlinsen der unterschiedlichsten Hersteller für die klassischen GF-Optiken (Verax, Carl Zeiss usw.)

    Diese haben unterschiedliche optische Aufgaben (Weitwinkel, Tele u.a.) und unterscheiden sich ja durch die Art der Anbindung an die eigentlichen Optiken: Klemmfassungen oder Aufsteckfilter...
    Welche Erfahrungen gibt es bei Euch mit diesen Filtern in Hinblick auf die optische Qualität, zumal die meisten Kameras mit fester Optik durch diese Linsen ja in Ihrer Wirksamkeit erweitert werden können?
    Gibt es bestimmte Linsensysteme, die anderen vorzuziehen sind?

    Danke für ein Teilen Eurer Erfahrungen.

    Edited once, last by Krausesbilder (October 24, 2020 at 12:34 PM).

  • Oh weia . . .

    das hatte ich vor annähernd 40 Jahren mal gelernt - aber alles wieder vergessen.
    Sorry, da kann ich Dir keinen Rat geben.
    Was möchtest Du denn photographieren?

    Die zwei schönsten Geräusche der Welt sind: Ein Verschluss der sich öffnet und wieder schließt.

  • Die Prospekte der damaligen Zeit "versprechen" ja diverse Veränderungen der Brennweite und natürlich ist das auch zu erkennen, setzt man ein solche Linse vor die Frontlinse.
    Ich stelle mir einfach vor, dass natürlich keine wirkliche Präzision in Bezug auf die Abstände zwischen Linsen und Frontlinse möglich ist, so dass vermutlich auch die Ergebnisse nicht sehr präzise sind, obwohl der Bildwinkel sich erweitert. Man kann das natürlich alles testen. Ich frage nach Erfahrungen, um möglichst Material zu schonen, wenn es sich grundsätzlich nicht lohnt, diese Linsen zu verwenden.

  • Mit den Vosatzlinsen ist das immer so eine Sache . . .

    Manche schwören drauf, weil es eben eine günstige Methode ist, sich photographisch den Nahbereich zu erschließen,
    andere finden das diese "Scherben" völliger Schrott sind. Die machen alles nah mit einem Macroobjektiv.

    dass natürlich keine wirkliche Präzision in Bezug auf die Abstände zwischen Linsen und Frontlinse möglich ist

    Das ist nicht so: Es gibt sehr genaue mathematische Formeln, wie weit sich eine benutzte Brennweite verändert,
    wie die Aufnahmeentfernung geringer wird oder wie groß das abgebildete Objekt dann auf der Mattscheibe abgebildet wird.
    Optisches Rechnen eben. Ich gestehe hier freimütig, das ich das nie verstanden hatte. Mußte ich Nahlinsen verwenden, und das
    war bisher erst zwei mal, mit ner Hasselblad und Proxaren, so probiere ich solange herum bis es gepasst hatte. :roll:

    Ansonsten kuck mal hier: https://www.vision-doctor.com/optische-grundlagen.html

    oder er hier: https://www.elmar-baumann.de/fotografie/rec…-nahlinsen.html


    um möglichst Material zu schonen

    "Damals" war das etwas einfacher, da haste einfach ein Pola(roid) gemacht . . .

    Ich weiß, damals, als noch alles aus Holz war :D

    Die zwei schönsten Geräusche der Welt sind: Ein Verschluss der sich öffnet und wieder schließt.

  • Das ist nicht so: Es gibt sehr genaue mathematische Formeln, wie weit sich eine benutzte Brennweite verändert,wie die Aufnahmeentfernung geringer wird oder wie groß...

    Das ist natürlich klar. Ich meine jedoch vielmehr, dass beim Aufsetzen der Linsen zum Beispiel mittels der vormals üblichen Klemmfeder oder beim Aufschieben der Linsen man nie exakte und reproduzierbare Abstände erzeugen konnte, wie später mit den Feingewinden. Die Linsen sitzen ja eher nicht wirklich fixiert.

  • Universell ist die Frage sicher nicht zu beantworten; zum Einen gab es Unterschiede in der Qualität der Zusatzlinsen, und Aufstecksysteme gab es auch Einige.
    Genaugenommen wird auch die Güte des Objektives verantwortlich zeichnen, aber bisher hatte ich nur ein Xenar getestet, keine Ahnung was z.B. das Tessar abliefern würde..

    Ich denke, wenn die Frage nach der technischen Qualität nicht im Vordergrund steht, vielleicht weil man Bilder schaffen kann, deren inhaltliche Qualität höher zu bewerten wäre, vielleicht weil man einfach drauf pfeift, kann man sowas durchaus mal vorsetzen.

    Ein Vergrößern des Negatives wird jedoch seine Grenzen haben; eine Brennweite ( Mist, welche war das??) aus meinem WW/Tele/Portrait/Makro-Kit zeigt jedoch schon an der Mattscheibe nur Matsch.

    Mein Eindruck von den Klemmfassungen ist, daß eine alte Optik von Haus aus recht "gutmütig" sein kann, wenn man was davorpappt.
    Wird wohl auch wieder objektivabhängig sein, vermute ich.

    Interessant finde ich, wie vielseitig eine Normalbrennweite für mich an GF sein kann, denn trotz guter Vorsätze hab ich die Vorsatzlinsen zu meinem Minimal - Gedeck, eine Plattenkamera 9x12 mit 135mm, nie bis zum Ende durchgetestet; ich hatte schlicht keinen erhöhten Bedarf an Brennweitenveränderung.

    ...

  • Zum Horseman 150mm hat es auch einen Vorsatz gegeben um die Brennweite zu verdoppeln wenn ich mich richtig erinnere, das 150mm alleine war sehr gut aber mit der Vorsatzlinse hatte es keine Chance gegen ein 300mm APO Ronar. Habe damals vor vielen Jahren mal Vergleichsbilder gesehen, war sehr ernüchternd und habe dann die Idee gleich wieder verworfen.
    Und dieser Vorsatz wurde zu diesem Objektiv gerechnet! Kontrast ging in die Knie wie auch die Randschärfe!

    " You push the button and we do the rest."
    Kodak Werbespruch!
    Today
    "You push the button and the pixels do the rest"

  • Auf jeden Fall ist es wichtig die Extreme zu vermeiden.
    Es lohnt sich aber schon es zu probieren.
    Im Großformat geht es nicht darum mit diesen Linsen in den Nahbereich zu kommen, dafür haben wir ein eingebauten Balgengerät.

    Viel Wichtiger ist es das mit den Zusatzlinsen die Brennweiten verkürzt oder verlängert werden können.

    Vor Jahren, als die GF Objektive noch extrem teuer waren, habe ich gerne mit den 150mm Xenar und einer 1 Dioptrien Nahlinse fotografiert., das war eine gute Kombination die zusammen etwa 135mm Brennweite ergibt.
    Dafür habe ich die Nahlinsen von Voigtländer benutzt, einfache Linsen, nichts besonderes trotzdem sind damit sogar sehr gute Ergebnisse möglich.
    Abgeblendet wird eh immer auch f/22 bei 4x5"
    Es ist eine günstige Möglichkeit die Brennweiten Auswahl zu erweitern.
    Die Leistung kommt natürlich nicht an ein Objektiv mit der entsprechenden Brennweite heran, besonders die Randbereiche können sichtbar in der Schärfe reduziert werden aber mit dieser Kombination hielt sich das in Grenzen.
    Denke das es mit einem Symmar besser klappen wird weil es einen größeren Bildwinkel hat und ich dann nur einen Teil davon nutze.

    Wie immer gilt: einfach probieren, Nahlinsen kosten nicht die Welt, selbst vergütete Achromate sind schon recht günstig zu bekommen.

  • ich hatte zB mal ne Nahlinse zum Aufstecken für meine damalige Rolleicord V, damit konnte man dann das 75mm Xenar 'verkürzen', war ganz nett, aber kein Ersatz für richtiges Tele oder WW mMn..

    bleibt gesund!

    Andreas

  • Viel Wichtiger ist es das mit den Zusatzlinsen die Brennweiten verkürzt oder verlängert werden können.

    Ok, Norma, dann lass uns das doch bitte mal generalisieren. Du hattest mich an anderer Stelle schon auf Vorsatzlinsen gebracht ...

    Was ich in der Zwischenzeit herausgefunden habe:

    Wenn man eine Einzellinse kauft, werden oft Dioptrien dazugeschrieben. Man rechnet dann 1000 : Dioptrien = Brennweite.

    Diese können dann auch so verwendet werden. Wenn man bereit ist, die dann natürliche vorhandenen Abbildungsfehler in Kauf zu nehmen.

    Ich hatte mir auf diese Erkenntnis hin einen Meniskus und einen Achromaten gekauft und in ein Lensboard geklebt - funktioniert. Auch, wenn man dann keine optischen Eigenschaften erwarten kann, wie sie bei vollständigen Objektiven vorhanden sind. Für Porträts sicherlich gut brauchbar, wenn man nicht auf porenscharfe Fotos steht.

    Aber die Zusammenhänge, wie Einzellinsen Objektive beeinflussen können, konnte ich daraus bisher nicht erkennen. Aber ich fand nochmal ein Beispiel von dir, gefunden in diesem Beitrag.

    Quote

    Ein 480mm Objektiv hat 2,1 Dioptr. das müsstest Du in etwa mit einer negativen Linse mit -0,9 Dioptr. kombinieren, dann hast Du 1,2 Dioptrien, also 830mm bei etwa f/16

    Alternativ kannst Du auch das 360mm nehmen und eine -1,5 Dioptrien Linse nehmen, dann kommst auf 780mm allerdings dann bereits bei f/19,5

    Also muss man einfach nur die entsprechende Negativlinse in der passenden Größe finden und kann dann ganz einfach die Dioptrien abziehen und kann dann nach obiger Formel die Brennweite der Kombi Objektiv+Vorsatzlinse ermitteln. Soweit, so klar.

    Doch wie ermittelst du dann die Blende?

    Und was meinst du damit?

    Quote


    Auf jeden Fall ist es wichtig die Extreme zu vermeiden.

    Bin gespannt. :)

  • Früher gab es Vorsatzlinsen häufiger, direkt vom Hersteller. Aber das ist wohl wie mit den Satzobjektiven, der Preis stand über der Topqualität.

    Ich geb jetzt hier ne eBay-Artikelnummer: 223862992802 ein, auch wenn das fürs Archiv doof ist, die Originalbilder will ich aber nicht kopieren, wg. Rechten, vielleicht hat jemand (Andreas?) andere Möglichkeiten.

    Das ist ein Xenar mit Longaren. Da würden mich mal Bilder von den Ergebnissen damit interessieren. Wenn jemand grade 300€ übrighat ;)

    Zeit ist nicht Geld.
    Zeit ist Zeit.

  • Das ist ein Xenar mit Longaren. Da würden mich mal Bilder von den Ergebnissen damit interessieren.

    Ist das nichts für bonnescape.de ?

    Ja, ich habe vor einiger Zeit mal einige Linsen an meinen Heliaren ausprobiert.

    Die bekanntesten und am häufigsten zu findenden schienen mir die von Schneider, die Longare (brennweitenverlängernd) und Curtare (brennweitenverkürzend), und die Focare von Voigtländer (beides, je nach Typ) zu sein. Meine Exemplare waren alle nicht mit Dioptrien oder Faktoren gekennzeichnet. Die Wirkung war vom Objektiv abhängig und eher kryptisch aus Listen herauszulesen. Der brennweitenverändernde Faktor war auch unterschiedlich, je nachdem, ob man die Linse hinten oder vorn aufs Objektiv steckte. Wobei in der Regel empfohlen wurde, sie hinten aufzustecken: Filter vorn, Linsen hinten.

    Das erste Foto unten zeigt ein SCHNEIDER LONGAR 225/572 auf der rückwärtigen Fassung eines 21cm HELIAR. Die Bezifferung "225" vor dem Schrägstrich bezieht sich wohl auf die Brennweite, die man auf einem 150 mm Objektiv erreicht. Die Ziffer "572" hinter dem Schrägstrich bezieht sich auf den Aufsteckdurchmesser 57,2 mm. Rückseitig aufgesteckt ergibt sich eine 1,5fache Brennweitenverlängerung, erreichte also mit meinem Heliar 315 mm. Das Kirschblütenfoto unten ist mit dieser Kombi fotografiert. Ich fand die Bildqualität nicht so schlecht. Bei einer Nahaufnahme ist die Schärfentiefe natürlich minimal. Vorn aufgesteckt erreicht man eine 1,8fache Verlängerung. Da lässt die Bildqualität dann nach.

    Die Liste ganz unten zeigt die Anwendung diverser FOCAR-Linsen zur Verkürzung oder Verlängerung bei Heliaren. (Auszug Voigtländer-Prospekt Ende der 1920er Jahre) und sollte sich nicht allzu viel von Xenaren unterscheiden. Die Werte unter "Sonnenblende" meinen den Außendurchmesser der Objektivfassung. Dieser ist bei Heliaren vorn und hinten gleich.


    LG, Klaus
    ___
    Langeweile? Was ist das?

  • Das oben angesprochene Set aus Xenar und 4 Longaren ist nun meins. :) Vielen Dank an Peter Volkmar für den Hinweis hier - sowas hatte ich gesucht.

    Nach einem ersten Test kann ich bestätigen, dass die Brennweiten tatsächlich durch die auf den Longaren angegeben Faktoren verlängert werden.

    Das Objektiv hat selbst 210 mm, mit

    Longar 1,5 = 360 mm

    Longar 2.0 = 420 mm

    Longar 2,5 = 525 mm und

    Lonar 3.0 = 630 mm.

    Fein, das! :)

    In den nächsten ein ... zwei Wochen werde ich das mal ausgiebig auf 8x10 Wetplate testen und dann hier berichten.

  • Hier kommen die Ergebnisse:

    • Alle Fotos bei voller Blendenöffnung gemacht.
    • In den Longaren waren Verlängerungsfaktoren angegeben:
      • Longar 1,5 = 2
      • Longar 2.0 = 2,5
      • Longar 2,5 = 3,5
      • Longar 3.0 = 4
      • Die Sonne wurde zum Mittag hin immer stärker, deshalb kann ich es nicht zu 100% bestätigen, aber vom Gefühl her sollten diese Verlängerungsfaktoren wohl passen.
    • Die Auszüge verlängern sich, aber nicht so, wie man es von der Brennweite her erwarten würde:
      • Das Objektiv selbst: 210 mm
      • Longar 1,5 = 270 mm
      • Longar 2.0 = 310 mm
      • Longar 2,5 = 350 mm
      • Longar 3.0 = 390 mm
      • Erstaunlich, dass sich die Auszüge immer um 40 mm erweitern.
      • Ich finde diese Tatsache sehr nützlich: Für Porträt und Akt draußen im Wald erhalte ich damit Möglichkeiten, die mit "echten" so langen Brennweiten nur schwer umzusetzen wären. Ich habe mit meinem Wetplate-Geraffel genug zu tun. :)
    • Was fotografiert man statt einer Zeitung, um die Schärfe über die gesamte Fläche zu zeigen? Ich wollte nicht in den Nahbereich, denn ich wollte es mir einfach machen und nicht noch die Kamera umbauen. Da kam mir das Haus gegenüber gut genug vor. Ich habe die Fenster zum Schutze der Privatsphäre der Nachbarn unscharf gemacht. An den Klinkerfugen, auf die ich neben dem mittleren Balkon scharfgestellt habe, sieht man die Schärfe ganz gut.
    • In Silverfast gescannt, keine Scharfzeichnung.
    • Alle Fotos wurden im Wetplate-Verfahren im Format 8x10 gemacht.
    • Ich füge zwei Abbildungen bei. Auf der ersten siehst du die Mitte der Platten im Vergleich, auf der zweiten die rechte untere Ecke. Die weiteren Ecken habe ich mir gespart, da die Ergebnisse ähnlich der rechten unteren Ecke sind.
    • Alle Dateien in hoher Auflösung als Tiff sind hier zum Download bereitgestellt (98 MB).

    Wahrscheinlich werden viele recht enttäuscht sein, hochkorrigierte Objektive sind halt doch sehr viel schärfer.

    Varg hatte je gewarnt, die Extreme zu vermeiden, aber 630 mm ist ja auch nicht ganz ohne. Ob das jemals so oft zum Einsatz kommt??

    Aber für Porträt und Akt kann ich mir den Einsatz von Longaren gut vorstellen. Vor allem, weil ich dann den Hinterlinsenverschluss zu Hause lassen kann und mit minimalem Gewicht 5 Brennweiten dabeihabe - was will ich mehr? Ich werde es sehen. :)

    Ich habe morgen ein Shooting, werde diese Kombination mal testen. Ich berichte.

    Und ja, dann werde ich auch mal etwas weiter abblenden. Und ich werde auch mal sehen, was passiert, wenn man so ein Longar vorne anbringt.

    Nochn ne Frage: Gibt es eigentlich noch andere Xenare mit 57,2 mm Durchmesser des Hintergliedes?

  • So nun mal das erste Ergebniss des Longars 2,5x57,2 mit dem Arton MC 270mm.
    Ich habe für den Test das Longar einfach mit Tape hinten auf das Arton gepappt.


    Mit Wisner 4x5, Arton 270mm+Longar2,5, Bl16, Foma100, FX39
    Nur mit meinen Standarteinstellungen gescannt. Nix weiter. 100% Ausschnitt
    Ich bin echt erstaunt. Nun mache ich mich an eine passende Verbindung.

    @ Karsten ein altes 360er Tele Xenar müsste passen.

    es ist Zeit zu gehen

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