Verschlechtert sich die Schärfe durch Scheimpflug und Swing?

  • Jepp, ich erinnere mich dunkel an so dermaßen vollgepackte Zeichnungen bzw Grafiken, wo kein einziger Strich /keine Farbe mehr Platz gefunden hätte, ja.
    Wobei Sinar wenigstens fast schon vollumfänglich die von Merklinger bezeichnete Hinge rule, das 2. Scheimpflugsche Gesetz, mit einbezog, das Thema also zumindest gewissenhaft anging.


    Als ich das bei einem ebenfalls etwas sinarlastigem Seminar dann mal verdeutlichen und etwas vertiefen wollte, entkam ich seitens der Probanden nur mit Mühen einer Steinigung, ich hatte wohl den Kontakt zur Basis verloren :-)

  • Das hatte mich damals beim Erlernen der scheimpflugschen Hintergründe schier irre gemacht - des einen Nahpunkt war des anderen Höhepunkt, und es rückte mir Manches in die Ferne :D


    Die profane Raumschärfe ist beim Meister Schön dann die verkippte, keilförmig verlaufende Schärfentiefe, im nächsten Absatz kurz "meist leicht nach hinten ansteigenden Scheimpflugebene" genannt.


    Deswegen muß ich ja auch heute noch restlos verwirrt auf einen Spickzettel schauen, da steht dann klipp und klar:
    " subject plane / plane of sharp focus coincidieren" :-)

    :P^^
    Da hatte ich es leichter. Mit hat man gleich in die Raumschärfe und Tiefenschärfe geworfen.
    Schmarn: Schärfentiefe heißt es.

  • Neenee, wir sind doch inzwischen bei der Höhe, oder nicht??s

    Du hast mich nicht verstanden. Ein Blumentopf ist ein Topf, eine Topfblume ist eine Blume. Gerade weil wir inzwischen bei der Höhe sind, wäre die korrekte Bezeichnung Schärfenhöhe gewesen.


    (Eine Höhenschärfe ist etwas anderes, nämlich die Schärfe eines bestimmten Punktes oder einer bestimmten Ebene innerhalb der Schärfenhöhe.)

  • Wie gesagt, selbst erklärende Bezeichnungen hülfen dem Verständnis.
    Und - wir sollten in der Frage "Scheimpflug" , ungeachtet der individuellen "Ausbildung", in der Lage sein, uns zu verstehen.
    Wer denn sonst, wenn nicht wir.


    Meine Überlegungen - so gern ich ja auch mal ausreiße - wären, ob wir mit unseren Geschwurbel überhaupt etwas Licht ins Dunkel brachten.



    Die gnadenlosen Eckpunkte bisher, zumindest aus meiner Sicht, wären:


    - Taugt das wahrscheinlich recht gurkige Objektiv überhaupt zu irgendwas
    - Wurde richtig scheim-fokusssiert
    - macht das alles bei null Blendenschluß überhaupt Sinn.

  • mit unseren Geschwurbel

    Wenn man sich untereinander versteht, ist es doch egal, ob das sprachlich oder begrifflich korrekt ist.


    Also:
    Bildebene, Objektivebene und Schärfeebene sollten sich immer in einer Geraden kreuzen, dann gibt es eine im Raum orientierte Ebene scharfer Abbildung. Die Ebene hat keine Dicke, also keine orthogonale Ausdehnung. Die Gerade ist die den drei Ebenen gemeinsame Punktmenge. Bei parallelen Ebenen liegt diese Gerade im Unendlichen (Normalfall starre Kamera).
    Orhtogonal zur Schärfeneben nimmt die Größe der Streukreise bei der Abbildung von Punkten zu. So gibt es eine Zone minderer Schärfe, in der die Streukreise noch als ausreichend klein aufgefasst werden. Die orthogonale Ausdehnung dieser Zone kann durch die Blende des Objektivs beeinflusst werden.


    Findest du das hilfreich?
    Interessant finde ich, bei der geneigten Schärfenebene nicht mehr von Schärfentiefe (also Raumtiefe) sprechen zu wollen sondern von Schärfenhöhe (also Raumhöhe). Da stellt sich mir sofort die Frage, von welchem Neigungswinkel an die Tiefenausdehnug zu einer Höhenausdehnung wird.


    Ich finde es immer vorteilhaft, die Sache in der Sprache nicht durch die Erfindung immer neuer Begriffe aufzublähen und dadurch für mich die Verständlichkeit zu verkleinern. Aber das ist meine Vorliebe.


  • fixe standarte, kein originäres aufnahmeobjektiv, keine abblendmöglichkeit, möglicherweise nicht ausreichende bildfeldebnung und/oder astigmatismusr: puh, da kommen eine menge außergewöhnlichkeiten zusammen. kann es sein, dass du dich mit diesem setup ins "koma" (mehr dazu siehe "seidel´sche bildfehler) tiltest/"swingst"?


    nur eine mutmaßung, denn ohne einen blick auf die mattscheibe werfen zu können, lassen sich da für mich schlecht tatsächliche ursachen benennen.


    ist das epis ein anamorphot?


    da ich mich mit exotischen linsenkonstruktionen gar nicht auskenne, will ich lieber nicht weiter in dieser richtung herumspekulieren. aber es gibt ja einige linsen-cracks hier im forum, die müssten dazu vielleicht etwas sagen können.


    so weit mein geschwurbel.

    dislikes? wenn es dir in deiner kleinen welt weiterhilft...
    likes? lieber nicht. unnötig.

  • Findest du das hilfreich?
    Interessant finde ich, bei der geneigten Schärfenebene nicht mehr von Schärfentiefe (also Raumtiefe) sprechen zu wollen sondern von Schärfenhöhe (also Raumhöhe). Da stellt sich mir sofort die Frage, von welchem Neigungswinkel an die Tiefenausdehnug zu einer Höhenausdehnung wird.

    Das ist wohl offensichtlich mehr ein Frage, wie das Motiv zu liegen kommt. Höhenausdehnung bzw. Höhenschärfe i.S. der Linhof-Sprachregelung scheint sich auf flach liegende Teppiche zu beziehen... ;)


    Rawitzses Linhof-link, S. 48:


    "Ohne Abblendung kann zunächst nur ein zweidimensionales Objekt (Teppich..) scharf abgebildet werden...
    Die 3. Dimension (Höhenschärfe) kann nur durch Abblenden in den Schärfebereich gelegt werden""


  • Nach meinem Verständnis:


    Bei einem Objektiv, das nicht in den „Raum“ scharf zeichnen kann, wird der Schärfe Kreis bei dem schwenken, kippen, drehen, von der Objektiv ober Film Standarte, schnell zu einem schmalen Schärfe Streifen, der immer parallel zu der manipulierenden Achse liegt.

  • Das schrieb ich so ähnlich bereits, der schmale Streifen ist ja blendenabhängig.
    Allerdings ragt der Streifen halt auch durchgehend scharf in den Raum :-)



    Da stellt sich mir sofort die Frage, von welchem Neigungswinkel an die Tiefenausdehnug zu einer Höhenausdehnung wird.


    Nun müßte man wirklich mal über den Teppichrand schauen :-)


    Wenn Du Deine Kamera ein paar Meter hoch aufbaust, und eine kurze Brennweite anflanschst, und auf die Ferne fokussierst, könnte man womöglich im Bereich unter einem Grad Neigungswinkel landen, weil die Kamerahöhe, genauer die Höhe der Objektivachse, als auch die Länge der Brennweite den Neigungswinkel definieren.



    Findest du das hilfreich?


    Bis auf "Die Gerade ist die den drei Ebenen gemeinsame Punktmenge", ja schon.


    Schärfenhöhe (also Raumhöhe)


    Linhofler unter sich :D


    Meine Raumhöhe beträgt 2,25m; die Schärfenhöhe, oder besser, weil wieder sinnvoll beschreibend, der Schärfekeil, der deckt das bei ausreichender Abblendung ab.

  • Ich finde es immer vorteilhaft, die Sache in der Sprache nicht durch die Erfindung immer neuer Begriffe aufzublähen und dadurch für mich die Verständlichkeit zu verkleinern.

    Das ist auch meine Meinung. "Höhenschärfe" kommt aus dem Hause Linhof, ein verwirrender Begriff. Eingesetzt habe ich mich - mittlerweile auch mit einigem Erfolg - stattdessen für die Schärfenhöhe.

  • Bei meinem Leitz Epis 3,5/325 ist das so,

    Soeben habe ich hier: https://www.largeformatphotogr…0-October-Portraits/page3
    eine Fotografie entdeckt, die mit einem Carl Zeiss Jena Epiotar 430/3.5 aufgenommen wurde. Ob dieses Objektiv vergleichbar mit Deinem Leitz Epis ist, weiss ich nicht. Wegen dem "Epi" nehme ich das jetzt einfach mal an. Bei dieser Fotografie sieht man beispielhaft, wie die Schärfe in der Bildmitte gut ist und zum Rand hin deutlich abnimmt.


    Vielleicht hilft es, wenn man die Abbildungseigenschaften so eines "Epi"- Objektives sieht, zu verstehen wo die Schärfe beim scheimpflugen hinwandert?

  • Und wenn man die Standarte um die senkrechte Achse verschwenkt, redet man dann von Breitenschärfe oder Schärfenbreite ???


    Andere Frage:
    Im Linhof-Text wird immer zuerst aufs Motiv gezielt und dann die Standarten entsprechend senkrecht gestellt.
    Wenn ich mir überlege, dass diese kleinen Libellen an den Standarten (oder stattdessen eigene Wasserwaagen) doch ganz schön "Spiel" haben was die Position der Blase zwischen den Strichen angeht, dann frage ich mich, ob sich dadurch nicht Ungenauigkeiten in der jeweiligen Senkrechtstellung und auch in der Parallelität der Standarten zueinander ergeben, die problematisch sind? Für normale Null-Stellungen gibt es ja Skalen oder auch kleine Einrastungen, die einen versichern, dass man richtig liegt.
    Oder kann man das vernachlässigen, wenn man sich Mühe gibt und abblendet?
    Viele Grüße
    Claus

  • Im Linhof-Text wird immer zuerst aufs Motiv gezielt und dann die Standarten entsprechend senkrecht gestellt.

    Das heißt dann meist direkter Verstellung. Die hat den Vorteil, dass man zunächst den Ausschnitt wählt. Die hat den von dir beschriebenen Nachteil und zusätzlich den großen Nachteil , dass man die Nullrasten nicht mehr benutzen kann. Vorteilhaft finde ich daher die "indirekte Verstellung". Die Kamera wird zunächst nach Wasserwaagen möglichst exakt waagerecht ausgerichttet, dann verschiebt man die Standaten senkrecht und waagerecht so lange, bis der Bildausschnitt. Soll zuätzlich dann noch die Schräfenebene aus der Snkrechten heraus verlegt werden, kommt es nicht zum Torkeln bei Kameras die nicht über eine Basisneigung (Sinar) verfügen.

    Ein Dreidimensionaler Raum besteht aus drei Achsen XYZ

    Was ist mit Polarkoordinaten? Die sind doch viel schöner.

  • Für normale Null-Stellungen gibt es ja Skalen oder auch kleine Einrastungen, die einen versichern, dass man richtig liegt.


    Ich finde die zusätzlich eingebaute Mattscheibe als "Versicherung" ganz gut.
    Eine ausgelabberten Rastung nicht, und eine Skala gar nicht, und ein gequetschter oder voll ausgezogener Balgen kann auch die beste Rastung austricksen, irgendwo ist immer potential für Ungenauigkeiten.
    Außer bei Linhof natürlich :D


    Vorteilhaft finde ich daher die "indirekte Verstellung". Die Kamera wird zunächst nach Wasserwaagen möglichst exakt waagerecht ausgerichttet,


    Genau das ist doch aber die direkte Verstellung; indirekt bedeutet "Rohr schräg, Standarten parallel".

  • Ich finde die zusätzlich eingebaute Mattscheibe als "Versicherung" ganz gut.
    Eine ausgelabberten Rastung nicht, und eine Skala gar nicht, und ein gequetschter oder voll ausgezogener Balgen kann auch die beste Rastung austricksen, irgendwo ist immer potential für Ungenauigkeiten.
    Außer bei Linhof natürlich :D


    Genau das ist doch aber die direkte Verstellung; indirekt bedeutet "Rohr schräg, Standarten parallel".

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    Genau das ist doch aber die direkte Verstellung; indirekt bedeutet "Rohr schräg, Standarten parallel".

    Ich würde sicherheitshalber noch etwas hinzufügen: "Rohr schräg, Standarten parallel und senkrecht". Diese indirekte Verstellung wird auch nur dann benötigt, wenn der direkte Verstellweg nicht ausreichend ist und der Bildkreis das auch hergibt.

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    Ich würde sicherheitshalber noch etwas hinzufügen: "Rohr schräg, Standarten parallel und senkrecht". Diese indirekte Verstellung wird auch nur dann benötigt, wenn der direkte Verstellweg nicht ausreichend ist und der Bildkreis das auch hergibt.

    und wen die Aufnahme von oben nach unten stattfindet auch? Senkrecht! ;)

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