Plaubel Profia Versionen (vs. Universal, vs. Sinar)

  • Hallo Forum,
    ich brauche etwas Input. Zum Hintergrund: Ich bin aktuell mit einer Wista 45 unterwegs, die Ausrüstung passt sehr gut in einen Rucksack. Ich suche jetzt noch System mit Bankrohr (bessere Verstellmöglichkeiten und längerem Balgen). Die möchte ich u.a. für Nahaufnahmen aber evtl. auch unterwegs einsetzen. Rucksacktauglichkeit ist dabei nicht entscheidend, aber der Kram sollte schon in einen Koffer passen. Das Ganze sollte erstmal im Format 4x5 bleiben, ich möchte aber die Option haben, später mal weiter auszubauen (5x7, 8x10). Eigentlich suche ich also vermutlich eine Sinar-F. Die Teile sind relativ leicht, preiswert, weit verbreitet, bedienungsfreundlich (torkelfrei) und sehr gut ausbaufähig…


    Plaubel habe ich aber auch noch auf der Liste. Hier liegt aktuell eine Supra rum (kein Wechselbalgen, keine Option auf größere Formate, kein 4x5 Rückteil) und zwei einzelne Standarten zur Universal. Ich habe mich mal etwas in das Thema eingelesen und hier mein grober Wissensstand zur Profia:


    Es gibt mehrere Grundversionen der Profia, die "Z" mit Feintrieb und die "N" ohne Feintrieb (sowie eine V mit eckigem Rohr). Die neueren Modelle sind die "ZT" und "NT", diese haben einen Basisschwenk und sind torkelfrei. Das alles ist in den Formaten 4x5, 5x7 bis 8x10 verfügbar.


    1. Gibt es Nachteile bei den Plaubel Profia Modellen? Vor allem im Vergleich zur älteren Plaubel Universal oder zur Konkurrenz, v.a. Sinar F (s.o.).
    2. Muss es unbedingt der Feintrieb der "Z" Modelle sein? Oder anders gefragt, wie zufrieden kann man mit der Präzision der "N"-Modelle sein?


    Man liest immer wieder von neueren Objektivplatinen (bzw. Rückteilen) und Standarten, die eine Lichtfalle mit einer Nut und einer profilierten Kante besitzen. Ich kenne die älteren Platinen, die waren hinten komplett flach, an den Standarten sind dazu Vertiefungen, die mit Moosgummi bzw. Samt ausgekleidet sind. Die neueren Platinen passen wohl nicht (oder nur schwer) an die alten Kameras.


    3. Wann wurde auf das neue System der Lichtdichtung umgestellt, haben das alle Profias oder nur die letzten Modelle (die schwarz lackierten Platinen/Teile)?
    4. Wie ist das mit den alten Platinen an den neuen Standarten? Passen sollte das, aber sind die dicht? Und umgekehrt? Habe schon Bilder einer Universal mit schwarzer Platine gesehen.


    Gruß
    Andreas

  • Moin Andreas,


    als glücklicher Profia-Eigner (NT, 4x5) mit etwas Erfahrung in der Firmen- und Produktgeschichte kann ich vielleicht ein wenig helfen.


    ad 1: Ich sehe natürlich keine Nachteile *grins* Aber das Gewicht ist schon "recht interessant" (einige sprechen vom Panzer, ich nenne es schon mal Schwermaschinenbau). Den Basisschwenk braucht man nicht unbedingt (die Torkelexperten sind vermutlich anderer Meinung). Er macht die Kamera etwas sperriger, aber schaden tut er nicht.


    ad 2: Als ich meine NT erwerben wollte, hatte mir die nette Frau Kühnel (unter Plaubelianern wohlbekannt) auch eine Z-Variante anbieten wollen. Als ich ihr erklärte, dass ich mit dem Ding nach draußen wollte (wg Fotografieren von Bauwerken), war sie der Ansicht, dass N reicht. Man kann die Verstellungen vielleicht nicht so feinfühlig vornehmen wie mit einem Zahntrieb, aber ich schätze die Robustheit der einfachen Schiebe-/Drehmechanismen sehr. Für mich ist es präzise genug ...


    ad 3: Definitiv mit dem Erscheinen der Profia-Reihe.


    ad 4: Die neuen Platinen passen an die alten Kameras (jedenfalls für 4x5 bzw 9x12/10x15), sofern die entsprechenden Standartenrahmen "schmal" sind. Umgekehrt geht es nicht. Das ist gnadenlos undicht.


    Soweit erstmal. Weitere Details ggf auf Nachfrage.


    Historisierende Grüße von hp

  • Gemäß dem Büchlein "Verstelltechniken bei Grossformatkameras" wiegt die Plaubel Peco profia NT 5800g, die Sinar f2 3600g jeweils bei 4x5, bei 5x7 sind es bei Plaubel 6400g, bei Sinar 5500g und bei 8x10 bei Plaubel 7400g zu Sinar 7600g.


    Erfahrungsgemäß ist es relativ schwierig, insbesondere bei 8x10 die Teile für den Ausbau zu adäquaten Preisen zu bekommen, bei beiden Kameras. Hier wäre es vielleicht besser die 8x10 Versionen zu kaufen und dann die kleineren Formate als Ausbau hinzu zu erwerben.


    Alles andere hat bereits hppruefer geschrieben.


    Grüße

  • Moin,


    danke erstmal. Ich habe hier noch ein Infoblatt mit den Daten zur NT/ZT rumfliegen. Die ZT wiegt nochmal 500g mehr als die NT, da hab ich dann schon die Sinar P überholt. Aber ganz so entscheidend ist das mit dem Gewicht wie gesagt erstmal nicht. Es kommt ja auch immer noch das ganze restliche Zeug wie Stativ, Objektive, Kassetten etc. pp. hinzu. Wenn dann die Kamera 1-2 kg mehr wiegt ist klingt das natürlich erstmal viel, aber unterm Strich hat man doch viel mehr dabei. Mir schwebt eh ein Rollkoffer bzw. Trolley vor. Und fürs leichte Gepäck und den Rucksack hab ich ja noch die Wista.


    Hat jemand das Gewicht der alten Profia N? Ohne Basisschwenk und Feintriebe sollte die leichter sein.


    Die Preise für die großen Formate (v.a. 8x10) habe ich gesehen. 8x10 möchte ich aktuell nicht aufmachen als Baustelle, aber erfahrungsgemäß kommt das noch irgendwann. So gesehen reicht es mir erstmal die Option zu haben.


    Mit dem Plaubel-Service hatte ich auch noch Kontakt. Die haben mir vor ein paar Jahren noch den Sucher meiner Makina 67 komplett überholt, das war einwandfreie Arbeit und Service.

  • Ist die F torkelfrei? Ich dachte, das ist nur die P.
    Die F in 8x10 ist auch selten und teuer, die P bekommt man da schneller & günstiger.
    Bei der Profia finde ich die Feintriebe nicht so wichtig. Würde ich aber eher vom Preis abhängig machen, nett ist es schon...

  • Irgendwo habe ich mal mitbekommen, dass die Mechanismen (Zahnsegmente?) in den Gelenkblöcken der Sinar P eine durchaus begrenzte Lebensdauer haben, weil aus Kunststoff und deshalb Versprödung ... sicher bin ich da nicht, und große Lust auf eine Steinigung durch die Sinar-Fraktion verspüre ich auch nicht. Die F-Standarten haben im Übrigen im Grunde die gute alte Basisschwenkung. Hatte schon die Norma, wenn ich mich nicht sehr irre, und natürlich die Prä-Profia-Plaubels. Nix wirklich Wildes. Partielle Torkelfreiheit. Aeschokee.

  • lt. Kofferwaage 4,8kg.
    Plaubel ( Service ) hat vor Jahren dicht gemacht.

    Danke, das ist sogar noch weniger als ich dachte. Dass Plaubel endgültig dicht gemacht hat ist, ist mir klar.


    (Zahnsegmente?) in den Gelenkblöcken der Sinar P eine durchaus begrenzte Lebensdauer haben, weil aus Kunststoff und deshalb Versprödung ... sicher bin ich da nicht,

    Ja, darauf bin ich auch gestoßen. Sie werden sich was dabei gedacht haben.


    Hatte schon die Norma

    ...die ist irre schick. Schon die Typo auf den Knöpfen ist großes Kino.

  • Weil Du eine Plaubel gekauft hast :)



    Hier liegt aktuell eine Supra rum (kein Wechselbalgen, keine Option auf größere Formate, kein 4x5 Rückteil) und zwei einzelne Standarten zur Universal

    Ich finde die Supra fantastisch!
    Fast würde ich schwören, daß sich die Rückstandarte der Universal ( 13x18 hoffentlich?) an die Supra friemeln ließe; der Feinvortrieb ist meines Erachtens identisch, ich hab den sogar an einer 4x6cm Polizei/Täterkartei-Plaubel dran.
    Bliebe die Balgenfrage, aber irgendwas geht ja immer.


    Beim internationalen Rückteil wäre ich wieder komplett sorgenfrei; will das Aas nicht dranpassen, nagle ich es einfach auf eine Supra-Platine.
    Also ich hab meine guten Plaubelrückteile 4x5" und 5x7" sogar an 2 artfremden Holzkameras im Betrieb.

  • Ich finde die Supra fantastisch!

    Ich auch! Und deshalb hat sie bei mir einen Ehrenplatz. Die wird trotz ihrer Weitwinkeluntüchtigkeit auf gar keinem Fall verbastelt, weil sie den roten Lederbalgen und die ebenso hübschen roten Lederapplikationen hat. Mit dem Apo Lanthar, dem Imagon und evtl dem Tele-Arton ist sie ein schöne Kamera für langbrennweitige Aktionen. Und handlicher als die Profia ist sie auch ...


    Fast würde ich schwören, daß sich die Rückstandarte der Universal ( 13x18 hoffentlich?) an die Supra friemeln ließe; der Feinvortrieb ist meines Erachtens identisch

    Würde mich wundern, wenn das anders wäre. Götz Schrader hat konstruktive Elemente immer gerne recycelt. Balgentechnisch ist das eher eklig. Am einfachsten sind meiner Meinung nach die Sinarbalgen anzupassen; die sind etwas kleiner (aber immer noch groß genug) und wesentlich flexibler als die Plaubelbalgen. Außerdem sind die Balgenrähmchen bei Sinar recht einfach. Da könnte man sich mit 3D-Druck behelfen, oder evtl mit schmalen Holzstäbchen fürs Dichtungslabyrinth. Müsste ich mal analysieren; ich habe schließlich nicht nur eine Supra UND einen Sinar-Weitwinkelbalgen. Bliebe dann nur noch ein passender Verriegelungsmechanismus. Der müsste allerdings auch einfach machbar sein, weil ein "Sinarbalgen-Adapter" in der Standarte etwas aufträgt.


    Es grüßt hp [im Konstruktionsmodus]

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