Immer mal wieder: Entwicklung von Glasnegativen Perutz Silbereosin

  • Liebe KollegenInnen,


    mir ist ein kleiner Posten Perutz Silbereosin Glasplattennegative (12° ASA) zugefallen und ich möchte diese neben den Jason Lane Dry Plates gern austesten und möglicherweise für ein Projekt nutzen.
    Mir ist vollkommen klar, dass sich das Ganze deutlich im Bereich des Experimentierens abspielen wird, keine High-End-Resultate zu erwarten sind und dass so eine Thematik hier immer wieder aufgegriffen wird.


    Die Belichtungsproblematik in Bezug auf die verringerte Empfindlichkeit durch die vergangenen Jahrzehnte ist mir bewusst und wird berücksichtigt, genauso wie die Einbeziehung eines Restrainers gegen den Schleier bei der Entwicklung.


    Gibt es jemanden hier, der grundsätzlich noch mit diesen Platten in der Produktionszeit gearbeitet hat und weiß, welche Entwicklungsroutinen vormals angewendet worden sind? Habt Ihr Ideen für ein gutes Vorgehen in der Dunkelkammer - Entwickler usw.? Danke für Eure Hilfe.


    Ich weiß, dass der wunderbare Fotograf Heinrich Heidelberger die Silbereosin-Platten geliebt und exzessiv genutzt hat zusammen mit HC 110-Varianten.

  • Oha! Ja, ich habe vor sehr vielen Jahren die Perutz Silbereosin Platten benutzt, und ich weine ihnen immer noch nach (habe ich hier im Forum auch schon mal erwähnt). Etwas so einfach zu verarbeitendes und mich (!!!) vom Ergebnis so beglückendes habe ich nicht mehr gefunden. Die tollen Orthoemulsionen, die man gelegentlich findet, haben einfach eine andere Charakteristik/Anmutung.


    Zurück zum Thema. Ich meine, den Prozess hier schon einmal beschrieben zu haben; ich versuchs nochmal. Welchen Entwickler ich genommen habe, weiß ich nicht mehr (das war immerhin in den späten 60ern des letzten Jahrhunderts). Vermutlich tuts jeder Entwickler. Trotz Sensibilisierung sind die Silbereosine keine Sensibelchen. Jedenfalls kann man die Dinger ganz problemlos bei Rotlicht, das im Übrigen ausgesprochen hell wirkt, auf Sicht entwickeln. Dazu nimmt man sie über Eck in eine Haltezange, Schicht nach unten, und bewegt sie solange dezent in der Schale mit dem Entwickler, bis auf der Rückseite, also "oben", das Bild durch die milchige Schicht sichtbar wird. Dann ist es gut. Der Rest ist Standard.


    Ich meine, mich erinnern zu können, dass ich Rodinal genommen habe ... sprich, Erinnerung, sprich! HC-110 war es ganz sicher nicht. Der dürfte aber auch problemlos gehen.


    Die Bilder von Heidersberger gefallen mir auch gut. Außerdem ist er 100 geworden und hat bis zuletzt fotografiert. Das ist doch ein Vorbild!


    Der Rest bleibt Experimentieren.


    Viel Spaß dabei wünscht hp

  • Moin,


    ich habe die Silbereosinplatten vor drei Jahren mal belichten können.
    Schöner Film!
    Ein unregelmäßiger Schleier war schon zu sehen, besonders am Rand:


    [Blocked Image: https://live.staticflickr.com/…41157432_2019420be8_c.jpg]


    [Blocked Image: https://live.staticflickr.com/…81829476_57473a668e_c.jpg]


    Falls interessiert, hier mehr zu dem Projekt:
    http://www.flickr.com/photos/1…/albums/72157686135321996


    Die 6,5x9cm-Platten wurden in der Schale nach Zeit entwickelt:
    3min Vorwässerung
    4 - 5 min Rodinal 1+50 (20°C) // HC110 sollte auch gehen, karbonathaltige Entwickler wie D76 würde ich meiden, damit ein Ablösen der Schicht im Stoppbad nicht gefördert wird...
    30sek Stoppbad
    3min Tetenal Superfix


    Empfindlichkeit ca. 0 - 3 ASA


    Beste Grüße
    Jens

  • Wahnsinn!!! Ich danke Euch so sehr für die technischen Vorabhinweise. Das motiviert mich unheimlich!
    Im Übrigen gefallen mir auch die fotografischen Arbeiten ausgesprochen gut.


    So meine Ergebnisse vorliegen, zeige ich sie auch!

  • Oha! Ja, ich habe vor sehr vielen Jahren die Perutz Silbereosin Platten benutzt, und ich weine ihnen immer noch nach (habe ich hier im Forum auch schon mal erwähnt). Etwas so einfach zu verarbeitendes und mich (!!!) vom Ergebnis so beglückendes habe ich nicht mehr gefunden. Die tollen Orthoemulsionen, die man gelegentlich findet, haben einfach eine andere Charakteristik/Anmutung.


    Hallo hp,


    dem kann ich nur zustimmen, das ist ein legendärer Film.
    Auch nach 70 Jahren merkt man das noch...
    Dünnschicht ist nicht alles, auch bei niedrigempfindlichen Filmen.


    Beste Grüße
    Jens

  • Hallo Jens,


    normalerweise erspare ich mir bestätigende Antworten. Die werden eher zur Selbstbeweihräucherung. Aber damit hast du jetzt bei mir etwas "zum Klingen gebracht", was ich nicht unbedingt so erwartet hatte. Immer wenn ich von den Silbereosinplatten schwärme, komme ich mir schrecklich alt vor, ein ewig Gestriger, der die Fortschritte nicht verstehen mag und sich in ein nostalgisches Schneckenhaus zurückzieht.


    Deshalb ein ganz großes Dankeschön dafür, dass du mich nicht allein lässt! Und ja, ich glaube schon, dass es für manche Produkte aus früherer Zeit keinen adäquaten Ersatz gibt. Ich gebe aber gerne zu, dass die Silbereosinplatten besonders gut mit meiner fotografischen Auffassung harmonierten. Das muss nun wirklich keinesfalls jedermanns/-fraus Sache sein ...


    Weiter frohes Bildermachen,
    adventliche Grüße von hp

  • Moin,


    danke, hp. :-)
    Als in den 1970ern geborener hatte ich nie die Chance ihn neu zu kaufen.


    Falls es interessiert, noch kurz die Beschreibung aus der zeitgenössischen Literatur (Zitat aus: Dr. W. Heering, Das Rolleiflex Buch, 1932, Knapp Verlag, Halle):


    "Perutz-Silbereosin-Platte, 13° Scheiner,
    höchste Orthochromasie mit gedämpfter Blauempfindlichkeit
    (durch eine Farbschicht hat sie das Gelbfilter "in sich") ohne Lichthofschutz, aber durch ihren dicken Guß praktisch lichthoffrei,
    mit großem Belichtungsspielraum.
    Feinkörnigste Platte des Handels (...) sehr haltbar."


    Faszinierend.
    Ein Nachbau wäre wohl nicht trivial.


    Beste Grüße
    Jens

  • Wahnsinn!!! Ich danke Euch so sehr für die technischen Vorabhinweise. Das motiviert mich unheimlich!
    Im Übrigen gefallen mir auch die fotografischen Arbeiten ausgesprochen gut.


    So meine Ergebnisse vorliegen, zeige ich sie auch!

    Ja, danke für Deine Frage, ich habe auch noch 3 Päckchen Silbereosinplatten, mit den Antworten hier muß ich die dringen mal ausprobieren. Danke auch an hpprüfer für deine Aussagen!


    @Krausesbilder Was nimmt man / ist ein restrainer? Wäre schade, wenn alles verschleiert wäre?


    @hppruefer Wo ist eigentlich die Schichtseite, wenn man auf die offene Packung guckt? Ich bin gar nicht sicher, ob ich die Platten überhaupt richtig eingelegt habe.


    VG Andreas

  • @hppruefer Wo ist eigentlich die Schichtseite, wenn man auf die offene Packung guckt? Ich bin gar nicht sicher, ob ich die Platten überhaupt richtig eingelegt habe.

    Oweh, das weiß ich nicht mehr. Ich glaube, die Platten waren immer paarweise zusammengepackt, Schicht gegen Schicht, mit einer Papierzwischenlage. Sorry, das ist sooo lange her, mindestens 50 Jahre (da darf auch mein Langzeitgedächtnis dezente Lücken haben).

  • Was nimmt man / ist ein restrainer?


    Zitat Dr E. Vogel - Fehler im Negativ und ihre Abhilfe:

    • "" Die Platte "schleiert", d.h. sie bedeckt sich bei der Entwicklung mit einem grauen Belag (Grauschleier), der die Schatten trübt und dem ganzen Negativ ein flaues, monotones Aussehen gibt. Die Ursachen sind:

    a) Die Platte ist überlichtet. In solchem Falle kommt das Bild sehr schnell beim Entwickeln und verschwindet ebenso bald unter dem Schleier .
    Zu vermeiden durch Zusatz von Bromkaliumlösung zum Entwickler oder Anwendung alten Entwicklers.
    b) Die Platte wurde in der Kamera von fremdem Licht getroffen. In diesem Falle stellt sich der Schleier vor dem Erscheinen des Bildes ein und bedeckt auch die unbelichteten Teile der Platte, mit Ausnahme der durch Kassettenränder, Vorreiber usw. geschützten Randteile
    Man untersuche Kamera, Kassetten usw. auf ihre Lichtdichtheit (Löcher in Balgen z.B. oder vorne im Objektivbrett können eine allgemeine Verschleierung oder das überlagern eines zweiten, unscharfen Bildes bewirken).
    c) Der Entwickler ist zu stark, besonders zu alkalireich, zu warm oder enthält zu wenig Bromkalium.
    In diesem Falle hilft Verdünnung, Verwendung von weniger Alkali, Abkühlung oder Bromkalizusatz.
    d) Das Licht der Dunkelkammerlaterne ist zu hell, oder die roten Scheiben lassenSchädliches Licht hindurch.
    Man entwickle, namentlich farbenempfindliche Platten, in bedeckter Schale und setze sie nicht unnötig lange dem Lichte aus.
    e) Die Platten sind zu alt oder mit schleieriger Emulsion präpariert oder lagen zu lange in Holzkassetten.
    Man nehme reichlichen Zusatz von Bromkaliumlösung zum Entwickler. Zu alte oder in feuchten Räumen gelagerte Platten charakterisieren sich dadurch, daß der Schleier gegen den Rand zu viel stärker wird.


    Fertige,schleierige Negative kann man verbessern, wenn
    man sie zuerst mit Blutlaugensalzabschwächer
    behandelt , bis der Schleier vollständig
    verschwunden ist, und dann nach gutem Waschen bis
    zur erforderlichen Dichte verstärkt. ""




    Wo ist eigentlich die Schichtseite, wenn man auf die offene Packung guckt?



    Zum Glück waren Beiträge hier einst dergestalt verfaßt, daß es lohnte, sich die Inhalte zu merken:


    Um im Dunkeln zu erkennen wo die Schicht ist fährt man mit dem Handrücken, nicht mit der Handfläche oder den Fingern da man so in jedem Fall Flecken hinterläßt, ganz leicht über die Platte. Die Schichtseite fühlt sich ganz glatt an wogegen die Glasseite sich ein ganz wenig klebrig anfühlt. Um das zu üben muß man nicht unbedingt eine Platte opfern, eine entwickelte Platte fühlt sich genau so an. Aber Vorsicht, z. B. nasse Kollodiumplatten wurden oft mit Dammarharz lackiert und fühlen sich deshalb auch anders an als unbelichtete Trockenplatten.

  • Ja, danke für Deine Frage, ich habe auch noch 3 Päckchen Silbereosinplatten, mit den Antworten hier muß ich die dringen mal ausprobieren. Danke auch an hpprüfer für deine Aussagen!
    @Krausesbilder Was nimmt man / ist ein restrainer? Wäre schade, wenn alles verschleiert wäre?


    @hppruefer Wo ist eigentlich die Schichtseite, wenn man auf die offene Packung guckt? Ich bin gar nicht sicher, ob ich die Platten überhaupt richtig eingelegt habe.


    VG Andreas

    an die Glas Platten kann ich mich noch gut erinnern. Und an dereren Geruch auch. Herrlich!!!
    Und jetzt zu deiner Frage mit der Schicht; wen man mit einem fettfreien Finger auf der Oberfläche drüberfährt füllt sich die Schichtseite etwas rauer auf. Das wirst du schon selber schnell raus finden wenn du das Ding abtasten tust.

  • Hallo zusammen,


    erstmal muss ich mich entschuldigen: Meine Platten sind Perutz Superomnia Tropical, panchromatisch.


    Da oben unterschiedliche Aussagen bezüglich der Schichtseite gemacht wurden, hier man Fotos von meiner Platte.
    Die dunkle Seite ist die Glasseite, die helle glattere, die beschichtete Seite.
    Nun ist die Frage, ob durch die Glasscheibe auf die Emulsion belichtet wurde und die helle Seite somit ggf. neben der Emulsion auch Lichthofschutz ist, was ich mittlerweile nicht mehr glaube, oder ob direkt auf die beschichtete, helle Seite belichtet werden muss, was Sinn macht, da hier die dicke des Trägerglases dann egal ist. Links ist die Papierverpackung der Platte zu sehen, ist einzelverpackt.


    Freu mich auf eure Kommentare


  • So (Da) es sich um orthochromatische Platten handelt, geht das Einlegen bei dunkelkammergeeignetem Rotlicht mit minderer Lichtintensität (15 W) und ausreichend Abstand.
    Dann sieht man recht deutlich die Unterschiede zwischen Schichtseite und Rückseite und kann bequem einlegen. Optimal ist natürlich die Kerbe wie bei den J. Lane Dry-Plates!


    @Tausendblatt Ich finde ab er auch den Aspekt des Vorwässerns interessant. Ich habe auch daran gedacht aber- welche Auswirkungen hat denn das Vorwässern, es ermöglicht sicher die bessere Aufnahme des Entwicklers oder ein Ausspülen der Schutzschicht?


    @Shen Hao @AndreasJB Wegen des Restrainers habe ich Wolfgang Moersch angeschrieben, der 5 ml/1l seines Produkts, was eigentlich für Papiere gemacht ist, mit minimaler Steigerung um 1 ml je nach Schleierintensität pro Charge Filmmaterial empfohlen hat. Man muss dafür wohl etwas Material opfern. Letztlich kann man natürlich trotzdem ein passendes Motiv belichten und Glück haben, sofort die richtige Konzentration genutzt zu haben. Ansonsten besteht immer auch die Möglichkeit mit einem Selbstansatz von Benzotriazol zu arbeiten. Ich wüsste gern, welche Erfahrungen zur Nutzung von verbrauchtem Entwickler vorliegen?

  • Ich wüsste gern, welche Erfahrungen zur Nutzung von verbrauchtem Entwickler vorliegen?


    Keine Echten - ich arbeite wenn denn, über die Verdünnung, welche über die Zeit allerdings auch vom Verbrauch "lebt".
    Ansonsten regeneriere ich gebrauchten, nicht jedoch verbrauchten Entwickler, zumindest beim Lithen ( wo eigentlich eher der neue Stoff mit etwas Gebrauchten gestreckt wird), sowie grundsätzlich auch meinen Papierentwickle (Teil des Ansatzes verwerfen, Verbliebenes auffrischen).


    Grundsätzlich finde ich aber die antiquarischen Angaben schon hilfreich fürs allgemeine Verständnis, welches auf Abwegen jenseits der "perfekten Technik", z.B. eben bei gut abgelagerten Platten, durchaus Sinn machen könnte.


    Nach den in den 50ern belichteten Platten (und den Positiven davon ), die ich von einer ehrenwerten Fotografin erhielt, gehe ich nicht ausschließlich von Materialeigenschaften aus, denen man heute nachtrauern darf, sondern auch von der einstigen handwerklichen Kunde, die heute auch aus mangelnder Notwendigkeit etwas ins Abseits geriet.


    So steht zum Beispiel beim Herren M. Neumüller, daß im Mehrbad über drei versch. Entwickleransätze (ich meine es hieß "normal, verdünnt, gebraucht") die Platte je nach Anforderung durchgeschleust wurde - das Ganze auch noch unter Sicht, nach einer vorangestellten "Narkotisierung" der Platte.


    Narkotisieren ist heute mangels Chemie nicht mehr gut machbar ( und bei Ortho-Material auch nicht nötig), aber über die sonstigen Abläufe lohnt ein Nachdenken.


    Ansonsten kann man ein mißratenes Negativ auch noch verstärken, oder abschwächeln, und bleichen/rückentwickeln; das größte vorstellbare Problem dürfte daher vielleicht eine schlechte Lagerung der Platten, mit o. g. Begleiterscheinungen sein.

  • @Tausendblatt Ich finde ab er auch den Aspekt des Vorwässerns interessant. Ich habe auch daran gedacht aber- welche Auswirkungen hat denn das Vorwässern, es ermöglicht sicher die bessere Aufnahme des Entwicklers oder ein Ausspülen der Schutzschicht?

    Hallo,


    ich habe vor allem wegen der kurzen Entwicklungszeit von 4-5 min vorgewässert, ich bilde mir ein es hilft zu mehr Gleichmäßigkeit...


    Es grüßt
    Jens

  • Zarte Frage am Rande:


    In welche Kassetten werden diese SilbereosinPlatten denn am besten eingelegt?
    Passen die in eine normale Planfilmkassette? Lisco oder so?
    Vermutlich nicht, oder sucht man besser eine alte LINHOF Kassette mit Auswurfhebel,
    die nahmen ja auch noch dickere Filmmaterialen auf.

    Die zwei schönsten Geräusche der Welt sind: Ein Verschluss der sich öffnet und wieder schließt.

  • Zarte Frage am Rande:


    In welche Kassetten werden diese SilbereosinPlatten denn am besten eingelegt?
    Passen die in eine normale Planfilmkassette? Lisco oder so?
    Vermutlich nicht, oder sucht man besser eine alte LINHOF Kassette mit Auswurfhebel,
    die nahmen ja auch noch dickere Filmmaterialen auf.

    die Antwort kennst du wohl selber. Wunder gibt es nur bei Hollywood.

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