Was ist das für ein Objektiv ?

  • Hallo zusammen,


    Ich habe im letzten Jahr schon eine Grossformatoptik bei Ebay Kleinanzeigen gekauft, von der ich dachte, sie taugt mir.


    Drauf steht Schneider Kreuznach Xenar 5,6/300. Der Verschluss ist ein Compur 3 mit 1/200 als kürzeste Verschlusszeit. Ich hatte im Sinn, vom Hinterlinsenverschluss zu etwas flinker und tageslichtauglich zu wechseln.


    Die Optik ist angekommen, kurz begutachtet und den Verschluss von Hand probiert. Sieht aus wie neu. Weggelegt.


    Im März kam aus Ungarn die VDS 8x10 dazu. Montiert, aber das war nix. Der Balgen ist zu kurz. Seltsam. Mit der Sinar P und Zwischenstandarte konnt ich den Schornstein gegenüber (ca 40-50m) ungefähr fokussieren. Da war der Auszug um 55-60cm lang. Zudem war der Fokus auf der Mattscheibe nur abgeblendet zu machen (22).


    Den Ärger hab ich mir weggekauft mit einem *richtigen 300er* für die VDS.


    Was ist das für ein Ding? Am Objektiv selbst finde ich keine Nummer. Am Verschluss steht *Lens made in Germany 4 079 662*


    Auf der Frontlinse am Ring steht noch zwischen Kreuznach und Xenar das Linhof Logo.


    Ist dieses Objektiv, ausser durch Reengineering, irgendwie zu identifizieren ? Die 5,6 und die Blendenskala sind ja auch bestimmt nicht richtig.


    Schon mal vielen Dank für Euer Interesse.


    Gruß
    Stefan


  • Das Xenar ist Schneiders Version des Tessars. Vom Bildwinkel her kleiner als die Plasmate, wie z.B. das Symmar, aber 8x10 kann es ausleuchten. Die Blendenangabe erscheint mir nachvollziehbar, ist so auf jeden Fall von Schneider gebaut worden. Dein Exemplar ist ein recht junges, gibt es auch deutlich älter.


    Eigentlich sollte es sich problemlos an jeder 8x10 mit "gewöhnlichem" Balgenauszug scharf stellen lassen, zumindest solange Du nicht zu weit in den Nahbereich gehst. Bei 1:unendlich sollte der Abstand zwischen Nodalpunkt und Mattscheibe so ca. der Brennweite entsprechen.


    Was bei deinem Exemplar nicht stimmt, lässt sich nur schwer beurteilen – hat vllt. jemand ein falsches Hinterglied in den Verschluss geschraubt? Oder passt der Abstand zwischen Vorder- und Hinterglied nicht, da z.B. nicht voll eingeschraubt?


    An sich ist das eine feine Linse an einer 8x10...

  • Es könnte sein, das da jemand das Hinterglied vertauscht hat.

    Wenn ich mir das 2. Bild so anschaue, kommt mir das Hinterglied tatsächlich irgendwie fischig vor... An alle meinen Xenaren ist das einfach zylindrisch, nicht so Uhrglas-förmig wie hier. Allerdings habe ich die moderne Ausführung des Threadstarters hier nicht liegen.

  • Es könnte sein, das da jemand das Hinterglied vertauscht hat.


    Gruss Sven.

    Wenn ich mir das Bild auf dem Schneider-Prospekt von 1985 anschaue (in Life habe ich nur die Xenare 135 , 150 und 210); kann es durchaus die richtige Version sein. Dort ist die Fassung der Hinterlinse sichtbar nicht einfach zylindrisch. Das Xenar 300 ist dort mit einem Bildkreis von 347mm bei Blende 22 angegeben, hat also für 8x10 geringe Verstellreserven von ca.20mm.
    Gerade sehe ich noch: der Außendurchmesser der Fassung der Hinteren Linsengruppe ist mit 60mm angegeben. Kannst Du ja mal nachmessen.

    "Mehr Licht!" (angeblich die letzten Worte des berühmten hessischen Dichters J.W.Goethe)

  • Die Hinterlinsen sollte alleine eine Brennweite von ungefähr 50% der Gesamtbrennweite haben, also hier etwa 150mm.
    Die Frontgruppe ist negativ und erweitert dann die Brennweite auf 300mm.


    Anscheinend wird die hintere Linsengruppe deutlich zu lang sein, schraube sie mal heraus und teste den Unendlich Punkt.
    Ich fokussiere bei diesen Versuchen einfach durchs Fenster auf eine weiße Tür oder Tapete, für diesen Test reicht das erst einmal.
    So wie du es beschreibst wird die Gruppe eher 200-250mm Brennweite haben.


    Wenn Du durch das vollständige Objektiv schaust, bei offenem Verschluß, und dann auf eine gerade Linie, z.B. eine Hauskante hälst dann darf diese Kante nicht verbogen sein.
    Wenn solche Verzeichnungen auftreten hat es jemand verbastelt.


    Es kann aber auch schon reichen dass jemand in dem Objektiv eine einzelne Linse verdreht eingebaut hat, z.B. nach einer Reinigung.
    Das kann ebenfalls zu deutlichen Fokusverschiebungen führen vor allem bei den Tessar artigen Objektiven.


    Im Netz findest Du reichlich Schnittzeichnungen an denen Du sehen kannst wie die Linsenkrümmungen sitzen müssen, beim Xenar ist es am wahrscheinlichsten das die hintere Linse der Frontgruppe verdreht ist.
    Sie muss zur Blende hin deutlich hohl sein, ist sie eher flach dann ist sie verdreht und sitzt auch nicht mehr an der richtigen Position durch die große Fase an der Linse verschiebt sie sich bei der Montage dann zur Frontlinse hin..


    Vielleicht hast Du Lust meine Tipps zu probieren und es würde mich interesseiren was dabei herausgekommen ist.

  • Also die Hinterlinse bringt mir gegen Unendlich bei ziemlich genau 30cm Abstand zwischen Linse und Mattscheibe ein erkennbares, scharfes Bild.


    Die Vorderlinse allein liefert mir im einfachen Aufbau ohne Balg und Verdunkelungstuch kein erkennbares Bild.


    Zusammen montiert misst der Auszug ca 53cm.


    Der Aussendurchmesser an der Hinterlinse ist 58mm.


    Hier noch ein Foto der Innenseite der Vorderlinse.




    Die Gewinneringe sehen meiner Ansicht nach nicht *verbastelt* aus. Jedenfalls wenn ich an anderen Linsen geschraubt habe, sieht man dort deutliche Spuren wo der Spanner greift.


  • 300mm Brennweite sind deutlich zu lang für die Hinterlinse.


    Habe eben mal bei zwei anderen 300mm Tessartypen das Auflagemaß getestet und die liegen in etwa bei 150-170mm zudem müssen sie stark tonnenförmig verzeichnen.
    Diese Verzeichnung wird durch das entgengesetzt korrigierte Frontglied ausgeglichen.
    Wenn das Hinterglied ein scharfes und nicht verzeichnetes Bild bei 300mm Auflagemaß zeigt gehört es definitiv nicht zu dem Xenar.


    In Deinem Bild ist zu erkennen das die Mittelinse in der Fassung verbördelt ist, sie kann daher nicht verdreht sein.
    Die Linse sieht aber so aus als wenn Sie eher zu einem Plasmatartigem Objektiv gehört, denke da an ein altes Sironar.
    Für das Xenar ist die Linse nicht genügend hohl, also der Linsenradius ist zu groß.


    Wage jetzt eine Aussage, vermutlich gehört die Hinterlinse zu einem Sironar oder Symmar S 5,6/240mm
    Bei diesen beiden Objektivtypen waren die Fronlinsen deutlich länger als die hinteren.
    Die Frontgruppen hatten etwa die dreifache Brennweite des Gesamtobjektives, also 720mm und zusammen mit den 300mm der Hinterlinse scheint es dann passig.


    Der optische Durchmesser passt ebenfalls eher zu einem Plasmaten, durch die sehr großen Frontlinsen waren mittelere Linsen mit kleineren Durchmesser möglich.


    Bei einem Xenar 5,6/300 sollten die beiden Linsen, die zur Blende stehen, um die 50mm Durchmesser haben.
    Hier sieht die Linse aber deutlich kleiner aus.

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