Streetfotografie 1

  • Zur Neuerüffnung der Galerie nochmal ein Beitrag zur Aldiparkplatzfotografie, diesmal mal "nur" mit der 13x18 Handkamera (SAngulon 90, Colorneg.) aufgenommen. Bevor hier die "Schulmeisterkritik" einsetzt: stürzende Linien könne auch ein Gestaltungswerkzeug sein.

  • Servus,

    Da ist was los auf dem Bild

    für mich ist da ein bisschen zu viel los auf dem Bild. Mich irritieren vor Allem die stürzenden Linien im Hintergrund und auch, dass die horizontale Kante an der Wand ne leichte Biegung hat.

    Auch das Auto hinter dem Häuschen stört mich hier. Zum Einen weil es da ist und zum Anderen, weil es am abgeschatteten Teil des Häuschens steht und sich daher nicht davon abhebt.


    Es scheint auch, als hättest du die Kamera anhand des Parkverbots ausgerichtet. Das gibt dann das Problem, dass das andere Hauptelement dann nicht mittig ist. Beides miteinander zu vereinbaren ist aber auch schwer, da auch das Symbol nicht exakt mittig zur Tür liegt...ein Mittelweg wäre also wohl auch schwierig.


    Was ich aber geil finde ist, wie schon erwähnt, das Rot.

    Auch wie die Laternen gemorpht sind finde ich interessant. Ohne da ein großes Fass aufzumachen: Beides würde m.M.n. aber noch besser kommen, wenn die Linien im HG tatsächlich streng parallel ausgerichtet wären. Dann würden sich Vorder- und Hintergrund klarer voneinander trennen. Was ich damit meine: Klar, hinten schräg und vorne schräg vs. hinten gerade und vorne gerade...macht doch keinen Unterschied bzgl. Trennung?

    Aaaaber, dadurch dass die Lampen ja schon verzerrt sind und das Dach auch recht ausladend ist, wäre das (oder zumindest eines der) zentrale(n) Element(e)

    deutlicher herausgestellt.

    Du könntest dann auch (noch) tiefer mit dem Kamerastandpunkt gehen, was den Effekt dann zusätzlich verstärken würde.


    Ende der:

    "Schulmeisterkritik"

    Wobei...jetzt wo die "Ränge" deaktiviert sind bin ich (endlich wieder) der unbedarfte Kritiker der ich sein möchte.


    Gruß

    Mario

  • Es scheint auch, als hättest du die Kamera anhand des Parkverbots ausgerichtet. Das gibt dann das Problem, dass das andere Hauptelement dann nicht mittig ist. Beides miteinander zu vereinbaren ist aber auch schwer, da auch das Symbol nicht exakt mittig zur Tür liegt...ein Mittelweg wäre also wohl auch schwierig.


    Klar, das Bild hätte man auch "korrekt ausgerichtet" machen können, die Szenerie als solche kann ich nicht ändern. Will ich auch nicht. Das Bild ist sowieso schon so sehr zentrisch und symetrisch angelegt, so dass mir die Rechts/Links-Unregelässigkeiten gerade recht sind. So hat das Auge was zu tun.

    Durch die Kippperspektive richtet sich alles auf das Verbotsschild aus. Und das soll es auch. Wenn ich mit der 13x18 Handkamera unterwegs bin, kann ich erstmal keine Perspektive korrigieren, erst später in der Bildbearbeitung. Aber hier war das keine Option, ich bin sogar so nahe wie möglich vorgegangen, um die maximale Grössenperspektive Vorder/Hintergrund zu bekommen.

    Mit der Grossformat mache ich keine "Zufallsbilder", dafür ist der Aufwand zu gross. Das Motiv als solches war schon mit der DigiKam gemacht.

    Die wichtigste Entscheidung war das Licht: Bei reinem Vorderlicht wäre mir der Gebäudehintergrund zu vorlaut hell geworden, bei Gegenlicht der Tankhäuschenschatten in den Vordergrund geraten. Das gewählte Seitenlicht lässt gerade noch den Hintergrund im Schatten, den Vordergrund voll im Licht und der Häuschenschatten nach links hebt noch genau richtig die Lichtsymmentrie auf, was ich gut finde, damit das Auge arbeitet.

    13x18 und 90mm aus der Hand geht noch bei 400 ASA und 1/125sek und Blende 16-22. Sicherheitshalber mache ich immer 2 Shots auf der Doppelkassette, auch für mögliche Laborprobleme. Ein leichtes Stativ ist aber meist auch dabei, wenn es keine Sonne gibt.

    Gruss

    Rainer

  • Mir geht es nicht um Haarspalterei oder ums schulmäßige Ausrichten.

    Eine Aufsicht, bei der die Filmebene nach hinten geschwenkt ist, dehnt die Waagerechte, also in diesem Fall den Boden mit dem Schild. Das ist der Inhalt meines Kommentars.

    Schon gut, ich wollte dich nicht persönlich damit kontern, sondern das war verallgemeinernd gedacht ....

    Aber die Antwort hab ich schon gegeben: "ich bin sogar so nahe wie möglich vorgegangen, um die maximale Grössenperspektive Vorder/Hintergrund zu bekommen". Für das Alltagsauge eine klare Provokation ...


    Is klar, das Bild wäre viel einfacher und "verständlicher" geworden, wäre ich einfach ein paar Meter noch zurückgegangen. Der Grössenkontrast Vorder-Hintergrund hätte sich gemildert, die stürzenden Linien vermeidbar und alles harmonischer geworden.

    Wollt ich aber nicht.

  • Du scheinst genau zu wissen, warum du die Motive so und nicht anders fotografiert hast. Insofern bin ich auch angesichts deiner Wortwahl "Schulmeisterkritik" unsicher, ob Bildkritik überhaupt erwünscht ist. Aber da ich gerade ein paar Minuten Zeit habe, die Bilder summa-summarum gut finde und die kritischen Randbemerkungen gering sind, gebe ich sie einfach mal von mir.

    Ich finde, die Motive sind gut ins Bild gesetzt mit toller Farbigkeit, gelungener Lichtführung und auch die Betonung des Vordergrundes finde ich interessant. Was mich lediglich stört, ist die unkorrigierte Perspektive. Dabei bin ich durchaus nicht der Meinung, dass Großformatbilder unbedingt kantenparallel ausgerichtet sein müssen. Die verzerrten Laternen im ersten Bild wären mir aber bei so einem Motiv etwas zu viel des Guten. Vielleicht bin ich durch die Nähe zu den Lost Places Fotografien von Stephen Shore da aber auch voreingenommen. Der zweite Aspekt, den ich überdenken würde, ist die scheinbare Zufälligkeit in den Details. Anschnitt, sich treffende oder überschneidende Bilddetails und Linien wirken in beiden Bildern nicht so, als seien sie bewusst gestaltet bzw. gewählt. Falls das auch gar nicht so sein soll, um den Handheld-Schnappschusscharakter hervorzuheben, dann ist das natürlich gelungen. Ich denke nur immer, dass es dem Bild egal ist, wie es fotografiert wurde.

  • Ich bin nur neugierig wegen des Filmes, weil es, wenn überhaubt, 13x18 in Farbe nur

    noch in homeopatischen Mengen zu entsprechenden Preisen gibt. 5x7 gibts ab und an

    bei Canham wenn eine Sonderbestellung bei Kodak zusammen kommt.
    Die EXIFs des Bildes haben mich auch nicht weitergebracht.

  • Zunächst mal zum Film. Ich weiss es garnicht mehr genau, aber ich habe noch ein paar leere Packungen Porta 5x7 herumliegen, könnte aber auch Fuji NPS 160 gewesen sein, den ich auch für 8x10 verwendet habe. Da ich aber seit ein paar Jahren für meine ULF-Kamera mit 24x37cm notgedrungen auf Luftbildfilm Avicolor 400 umgestiegen bin und mir noch zum Fabrikationsschluss 2 145m Rollen ins Tiefkühlfach gelegt habe, mache ich alles GF nur noch damit. Der Avicolor Negativfilm ist maskenlos und arbeitet mit mehr Kontrast, da er bereits direkt zum Scannen entworfen wurde und nicht mehr zum Umkopieren.

    Aber eigentlich ist das nicht entscheidend. Die normalen Farbnegativfilme sind im Unterschied zu Diafilmen extrem weich in der Gradation, gewinnen dadurch 5 Blenden mehr Belichtungsumfang. Das ist der Grund, warum ich vom Positivfilm auf Negativfilm umgestiegen bin, ich habe damit praktisch keinen Ausschuss mehr durch Fehlbelichtung.

    Weil der Kontrast aber nachträglich beim Scannen erhöht werden muss, wird auch das Filmkorn deutlicher sichtbar als im Diafilm.

    Farbnegativfilme sind viel schwieriger digital zu verarbeiten, die beliebten Scannerautomatiken schneiden gnadenlos die Lichter und Schatten ab. Wichtig ist, dass beim Scannen (oder nachher in der BB) auch die Farbsättigung deutlich erhöht werden muss, was die Farbabstimmung noch schwieriger macht. Es hilft aber nichts. da muss man ran, und die Vorteile des Farbnegativfilms sind insgesamt schlagend.

    Umso fassungsloser war ich zu entdecken, dass es bei der mit allerhand Fizelwerkzeugen vollgestopften Referenz-Scannersoftware Silverfast kein Werkzeug zur Farbsättigung gibt, oder hat jemand von euch eines gefunden. (Finderlohn ist ihm sicher).


    Gruesse erstmal

    Rainer

  • Danach

    Der zweite Aspekt, den ich überdenken würde, ist die scheinbare Zufälligkeit in den Details. Anschnitt, sich treffende oder überschneidende Bilddetails und Linien...

    habe ich gesucht.


    Beim Zweiten teile ich die Meinung allerdings nicht.

    Dort sehe ich keine zufälligen Elemente (Auto, deine Spiegelung), die da sind, weil sie eben einfach da waren. Daher wirkt das auf mich insgesamt harmonischer.


    Wenn ich Beide miteinander vergleiche, provoziert mich das Zweite daher auch weniger (bis gar nicht), da hier die schrägen Horizontalen klar als solche benannt sind. Auch ist dort der Tank als (Haupt)motiv klar definiert.

    Beim ersten Bild habe ich auch das Gefühl, als könnten sich die Linien nicht wirklich entscheiden ob sie nur ein bisschen, ein bisschen mehr, oder gar nicht kippen sollen. Der Wust an weiteren Elementen/Details kommt dann noch erschwerend hinzu.

    Das in Kombination mit der Aussage von Klaus lässt das Auge natürlich auch arbeiten. Dieses arbeiten kann (wie ich bei mir feststelle) aber auch in visuellen Stress umschlagen.


    Ja, ja, du machst die Bilder ja nicht für mich und Geschmäcker bzw. Intentionen sind verschieden. Da ich dir ja nur vor den Kopf gucken kann möchte ich daher gerne

    das Bild auf seine W-Fragen abklopfen, eben weil ich das Bild nicht so bzw. anders angelegt hätte.


    In diesem Sinne

    Gruß

    Mario

  • Vielen Dank für die Antwort.

    Das mit dem Luftbildfilm werde ich mal verfolgen.

    Den gibt es leider micht mehr auf dem Markt. Die ab Fabrik aufgekauften Reste wurden eine Zeitlang als Rolleicolor 200 Roll- und Kleinbildfilm angeboten, waren sehr beliebt wegen der besonderen Eigenschaften siehe oben, aber sind alle aus.

    Ich glaube, ich bin der einzige, der noch auf Vorrat hat. Den ich aber für den Rest meines Lebens niemals aufbrauche, deshalb hab ich mit schon überlegt, ob ich mal meterweise davon an sachkundige Praktiker weitergebe. Aber das ist ein anderes Thema.


    Rainer

  • Hi bonnescape, Hi mec,


    natürlich sollt ihr hier freiweg eure Kritik sagen (und Lob wenn es unbedingt sein muss). Danke.


    Mit dem zweiten Bild werde ich nochmal einen gesonderten >Thread aufmachen, da ich noch einiges hoffentlich interessantes dazu zeigen will. Spart euch eure Kritik noch bis dahin auf bitte.

    Zu Bild 1 gibt es generelle Kritik am Bildaufbau (stürzende Linien zuerst) und an der Detaildarstellung.

    OK, der Bildaufbau ist eine bewusste Provokation, kann man klar ablehnen. Oder kann man auch einfach anders machen.

    Bei den Details ist das so eine andere Sache: Ich bin als Streetfotograf den Realismus verpflichtet, was da ist, ist auch auf dem Foto und was nicht da ist, wird bei mir prinzipiell nicht ala Gurski nach Belieben hineingeklebt. Wenn ich so vorgehen würde, wäre kein Foto mehr glaubwürdig, weil immer gefragt werden könnte, was hat er wegretuschiert und was hat er reingeklebt.

    Die klassischen Streetfotografen kannten dieses Problem nicht. Ich schätze Meyerowitz,Shore, Sternfeld ua. sehr, sie haben mir damals die Augen geöffnet. Aber auch Shore könnte diese natürliche Verzeichnung der Laternen oder des Verbotsschilds NICHT kameratechnisch aufheben, sondern müsste damit leben, wenn das Bild als Aussage so gemacht werden soll. Ich so habe ich es auch akzeptiert.

    Also habe ich hier mal versucht, das "Wunschbild" der Kritiker hinzubiegen. Wenns so besser gefällt:


    Ich habe das Bild nochmal ausgewechselt, sorry.

    Gruesse

    Rainer

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