Streetfotografie 2

  • Wie schon angekündigt hier nochmal das 2 Streetfotografiemotiv als neuer Thread.

    Neu deshalb, weil ich auch zeigen will, wie solche Bilder bei mir entstehen. Wie schon gesagt, mit der Grossbildkamera mache ich keine Zufallsbilder.

    Dieses Foto hier wieder mit der 13x18 Handkamera und 90 mm SAngulon habe ich "Abschlussbild" gemacht, nachdem ich über einen längeren Zeitraum immer mal wieder einen Ausflug zur Location gemacht habe



    Es hat ein bischen Zeit gekostet bis ich auf einer älteren Archivfestplatte ein Foto gefunden habe, dass wahrscheinlich das allererste Foto war, soweit ich weiss mit einer Digitalreflexkamera KB. Bitte jetzt nicht an der falschen Stelle kritisieren, das Foto ist völlig unbearbeitet out of the camera. Ich habe das auch weiter garnicht aufgearbeitet, Licht, Standpunkt, Brennweite, Farbe usw. alles ist falsch und "raw" .

    Aber irgendwie müsste man daraus etwas machen können ... Deshalb wurde es nicht

    gleich weggeworfen.



    Erstmal hier zur Diskussion und Kritik freigegeben.


    Gruesse

    Rainer

  • Klar, warum nicht, für mich überraschend, wenn du noch etwas dazu sagen würdest, könnte man auch darüber reden.


    Ich mach trotzdem mal weiter.

    Was für mich jedesmal ein Problem war, wie das Hauptmotiv mit dem Hintergrund abzustimmen. Beim (zeitlich) ersten Foto ist der Versuch, das Motiv mittig zu nehmen, schon misslungen, und der Hintergrund trotzdem nach rechts verschoben. ES war also die Aufgabe, wie beides ins Gleichgewicht zu bringen, dh für mich am besten beide in die Mitte, weil eigentlich gleichgewichtig aber gestalterisch nicht möglich ist (Byzanz lässt grüssen!). Das Endbild zeigt meine Lösung, die aber bei genauen Hinsehen immer noch ein Kompromiss ist.

    Die zwischenzeitlichen Fotos hänge ich hier dran, sie sind ähnlich, aber doch aufgrund der Gegebenheiten etwas verschieden, wenn man genau hinschaut (und will).



    Erstaunlicherweise für mich komme ich immer fast auch den gleichen Aufnahmestandpunkt für das (für mich) beste Foto, obwohl ich niemals irgendwelche "Vorlagen" oder "Skizzen" mitnehme und die Fotos zeitlich mehrere Jahre auseinanderliegen.

    Gruesse

    Rainer

  • Ich bin nicht so von Weitwinkelobjektiven angetan wie du, deshalb wollte ich eigentlich nichts dazu sagen. Nun klingst du aber recht "debattierfreudig". Also dann:


    Ich kann mich dem Denken nicht anschließen, das ein Hauptmotiv findet. Für mich ist die Gesamtszene das Motiv; Tankstelle vor einer Tankfarm. Wenn wir da zusammen hingegangen wären, hätte ich bestimmt ein Foto gemacht, denn der Ort gefällt mir sehr. Bei meiner Auffassung fällt mir als erstes der Höhenunterschied auf und den hätte ich in meinem Bild auch als Höhenstaffelung sehen wollen. Das heißt: weiter weg - wenn das geht - längere Brennweite. Dann wachsendie Tanks der Tankfarm gegenüber der Tankstelle in die Höhe. So weit die hintere Standarte tiefverstellen - alternativ die vordere hoch - bis vom Betonplatz nur wenig bleibt.


    Gruß

    Dieter

  • Beim zweiten Hinsehen finde ich das zweite harmonischer, weil die Linien Einheitlich der Mitte zustreben. Ich muss aber gestehen das ziehende Weitwinkelaufnahmen, wie auch die Tankstelle nicht mein Ding sind und beim draufsehen körperliches Unbehagen hervorrufen (das weder sarkastisch noch wertend gemeint).


    Was mir aber als erstes aufgefallen ist, das Licht ist schöner. Am GF ist mir der Kontast zwischen dem weißen Tank und den bewölkten Himmel, der eigentlich weißer und blauer sein könnte. Aber selbst dann. Mir gefällt das gedeckte Licht der Digicam Aufnahme für das Motiv besser. Vielleicht auch weil die Verzeichnung da nicht nach Effekthascherei (das ist auch nicht abwertend gemeint) aussieht.


    Gruss Sven.

  • Servus, ich nochmal.


    Also beim ersten Versuch (Digibild) finde ich das auch ziemlich schwierig alles in die Mitte zu bringen. Hier eben weil die einzelnen Elemente auch gegeneinander verschoben sind: Unterstand nicht mittig zum Tank und Tank nicht mittig zum Häuschen.

    Daher finde ich, dass du das über die Schrägstellung in den folgenden Bildern besser gelöst hast. Ja, die genannten Bauten sind trotzdem nicht in sich mittig, aber hier fühlt es sich nicht so nach "auf Biegen und Brechen" an.


    Auch der Einsatz des WW ist nicht verkehrt, da ich hier eindeutig den blauen Tank als Hauptmotiv sehe. Er ist ja schon durch seine Farbe sehr exponiert und bekommt auch ordentlich Raum.

    Der darf sich ruhig gegen den Rest behaupten.

    Daher fühlt sich das auch nicht danach an, dass die gesamte Szene das Motiv sein sollte.


    Bzgl. der Farbe finde ich es gut, dass der Tank so stark heraussticht. Beim letzten Bild ist mit das persönlich aber doch fast zu stark.

    Beim Himmel bin ich auch etwas zwiegespalten. Einerseits nehmen sie Wolken Bezug auf die "Tankfarm" und die vereinzelten blauen Flächen beziehen sich dann wiederum auf den Tank.

    Andererseits wirkt mit das aber irgendwie zu unruhig bzw. lenkt es mich vom "Motiv" ab. Ist jetzt aber auch persönliche Präferenz: ich mag meinen Himmel gerne unbewölkt. Hat dann m.M.n. auch eine staffelnde bzw. ordnende Wirkung.


    Gruß

    Mario

  • Hi Urnes, ich versuche mal deinen Beitrag zuzuordnen. Was mir dazu einfällt, das ist die Düsseldorfer Schule der Bechereheleute, die völlig neutral von Licht und Geometrie und konsequenterweise ohne Farbe Ihre Industrielandschaften fotografiert (oder doch nur dokumentiert ?) haben. Ich habe oft in Museeen ihre Fotografien gesehen und meine Probleme damit gehabt: Was soll das, Gesellenabschlussarbeit mit Nachweis der Beherrschung der schulfotografischen Grundregeln. Erst nachdem ich später Zusammenstellungen dieser Arbeiten gesehen hatte, habe ich gesehen, es ist ein Projekt serieller Fotografie in Perfektion, wie mit der Bildschablone durch die "Industrielandschaft" gezogen und den einen äthetischen Abstraktionsbegriff erarbeitet, für den "Begeisterungen" in Licht, Farbe und Gestaltung nur Ablenkungen sind. Aber andererseits fotografiere ich so ...


    Zurück zu meinem Thema. Vielleiht habe ich gezeigt, dass es spannend ist auch an Nuancen zu arbeiten, die 3 Bilder sind gleich und doch verschieden. Ich hänge mal hier noch ein Foto dran, das zwischendrin entstanden ist.



    Ich bin damals spotan losgezogen, um vielleicht ein völlig versifften Foto zu bekommen, leider hatte das Wetter schon gedreht und es ist wieder ein "schönes" Bild geworden.

    Aber für dieses Projekt ist mir jetzt klar, dass man sogar 4 Bildbereiche zusammenbringen muss: den Vordergrund, das Hauptmotiv (Tankstelle), den Hintergrund und den Himmel. Und je nach Gegebenheiten, die ich nicht aussuchen kann, entstehen jedesmal andere Fotos.


    Zum Schluss noch ein letztes Foto, in der Hoffnung mit der 5x7 vielleicht nochmal besseres Licht zu bekommen, bin ich losgezogen, aber finde die Szene zwischenzeitlich umgebaut. Damit ist das Projekt für mich gestorben, das Bild ist also nur Dokumentation.



    Gruesse

    Rainer


    PS: Wenn jetzt jemand sagt, das letzte gefällt ihm am besten .... lösche ich den ganzen Thread.

  • so ne gefundene Situation is immer interessant, manchmal is die Umsetzung dann doch nicht ganz so wie man sich das vorgestellt hat..

    wenn dann Dinge drin sind, Baum, Fässer etc, die die Symmetrie stören.

    ich frage mich dann, wie hätte Anselm das evtll gelöst? vllcht mit einer 'forced perspective'?..frontal, von einer extremen Bodennähe aufwärts?

  • ich frage mich dann, wie hätte Anselm das evtll gelöst? vllcht mit einer 'forced perspective'?..frontal, von einer extremen Bodennähe aufwärts?

    Ich bin damals spotan losgezogen, um vielleicht ein völlig versifften Foto zu bekommen, leider hatte das Wetter schon gedreht und es ist wieder ein "schönes" Bild geworden.

    Aber für dieses Projekt ist mir jetzt klar, dass man sogar 4 Bildbereiche zusammenbringen muss: den Vordergrund, das Hauptmotiv (Tankstelle), den Hintergrund und den Himmel. Und je nach Gegebenheiten, die ich nicht aussuchen kann, entstehen jedesmal andere Fotos.

    Diese beiden Zitate machen mich nachdenklich. Schon die Idee, dass ein Bild nach Bildgründen aufgebaut werrden soll, wirkt restringierend. Ich habe früher auch so gedacht und bin mit der Kamera losgezogen, immer auf der Suche nach dem perfekten Mix, in dem alles kompositorisch-sinfonisch zusammenwirkt, als Ganzheit. Bis ich dann gemerkt habe, dass das eher selten der Fall ist, und wenn, dann reproduziert man diesselbe Bildidee in Variationen. Die fünftausendste Gesamtlandschaft mit wald von links und rechts, die hundertachzigste austarierte (Old, New, Environmental) Topographie, die tägliche Schiefe. In Schaefers "Ansel Adams Guide - Basic Techniques of Photography", Band 1, gibt es am Schluss ein ganzes Kapitel, wie man sich ein Motiv aneignet. Der Tenor ist, dass man sich eine Sache, hier eine Tankstelle im Tanklager, anschaut und überlegt, was daran charakteristisch sein könnte und was einen selber an der Sache überhaupt interessiert. Dann fragt man sich, wie man das verdichten könnte, um dichte Bildaussagen zu erhalten. Für Weitwinkel ist das natürlich nichts, eher für längere Brennweiten. Und dann widmet man sich den Details, in ein bis zwei Dutzend Aufnahmen, in denen das, was einem wichtig ist, auch wirklich herauskommt. In diesen Detailstudien, hier wären das z.B. die Tanks in Silber und die Technik in Blau, als Form-Flächen-Blau-Silber-Kontraste, erarbeitet man sich das Objekt und arbeitet die Bezüge heraus. Man kann das an einem einzigen Tag machen oder an verschiedenen. Am Ende hat man in fünfzig oder hundert Bildern die wesentlichen Bildgegenstände erfasst, begriffen, verstanden, und dann fügt sich das alles zu dem großen Ganzen, das man am Anfang gesucht hat. Dass man mit dem Grossformat "bedächtig" arbeitet, heißt ja nicht zwingend, dass man die Bilderzahl reduziert. - Nun gut, das ist so meine Grundhaltung, nicht jeder muss die teilen, klar. - Was ich extrem "spannend" finde, sind so Motive wie der Baum vor dem Tank. Das schreit nach 210 bis 300 Millimeter (4x5), nach Rise und Reduktion auf Baum und Tank, nach Kontrast zwischen Kleinteiligkeit und großer Fläche, zwischen Form und Farbe, und bietet ein Trompe d'Oeil, weil man erhöhte Bäume eigentlich nur vor Himmelshintergründen kennt. Im Bild spielt dieser Part jedoch eine eher nachrangige Rolle, ein Detail unter vielen, die aufgereiht werden. Über diese Bilder zu diskutieren, weil man vielleicht eine bestimmte Perspektive bewusst angestrebt hat, ist für mich Reden über Nebensächlichkeiten. Hier gibt es ungleich mehr noch zu entdecken und auszuarbeiten, Stoff für 100 Werke.

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