Was das wohl für ein Objektiv ist?

    • Official Post

    Die räumliche Wirkung entsteht bei diesem Foto wohl in erster Linie aus der Bearbeitung und der gewählten Perspektive (hier: Zentralperspektive mit Fluchtpunkt genau auf dem Horizont).


    Die horizontale Menschenmenge im Bildvordergrund verstärkt den Eindruck der Perspektive noch zusätzlich.


    Die Personen im Vordergrund und der Bordstein sind wesentlich kontrastreicher und scheinbar schärfer als das Gebäude ausgearbeitet. Der Himmel ist noch heller und dunstiger. Diese Staffelung im Kontrast, der Helligkeit und vermeintlichen Schärfe ergibt einen dreidimensionalen Eindruck und erzeugt die Tiefenwirkung.


    Grüsse

    Andreas

    • Official Post

    Mal wild drauflos geraten, vielleicht eines der folgenden:

    Das Goerz Hypergon (Doppel-Anastigmat) hatte 135 Bildwinkel.

    Das Rodenstock Pantogonal (Weitwinkel-Anastigmat) 120 - 130 Grad.

    Schaut man sich auf aktuellen Bildern an, wo der mögliche Standort des Fotografen war, würde ich eher auf eine normale Brennweite für das Aufnahmeformat tippen. Bei 9x12 für die Postkartenproduktion zum Beispiel 135 oder 150 mm. Vielleicht können unsere Münchner Forenten ja mehr dazu sagen... ;)

  • hm, nicht so einfach zu simulieren..wenn ich einen vergleichbaren Stand/Blickpunkt per Google Earth vor der Feldherrnhalle einnehme, sehe ich natürlich städtebauliche Unterschiede zu der historischen Aufnahme.


    Das heutige Pflaster erstreckt sich weiter als früher, da wo damals dieser halbkreisförmige Bogen war. Die Strasse ist jetzt direkt hinter meinem Standpunkt.

    die Positon der beiden Laternen ist in Google Earth nicht korrekt dargestellt, sind eher wie auf der Postkarte oder hier zu sehn.


    Bildausschnitt is anders, die Theatinerkirche rechts und links Residenz sind mehr zu sehen.

    ..wenn man beschneidet, isses ähnlicher, aber die Karte sieht aus wie ein Karten-Kontaktabzug, also unbeschnitten, ich tippe auf Standart 50mm equival.


    edit:

    is wahrschl ein typisches Postkartenformat 10x15..



  • Die räumliche Wirkung entsteht bei diesem Foto wohl in erster Linie aus der Bearbeitung und der gewählten Perspektive (hier: Zentralperspektive mit Fluchtpunkt genau auf dem Horizont).

    Gibt es Fluchtpunkte, die nicht auf dem Horizont liegen?


    Ich plädiere auch für ein 150er, vielleicht aber sogar für ein 135er. Ich frage mich, wie viele Fotos der Fotograf am Tag wohl machen musste. Jedenfalls steht er nicht vor dem Zentrum der mittleren Loggienarkade, sondern schräg nach rechts versetzt. Drum vermute ich auch, dass er mit günstigerer und leichterer Gerätschaft unterwegs war, um eine zu bewirtschaftende Motivsammlung aufzubauen.

    Die räumliche Staffelung finde ich phänomenal.

    Was genau verstehst Du unter "räumlicher Staffelung"? Hinsichtlich der Architektur sehe ich nur eine bildflächenparallele Architekturfassade, der weder eine weitere vor- noch nachgelagert ist, also keine Staffelung. Es könnte eine Staffelung geben zwischen Menschengruppe und Loggia, aber normalerweise staffelt man gleichartige Bildgegenstände, z.B. Arkaturebene und rückwärtige Loggienwand. Aber die gehören zum gleichen Gebäude.


    - Ich finde die Menschen im Bild noch recht plastisch, obschon sie in einer Reliefebene angeordnet sind. Sie sind gut voneinander separiert, und durch das eher diffuse Licht, das dem ganzen Bild einen duftigen Ausdruck verleiht, erhalten sie autonome Volumen. Das - und die separierten Grauwerte der Mäntel - muss man abwarten und erfassen können, keine Frage. Vielleicht ist die Kohärenz der bildseitenspezifisch ausgewichteten Gruppe auch der Grund für die Verlagerung der Kamera aus der mittleren Arkadenachse.


    Trotz der "Unperfektheit" der Kameraausrichtung also eine ziemlich gute Vedute mit Genreanteilen.

  • Ich denke:

    Das bei solchen kniffligen Fragen nur die BBC die Antwort liefern kann! Die werden nicht nur heraus finden mit welchem Objektiv das Foto gemacht war, sondern das ganze Equipment bis auf die Chemie mit dem nicht nur das Negativ sondern auch das Positiv entwickelt war, ermitteln. Bei dem Dinosaurier z.B die vor 25 000 000 Jahren gelebt haben können Die sogar bis auf die Minute bestimmen, wenn die zu diesem Zeitpunkt gefressen haben!!!!!

  • ich schau es mir nächste Woche mal an ... Foto Forensik finde ich spannend.


    An den Tauben sieht man einen doch recht sprunghaften Schärfeabfall, ich glaube das trägt sehr viel zur räumlichen Wirkung bei - fast schon Brenizer Stil.

    Ich meinte also die Separierung der Menschengruppe @aksak_maboul nicht die Architektur.


    Aber wie der Fotograf ohne Splitgrade ein SW Foto so ausarbeiten konnte dass die Kontrast bei den Touristen in der ersten Reihe so viel stärker sind,

    ist mir ein Rätsel eagleEye72.


    Was wird ein Postkarten Fotograf um 1930 in München schon für eine Kamera gehabt haben? Die Linhof Technika kam erst 1934, ansonsten gab es ja das Agfa Kamerawerk in München, ich tippe also auf eine Billy https://de.wikipedia.org/wiki/Agfa_Billy mit Solinar oder Igestar, also 100 bzw 105mm, gefühlt aber eher auch auf 150mm.

  • Auf der Rückseite steht als Postversanddatum der 23.8.1938. Die Postkarte wurde also vor dem 23.8.1938 hergestellt. Die Frage wäre, was ist der Terminus post quem? Die Fahnenstangen zeigen nicht die Hakenkreuzfahnen, mit denen die Loggia ab 1933 geschmückt wurde. Es gab ja den Hitlerputsch in München, da hatte der Ort ja noch eine Bedeutung, wie der Poststempel "Hauptstadt der Bewegung" andeutet. Weil man an den Leuten außer einem Schnauzbärtchen in Hitlermanier vor dem linken Löwen wenig bis nichts abzeichenmäßiges entdeckt, tippe ich auf Vor-1933. Mussten die Leute nicht auch den Hitlergruß zeigen ab 1933, speziell vor der Feldherrenhalle? So Tell-Gessler-mäßig? Im Bild sieht man keinen mit aufrechtem Arm, auch keine Uniformierte. Gab es da nicht sogar eine Mahnwache mit Stahlhelmen in der Nazizeit?


    Aber die Kinderwagen sehen modern aus, ebenso die runden Glockenhüte der Frauen, auch die Herrenanzüge. Die Kinderwagen sind keine Vorkriegs-Baby-Prams mehr, sondern tiefergelegte, schnittige Dinger mit kleinen Rädern. Das Ding in der Mitte scheint mir den Modellen "Germania" oder "Frankonia" zu ähneln. Hinten rechts sieht man etwas, was einem Vorkriegsmodell wie dem "Naether-Standard" oder dem "Lumag Wochenendmodell" ähnelt. Ein Relikt aus der Kaiserzeit. Jedenfalls wäre mit dem neueren Modell vorne der Produktionszeitraum ab 1925 festgelegt. Ich tippe auf ein Fotografierdatum zwischen 1925-1932. Dazu passt, dass der Postkartenverkäufer noch alte Hindenburgbriefmarken vorrätig hatte statt der neueren Hitlerbriefmarken. Omma und Oppa gingen also, als sie den Rundgang machten, zum alten Postkartenverkäufer mit dem Bauchladen, nicht zum jungen mit den vorgedruckten Postkarten mit Frankierzeichenaufdruck. Bei dem Alten kauften sie die alten Karten und die alten Briefmarken mit dem alten Reichspräsidenten, der ihre alte Zeit repräsentierte, nicht die neue.


    Dann steht da noch "Echte Photographie". Nach den Gepflogenheiten der Zeit wurde nicht vergrößert, sondern kontaktkopiert, vermutlich auf "Spezial"-Papier mit Grad 2, Agfa Lupex, oder irgendwas von Mimosa oder so. Alles andere hätte bei dem Durchsatz wohl nicht gelohnt. Eine Laborantenarbeit. Was muss das öde gewesen sein, 1000 Postkarten am Tag zu produzieren! Hier könnte man mal nach Kopierapparaten aus der Zeit suchen. Mit einem simplen Kontaktkopierrahmen mit Federklemmen wird man sich wohl zum Apfelkörbchen gemacht haben. Vermutlich hatten sie damals Holzkästen mit Lampen und Zeitschaltuhr, auf deren Milchglas dann die Glasplatten und dann die Papiere gelegt wurden. Das gab es ja schon seit längerem damals, z.B. in Gestalt des Eastman 5x7 Printers.


    Ich tippe auf Glasplatten. Unten steht mit Wasserglastinte, was das Bild zeigt. Das wurde seitenverkehrt aufgetragen, weshalb die Schrift ein wenig verzert wirkt. Es wird also weniger einer Rollfilmkamera gewesen sein, als eine Plattenkamera mit Glasplatten, die man zumindest vorne hochverstellen konnte. Die gab es zuhauf, von Zeiss, Voigtländer, aber auch Linhof u.a. Linhof stelle seine 10x15 Glasplattenkamera zur Postkartenproduktion aber erst 1936 her, soweit ich weiß.

  • Mal wild drauflos geraten, vielleicht eines der folgenden:

    Das Goerz Hypergon (Doppel-Anastigmat) hatte 135 Bildwinkel.

    Das Rodenstock Pantogonal (Weitwinkel-Anastigmat) 120 - 130 Grad.

    Hallo, ich tippe eher auf ein leichtes Weitwinkel , etwas hochverstellt, da die vertikalen Linien nur minimal nach oben zusammenlaufen und der Horizont ungefähr im unteren Drittel des Bildes liegt. Das Hypergon halte ich bei einer solchen Momentaufnahme für unwahrscheinlich, der Fotograf müsste wegen des extremen Bildwiinkels schon auf dem Vorplatz stehen und lange belichten, die Arbeitsblende war 32, dazu noch die verlängerte Belichtung wegen der rotierenden Sternblende.

    Das Licht scheint sehr diffus von oben zu kommen, gerade so, daß die Fassade noch Licht bekommt.

  • Stimmt, ist doch eher eine Kontaktkopie als eine Vergrösserung vom Rollfilm. Und der Wert der Postkarte ist durch @aksak_maboul um ein Vielfaches gestiegen ;)

    Natürlich!!!


    Aber was mich jetzt wirklich interessiert: macht jemand von Euch sowas? Ich meine, Grossformatbilder von Sehenswürdigkeiten, die kontaktkopiert werden auf feines Barytpapier, als Postkarten, die dann irgendwo in einem Ständer landen und verkauft werden? Mir würde sowas noch gefallen, charmant wäre das. Wieviel man wohl für sowas verlangen könnte? Gibt es irgendwo 10x15 als Negativgröße, oder sollte man 4x5 vergrößern?

  • Sieht in der Tat nach 10x15-Kamera (damals für Postkarten üblich) bei ca. 165-180 mm Brennweite und einem Plasmaten oder einem (echten) Heliar aus. ggf ev 150 mm, müsste man durch Vergleich ermitteln. 10x15 (Weltpostkarte ergab nach Maskierung der oft beschädigten Randbereiche die Normalpostkarte 9x14 cm.Die oben genannten extremen Weitwinkel waren unter Garantie hierbei nicht beteiligt! Für den Bromsilberdruck z.B. wurden die Glasplatten unter Beilage von Wollfäden mit einem mittels Benzin-Zusatz dauerweich gemachten Knochenleim zu biegbaren Tableaus verbunden und die dann rotierend auf einer Trommel kopiert. Die hier vorliegende Postkarte ist offensichtlich eine Autotypie oder ein Lichtdruck (afugrund der schlechten Bildqualität nicht genau festzulegen). Professionelle Postkartenfirmen haben nur höchst ungern vergrößert, eher noch lieber verkleinert. Im Fotoarchiv eines ortsansässigen Postkartenverlages liegen fast ausschließlich Platten und Planfilme in 10x15!


    VG Thomas

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