Objektiv verpflanzen (shim rings/washers)

  • Moin Moin,


    Ich habe ein gutes, modernes GF Objektiv - leider in einem defekten Copal Verschluss und ich habe einen "leeren", intakten Copal Verschluss gleichen Typs. Naheliegend, diese neu zu verheiraten.


    Das Problem ist, dass das Objektiv aus vorheriger Ehe einige Altlasten in Form von drei Abstands-Ringen mitbringt.


    Nun fehlt mir das Wissen, bzw. die gegoogelten Erinnerungen, ob diese Ringe spezifisch für das Objektiv waren - also die Fertigungstoleranz auf Seiten des Objektivherstellers ausgeglichen werden muss, oder aber die Copal Verschlüsse eine Fertigungstolersnz mitbringen. Letzteres hieße, dass ein eigenes Umsetzen ohne entsprechende Messapparatur eher zum Scheitern verurteilt wäre.


    Bitte keine Hinweise, dass dies nur von Fachwerkstätten geleistet werden sollte, das ist mir generell auch klar. In diesem Fall würde ich es eher wieder verkaufen und auf ein intaktes Angebot warten.


    Mit besten Grüßen,

    Friedrich

  • Achtung, es folgen wilde Spekulationen!


    Für mich wäre es plausibel, dass die Ringe zum Objektiv, und nicht zum Verschluss gehören, denn einen Verschluss kann man, so vermute ich, mit einer exakteren Toleranz fertigen als ein Objektiv. Bei letzterem kommen nämlich auch noch winzigste Abweichungen der optischen Elemente bzw. ihrer Positionen ins Spiel. Demgegenüber ist ein Verschluss ja nur ein mechanischen Bauteil mit Gewinden vorne und hinten – ich sehe nicht, warum man da die Auflagemaße nicht "ausreichend genau" (also auf hundertstel mm oder was weiß ich...) hinbekommen sollte.


    An meinen Vergrößerungsobjektiven ist, wenn man den Durst-Adapter abschraubt, ab Werk die "wahre Brennweite" vermerkt worden – und die streut tatsächlich ein bisschen um den Nennwert (müsste jetzt lügen um wie viel, aber ein paar zehntel kommen zusammen). Ich könnte mir vorstellen*, dass das bei normalen Aufnahmeobjektiven bzw. deren Linsengruppen/-gliedern auch so ist, und diese Tatsache von den Herstellern per "Unterlegscheibe" ausgeglichen wurde.


    * Was heißt "vorstellen" – ich kann mir vielmehr nicht vorstellen, das man z.B. 5 Linsen eines Objektivglieds unter vertretbaren Produktionskosten so extrem präzise schleifen und fassen kann, dass jedes Mal ein absolut identisches Objektivglied rauskommt. Jeder noch so kleine Fehler pflanzt sich da ins Endprodukt fort. Vielleicht macht man das bei Raumfahrttechnik so, aber bei normalen Optiken? Klingt irgendwie unbezahlbar.


    So, Spekulation beendet.

  • Ein einfacher Versuch:

    Du misst mit einer Messlehre die Gesamtlänge des Objektives im bisherigen, defekten Verschluss. Danach schraubst Du das Objektiv in den neuen Verschluss und misst wieder die Länge. Stimmen beide Maße überein, ist höchstwahrscheinlich alles o.k. Ansonsten wird es schwierig...

    "Mehr Licht!" (angeblich die letzten Worte des berühmten hessischen Dichters J.W.Goethe)

  • Du misst mit einer Messlehre die Gesamtlänge des Objektives im bisherigen, defekten Verschluss. Danach schraubst Du das Objektiv in den neuen Verschluss und misst wieder die Länge. Stimmen beide Maße überein, ist höchstwahrscheinlich alles o.k. Ansonsten wird es schwierig...

    Guter Ansatz. Reduzieren der Abstandsringe wäre ja auch noch möglich, um eine evtl. zu große Gesamtlänge im neuen Verschluss anzupassen. Ordentliche digitale Schieblehre vorausgesetzt.

    Ansonsten einfach mal damit fotografieren und es ausprobieren, bevor ein Verkauf in Betracht kommt.

  • Ein einfacher Versuch:

    Du misst mit einer Messlehre die Gesamtlänge des Objektives im bisherigen, defekten Verschluss. Danach schraubst Du das Objektiv in den neuen Verschluss und misst wieder die Länge. Stimmen beide Maße überein, ist höchstwahrscheinlich alles o.k. Ansonsten wird es schwierig...

    Das ist es auch, was die Fachbetriebe bei der Montierung der Objektive in die Verschlüsse machen. Die Gesamtlänge des Objektivs im Verschluss von der Kante Vorderfassung zur Hinterkante ist in den Specs vorgegeben. Ich habe das mal bei Plaubel gesehen. Nur haben diese Leute genauere Messvorrichtungen. Ohne Verkanten wird man es selber mit einem Messschieber kaum machen können.


    Falls man diese Zwischenringe mal verliert oder vergisst, wird dadurch die Optik auch nicht unbrauchbar. Das "Spacing" der Vorder- und Hinterlinse ist für die Randauflösung und Bildfeldwölbung relevant.

    Wenn mans ganz genau wissen will, ein Versuch: Objektiv im neuen Verschluss einmal mit und ohne Distanzscheiben testen und und auf einen eventuellen Abfall der Randschärfe zur MIttenschärfe untersuchen. Natürlich bei Offenblende, abgeblendet wird man da keinen Unterschied mehr finden.

  • Im allgemeinen sagt man, dass man Shim-Ringe immer mitnehmen sollte.

    Jetzt ist aber die Frage, ob die vom Hersteller drin waren, oder aus anderen Gründen da reingewandert sind.

    Da wäre es ganz interessant, welche Optik das ist.

    Meine Erfahrung ist, dass alle Hersteller ab den 70-ern nicht mehr mit Shim-Ringen gearbeitet haben, die Toleranzen waren gering genug. Shim-Ringe hab ich bei neueren Optiken nur bei G-Claronen im Verschluß gefunden. Die waren ursprünglich aber auch auf 1:1 gerechnet und wurden so auf oo getrimmt. Bei Ronaren sah ich das übrigens nie, da sind die Repro Linsen im Vergleich zu denen im Verschluß aber auch ganz anders gefasst.

    Das ist aber nur angelesenes Wissen, gepaart mit eigenen Erfahrungen, ich kann weder Optiken konstruieren noch adäquat durchmessen.

  • Könntest Du dafür eine Marke/ein Produkt benennen?

    Nein, ad hoc nicht. Damit sei nur gesagt, dass eine Digitale mit Flüssigkristallanzeige und mm-Angabe mit 2 Nachkommastellen schon gebraucht wird, wenn man da ernsthaft messen möchte. Also keine Schieblehre in der Art eines Zollstocks.

  • Nur macht eine digitale Flüssigkristallanzeige und 2 Nachkommastellen noch keine präzise Messung... Man kann auch Mist mit 2 Nachkommastellen messen. Wobei es hier ja auf Präzision nicht so ankommt, nur wiederholgenau sollte es sein. Sprich, wenn man Mist misst, sollte man 2x den gleichen Mist messen.


    Mitutoyo hat einen guten Ruf, ist allerdings auch recht hochpreisig.

  • Moin Moin,


    Habt vielen Dank zunächst für eure Gedanken dazu. Auf die naheliegende Idee, die Gesamtlänge zu messen, bin ich wirklich nicht gekommen. Mal sehen welchen Mist meine Schiebelehre misst - zwei Nachkommastellen hat sie zumindest.


    Ich werde es parallel auch auf dem klassischen, empirischen Weg versuchen und mit angestöpselter Digicam die Abbildungsleistung mit/ohne Ringe überprüfen... ungeachtet der Tatsache, dass ich mir auch dabei neue Fehlerquellen einhandle...


    Mit besten Grüßen,

    Friedrich

  • Moin!

    Ein exakter Hinweis auf den Objektivtyp wäre hilfreich. Bei "modernen" GF Objektiven setzt man shims -- wie bereits erwähnt -- eigentlich nur ein, wenn ein Makro-Abbildung-Maßstab ab Werk gedacht war. Der häufigste Klassiker ist das Repro 1:1 Objektiv, dass in einen Verschluss verpflanzt würde. Wenn dies so ein Fall ist, dann kann man (und sollte sich auch!) von der Richtigkeit der Abstandskorrektur überzeugen durch sorgfältige Benutzung der eigenen spektralen Photosensoren im lokalen Cerebrum in Verbindung mit einem geeigneten Optomechanischen Werkzeug.


    Grüße, Christoph

    When you change the way you look at things, the things you look at change. — Max Planck

  • Moin Christoph,


    in der Tat ist es ein Makro Objektiv - das Apo Macro Sironar digital 120mm. Aber ich habe auch einer 47er Angulon (non XL) von Mitte der 1990er Jahre, welches ebenfalls die Abstandsringe hat.


    Dann werde ich mal unter Nutzung diverser Areale meines lokalen präfrontalen Cortex (gibt es diesen auch nicht-lokal?) meinen visuellen Cortex darüber informieren, dass es Arbeit gibt...


    Mit besten Grüßen,

    Friedrich

  • Moin Friedrich,


    ueber die genaue Genealogie der Zwischenringe weiss ich nichts zu berichten. Ich habe ohne grosse Absicht mittlerweile einige Objektive ausprobiert, manchmal per Kauf und Wieder-Verkauf; und mir sind die Dinger nur bei vermeintlich oder wirklich bei Repro-Objektiven aufgetaucht. Alle meine Super Angulone hatten, bzw. haben keine Zwischenringe. Auch die Grandagone hatten sowas nicht. Ich habe auch einfach mal bei Rodenstock, und spaeter in anderem Zusammenhang bei Schneider nachgefragt (bzw. dem Wartungsdienst). Die Aussage, die ich bekommen habe ging in die Richtung, dass all die modernen Linsen keine Zwischenring-Korrekturen mehr benoetigen. Wo jetzt die Definitionsgrenze modern oder nicht liegt, weiss ich nicht.


    Ist die Prozedur der Korrektur eigentlich bekannt? Und warum man das relativ gut auch selber ueberpruefen kann, ob eine Korrektur ueberhaupt notwendig ist?


    Interessanterweise sind meine beiden Ronare direkt fuer den Verschluss gebaut worden und benoetigen keine Korrektur, obwohl die offizielle Verlautbarung ist, dass sie auf 1:20 (oder 1:10?) optimiert seien. Meine geliebten G-Clarone sind da zwiespaltiger; das kurze "braeuchte" einen Korrekturring, ich missbrauche es aber als Vergroesserungsobjektiv, so dass es wieder unsinnig waere.


    Ueber die Moeglichkeit der Nicht-Lokalitaet eines Telencephalons kann spekuliert werden. Oder einfach den naechsten Menschen fragen :-)


    Gruesse,

    Christoph

    When you change the way you look at things, the things you look at change. — Max Planck

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