Cambo Actus und Fufi GFX 100s oder reicht ein einfacher TS-Adapter?

  • Lass es mich mal so sagen, ich kenne in Lübeck Schlaglöcher, die dort schon vor 50 Jahren zu finden waren. :)


    Wir sind meist zwei, drei Mal im Jahr für ein oder zwei Wochen in Lübeck. Aber irgendwie, sind wir von Marli aus immer auf der anderen Seite unterwegs. Aber da muss ich nächstes Mal unbedingt gucken gehe. Vielen Dank.


    Gruss Sven.


  • wieder Lübeck, ein Test mit dem Schneider Super Angulon 75mm/5.6 auf Copal 0 Frontplatte an der Cambo Actus G mit Hasselblad CFV II 50C back (der Sensor ist nach meiner Kenntnis der gleiche wie in der GFX50)

    stitch aus drei Aufnahmen mit f/11 und ND1000+ND64, 23 Sekunden

    Bild ca. 16000x6100 (90 MP)

    VG Dierk

  • und noch einmal Lübeck, etwa an der gleichen Stelle


    mit Canon 24mm TS-E an der Cambo Frontplatte mit der elektronischen Blendensteuerung (sauteuer, habe ich sehr günstig ergattert)

    stitch aus 2 Aufnahmen shift links-rechts 10mm und leichtes crop der Seiten wg. Vignette

    mit f/13 und ND1000, 23 Sekunden

    ca. 10000x6000 Pixel


  • ich hab da mal ne Frage an die Architektur Profis hier

    wenn ihr so etwas fotografieren wollt, was tut ihr gegen die Verzeichnungen, dass z.B. rechte Winkel zu spitz dargestellt werden wie bei diesem Bild mit dem 15mm Actar?

    Weiter weg mit längerer Brennweite ergäbe ein ganz anderes Bild und andere Perspektive

    VG Dierk



    und weiter weg mit dem 15mm zeigt immer noch die Spitzen Winkel bei dem Maritim Gebäude

    und dann werden andere Teile auch wieder verzeichnet wie hier der Hafentower

  • Vielleicht mal versuchen die Kamera auch ein bisschen nach Oben zu neigen?
    Die Lehrbuchmässige exakt parallelstellung und Shiftung der Standarten hat eh immer zur Folge, dass die Gebäude optisch oben auseinander fallen.
    Die Kanten des Hochhaus im ersten Bild sind genau parallel. Aber es sieht aus als wenn es oben auseinander geht.
    Und wenn du die Kamera etwas nach oben neigst sieht es für das Auge etwas natürlicher aus und die Winkel werden ETWAS gemildert.
    Aber erwarte keine 90° bei so krassen WW Linsen. Ist einfach ne Frage der Perspektive und des Bildwinkels…

  • Vielleicht mal versuchen die Kamera auch ein bisschen nach Oben zu neigen?
    Die Lehrbuchmässige exakt parallelstellung und Shiftung der Standarten hat eh immer zur Folge, dass die Gebäude optisch oben auseinander fallen.
    Die Kanten des Hochhaus im ersten Bild sind genau parallel. Aber es sieht aus als wenn es oben auseinander geht.
    Und wenn du die Kamera etwas nach oben neigst sieht es für das Auge etwas natürlicher aus und die Winkel werden ETWAS gemildert.
    Aber erwarte keine 90° bei so krassen WW Linsen. Ist einfach ne Frage der Perspektive und des Bildwinkels…

    vielen Dank für den Hinweis!

    das war mir zwar bekannt und mit den Canon TS-E habe ich auch manchmal dran gedacht.

    Hier mit dem neuen 15mm habe ich nur auf die Libellen an der Kamera geachtet, dass die waagerecht steht. Sollte ich in Zukunft bewußt etwas kippen.


    Wie würde aber ein Profi so eine Aufgabe lösen - es geht wohl technisch einfach nicht mit dieser Perspektive.

    Bei Innenaufnahmen mit extremem Weitwinkel habe ich auch schon versucht, die Seiten mit z.B lang gezogenen Fenstern mit PS etwas zu stauchen, aber so richtig gut ging das auch nicht.


    VG Dierk

  • Wie würde aber ein Profi so eine Aufgabe lösen - es geht wohl technisch einfach nicht mit dieser Perspektive.

    Bei Innenaufnahmen mit extremem Weitwinkel habe ich auch schon versucht, die Seiten mit z.B lang gezogenen Fenstern mit PS etwas zu stauchen, aber so richtig gut ging das auch nicht.

    Die Perspektive im Bild oben ist ja schon per se auf Effekt angelegt. Damit scheidet eine proportional richtige Wiedergabe der Gebäude, so wie Architekten ihre Gebäude nunmal gern sehen, quasi aus.

    Je randnäher die Bildelemente beim extremen Weitwinkel platziert sind, desto schräger wird es. Schau nur mal die Person unten links an. Der Klassiker in der Interieurfotografie sind runde Deckenleuchten, die zu den Bildecken hin immer mehr zu diagonalschrägen Eiern werden.

    Tipp1: Wie Planlosfilm schon geschrieben hat. Bei starker Untersicht führt eine erzwungene Parallelität der Vertikalen zum Bildrand zu einer Gebäudewiedergabe, die unseren Sehgewohnheiten widerspricht. Daher scheint so ein Gebäude dann oben breiter zu werden. Also beisst man dann in den sauren Apfel, verzichtet auf die Parallelität und neigt die Kamera leicht (!) nach oben. Alternativ sucht man einen höheren Kamerastandpunkt oder geht weiter zurück und verwendet eine längere Brennweite.

    Tipp 2: Wann immer möglich, eine Normalbrennweite oder höchstens eine gemäßigte Weitwinkelbrennweite wählen. Reicht der Abstand nicht aus, kann man manchmal den Bildkreis ausnutzen, shiften und die Einzelaufnahmen stitchen.

    Tipp 3: Muss es unbedingt ein extremes Weitwinkelobjektiv sein, die Kameraausrichtung so wählen, dass verzerrungsempfindliche Elemente (Kreise, Personen, etc.) nicht randnah abgebildet werden. Oder auf die erwähnten Eier-Leuchten verzichten und später wegretuschieren. In deinem Bild passiert am rechten Bildrand eigentlich nichts Relevantes. Insofern hättest du die Kamera auch ein Stück nach links drehen und auf diese Weise die Verzerrung der Person und der Gebäudekante mildern können.

    Tipp 4: Man kann auch die Verstellbarkeit vor allem der Bildebene nutzen, um Verzerrungen etwas entgegenzuwirken. Das ist dann allerdings hohe Schule und muss geübt und ausgetüftelt werden.

    Tipp 5: Auf Architekturaufnahmen verzichten und lieber Landschaftsfotos machen. ;) Da spielt das alles nämlich nur eine geringe Rolle.

  • vielen Dank, Klaus, du hast dir viel Zeit genommen für die ausführliche Antwort!


    Auf deiner HP war ich natürlich schon und sehe mir alles über Architektur an, absolut super!


    Für mich als Amateur spielen natürlich viele der beschriebenen Aspekte keine Rolle, z.B. wenn du bei Innenaufnahmen auf halber Höhe beim Westgate mit dem 24mm PC-E nach oben und unten shiften kannst. Ich liebe extreme WW und nutze die Effekte entsprechend aus. Wie z.B. in dem Bild mit den Nivea Sonnenliegen. Ich ging immer weiter ran, da die Liegen nicht so richtig raus kamen und zu viel drum herum mit drauf kam.


    Die Bilder waren der zweite Ausflug mit dem Objektiv und ich habe bei dem besonderen Licht einfach drauf gehalten :-)


    Dennoch interessiert mich natürlich, wie du als Profi so etwas angehen würdest.


    zu 1. wie schon geschrieben werde ich bei diesen Aufnahmen die Kamera leicht nach oben schwenken, um einen natürlichen Eindruck der Perspektive zu erhalten.


    zu 2. Normalbrennweiten (=50mm KB) oder auch 35mm sind für Architektur sicher meistens zu lang, es sei denn, man hat sehr viel Platz. Was aber dann wieder zu einem ganz anderen Bildeindruck führt. Das stitchen von shift Objektiven erzeugt meiner Meinung (und Berechnung) nach den gleichen Effekt wie eine kürzere Brennweite, da der effektive Sensor vergrößert wird.


    zu 3. den freien Raum rechts im Bild wollte ich so als Gegengewicht zu den Gebäuden haben. Die Person links wäre sicher auch kurz aus dem Bild gegangen, ihr Fahrrad durfte ich schon weg stellen :-) So weit wollte ich aber nicht gehen, jetzt bei der Aufnahme hätte ich es machen sollen.


    zu 4. meine 4x5" habe ich bisher nur innen oder für Landschaften benutzt, mit der Actus sollte ich das mal ausprobieren und üben.


    zu 5. der absolute Tipp! :-)


    gestitchte Landschaften, Stillleben ... und Architektur mache ich schon fast 15 Jahre :-) Nur bei Portraits habe ich bisher aufs Stitchen verzichtet :-))


    Noch einmal herzlichen Dank, das du dir so viel Gedanken zu meinen Fragen gemacht hast. Jetzt lese ich erst mal bei bonnescape weiter!


    LG Dierk

  • vielen Dank, Klaus, du hast dir viel Zeit genommen für die ausführliche Antwort!

    Auf deiner HP war ich natürlich schon und sehe mir alles über Architektur an, absolut super!

    Sehr gerne, Das freut mich.

    Für mich als Amateur spielen natürlich viele der beschriebenen Aspekte keine Rolle

    Dafür hast du aber eine exzellente Ausstattung, die sicher auch Ausdruck deines Anspruchs an Fotografie ist.

    Normalbrennweiten (=50mm KB) oder auch 35mm sind für Architektur sicher meistens zu lang, es sei denn, man hat sehr viel Platz. Was aber dann wieder zu einem ganz anderen Bildeindruck führt. Das stitchen von shift Objektiven erzeugt meiner Meinung (und Berechnung) nach den gleichen Effekt wie eine kürzere Brennweite, da der effektive Sensor vergrößert wird.

    Ja, das geht nicht immer mit Normalbrennweiten, aber erstaunlich oft. Meine meist verwendete Brennweite bei Stadtlandschaften/Straßenzügen etc. ist eine Normalbrennweite. Der Bildwinkel ist in der Regel der, der von Architekten präferiert wird, wenn es um eine realistische Wiedergabe der Gebäudeproportionen geht. Mit dem Stitchen hast du fast recht. Dass der Effekt dennoch anders ist als bei einem extremen Weitwinkel, siehst du in dem erwähnten Bildvergleich Westgate:

    https://www.bonnescape.info/ti…-jumbo-mbs-mit-nikon-pce/

    Ich liebe extreme WW und nutze die Effekte entsprechend aus.

    Mache ich auch gern. Nur sind das nicht immer die richtigen Brennweiten, wenn man Gebäudeverzerrungen vermeiden möchte. Und das war ja, glaube ich, dein Anliegen.

  • Dass der Effekt dennoch anders ist als bei einem extremen Weitwinkel, siehst du in dem erwähnten Bildvergleich Westgate:

    Der Vergleich ist so nicht passend, weil das Foto mit dem extremen Weitwinkel in der EBV aufgerichtet wurde. Das führt nicht zu einem Bild wie mit einer Schrägprojektion auf eine senkrecht gestellte Aufnahmefläche. Ich habe die beiden Ergebnisse mal miteinander verglichen und übereinander geblendet. Da ist der Unterschied deutlich sichtbar (beide Aufnahmen mit Canon TS-E 24mm - einmal als Shift-Objektiv eingesetzt / einmal als starres Weitwinkel und anschließend EBV). Die Linien, die in die Bildtiefe verlaufen, sind bei der EBV-korrierten Version im Winkel falsch.


  • Ich liebe extreme WW und nutze die Effekte entsprechend aus.

    Ich habe mir mal dein Flickr-Portfolio angesehen. Kraftvolle Bilder, starke Kontraste, extreme Bildwinkel. Ich verstehe was du meinst. Das läuft natürlich der proportional korrekten Sachfotografie bewusst entgegen, lebt von den Extremen und ist auch völlig ok so. Nur sind bei diesem Spiel mit den extremen Bildwinkeln Verzerrungen nicht besonders verwunderlich und kaum zu vermeiden.

  • Der Vergleich ist so nicht passend, weil das Foto mit dem extremen Weitwinkel in der EBV aufgerichtet wurde.

    Da will ich mit dir gar nicht drüber streiten. Dein extra für diesen Zweck angefertigtes Sandwich zeigt den Effekt noch deutlicher. Die Westgate-Bilder im Beitrag dienen ja einem anderen Zweck. Unabhängig von der "Aufrichtung" am Rechner sieht man aber bereits deutlich, dass die SWW-Aufnahme im Randbereich mehr mit unnatürlichen Verzerrungen zu kämpfen hat als der Stitch mit der gemäßigten Brennweite. Und darum ging es ja hier.

  • Ich habe mir mal dein Flickr-Portfolio angesehen. Kraftvolle Bilder, starke Kontraste, extreme Bildwinkel. Ich verstehe was du meinst. Das läuft natürlich der proportional korrekten Sachfotografie bewusst entgegen, lebt von den Extremen und ist auch völlig ok so. Nur sind bei diesem Spiel mit den extremen Bildwinkeln Verzerrungen nicht besonders verwunderlich und kaum zu vermeiden.

    vielen Dank Klaus, auch die detaillierte Antwort davor!
    50mm wird wegen des natürlich empfundenen Bildwinkels ja auch als "normale" Brennweite bezeichnet, war aber für mich noch nie interessant. Alles über 35mm ist für mich schon tele :)
    Meine Ausstattung ist schon traumhaft und jetzt mit der Hasselblad 907X und der Actus noch das i Tüpfelchen drauf! Ist eben seit über 60 Jahren immer meine große Leidenschaft oder besser Freudenschaft gewesen.

  • bei den Tests mit der Actus habe ich vor ein paar Tagen diese Bilder von unserem alten Rathaus gemacht

    Das erste ist one shot mit dem 15mm Actar

    Das zweite von der anderen Strassenseite (weiter zurück ging auch nicht) mit dem Super Angulon 75mm/5.6 @ f/11 mit Pol Filter

    ein Stitch aus 2x3=6 Bildern, ergibt ca. 16.000x10.000 Pixel Auflösung

    PS: hab es eben mal nachgerechnet: bei maximal möglichem horizontalem shift von +- 20mm entspricht das einer Sensorbreite von 84mm und 58° Bildwinkel, auf KB umgerechnet 32mm Brennweite, ohne shiften entspricht das 75mm an dem 44x33 Sensor bei KB 60mm


    das Fokussieren bei Sonnenlicht ist mit dem Digi Back ist schon ein großes Problem, ich habe immer eine kleine Lupe dabei.

    VG Dierk





  • das 15mm Actar:

    gestern habe ich noch einmal viel zu dem LAOWA 15mm f/4,5 Zero-D Shift angesehen und gelesen.

    Ich hatte schon lange die Vermutung, dass es in dem 15mm Actar steckt, bekam aber verständlicher Weise von Cambo und von Laowa keine Antwort.


    Jetzt bin ich absolut sicher.

    Nach meiner Kenntnis gibt es kein 15mm für MF mit entsprechendem Bildkreis. Bei KB kommt also nur ein Shiftobjektiv in Frage. Neben dem Canon 17mm TS-E kenne ich auch für KB kein anderes.

    Die optischen Daten sind identisch (Linsen, Blende), die Front und die hintere Linsenfassung sehen identisch aus, die Frontkappe sieht genau so aus und der Durchmesser ist auch gleich.

    Deshalb habe ich heute das 15mm Actar innerhalb der 30 Tage stroniert, es geht nächste Woche zurück.


    Im letzten Jahr hatte ich schon sehr mit dem 15mm LAOWA Zero-D Shift geliebäugelt, dann aber das 14mm mit Leica M Anschluss genommen.

    Jetzt bestelle ich das LAOWA 15mm f/4,5 Zero-D Shift mit Canon EF Anschluss und kann es an der Actus verwenden und auch an Sony und Leica - die ideale Lösung für mich :) (und dann mein 4. LAOWA)

    VG Dierk

  • Lübeck

    die Actus mit dem 15mm Actar mit ca. 8mm shift links/rechts, ND Filtern, f/11, 23 Sek.


    da die gewölbte Frontlinse keine Filter zulässt (bei Laowa doch!) hatte ich von Cambo einige Deckel für die Rückseite bekommen. Einen hatte ich innen ausgeschnitten und einen 46mm ND 1000 Filter eingesetzt und hinten auf die Objektivassung gesteckt. Für noch längere Zeiten dann noch einen ND 64 dazu.

    Da diese zusätzlichen Gläser den Strahlenverlauf beeinflussen, musste ich mit eingesetzten Filtern fokussieren, was bei so wenig Licht und kaum erkennbarem Flimmern auf dem Monitor sehr schwierig war.

    Bei dem Laowa 10-18mm ist diese Möglichkeit vorgesehen, in dem ein neutraler Filter hinten auf dem Objektiv geliefert wird. Den kann man dann gegen andere Filter auswechseln.


    Spass macht es trotzdem :)

    VG Dierk


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