Annäherung

  • Diesch

    Changed the title of the thread from “Raumerkundung” to “Annäherung”.
  • Wieviel Meter sind fünf Schritte? 3 Meter? Das sind schon geringe Unterschiede, aus der Ferne gesehen, aber je näher Du kommst, desto offensichtlicher wird es.


    Das Haus rechts: da taucht ein Fenster auf, und auch das Muster der Ziegeln erhält schon etwas mehr "Präsenz", im Zusammenspiel mit dem Muster der Blätter. Mit einem stärkeren Tele könnte man aus einer solchen Partie abstrakte Muster gewinnen, die sich "beißen" oder "stören", weil das eine regelmäßig-natürlich ist, das andere geometrisch-artifiziell, aber beides in Aufsicht, nach unten abschirmend, also in gewissen Aspekten durchaus vergleichbar.


    Die Schrägstellung der Bänke um den Baum sowie die räumliche Lage der Brücke werden deutlicher. Aus der Ferne handelt es sich um eine flächige Reihung geometrischer Formen. Näher ran, wird diese Reihung gebogen und vom Rund des Baumes organisiert. Hinter der Brücke ist irgend sowas Weißes mit nem Schild, das erst flach nach vorne drängt. Beim Rangehen scheint es mehr hinter der Brücke.


    Beim Rangehen lockern sich die Baumkronen auf. Das kann aber auch daran liegen, dass im ersten Bild noch was von links reindrängt. Die Äste links oben machen den Blick des Fotografen noch etwas voyeuristischer, bezeichnen einen abgeschiedenen Standpunkt, mit mehr Distanz. Würde man ein Altersheim so fotografieren, würde wohl niemand dort hin ziehen. Dagegen deutet sich im dritten Bild schon so etwas wie eine integrative Runde an. Wenn man dann noch die Sitzflächen sieht, kann man sich dazu gesellen.


    Das 180er ist ein gutes Objektiv. Ich mag es, weil es einen ein wenig dazu zwingt, auszusondern, anders als das 135er, und weil schon in dieser moderaten Brennweitenverlängerung Akzentuierungen stattfinden, die nicht eigenständig werden. Trotzdem kann man noch Vordergrund reinnehmen bzw. Baumkronen Raum verschaffen.


    Ich finde es immer nachteilig, wenn Autoren darauf verweisen, dass die meisten "Perspektive" falsch verstehen, indem sie denken, die ändere sich mit Weitwinkeln oder Teleobjektiven. Natürlich ändert sie sich nicht, und diese Autoren haben Recht, genau dann, wenn man den Aufnahmestandpunkt unverändert läßt. - Das kommt aber fast nie vor, insofern ist der Fall akademisch. Wer das Tele an der Kamera auf dem Stativ auswechselt gegen ein Weitwinkel, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Rückwand shiften, um andere Bildgegenstände, einen anderen Horizont usw. zu erhalten. Und zack andert sich die Perspektive. Ebenso, wenn man rangeht, auch wenn man genau auf der optischen Achse bleibt.


    Die Arbeit mit einer Brennweite bedingt meistens einen ganz bestimmten Aufnahmestandpunkt, um die Dinge in dem Abbildungsmaßstab auf Bild zu bringen, den man intendiert. Zur Raumperspektive erzeugenden Gestaltung gehört eben nicht nur die Gesetzmäßigkeit der Abbildung einer Gegenüberentfernung auf einer zweidimensionalen Schnittebene durch das Sehfeld, sondern auch die Raumstelle der Perspektivenorigo (sowie der Winkel der Schnittebene zur optischen Achse).

  • Danke für den Link. Ich hätte es selbst nicht besser formulieren können, als es dort beschrieben steht :lol:


    Quote from Wikipedia

    ...

    eine andere Perspektive nicht durch bloße Veränderung des Betrachtungsausschnitts ohne Ortswechsel (...) herbeigeführt werden kann.

    Der Betrachtungsausschnitt (und rein gar nichts anderes) wird verändert, wenn man die Rückwand shiftet.

    Soviel abschließend dazu.

  • Es geht mir nicht um's Recht haben. Mir ist nur aufgefallen, daß Du dir in Deinem Beitrag selbst widersprichst.

    Einen Satz vorher hast Du es doch exakt richtig beschrieben.

    Ich finde es immer nachteilig, wenn Autoren darauf verweisen, dass die meisten "Perspektive" falsch verstehen, indem sie denken, die ändere sich mit Weitwinkeln oder Teleobjektiven. Natürlich ändert sie sich nicht, und diese Autoren haben Recht, genau dann, wenn man den Aufnahmestandpunkt unverändert läßt.

  • Es geht mir nicht um's Recht haben. Mir ist nur aufgefallen, daß Du dir in Deinem Beitrag selbst widersprichst.

    Jepp, und trotzdem sollte ich es korrigieren - mir ist das Thema wichtig, denn es wird ja manchmal hier gefragt, warum wir überhaupt mit Verstellmöglichkeiten fotografieren.


    Man müsste doch eigentlich schreiben können, beim Shiften ist es nicht der Fluchtpunkt, der sich ändert, auch nicht die geometrischen Gesetze in der Konstruktion der Fluchten, aber man verschiebt den Bildausschnitt so, dass mit anderen Bildgegenständen auch andere Fluchten ins Bild kommen oder Fluchten akzentuiert werden - was meinst Du?

  • beim Shiften ist es nicht der Fluchtpunkt, der sich ändert, auch nicht die geometrischen Gesetze in der Konstruktion der Fluchten, aber man verschiebt den Bildausschnitt so, dass mit anderen Bildgegenständen auch andere Fluchten ins Bild kommen oder Fluchten akzentuiert werden

    Mann Mann Mann... Warum einfach, wenn's auch kompliziert geht??

    Ich lese Deine ausufernden Beiträge mittlerweile nur noch quer. Glücklicherweise entgeht mir dadurch nicht alles... ;)


    Ein Perspektivwechsel bedingt einen Standortwechsel. Period.

    Rückteilbewegungen aller Art ändern daran nichts.

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