Von Wisner über Gandolfi zur Blitzbirnen Reportagefotografie

    • Official Post

    das ist eben das Problem, nicht die gleiche Seriennummer für das Press-Xenar 127mm :(

    wenn ich den vorderen Auszug um ca. 2mm heraus ziehe, stimmt es zum Entfernungsmesser. Aber das verstellt sich immer wieder etwas.

    Mich reizte sehr, 4x5 aus der Hand machen zu können - wie die Reporter in den alten Filmen

    Dazu kommt, dass mich Weitwinkel am meisten reizt, aber bei der Technika geht mein 75er nur mit herunter geklapptem Frontboden (oder wie das Ding heißt)

    Da ist natürlich nichts mehr mit aus der Hand, von der fehlenden Steuerkurve ganz abgesehen.

    Die "Reporter in den alten Filmen" haben überwiegend mit Zone Focusing und dem Sportsucher gearbeitet, d.h. mit voreingestellter Blende, voreingestellter Entfernung und einem definierten Schärfebereich. Im Sportsucher wurde noch viel Luft um das Motiv herum belassen, das für den Abzug dann noch Raum für Beschnitt liess und Parallaxenprobleme umgeht.


    Standardobjektiv bei den meisten Press Cameras war ein 127er oder 135er, weitwinkliger ist man kaum gegangen.


    Die Messsucher an einer Graflex, MPP oder Technika lassen sich - wenn gut kalibriert - aber auch für präzisere Fokussierung nutzen, z.B. für Portraits bei offenerer Blende. Das war bei den Pressefotografen aber eher selten der Fall. Blende 22, Fokus auf 4m, Blitz, und alles von 2,5m bis 10m ist scharf genug für ein Bild in einem Magazin.


    Hier z.B. der berühmte Weegee bei der Arbeit mit einer Graflex Speed Graphic und dem Sportsucher. Titelbild der tollen Biography über Weegee.



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    Grüsse

    Andreas

    • Official Post

    Diese Art von Fotografie meine ich nicht, wenn ich 4x5 benutzen will.

    Von welcher Zeit das Bild ist, weiß ich nicht, aber noch vielleicht vor der Leica Zeit?

    Wenn ich mir das Bild genau ansehe, womit hat er denn ausgelöst, rechts hält er den Blitz und links die Kamera. Der Drahtauslöser hängt unten nach hinten durch - und führt oben zu dem Blitz?

    Ein Kabel zum Synchronanschluß am Objektiv sehe ich auch nicht?

    Alles gestellt? :)

    Hmm, oben hast Du erläutert, dass es Dich sehr reizte, "4x5 aus der Hand machen zu können - wie die Reporter in den alten Filmen". Arthur "Weegee" Fellig war der Prototyp genau dieses Reporters. Seine berühmten Aufnahmen entstanden zwischen etwa 1935 und 1945, aus dieser Zeit stammt auch das Foto auf dem Cover seiner Biographie.


    Die "Leica Zeit" begann in den USA mit dem Leica Model A (Leica I) Mitter der 20er Jahre. In der Zeit von Weegee dann die Leica II und Leica III mit Schraubgewinden, die auch sehr viel von Pressefotografen genutzt wurden. Es wurden in dieser Zeit also zeitgleich die ersten Kleinbildkameras und 4x5" Kameras für Pressefotos verwendet.


    Die Graflex Pacemaker Speed Graphic, die Weegee auf dem Bild in der Hand hält, hat einen Schlitzverschluss, die Synchronisation des Blitzes erfolgt über ein kleines Zusatzgerät am Objektiv, ein sogenanntes "solenoid release", das auf der Objektivplatine unten links angebracht ist. Durch genaue Positionierung des Auslösemechanismus wird die Synchronisierung des Blitzes eingestellt.


    Der Drahtauslöser ist bei Weegees Setup wohl am Gehäuseauslöser befestigt, dieser übertragt mechanisch die Auslösung auf den Solenoid Release, und ein Blitzkabel geht von dort zum Stabblitz. Die Ausrüstung ist auf dem Foto also voll funktionsfähig.

    Weegee war ein extrem extrovertierter Fotograf und Society Star. Ich mag wirklich glauben, dass er in dieser Kleidung auch unterwegs war. Wenn die Aufnahme gestellt ist, so zeigt sie ihn doch recht gut bei seiner Arbeit. BTW, auch einige seiner scheinbar "reportagemäßig" erstellten Bilder sind teilweise gestellt.


    Grüsse
    Andreas

  • Die Messsucher an einer Graflex, MPP oder Technika lassen sich - wenn gut kalibriert - aber auch für präzisere Fokussierung nutzen, z.B. für Portraits bei offenerer Blende. Das war bei den Pressefotografen aber eher selten der Fall. Blende 22, Fokus auf 4m, Blitz, und alles von 2,5m bis 10m ist scharf genug für ein Bild in einem Magazin.

    Das muss man unterstreichen! Ohne Blitz geht es gar nichts.


    PS. Wow, Pierre Jahan rechts hat sogar das Rückteil verstellt. Der windet sich sozusagen 3D-intuitiv um die optische Achse, um sich dann selber noch ein Auge auszustechen.

  • Warum will man eigentlich 4x5 aus der Hand fotografieren?
    Handlichkeit - NEE
    Geschwindigkeit - NEE
    Komfort - NEE
    Fokussieren - NEE
    Gewicht - NEE
    Bildquallität - NEE
    Spass - Na Ja
    Coolness - JA aber bitte nur mit Hut, Trench und Blitzbirne zwieschen den Lippen

  • Historisch gesehen hast du sicher recht.
    Aber wir wissen ja alle aus eigner Erfahrung wie lange man in diesen Bereich an Altvertrautem festhält.
    Ich sage da nur MF => AF und der Analog => Digital, das kennen wir ja alle noch. Da hat der Umbruch von 4x5 auf Kinofilmchen
    sicher auch seine Zeit gebraucht. Ich habe in eigentlich wegen meiner ersten Digitalen (DCS 420) auf Grafik umgeschult.

    Aber ging es hier nicht darum das man heutzutage 4x5 aus der Hand fotografieren möchte?

  • Aber ging es hier nicht darum das man heutzutage 4x5 aus der Hand fotografieren möchte?

    Ja eben. Ich denke, dass viele Pressefotografen dieser Zeit noch mit 4x5" aus der Hand arbeiteten, wegen der Bildqualität und der Detailauflösung, zumal mit Blitzlicht. Wenn man sich manche Bilder von Weegee ansieht, bestechen die trotz und zugleich wegen des Frontalblitzes durch viele scharf abgebildete Details, bei denen ein Kleinbildfilm an Grenzen gestoßen wäre. Da hätte man für ermittlungstechnische Untersuchungen im Nachhinein noch jede Menge Details rausvergrößern können. Auch die Rolleiflexen dieser Zeit waren ja nicht gerade Point&Shoot-Kameras. Ich habe großen Respekt gegenüber den Jungs, die damals mit solchen Kameras aus der Hand Action-Fotos für die Tagespresse fotografiert haben.

    Aber wir wissen ja alle aus eigner Erfahrung wie lange man in diesen Bereich an Altvertrautem festhält.

    Klar, da hast du völlig recht.

    Ich hab noch die Diskutiererei unter Pressefotografen in Erinnerung, als Nikon in den 1980ern mit der F4 ohne Schnellspannhebel rauskam. :lol:

  • Ich habe in meiner Daily-Press Zeit fest gestellt das man die meisten Bilder doch gestellt gemacht werden.
    Das ganze klappt sonst nicht. Da geht man hin und sagt ich brauche da noch mal nen Bild, aber das machen
    wir dann nachher und dann, zack steht der Filmschaffende pötzlich wie zufällig neben dem Filmprojektor.
    Und was solls? Der Fotografierte ist glücklich über das schöne Bild (Schoko-Seite), der Fotograf weil der Redakteur zufrieden ist.
    Ich glaube auf sicher das das früher auch so war, zumal man ja nicht so schnell war. Umso mehr bewundere ich die Kollegen
    von damals. Aber die Leute waren auch weniger fotoscheu als heute.

  • Guadarmar

    Changed the title of the thread from “Wisner Cameras, nun isse da!” to “Von Wisner über Gandolfi zur Blitzbirnen Reportagefotografie”.
  • Willy Ronis, Pierre Jahan und André Garban, 28.04.1950

    Und alle selbstredend noch mit Krawatte, aber schon ganz leger ohne Hut.


    Ich meine, die europäischen Bildreporter sind schon vor Ihren Kollegen in den USA von den größeren Formaten auf die kleineren umgestiegen. Vor allem die Tagespresse hatte ja wegen dem grobem Druckraster auch keine allzu hohen Ansprüche an die Bildqualität.

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