Die alte Linde

  • Irgendwie bleibe ich immer an solitären Bäumen hängen.


    In der Entstehung war das Bild deutlich hektischer als es jetzt aussieht – der Dunst war einen Moment später schon verflogen, ich musste mich ranhalten...



    Technika 13x18

    Wollensak Verito 6.5" f6@f6

    Fomapan 100@64 asa

    Moersch Tanol, 1+1+100, Rotation

  • Ein paar Mal schon habe ich mir das Foto jetzt angeschaut. Es scheint mir irgendwie zu gefallen.

    Ja, das hätte ich nicht besser ausdrücken können. Mir geht es ähnlich.

    Das Bild hat sich mir erst nach mehrmaligem Anschauen erschlossen. Mittlerweile finde ich es gut, richtig gut.

    Der Baum ist platziert wie der Star des Bildes, vertikal mittig, horizontal auf der Drittellinie. Die Linien führen zu ihm hin und rechts von ihm gehts nur noch abwärts. Aber ich mag den Baum nicht. Die Form spricht mich nicht an, ist nicht prägnant, eine Silhouette eher wie ein Busch, jedenfalls nicht so archetypisch aussehend, wie man einen alleinstehenden Baum, der zum Fotomotiv wird, erwarten würde. Er ist noch nicht einmal richtig hässlich wie eine knorrige Buche oder sowas, dann wäre er schon wieder fotogen, was er aber nicht ist.

    Und während ich so darüber nachsinne, dass ich selbst so einen Baum niemals fotografieren würde, und schon gar nicht so langweilig platziert, dass der Blick immer wieder zu ihm hin muss, wird mir allmählich bewusst, wie faszinierend Licht, Unschärfe und Atmosphäre um den Baum herum sind. Irgendwie dreamy, filmisch, scheinbar geräusch- und bewegungslos, völlig herausgelöst aus der hektischen Welt. Wie im Auge eines Sandsturms. Und vor dem Hintergrund verstehe ich jetzt den Bildaufbau und die scheinbare Konzentration auf dieses Baumungetüm, das genau so unwirklich erscheint wie die gesamte Atmosphäre.

    Vielleicht würde ich oben 1/4 abschneiden und ein gemäßigtes Panorama daraus machen. Das könnte die atmosphärische Wirkung noch erhöhen, die dreidimensionale Wirkung des Feldes im Vordergrund steigern und dazu einladen, mit den Augen im Bild spazieren zu gehen.

  • Ein Bild, das mir keine konkrete Information übermittelt, nach deren Aufnahme ich weiter blättere, sondern ein Bild, das mich festhält und immer wieder für geraume Zeit dazu bringt, beim Betrachten die Gedanken schweifen zu lassen. Gefällt mir sehr!

  • Ich danke Euch allen für euer Feedback. Momentan habe ich mir selbst das Verito als "Immerdrauf" vorgegeben, um die gestalterischen Möglichkeiten dieses Objektivs besser kennenzulernen...

    die scheinbare Konzentration auf dieses Baumungetüm, das genau so unwirklich erscheint wie die gesamte Atmosphäre.

    Zum "Ungetüm" passt der Name der Örtlichkeit in alten Flurkarten – "An der schwarzen Eiche". Nicht bekannt ist mir, ob früher anstelle der Linde eine Eiche stand – oder der Vermesser zu bequem war, bis an den Baum heran zu gehen.


    Ich reiche am Wochenende mal noch einen Lith-Print nach, der in der Stimmung gänzlich anders geraten ist.


    Vielen Dank!

  • Ich glaube, in diesem Print ist es einfach "nur da", ohne groß zur Bildwirkung beizutragen.


    An sich ist die Idee, einen Lith-Print knapper als üblich zu belichten, im Erst-Entwickler (Lith) zu entwickeln, und dann die nicht vorhandenen Lichter/schwachen Mitteltöne im Catechol "dranzuentwickeln". Die Bildwirkung ist dann dezenter als ein reiner Lithprint, die Farbigkeit bleibt aber recht deutlich erhalten.


    In diesem Fall war es allerdings so, dass ich anscheinend zu stark belichtet hatte, sodass der Abzug schon im Erstentwickler gut rauskam – insofern hat das zweite Bad nur einen Placebo-Effekt entfalten können ;)


    Ich lade parallel mal ein anderes Motiv/einen anderen Abzug hoch, an dem man die Wirkung deutlicher sehen kann.


    Gruß,

    Jona

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