Meisterliche Perspektivenkorrektur ...

  • Meiner Meinung nach funktionieren solche Motive am besten in der Zentralsperspektive.


    Wenn hohe Objekte von einem tiefen Standpunkt aus komplett auskorrigiert werden dann "beulen" die oben liegenden Teile aus.

    Das ist zwar perspektivisch richtig wirkt aber unnatürlich weil unser Auge so nicht sieht.


    Für unser alltägliches Sehen ist es angenehmer wenn solche Aufnahmen immer etwas unterkorrigiert sind, also die Linien nach oben etwas zusammen laufen, dann wird der obere Teil auch nicht so "verzerrt"


    Daher ist die Zentralperspektive ideal, wenn in der mittleren Höhe aufgenommen wird braucht nicht geshiftet zu werden und es entstehen weder divergente Linien noch unnatürliche Größenveränderungen.


    Sehr schön zu sehen an den Bildern von Bernd und Hiller Becher die ihre Aufnahmen immer aus der Zentralperspektive aufgenommen haben.


    Das bedeutet aber das man sich auf einem gegenüber stehenden Gebäude, Gerüst oder was auch immer begeben muss und die gesamte Ausrüstung halt auch, auf halber Höhe zum aufzunehmenden Objekt muss dann die Aufnahme gemacht werden.


    Das ist die wahre Architekturfotografie.

    Alternativ könnte der Fotograf auch eine deutlich längere Brennweite nutzen und von größerer Entfernung arbeiten.

    Das harmonisiert das Ergebnis deutlich. Ist aber halt nur möglich wenn der Platz dafür vorhanden ist.

  • Bei überkorrigiert haben die Vertikalen die Tendenz des nach aussen auseindanderfallens zu zeigen. Besonders wenn vertikale Linien nahe am Bildrand sind. Hier wird diese Tendenz aber aufgefangen durch die leicht schräg verlaufenden Linien oberhalb von "Camera" und auf der linken Seite. Das wirkt wie ein Trichter und zieht das riesige Gebäude nach unten in die Tiefgarage, deren Eingang in der unteren linken Ecke ist. Das Bäumchen wiederum strebt unbeirrt nach oben.

    "Camera" ist der Name eines Kino's an der Seilerstrasse. Nur so für den Fall, dass die Frage auftaucht, was es mit dem "Camera" auf sich hat.


    Ob der Bildautor wahre Architekturfotografie anstrebt weiss ich nicht. Aber interessante Ausschnitte aus Stadtansichten sind es.

  • Die nach vorne neigende Kante des linken Baukörpers scheint nicht korrekt ausgerichtet. Zumindest kippen die beiden weißen Doppelkanten leicht im Uhrzeigersinn, das sorgt zumindest bei mir für einen leicht schiefen Eindruck.

    Meiner Meinung nach funktionieren solche Motive am besten in der Zentralsperspektive.

    Ergibt aber auch keine "natürliche" Perspektive, weil der Betrachter selten in mehreren Metern Höhe vor einem Gebäude schwebt, sondern sich als Fußgänger auf Augenhöhe vor dem Erdgeschoss befindet, da wo auch der Fotograf steht.

    Das ist die wahre Architekturfotografie.

    Ich habe letztens noch Bilder von jemandem gesehen, der ein Hochstativ verwendet und fand die Ergebnisse bis auf wenige Ausnahmen nicht überzeugend im Sinne einer "wahren" Architekturfotografie. Die gängige Konvention folgt auch nicht diesem Diktum, weder historisch noch aktuell.

  • arothaus

    Was ist denn eine "natürliche Perspektive"?

    Das kann eine Zentralperspektive sein aber genauso ein Drauf oder Untersicht.

    Alles was wir Menschen sehen können, ohne technische Hilfsmittel, ist ein natürliche Perspektive.


    Unnatürlich sind komplett gerade gestellte Linien bei einer Ansicht von unten oder oben, die wiedersprechen nunmal unseren Sehgewohnheiten.


    Wenn ich allerdings von der Mitte aus auf ein gegenüber stehendes Gebäude schaue dann sehe ich gerade und parallel laufende Linien und das ist ein natürliche Perspektive.


    Mit einem Hochstativ wird die Situation einer Unteransicht lediglich etwas entschärft, mit einer zentralen Ansicht hat es aber noch lange nichts zu tun.


    Wenn der Abstand zu kurz und damit die Brennweite ebenfalls wirkt es immer unnatürlich wenn ich die optische Achse verschiebe.

  • Shen Hao

    Das ist absolut unstrittig, jeder der sein Geld mit Architektur Fotografie verdienen muss und sie wirklich ernst nimmt wird die Zentralperstpektive nutzen wann immer es möglich ist.

    Ansonsten muss sehr genau darauf geachtet werden das die stürzenden Linien nicht zu 100% korrigiert werden.

    Du hattest zu dem Bild oben auch gleich kommentiert das es überkorrigiert sei, ist es aber nicht, es ist genau korrigiert aber es wirkt nicht natürlich.


    Zu kurze Brennweiten und zu kurze Abstände sollten wann immer möglich vermieden werden.


    Schaut Euch bitte mal die Architekturfotos von Reinhart Wolf an die er in New York gemacht hat, denke das sie genau erklären was ich meine.

    Für seine Aufnahmen hat er sehr lange Brennweiten benutzt und sich möglichst auf die Höhe der Objekte begeben die er aufgenommen hat.

    Falls es Höhenunterschiede gab fallen sie kaum ins Gewicht eben wegen der langen Brennweite.


    Leider ist es eine fragwürdige Mode geworden alles mit extrem kurzen Brennweiten zu fotografieren, nicht nur Architektur.


    Es gibt interessante Architekturaufnahmen die mit kurzen Brennweiten aufgenommen wurden aber da geht es eher um den Efekt und weniger um die exakte Darstellung.

  • ""Du hattest zu dem Bild oben auch gleich kommentiert das es überkorrigiert sei, ist es aber nicht""


    Für mich ist ein überkorrigiert aussehendes Bild überkorrigiert.

    Mehr muß ich für mich selten wissen - es behagt mir nicht.



    ""Das ist absolut unstrittig, jeder der sein Geld mit Architektur Fotografie verdienen muss und sie wirklich ernst nimmt wird die Zentralperstpektive nutzen wann immer es möglich ist.""


    Das erachte ich jetzt aber als sowas von strittig.

    Architekturfotografie besteht ja nicht ausschließlich daraus, das Entree möglichst zentral auszurichten.

    Auch birgt die Zentralperspektive eine gewisse Form der Langeweile, die nicht immer gefordert ist.

    Und "wann immer möglich" ist ebenfalls ein garstiger Aspekt - die Bechers auf weiter Flur, da geht das natürlich alles, aber mach mal in Berlin, mit dem gegenüberliegenden Gebäude oder einer Mülltonne im Rücken..

    Wobei mich Bechersche Werke in ihrer Perfektion durchaus anzusprechen vermögen.


    Beispielhaft erinnere ich mich an unseren lieben Winfried, der als Meister des Faches und Verleger Seiner eigenen Werke - ich glaube tatsächlich, der meinte das ernst mit der Architektur und dem Geldverdienen - - ganz bevorzugt und mit guten Gründen die Zentralperspektive verließ.


    Allerdings hatte Er auch meist überkorrigiert aussehend korrigiert :)


    Vom Herrn Wolf habe ich nur ein Bild aus der Erinnerung abrufbar - die Sinar mit den 20 Balgen :)

    Ja, ein paar NY-Bilder sing gut, aber ich finde viele Bilder recht fragwürdig, muß ich mal sagen.


    Ich hab hier einen Band Horst Schäfer, der es zwar zuweilen auch verstand, vorzüglich auszurichten, ansonsten aber ein Gegner der Zentralperspektive zu sein schien.

    Sensationelle Aufnahmen, fast alles irgendwie "schräg".


    Also ich glaube, wer ernsthaft Architektur fotografiert, nimmt in erster Linie mal die Architektur ernst, und nicht die Zentralperspektive.

  • Reinhart Wolf ging es bei seinen NY-Arbeiten vor allem um die oberen Abschlüsse/Kuppeln/Dächer der Wolkenkratzer. Die hätte er von unten nicht fotografieren können. Außerdem strebte er eine flächige, grafische Verdichtung der eng zusammenstehenden Gebäude an. Daher die Zentralperspektive mit den langen Brennweiten und langen Distanzen. Und das alles mit dem Detailreichtum des Großformats. Man kann seine Arbeiten mögen oder nicht, jedenfalls hat er Ansichten von den NY-Wolkenkratzern geliefert, die man bis dato so noch nicht kannte.

    Dass Reinhart Wolf ebenso gern mit Weitwinkeln, Räumlichkeit und dynamischen Perspektiven gearbeitet hat, zeigen seine Bildserien der spanischen Castilios.

    Es kommt halt immer darauf an, was man machen möchte, bzw. wie man Architektur künstlerisch interpretieren möchte.

  • 210mm ist jetzt in 4x5" noch keine deutlich längere Brennweite.


    Damit wir hier nicht ständig aneinander vorbei reden, wenn die reine Sachlichkeit in der Architekturfototografie angestrebt wird welche Alternative gibt es zur Zentralperspektive?


    Geht es um Efekte oder hübsche Fotos dann kann ich mit Weitwinkeln arbeiten, sie liefern aber nie reale Größenverhältnisse.

    Hat dann aber mit Sachlichkeit nichts mehr zu tun.

  • Ich korrigiere mich - auf mich wirkt das ganze Bild krumm und schief; da interessieren mich weder Lage noch Bedeutungen, und ich diskutiere das auch nicht mit meinem Gehirn :mrgreen:

    Ich freue mich schon wie ein Spitz darauf, wenn Du dann endlich mal selber eine Dunkelkammer haben wirst und uns eine konstante, umfangreiche und nachhaltige Auswahl Deiner allerbesten Bilder zeigst. Wir werden unendlich von Dir lernen können! Zumindest in den letzten drei, vier Jahren hast Du uns alle mit Deiner herausragenden Expertise beglückt und belesenen Sachverstand walten lassen. Bisherige Ausblicke auf Schaufensterpuppen und Getreidefelder lassen ja schon einiges erwarten. Wenn Du dann groß rauskommst mit Deinem Portfolio, wird das für uns alle sehr aufschlussreich sein.

  • Ich freue mich schon wie ein Spitz darauf, wenn Du dann endlich mal selber eine Dunkelkammer haben wirst und uns eine konstante, umfangreiche und nachhaltige Auswahl Deiner allerbesten Bilder zeigst. Wir werden unendlich von Dir lernen können! Zumindest in den letzten drei, vier Jahren hast Du uns alle mit Deiner herausragenden Expertise beglückt und belesenen Sachverstand walten lassen. Bisherige Ausblicke auf Schaufensterpuppen und Getreidefelder lassen ja schon einiges erwarten. Wenn Du dann groß rauskommst mit Deinem Portfolio, wird das für uns alle sehr aufschlussreich sein.

    Ich frage mich immer wieder, wo dieser wirklich vollkommen absurde Gedanke herkommt, daß man von einem Kritiker erwartet, daß er bessere Bilder als die von ihm Kritisierten abzuliefern hat.

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