Tominon 1:4,7

  • Hallo zusammen,


    nachdem hier in einem anderen Thread auf das Tominon Objektiv für Makroaufnahmen um 1:1 aufmerksam gemacht worden ist, möchte ich um weitere Informationen zu dieser Optik fragen, falls jemand welche hat.


    Vor mehr als zehn Jahren habe ich eine Linhof Technika für einen Bekannten erworben, auf der war beim Kauf ein Tominon 127mm montiert, er wollte dieses Objektiv aber nicht haben. Also habe ich es verpackt, behalten und selber niemals benutzt. Das Objektiv hat eine Seriennummer, aber keinen Hersteller, auf dem Verschluß steht, daß es ursprünglich an einer Polaroid Kamera war. Es ist ein Copal 1 Verschluß mit Spannautomatik.


    Hat jemand hier Erfahrungen mit diesem Objektiv?


    Viele Grüße


    Michael

    Will unsre Zeit mich bestreiten,
    ich laß es ruhig geschehn.
    Ich komme aus anderen Zeiten
    und hoffe, in andre zu gehn.

  • Es ist ein Tessar Typ mit guter optischer Leistung, der Bildkreis reicht auf oo für 4x5"

    Polaroid hat viele 127mm Objektive von verschiedenen Herstellern im Laufe der Produktionsjahre.

    Es ging immer darum den günstigsten Anbieter zu finden.

    Am bekantesten ist sicher das Ysarex 4,7/127 das gab es auch unter dem Namen Ysaron, ebenfalls in Polaroid Kameras.

    Enna hat ein 4,7/127 geliefert, Yashica und zum Schluß fanden sich nur noch die Objektive von Tomioka in Copal Verschlüßen in Polaroid Kameras.


    Das Ysarex kenne ich sehr gut, ein sehr nettes kleines Objektiv das es für Kleingeld zu kaufen gibt, lässt sich bei 4x5" noch etwas verstellen wird aber dann nicht mehr 100% scharf in den Ecken.

    Sind aber immer sehr gut im Nahbereich.

    Wenn es über 1:3 hinausgeht können einfach die Linsengruppen von vorn nach hinten und umgekehrt eingebaut werden, dann durchaus brauch bar bis 3:1

    Genauso hat es Zeiss Jena mit ihrem S-Tessar 6,3/120mm gemacht.


    Vermutlich ist die optische Leistung der von mir genannten Objektive identisch, der Aufbau ist es zumindest, man braucht keine Wunder erwarten, die sind eh sehr selten, aber es sind solide Optiken die auch im Nahbereich funktionieren, das tun aber alle Tessar Typen.

    Der größte Vorteil ist das sie günstig zu bekommen sind und häufig in einem Verschluß sitzen.

  • Die beiden Links hast Du gelesen? Dan Fromm: https://galerie-photo.com/tele…-lenses-v2-2011-03-29.pdf Praxistest: https://www.closeuphotography.…017/1/4/tominon-35mm-lens - nur der Vollständigkeit halber.


    Die Objektive wurden z.B. auf Polaroid-Handkameras verwendet, die man auf Bildschirme von Oszilliskopen, Radargeräten, Anzeigeinstrumenten usw. aufsetzen konnte. Wegen des festen Aufnahmeabstandes und der für den Nahbereich berechneten Optik konnte man scharfe Bildschirmaufnahmen machen, im Sofortildverfahren.


    Ich habe für Nahaufnahmen im Bereich 1:1 bisher noch nichts besseres gehabt als die Brennweiten zwischen 75 und 135 mm - aber das heißt nicht viel. Meine anderen Objektive sind das Fujinon A 180, mit dem es gleichzieht, ein Apo-Ronar 150, dessen 00-Verschluss hakelt, sowie die G-Clarone 150, 210 und 240, die wie das Fujinon A auch für Unendlich ziemlich gut sind. Für Unendlich sind die Tominone aber meiner Meinung nach nicht geeignet, weil keine Bildkreisreserve bieten und auch nicht sooo scharf sind. Aber das ist ja nicht tragisch. Sie funktionieren dort, wo sie sollen, für sehr wenig Geld, und einen funktionierenden Verschluss kriegt man gleich noch nachgeworfen.


    Um es man noch ein wenig anders auszudrücken: wenn ich mir aus einem Kanalrohr, einem alten Cambo-Rückteil und einem mit Heißleim angeflanschten Objektiv eine Makrokamera mit festem Fokus bauen sollte, käme vorne ein Tominon drauf. Den Bildern würde man allenfalls die hohe Qualität ansehen ...

  • Meine Recherchen haben mich mal zu dem Pentax als Hersteller oder Lieferanten (kann mich nicht mehr erinnern) von den Tominons für die MP-4 gebracht. Das ist aber nur ein Argument, die Preisplanke für diese großartige Objektive nach oben zu schieben.

  • Die Objektive wurden z.B. auf Polaroid-Handkameras verwendet, die man auf Bildschirme von Oszilliskopen..usw. aufsetzen konnte.


    Hm.

    Für Oszilloskope gab es Tuben für anschraubbare Spezialobjektive im (ich glaube elektronischem) Verschluß mit nötiger Offenblende, 1,2 oder 1,4 - Oscilloraptar oder so, ungefähr 1 Kg schwer - ich hatte mal eins seziert, und hier auch vorgestellt.


    Hier mal gefunden:

    https://www.ebay.de/itm/274102682787

  • Hallo zusammen,


    danke für die vielen Informationen, dann scheint ein Tominon also ein Objektiv für 1:1 Maßstäbe zu sein. Ja, dann bin ich froh, es behalten zu haben, denn dann kann ich es mit der Technika III und der Gandolfi sicher irgendwann einmal auch verwenden.


    Ich habe vor einiger Zeit an meinem Oszilloskop mit allergrößter Mühe den Verlauf der Schwingung eines historischen Knallfunkensenders (Marconi 1898, Nachbau von mir) aufnehmen können.



    War das Tominon für eine solche Art von Aufnahmen gedacht?


    LG


    Michael

    Will unsre Zeit mich bestreiten,
    ich laß es ruhig geschehn.
    Ich komme aus anderen Zeiten
    und hoffe, in andre zu gehn.

  • Das könnte ich mir durchaus vorstellen. Ich weiß allerdings nicht, wie spezifisch die Bezeichnung Tominon war. Jedenfalls hat Polaroid für technisch-wissenschaftliche Anwendungen Spezialkameras gebaut (Oszilloskop- und Reproduktionskameras), die eher für Abbildungsmaßstäbe um Eins gedacht waren. In meinen Beständen habe ich eine sehr alte Oszilloskopkamera von Polaroid für Trennbildrollfilme. Die ist ausgerüstet mit einem Dallmeyerobjektiv 2,8/76 (läuft auch unter 3"). Das ist ausdrücklich mit "Oscillograph" beschriftet und dürfte entsprechend korrigiert sein, also sehr ebenes Bildfeld ohne Verzeichnungen.


    Gefunden habe ich dazu bisher nur

    https://toby-marshall.com/gall…ph-3-inch-76mm-f2-8-lens/

    was meine Meinung zur Korrektur bestätigt.


    Der seinerzeit verwendete Filmtyp dürfte dieser hier sein

    https://en.polaroid-passion.com/format-roll-films.php?id=74

    Man wird also mindestens ein Bildfeld von 72x95 erwarten dürfen, und da sich der Korrekturzustand am Bildrand nicht schlagartig ändert, könnte es bei Makros vielleicht sogar bis 4x5 reichen. Habe ich aber bisher nicht getestet ...


    Archivalische Grüße, hp

  • Es gab sehr spezielle Objektive für den Einsatz als Bildschirmkamera, zuerst fallen mir die Steinheil Oscillo Quinon Objektive ein.

    Diese waren so korrigiert das sie beim wichtigsten Maßstab verzeichnungsfrei waren.

    Bei meinem 1,9/56mm war das bei 1:1,2

    Die Verzeichnungskurve war in der Anleitung beschrieben.

    Das Objektiv habe ich bis etwa 3:1 an 4x5" verwendet wo es sehr gute Ergebnisse lieferte.

    Die hohe Lichtstärke ist beim Einstellen natürlich ein Vorteil.

    Für einen Einsatz in Bereich oo ist es aber völlig ungeeignet, trotz seiner acht Linsen.


    Das die Tominon Objektive speziell für den Nahbereich korrigiert sind mag ich nicht so recht glauben, sie liefern auch bei oo einwandfreie Aufnahmen, wie zu erwarten bei einem Tessar Typen.

    Die Verwendung dieser Objektive hat sicher mit ihren günstigen Preisen zu tun, die Objektive von Tomioka waren preisich im unteren Segment abgesiedelt, daher finden sie sich sehr häufig an Revue und Porst Kameras unter den Vertreibernahmen.


    Die Tessar Objektive sind völlig ausreichend um Aufnahmen von Bildschirmen zu machen zumal nur mit Polaroid Material gearbeitet wurde das man nicht vergrößerte.


    Ehrlich gesagt wüsste ich jetzt nicht warum das Tominon jetzt ein spezielles Objektiv sein soll? Andere Objektive diesen Typs liefern genauso gute Ergebnisse.

    Unter meinem Autokollimator sehe ich keinerlei Unterschiede zwischen dem 4,7/127 Tominon, Ysarex oder dem Ysar und es ist ziemlich egal ob ich den AK auf oo oder den Nahbereich einstelle.


    Um solche Objektive im Nahbereich zu optimieren empfiehlt es sich die beiden Linsenhälften zu wechseln, so wie ich oben schon beschrieben habe.


    Wenn Du ein solches Objektiv im Verschluß hast würde ich es an Deiner Stelle behalten, diese Objektivkontruktion ist sehr vielseitig zu verwenden.

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