Sironar 150mm 5.6

  • Weiss hier jemand etwas über das folgende Objektiv?
    Es handelt sich ein Rodenstock Sironar 150mm 5.6 mit 67mm Filtergewinde
    in einem Copal 0, welches laut Seriennummer 8 888 xxx, aus 73/74 ist.
    Keine N, S oder W oder auch MC Gravur. Es ist auch keine Vergütung zu sehen.
    Ich habe auch nichts aufschlussreiches im Netz gefunden.




    Danke im Voraus.

  • Ich glaube, das ich mal gelesen habe, das bei den alten Sironars auch das Frontelement
    auch allein zu benutzen ist.
    Gesagt, getan! Auf der Mattscheibe siehts abgeblendet gar nicht so übel aus.
    Dafür spricht, das auf dem Verschluss auch eine Blendenskala für 300mm ist.
    Ich dachte immer das der Verschluss nicht nicht immer an dem Objektiv war.

  • Hallo Thure,

    ich habe auch so ein 150er Sironar. Es ist einfach vergütet und ich fotografiere recht gerne damit. Es ist nicht superscharf, also kein Vergleich zu den APO-Linsen, hat aber einen "angenehmen Schmelz". Mein Objektiv ist etwas jünger, hat eine Seriennummer im Bereich 9 21x xxx und auch eine zweite Blendenskala mit 16/450mm auf dem Copal 0. Habe vor Jahren mal das Vorderglied allein ausprobiert, das hat mich persönlich bezüglich Schärfe aber nicht so richtig zufrieden gestellt.


    Viele Grüße

    Frank

  • Hallo Thure,

    habe mal im largeformatphotography-Forum geschaut. Dort gab es auch schon Threads zu dem Thema. Beschrieben war da, dass bei den Sironars im allgemeinen bei Verwendung des Frontelements eine verdreifachung der Brennweite auftritt, mit einem Lichtverlust von 3 Blenden. Bei den alten Symmaren sind es bei Verwendung des Hinterglieds eine Verdoppelung der Brennweite. Insofern könnte es gut sein, dass Dein Verschluss mal zu einem anderen Objektiv gehört hat.


    Viele Gruesse

    Frank

  • Danke, das in dem US Forum habe ich auch gefunden.
    Mit dem Frontelement auf 360m fokusiert habe ich eine Bildweite von rund 38cm,
    was wohl eher für die Beschriftung auf meinem Verschluss spricht.
    Aber durch den Vergleich zum Bildwinkel des 270er Arton spricht mehr für
    für eine längere Brennweite als 300mm.

    Hast du bitte mal ein Bild von deiner Blendenskala, dann kann ich mir ja mal eine improvisieren.

  • Hallo,


    in einem Prospekt von Schneider habe ich zu den Symmaren die folgende Aussage gefunden. Ich zitiere wörtlich:


    Hintere Objektivhälfte: Besitzt die Kamera einen genügend großen Auszug, so kann

    auch die hintere Objektivhälfte des Schneider-SYMMAR 1 :5,6 allein verwendet

    werden. Sie hat die relative Öffnung 1 :12, sowie eine Brennweite, die etwa 1,75

    mal größer ist als die des Gesamtobjektivs und einen Bildwinkel von ca. 30°. Bei

    voller Öffnung eignet sie sich besonders für Porträtaufnahmen.


    Ob die Aussage auch für die moderneren Symmar-S gilt, ist nicht eindeutig. In den Prospekten zu den Symmar-S Objektiven gibt es keinen Hinweis darauf, dass die hintere Objektivhälfte allein verwendet werden kann. Aber man könnte es ja mal ausprobieren.


    Viele Grüße

    Renate


  • Bei den ebayKleinanzeigen ist momentan so ein Sironar 150mm drin. Das Objektiv hat eine "Linhof Gravur und die Seriennummer fängt mit "8 7xx xxx" an, das Objektiv ist also etwa von 1973. Der Verkäufer gibt noch an: Es ist eine Triplet optik- durch die Verwendung von hinterem Glasselement bekommt man eine zusätzliche lange Tele Optik von 400 mm!

    Die Blendenreihe am Compur zeigt jeweils drei Brennweiten:

    f = 100 - 135 - 150 (weiße Beschriftung)

    f = 300 - 400 - 450 (gelbe Beschriftung)

    Die maximale Blende ist in der gelben Reihe dann mit "16" angegeben.

  • Hallo zusammen,


    das sind ebenso Satzobjektive, wie auch das Schneider Angulon, das ich im Thread unten beschrieben habe. Ich habe auch ein 5,6/150mm Symmar, bei dem die 265mm Hinterlinse alleine verwendet werden kann. Es beginnt dann bei 1:12 und die zweite Blendenskala ist ebenfalls aufgedruckt. Meins ist von 1963.


    Ab etwa Bl. 22 zeigt die Einzellinse sehr scharfe Ergebnisse.


    Viele Grüße


    Michael

    Will unsre Zeit mich bestreiten,
    ich laß es ruhig geschehn.
    Ich komme aus anderen Zeiten
    und hoffe, in andre zu gehn.

  • Bei den Scheiders ist das klar beschrieben und somit eigentlich bekannt.

    Hier geht es aber um die alten Rodenstock Sironare, wo nicht so viel zu finden ist.

    Bei dem 150er haben wir jetzt schon 3 unterschiedliche Verschlussbeschriftungen.

  • Rodenstock hat die identischen Blendenskalen für das 135mm und das 150mm verwendet weil der Unterschied der Blendenwerte bei 10% liegt und nicht ins Gewicht fällt.

    Das Gleiche gab es auch beim 180mm das ebenfalls mit 150mm bezeichnet war weil es das 150mm Sironar alternativ auch im Compur I gab.

    Entgegen dem Symmar wird beim Sironar nur die Frontlinse verwendet, die hat etwa die dreifache Länge des Gesamtobjektives und die Lichtstärke von 1:16


    Letztendlich könnt Ihr von jedem Großformat Objektiv die Halbobjektive verwenden so lange sie positiv sind.

    Das wurde nur Irgendwann nicht mehr in den Prospekten erwähnt weil die nicht korrigierten Hälften nicht mehr den Qualitätsansprüchen genügen.

    Die Hälften haben extreme optische Fehler und sie sind nicht einmal mehr farbkorrigiert.

    In SW sollte daher ein Gelbfilter verwendet und der Bildwinkel nicht ausgereizt werden, daher hat Schneider ihn mit nur 30 Grad angegeben obwohl er deutlich größer ist.

    Diese Satzobjektive sind und bleiben optische Krücken.

    Es natürlich trotzdem möglich auch damit interessante Aufnahmen zu machen.

    Sich ein Objektiv nur aus dem Grunde zu kaufen weil vor 70 oder sogar 90 Jahren mal was von Satzobjektiv in einem Prospekt stand zeigt wie gut Werbung schon damals gewirkt hat, selbst heute glauben einige immer noch an die optischen Wunder.

    Jetzt verrate ich hier etwas, es gibt keine Wunder.

    Keine Objektivhälfte in der Geschichte der Optik hat je die Leistung des Gesamtobjektives erreicht, nicht einmal das Zeiss Doppel Protar.

    Weder das Symmar oder das Sironar und auch nicht das Angulon wurden in Hinsicht auf die Verwendung als Satzobjektiv konstruiert, das war hier nur ein Abfallprodukt weil die Hälften positive Optiken sind.

    Richtige Satzobjektive bestehen aus mehreren Linsenhälften und lediglich die vierlinsigen vollverkitteten Varianten konnten optisch einigermaßen überzeugen wenn nur das Halbobjektiv verwendet wird.

    Alle anderen sind nicht einmal Ansatzweise mit dem Komplettobjektiv zu vergleichen, auch das magische Cooke Convertible nicht.

  • Hallo Norma,


    das ist alles vollkommen richtig.


    Und die Frage, ob noch bis ins Jahr 1973 von Rodenstock und Schneider mit ihren Satzobjektiven der Serien Sironar und Symmar "Krücken" angeboten wurden, das konnten nur die damaligen Anbieter Rodenstock und Schneider selber entscheiden. Oder wir heute als Benutzer, in dem wir diese Satzobjektive ausprobieren und nach unseren heutigen Maßstäben urteilen. So man das will.


    Aber vielleicht können wir zur Beantwortung der Frage auch noch die Firma Sinar ins Boot holen, denn auch die war sich nicht zu schade, ein solches 5,6/150mm Symmar mit ihrem Firmenaufdruck verkaufen zu lassen. Meins ist nämlich so eins. Und Sinar hat nun nicht gerade den Ruf, jemals schlechte Kompromisse eingegangen zu sein ...


    Jeder, wirklich jeder war sich damals darüber im Klaren, daß das Einzelglied niemals die optischen Eigenschaften des Gesamtobjektivs haben kann. Aber es gab und gibt Aufnahmesituatonen, bei denen das Einzelglied eines Satzobjektivs annehmbare Ergebnisse liefern kann. Vor allem, wenn - wie bei mir - eben nicht jedes Objektiv aus meinem Fundus jederzeit auch zur Verfügung steht.


    Ich will die Nutzung dieser Einzelglieder nicht empfehlen, mag ihnen aber ihre Berechtigung auch nicht pauschal absprechen.


    Eher denke ich, jeder der eins hat und sich für das Thema interessiert, sollte mal ausprobieren, was er von den Ergebnissen solcher Versuche hält.


    Liebe Grüße


    Michael

    Will unsre Zeit mich bestreiten,
    ich laß es ruhig geschehn.
    Ich komme aus anderen Zeiten
    und hoffe, in andre zu gehn.

  • Hallo zusammen,


    Nachtrag:


    Die auf vielen historischen Objektiven angegebene Bezeichnung "Doppel-Anastigmat" bedeutet tatsächlich, daß der Astigmatismus für jedes Einzelglied dieses Objektives bewußt korrigiert ist.


    Daß andere Bildfehler sich durch die Verwendung eines solchen Einzelgliedes eher vermehren könnten, ist auch klar.


    Aber warum testen wir es nicht einfach? Erst dann können wir wirklich beurteilen, ob uns das Ergebnis noch gefällt. oder eben nicht.


    VG


    Michael

    Will unsre Zeit mich bestreiten,
    ich laß es ruhig geschehn.
    Ich komme aus anderen Zeiten
    und hoffe, in andre zu gehn.

  • Das ist so leider nicht richtig, der Astigmatismus ist nicht bei den Objektivhälften korrigiert, die Bezeichnung Doppel Anastigmat ist hier etwas irreführend.

    Selbst die Vierlinser wurden als Doppel Anastigmate bezeichnet, das drückte nur aus dass das Objektiv aus zwei positiven Hälften besteht die auch einzeln zu verwenden sind.


    Zu den Sironar Objektiven, ich besitze ein 5,6/135mm und ein 5,6/180mm welches üble Separationen hat. Das kommt bei diesen Objektiven sehr häufig vor.

    Die Objektiven sind auch nach heutigem Massstäben sehr gute Anastigmate die fast eine apochromatische Korrektur haben.

    Die Schneider Symmar S Objektive wurden anscheinend nach einem ähnlichen Prinzip gebaut, zu erkennen an den überdimensionierten Frontgruppen.

    Das ist für mich der größte Nachteil dieser Objektive, ab etwa 210mm werden die Objektive wirklich sehr groß und schwer.


    Um das hier richtig zu stellen, weder das Sironar noch das Symmar sind optische Krücken sondern die Linsenhälften.

    Beide Objektive reichen aus um erstklassige Aufnahmen zu machen.

    Bei Verwendung von Farbpositivfilmen werden sie sicher schwächer sein als die modernen Apo Objektive aber vermutlich nur in bestimmten Situationen die einem Objektiv alles abverlangen.

    Ehrlich gesagt bin ich noch nie in eine solche gekommen.


    Es kann jeder selber seine Erfahrungen mit den Objektivhälften sammeln, habe ich auch vor Jahrzehnten gemacht weil die Objektive sündhaft teuer waren.

    Im Grunde ist der Hauptvorteil des GF die große Schärfe und das Auflösungsvermögen und dann nutze ich es nicht einmal ansatzweise aus weil ich mit völlig unterkorrigierten optischen Elementen fotografiere.


    Hinterher wird das Negativ gescannt und mit alleilei Trickserei versucht dann doch etwas heraus zubekommen was annähernd an die Bildqualität eines Doppelobjektives erinnert.

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