Für Ambrotypien normale Doppelkassetten verwenden?

  • Hallo Leute,


    hat eine/r von Euch schon mal Ambrotypien (Naßplattenverfahren) gemacht? Es gibt eine Menge Videos zum Thema. Da wird gezeigt, wie die nassen Glasplatten in ganz normale Doppelkassetten kommen. Ich frage mich, wie das gehen soll! Die Kassetten haben doch nur einen ganz schmalen Einschub, in den die handelüblichen Planfilme reinkommen. Habe ich früher selbst hundertfach gemacht! Aber Glasplatten, seien sie auch noch so dünn, passen da doch gar nicht rein! Und dann müssen sie das ja auch noch im nassen Zustand! Völlig unverständlich! Könnt Ihr das Rätsel lösen?

  • Moin,


    ein Großteil der Mittelplatte muss entfernt werden. Hier ist das ganz gut beschrieben:


    http://collodion-art.blogspot.…5-film-holder-to-wet.html

    Vielen Dank! Ich konnte mir das gar nicht vorstellen. Aber das ist ja eine Doppelkassette, und wenn die Trennwand herausgeschnitten ist, braucht es nur noch an vier Ecken eine Auflage. Jetzt frage ich mich nur, wie verhindert wird, daß die nasse Silberplatte gegen den Schieber kippt. Wenn ich das richtig verstehe, dienen die kleinen Silberdrahtbügel als Auflage von unten. Aber wie wird verhindert, daß die Platte sich nach oben verabschiedet?

  • EInfach eine Wasserflasche opfern und ein Stück gewölbtes Plastik als Feder zwischen Rückseite der Platte und dem hinteren Schieber setzen.


    Noch ein ein Hinweis zum Draht für die Ecken: unbedingt Silber nehmen, um eine Korrosion und Kontamination der Bäder zu verhindern.

  • EInfach eine Wasserflasche opfern und ein Stück gewölbtes Plastik als Feder zwischen Rückseite der Platte und dem hinteren Schieber setzen.

    Ah, verstehe! Ich hatte es so verstanden, daß die lichtempfindliche Seite oben ist. Wenn man sie aber umdreht und von unten belichtet, sind doch die Silberdrahtbügel mit auf dem Bild.

  • Wie sieht es denn mit der Ebene aus? Wie dick oder dünn muß die Glasplatte sein, damit sich die Silberschicht auf der gleichen Ebene befindet wie die Mattscheibe im Mattscheibenrahmen?


    Noch 'ne andere Frage:

    Gibt es hier einen allgemeinen Thread zum Thema Ambrotypie? Über die Suche habe ich nichts gefunden.

  • Die Stärke der Platte ist fürs Auflagemaß egal, da Du dies ja über die Silberdrähte definierst.

    Na dann... Vielen Dank!

    Was mich ja auch noch interessieren würde:

    Warum heißt es immer, man müsse ganz spezielles Kathedralglas verwenden? Welche Eigenschaften hat es, das Fensterglas nicht hat? Ist es noch glatter, gleichmäßiger, härter .....? Man will das um 1850 entwickelte Verfahren wiederbeleben, aber nur mit ganz hochwertigem Glas. Ist das kein Widerspruch? Um 1850 war das Glas doch sicher viel unebener, hatte Einschlüsse, Blasen etc. Oder gab es da auch schon "Kathedralglas" in heutiger Qualität? Manche sagen in ihren Videos, daß sie Plexiglas verwenden. U/o durchgeschwärztes Glas. So viel ich weiß, wurden die Platten am Anfang einfach mit schwarzer Pappe hinterlegt oder vielleicht auch von hinten direkt geschwärzt. Das ergibt ja dann eine ganz andere Wirkung, da sich das Silberbild im Abstand von vielleicht 2 mm vor dem schwarzen Hintergrund befindet.

    Aber das ist jetzt alles OT, aber ich finde hier kein passendes Brett.

  • Also ich hab bis jetzt ganz einfaches (dünnes) Glas verwendet (2mm) und nach Aufnahme und Entwicklung mit schwarzem Acryllack geschwärzt. Funktioniert einwandfrei. Die Sache mit Kathedralglas, Asphaltlack etc. kommt daher, dass ein Autor vom anderen abschreibt. Ein Beispiel: Ich habe meinen Schwiegervater (Bäckermeister) einmal gefragt, wie man ein Dampfel = Vorteig für einen Hefeteig ansetzt - wird ja in beinahe allen Rezepten beschrieben, aber immer etwas anders. Hat er gesagt: So etwas habe ich die letzten 50 Jahre nicht gemacht. Also zurück zu Wetplate: einfach probieren, am besten das erste Mal mit einem Kit (Franalog?). Aber Vorsicht: lebenslange Abhängigkeit ist möglich!

  • Also ich hab bis jetzt ganz einfaches (dünnes) Glas verwendet (2mm) und nach Aufnahme und Entwicklung mit schwarzem Acryllack geschwärzt. Funktioniert einwandfrei. Die Sache mit Kathedralglas, Asphaltlack etc. kommt daher, dass ein Autor vom anderen abschreibt..... Also zurück zu Wetplate: einfach probieren, am besten das erste Mal mit einem Kit (Franalog?)....

    Hab' ich mir fast schon gedacht. Man muß nur den (hoffentlich noch vorhandenen) gesunden Menschenverstand einschalten.

    Was meinst Du mit "Kit" (Franalog)?


    In manchen Videos heißt es auch immer, man könne keinen Belichtungsmesser verwenden. Alles sei nur mit viel Erfahrung möglich. Und die Leute müßten lange ruhig sitzen, weil die Belichtungszeit so lang sei. Hä? Noch nie etwas von einer Blitzanlage gehört? Und einem Blitzbelichtungsmesser? Ich habe eine 40 Jahre alte Blitzanlage mit 15.000 Joule (Wattsekunden) Leistung, die ich mit digitalen Kameras gar nicht verwenden kann, da viel zu viel Licht, selbst bei kleinster Stufe.

    Wie machst Du Ambrotypien?

  • ach ja "Belichtungsmesser": eine Kollodiumplatte hat je nach Lichtbedingungen(nur blauempfindlich!!!) etwa 0,25 bis 0,5 ASA. In der Mittagssonne geht die Belichtungsmessung recht gut. Und nachdem man die Platte sofort entwickelt, kann man nach rund 10 min. sagen, wo man liegt und die Aufnahme eventuell wiederholen.

    Im Studio muss man wohl eine Belichtungsreihe machen (Kassettenschieber stufenweise herausziehen) und kommt so zu "seiner" Empfindlichkeit.

  • Ich will nur im Studio arbeiten. Stilleben, mit Blitz. Am Blitzbeli kann ich bis 12 ASA einstellen, messen tut er bis Blende 128. Wenn ich um ein paar Blenden korrigieren muß, ist das kein Problem. Aber wenn man einmal weiß, um wieviele Blenden, kann man sich das am Beli einstellen und kommt dann automatisch immer auf den benötigten Wert.

    Wenn man nun einwenden möchte, daß er ja gar kein UV-Licht messen könne: Auch hier gibt es sicher die Möglichkeit zur Messung. Jede UV-Lichtmenge steht doch im Verhältnis zum sichtbaren Licht. Ich hab's zwar noch nie gemacht, aber ich bin sicher, daß man so ohne Hellseherei vernünftig arbeiten kann.

  • Ich will nur im Studio arbeiten. Stilleben, mit Blitz. Am Blitzbeli kann ich bis 12 ASA einstellen, messen tut er bis Blende 128. Wenn ich um ein paar Blenden korrigieren muß, ist das kein Problem. Aber wenn man einmal weiß, um wieviele Blenden, kann man sich das am Beli einstellen und kommt dann automatisch immer auf den benötigten Wert.

    Wenn man nun einwenden möchte, daß er ja gar kein UV-Licht messen könne: Auch hier gibt es sicher die Möglichkeit zur Messung. Jede UV-Lichtmenge steht doch im Verhältnis zum sichtbaren Licht. Ich hab's zwar noch nie gemacht, aber ich bin sicher, daß man so ohne Hellseherei vernünftig arbeiten kann.

    Nuna, ein paar Variablen mehr gibt es schon. Zum Beispiel verändert sich im Laufe der Zeit die Empfindlichkeit und der Kontrast des Kollodiums. Ein und dieselbe Flasche bringt in unterschiedlcihen Monaten auch unterschiedliche Ergebnisse.



    Zum Glas: ich nutze für kleine Formate 2mm und größere 3mm Flachglas aus dem Großhandel. Nichts besonderes.

  • ...Zum Beispiel verändert sich im Laufe der Zeit die Empfindlichkeit und der Kontrast des Kollodiums. Ein und dieselbe Flasche bringt in unterschiedlcihen Monaten auch unterschiedliche Ergebnisse.


    Zum Glas: ich nutze für kleine Formate 2mm und größere 3mm Flachglas ....

    Ja, das habe ich auch schon gelesen. Um Probe-Ambros kommt man nicht herum. Wie in der übrigen Photographie auch.


    Ja, die Glasstärken habe ich auch im Auge. Ich habe sogar noch eine große Menge 100-200 Jahre alte Fensterscheiben. Wäre mal spannend, wie das dann aussieht.

  • Wenn bei 12 ASA Blende 128 angezeigt wird, dann ist das bei 0,35 ASA Blende 22(ich hoffe ich hab keinen Denkfehler), also 5 Bendenstufen. Das sollte so funktionieren.

    Ich komme in der Mittagssonne bei Blende 5,6 auf 3 bis 5 sec. - das entspricht ziemlich genau der Lichtmessung, wobei ich mit 3 ASA messe und dann rechne.

    Zu andrehh: du hast vollkommen recht. Kollodium reift zuerst, dann altert es. Insofern stimmt das mit der Erfahrung natürlich. Aber man sollte sich davon nicht abhalten lassen.

  • Hallo Magic,

    das mit dem Umbau von normalen Planfilmkasetten auf Nassplattenhaltern ist immer so eine Sache. Es geht, aber die meisten werden nicht glücklich damit.


    Die beschichtete, nasse Kollodiumseite muss nach aussen, bzw. liegt auf den Silberdrähten auf. Um so weniger Auflagefläche die nasse Seite hat, um so besser ist es. Wichtig ist es dann auch, den Nassplattenhalter nach jeder Aufnahme kurz zu reinigen, da sich sonst nach wenigen Aufnahmen Flecken auf den Bilderm erscheinen. Deshalb muss die Kasette innen immer pingelig sauber sein.


    Zum Thema Umbau von Planfilm auf Nassplatte gibt es tolle Youtube Videos von Markus Hofstätter und Alex Timmermann war es, glaube ich.

    Du trennst das Mittelteil raus und lädst die Platte anschließend von der Rückseite. Angepresst wird dann über ein Stück von einer Plastikflasche oder so.


    Also die Kollodiumschicht ist deine Emulsionsseite, die belichtet wird. Die Ränder/Abdrücke der Auflage gehört zum Verfahren und ist nicht zu vermeiden.

    Auf vielen historischen Nassplatten aus Europa kann man auch die Fingerabdrücke des Fotografen sehen, da die "Disholder" Methode aus dem englischsprachigen Raum kommt und bei uns die Platte meist mit Daumen und Zeigefinger an einer Ecke gehalten wurde.


    Das war aber nicht schlimm, weil Ferrotypen und die jetzt verbreiteten Ambrotypen eher als "amerikanische Art" verpöhnt waren und man fast nur Negative angefertigt hat. Auf den Drucken wurden dann einfach Vignetten oder so drauf gemacht, damit man die Arbeitsspuren nicht sieht.


    Ich kann dir allerdings einen Workshop ans Herz legen. Ganz so einfach ist es nicht, wie es auf Youtube aussieht. Es geht zwar auch ohne, ich bereue es allerdings nicht, den Prozess mal unter Anleitung oder unter Aufsicht gemacht zu haben.


    Viele Grüße,

    Philippe

  • Hier ein paar Erfahrungswerte:


    Ich kann dir nach weit über 500 Platten gekaufte Halter nur wärmstens ans Herz legen. Der von Stenopeika ist sehr robust, aber schwer. Und er macht sehr saubere Platten ohne Oysters.

    Der von Chamonix ist unsagbar leicht, macht mehr Oysters und wird vermutlich nicht so lange halten wie der Stenopeika.


    Mach nen Workshop, du arbeitest mit supergiftigem Material. Machst du keinen Workshop, zahlst du die Kosten des Workshops doppelt für Material und gibst nach kurzer Zeit frustriert auf.

    Das hat alles nichts mit all dem zu tun, was du bisher im Labor gemacht hast!


    Und freunde dich mit einem Apotheker an, du wirst auch dann bei fast jedem Einkauf deinen Ausweis vorzeigen müssen. :)


    Ich habe fast 2 Jahre lang ausschließlich aus alten Fensterscheiben von 4 mm meine Platten geschnitten. Sehr robust und wertig. Ich denke, Kathedralglas ist nur Voodoo und keinesfalls unbedingt nötig. Du kannst Ambrotypien auf fast allem machen, was in eine Kassette eingelegt werden kann und die Chemie verträgt.


    Gut, dass du reichlich Blitzleistung hast. Für einen Standardschuss sind in meinem Studio bei f8 effektiv immer 15500 WS fällig. Davon bekommt das Modell 3500 Ws aus 65 cm aus einem Beautydish auf das Gesicht. Gemessen wird nicht, statt dessen kennt man irgendwann seine Lichtsituationen, die funktionieren.

    Vorher hatte ich eine 35000 Lumen helle LED-Leuchte aus 1 m Abstand aus dem Normalreflektor für 15 - 20 sec eingesetzt - das beißt ganz schön in den Augen und die Modelle fangen das wackeln an.

  • mal eine ganz andere Frage : Kann man Ambrotypien mit Planfilmen erstellen ? Ich meine Positionierung mit Hilfe von Glasplatten ? Die Idee kam mir bei betrachten eines unterbelichteten Filmes auf schwarzem Hintergrund.

    Oder kennt ihr eine Quelle für bezahlbare Trockenplatten ?


    Gut Licht Erich

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!