Joseph 1983

  • HIE135-36 in D76 1:1 auf Ektalure G mit Selectol und Se Tonung.

    Das malerische Aussehen und die Farbe sind zum Teil auf die Kombination der verwendeten Materialien zurückzuführen, aber auch auf die Drucktechnik. Der Wirbeleffekt wird durch Überbelichtung des Papiers (3- bis 4-fache Normalbelichtung) und anschließende sehr schnelle Entwicklung (insgesamt etwa 3 Sekunden unter ständigem und sehr kräftigem Bewegung) erzielt. Anschließend wird das Papier sofort in ein starkes Säurestoppbad getaucht, um die weitere Entwicklung zu stoppen, und dann wie üblich weiterverarbeitet. Keine zwei Bilder, die mit dieser "Schnellentwicklungstechnik" gemacht wurden, sehen genau gleich aus. Diese Technik hat sich bei mir sehr gut mit Ektalure bewährt (ein Feinpapier, das 1998 eingestellt wurde) und funktioniert in unterschiedlichem Maße mit jedem Papier, das eine strukturierte Oberfläche hat. Mit Glanzpapier funktioniert sie überhaupt nicht.



    NER

    normanrileyphotography.com

  • Das malerische Aussehen und die Farbe sind zum Teil auf die Kombination der verwendeten Materialien zurückzuführen, aber auch auf die Drucktechnik.


    10 min nachdem du den Text einstelltest, freute ich mich bereits auf das, was es abends zu sehen geben wird.

    Der erste Blick offenbarte mir zunächst ein gefälliges Portrait.


    Bevor ich meinen 2. Eindruck schildere, würde ich gerne noch Hintergründe zur angewandten Technik erfragen.

    Nach dem Stopbad gehts wieder zurück in den Entwickler, oder bedeutet "wie üblich weiterverarbeiten", daß das Bild bereits nach den 3sec ausgebildet war?


    Danke,

    Ritchie

  • Hallo Ritchie,


    Vielen Dank für Ihr Kompliment und Ihre Frage. Um die Frage zu beantworten, der Druck geht sofort vom Stoppbad in das Fixierbad und dann in gewohnter Weise zum Nachwaschen.


    @ Thure, Ich danke Ihnen ebenfalls.


    Norman

  • Ritchie,


    Du bist willkommen. Damals habe ich Selectol, Dektol und Ansco 135 verwendet - alles Entwickler auf der Basis von Metol und Hydrochinon. Ich gehe davon aus, dass jeder Entwickler funktionieren wird. Das Wichtigste ist, das Papier zu überbelichten und dann sehr schnell und kräftig zu bewegen (das Papier ständig und schnell mit der Vorderseite nach oben und dann wieder nach unten drehen, so dass die Hand praktisch nie das Papier verlässt) und dann sehr schnell in das Stoppbad und dann in das Fixierbad zu gehen. Das Bild wird fast sofort erscheinen. Wenn es zu schnell erscheint, müssen Sie die Belichtung reduzieren, so dass die Entwicklungszeit 3-4 Sekunden beträgt. Wenn die Entwicklung länger dauert, wird der Abzug nur dunkler und zeigt keinen der Effekte, die auf diesem Foto zu sehen sind. Ich habe dies zufällig entdeckt, genauso wie meine Papieraufnahmen zufällig entdeckt wurden (als ich versehentlich Papier mit dem Film einlegte). Bei meiner "Schnellentwicklungstechnik" habe ich einmal vergessen, das Vergrößerungsobjektiv vor der Belichtung abzublenden. Das Ergebnis war, dass das Papier stark überbelichtet war. Ich beschloss, es trotzdem in das Entwicklungsfach zu werfen, zog es fast sofort wieder heraus, weil ich sehen konnte, dass das Bild da war, und nachdem ich es fixiert und das Weißlicht eingeschaltet hatte, sah ich diesen schönen Effekt. Diesen Vorgang habe ich danach noch viele Male wiederholt, so dass ich weiß, dass die Verwirbelungen in zwei Abzügen nie gleich sind, dass aber der allgemeine Effekt immer der gleiche ist. Ich fand diesen Effekt damals sehr reizvoll, weil ich dem Piktorialismus zugetan war. Ich verwende diese Technik nicht mehr, es sei denn, ich drucke meine sehr alten Negative.


    Norman

  • Ritchie,


    Du bist willkommen.



    Merci.


    Ja, der Zufall - er scheint mir der wahre Kern der Wissenschaften :)


    Ich selbst kenne das Verhalten extrem überbelichteten Papieres im Entwickler nur als Lithprozeß in stark verzögernder Form - das Bild erscheint dort erst nach mehreren Minuten, wobei dann die Schatten exponentiell bis schlagartig kommen.


    Ich versuche mal, meinen Eindruck von diesem Effekt hierzu schildern, also meinen zweiten Eindruck dann.

    Von hier schwer zu beurteilen, scheint mir entweder eine Betonung der brutal herausgerissenen Silberfäden, oder aber eine derbe Form von Runzelkorn vorzuliegen - weißt Du vielleicht mehr über das zu Sehende?


    Beim 2. Blick auf das Portrait wirkte mir der Effekt recht spontan, dann nach langer Betrachtung und auch im direkten Vergleich mit Deinem "Konstanz" Bild (Boote und Pier) als Ebensolcher - als Effekt.


    Lichter und Schatten sind gleichermaßen betroffen, da wird nicht differenziert.

    Die Wirkung kommt nicht von innen, wirkt auf mich aufgesetzt im Sinne der Verfremdung durch einen Effektfilter, und ist für mich in diesem Bild auch nicht recht stimmig, weil überbetont.


    Bei "Konstanz" finde ich den Eindruck homogener, etwas "echter", und die sichtbar unterschiedliche Wirkung auf Lichter, Mitten und Schatten vermittelt auf mich nicht den Eindruck eines aufgesetzten Effektes.


    Mir stellte sich also die Frage, ob dieses spannende Phänomen noch variabler zu handhaben wäre.

    Und in welcher Größe das Original wohl vorliegen mag, denn wenn ich dass Portrait vergrößere, wird der Effekt ganz schön krass.

    Diese Frage ist mit dem Stuhl als Größenvergleich beantwortet.


    Beim 2. Bild finde ich die Wirkung subtiler, und auch angenehmer.

    Hier unterstützt sie nach meinem Empfinden die Stimmung, und da ist der Piktorialismus für mich auch greifbarer.


    Meine Frage nach möglichen Variablen beantworte ich mir selbst - es sieht mir nach dem zweiten Bild so aus, als könne das Experimentieren auf größerem Format (Verhältnis Korngröße zu Bildgröße), mit verschiedenen Grautönen und natürlich mit ausgesuchten Motiven lohnen.


    Danke fürs Zeigen und für das Vorstellen dieser Technik,

    Ritchie

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