• Bildzeit Zukunft:

    Wie der Nebel womöglich über die kleine Schneise aus dem Bild fleuchen will, finde ich ganz vorzüglich.

    Als für mich ganz wesentliches Bildelement (zentral gebannt, und die Situation vor Ort erklärend ) würde ich ihn mir ein bissel freundlicher wünschen.


    Da ist allgemein so eine latente Dynamik im Bild...gut vorstellbar wäre mir daher auch, daß überhaupt gleich alles obenrum in Bewegung gerät und in diesen "Trichter" sackt (meine Fantasie wurde womöglich auf dem Etna geprägt, dessen Ausbruch vor ca. 53 Jahren ich sechs Wochen später begutachten durfte).


    Sind Dir die Bäume zu dunkel "geraten" - ich beziehe mich auf die Erklärung eines früheren Bildes - oder war das Ergebnis Deine Intention?

  • Berge in unseren Breitengraden ist überhaupt ein schweres Thema wegen schnell wechselnden Lichtverhältnisse, die Luftfeuchtigkeit und Entfernung machen es einem auch nicht zu leicht.


    Recht anspruchsvoll!!!!!


    PS:

    Der Tip von Ritchie mit dem Blaufilter ist schon eine Überlegung wert.

  • gutes Bild, mir gefällt die Verwendung des Hochformats und die geringe Theatralik der Aufnahme. Besonders schön sind aber die verlorengegangenen, vermutlich schneebedeckten Berggipfel, die auf ihrer Spitze stehend, sich im Waldnebel wiederfinden. Oben wie unten oder umgekehrt, man kann also auch getrost unten bleiben, zudem ist die Aufnahme nicht frei von Erotik.

  • Vielen Dank für die Rückmeldungen. Eines müsste ich aber noch fairerweise anmerken: der Hohgant ist eigentlich so eine Art abfallendfe Alp ("Steinigi Matte") im Oberen Emmental, die nach Nord schroff abbricht. Von "spitzen", hornartigen Gipfeln kann man eher weniger reden, auch wenn der Nebenberg, den man hier sieht, "Trogenhorn" heißt ... Die Karte gibt Auskunft, vgl. https://s.geo.admin.ch/93156fe832 Der Aufstieg kann durchaus mühsam gestaltet werden, wenn man darauf Wert legt, https://www.hikr.org/cse.php?q=hohgant Aber meine Wampe war an dem Tag mit dem Auto ins Innereriz unterwegs. Es regnete, es war früh morgens, die Aufnahmedistanz beträgt 9 km, sagt die Karte.

  • Möglicherweise ein Kandidat für die Herstellung eines Spaltfilterdrucks. Ich sage das, weil die Schattendetails sehr schön sind, aber ich würde gerne mehr Kontrast in den Bergen sehen. Natürlich ist dies eine Frage des persönlichen Geschmacks und daher von geringer Bedeutung oder Konsequenz, denn wir sprechen hier über Kunst, und in der Kunst gibt es kein Richtig oder Falsch.


    NER

    normanrileyphotography.com

  • aber ich würde gerne mehr Kontrast in den Bergen sehen.

    Genau das wird die Herausforderung sein. - Ich weiß nicht, ob ich das hinkriege.


    1. Bisher habe ich Dodging und Burning mit Splitgrade immer nur in großen Bewegungen in Richtung der Bildränder betrieben. Hier würde ich das gar nicht machen, denn wenn ich z.B. nach unten hin den Kontrast verstärke, schaffe ich eine Räumlichkeit, die gar nicht in das geschichtete Bild passt. - Dagegen liegt die Region, in der ich den Kontrast erhöhen möchte, genau in der Bildmitte. Ich will vermeiden, ein UFO ins Bild zu kriegen, dessen Kontrast nicht zum Rest des Bildes passt.


    2. Dazu stelt sich die Frage, ob ich auch dem aufsteigenden Nebel etwas mehr Licht gönnen sollte, um ein Gegengewicht zu dem Berg zu schaffen. Wenn aber der Nebel auf der Erde heller ist als die von hinten beleuchteten Wolken am Himmel, stimmt etwas nicht ...


    2. Man kennt das ja: man stellt auf die Bäume scharf, weil die Bäume am kontrastreichsten sind und auf der Mattscheibe sichtbar bleiben. Die Bäume sind aber näher und deutlicher. Ich frage mich deswegen auch, ob der Berg in der Ferne überhaupt scharf genug ist und wegen des Regens genug Zeichnung hat, um den Kontrast verstärken zu können. Das werde ich dann sehen. Vermutlich kommt die ehrwürdige D2X mit ihrem Micro-Nikkor 3.5/55 hier an ihre Grenzen. Hoffe ich jedenfalls ...


    Berge in unseren Breitengraden ist überhaupt ein schweres Thema wegen schnell wechselnden Lichtverhältnisse, die Luftfeuchtigkeit und Entfernung machen es einem auch nicht zu leicht.

    Das möchte ich noch einmal aufgreifen. Ich komme nach und nach zu der Überzeugung, dass gewisse Dinge bei uns hier in Europa gar nicht gehen, die anderswo ohne Probleme möglich sind.


    Wenn man sich die LFPF-Bilder von den amerikanischen Bergen anschaut, so sind die Berge dort viel klarer, der Himmel ist meistens freier, es hat strahlende Wolken, große, breite, epische Landschaften. Vielleicht liegt das wirklich, wie geo sagt, an der Luftfeuchtigkeit. Ansel Adams machte ja viele Bilder mit dem langbrennweitigen Objektiv, und trotzdem sind Berge, Sanddünen, Küsten in einer Weise präsent, die wir hier in unserem klimatisch gemäßigten Europa nicht gut reproduzieren können. Norman hat uns das mit seinem Mount Shukshan gezeigt - ich wüsste jetzt wirklich keinen Berg hier in der Schweiz (vielleicht eher in Kärnten oder Ostitalien), den ich so brilliant hinbekäme.


    OK, vielleicht trägt der Entwickler dazu bei, oder die Tageszeit mit ihrem jeweils besonderen Licht. - Aber ich gelange immer mehr zu der Auffassung, dass ich bestimmte Dinge einfach akzeptieren muss, z.B. dass die Realität hier bei uns verregnet, dunstig, zu hell, zu gleißend, zu dunkel, zu trüb, kurz: anders ist, als man sich das vorstellt, wenn man mit den Bildern anderer im Kopf rausgeht.


    Ich denke, da greifen neue Wässerchen, neue Objektive, neuer Filter, N+- nur begrenzt. Es ist einfach so: anstatt das Motiv in eine eigene, vorgefertigte Bild-"vor"-stellung zu zwingen, muss man das Motiv fragen, was es einem von selbst hergibt.


    Es kann sein, dass das für die meisten von Euch banal klingt, aber für mich ist es Teil meines Prozesses. Ich muss das alles erst mal für mich begreifen.

  • Danke für deine Gedanken. Da triffst du den Nagel auf den Kopf.
    Ich finde es viel schwieriger meine Umgebung so darzustellen wie sie ist,
    als auf den Moment zu warten der sie aussehen lässt wie da wo man sein möchte.
    Sehnsuchtsbilder haben ihre Berechtigung genau wie Heimat.

  • Das ist noch interessant, dass Du "Sehnsucht" und "Heimat" gegensätzlich verstehst - bei mir ist das ähnlich. Von der Saar kommend lernten wir, dass "Heimat" in Verbindung mit "Sehnsucht" gefährlich werden kann ... Wenn ich mich in der Schweiz umsehe, werden "Heimat" und "Sehnsucht" positiv besetzt. Ich habe Leute kennengelernt, die zwar kritisch zum Staat und bestimmten Parteien stehen, aber "Heimat" als Rückzugs- und Kraftort verstehen und innerlich für sich selber bewahren.

  • Vielleicht liegt das wirklich, wie geo sagt, an der Luftfeuchtigkeit.

    Es liegt an der Luftfeuchtigkeit. In Zentralspanien hast du den Eindruck, ein Grauschleier sei von der Landschaft gezogen und die Fernsicht ist überwältigend.

    Besonders deutlich wird dies, wenn man von der Küste (Asturias) über den Bergpass ins Zentralland (Meseta) fährt.

    Da gibt es dann auch Helligkeitsunterschiede zwischen Sonne und Schatten, die das hier in Norddeutschland übliche Maß weit übersteigen.

  • Vielen Dank, Dieter - Die ganzen amerikanischen Bücher, das Zonensystem: ihre Paradigmen (als beispielhafte Anwendungen) passen bei uns gar nicht, denn nichts ist so klar und deutlich, wie es die Bildbeispiele dieser Literatur vorstellen. Wir brauchen ein europäisches Zonensystemparadigma. Andreas Weidner ging ein wenig diesen Weg - gibt es noch andere?

  • Auch in Central Asien sieht es in der Bergen komplett anders aus. Klare Luft, der „Reaktor“ auf dem Himmel strahlt viel intensiver, Entfernungen von 10-15 km sind kein Hindernis, Nebel ist zwar selten, aber wen der aufzieht ist der wie eine dicke Decke. Die „Hügel“ selber sin um einiges höher als die Alpen wirken aber bei weitem nicht so bedrohlich aus.


    Na gut wir haben das was wir haben. Anders wird es nicht. Den „Feind“ haben wir schon lokalisiert. Das schwierigste (in meinen Augen) in so einer Situation ist nicht die Aufnahme selber oder die richtige Entwicklung (das ist nur ein weiteres Glied in einer langen Kette), sondern den „Feind“ so „umzupolen“ das der zum besten Freund und dem treusten Begleiter (Sancho Panza) wird. Aber (schon wieder das Wort) ohne weitere Zusatzmittel wir dieses Vorhaben so gut wie nicht gelingen („bescheißen“ für einen guten Zweck ist keine Sünde).

  • Vielen Dank, Dieter - Die ganzen amerikanischen Bücher, das Zonensystem: ihre Paradigmen (als beispielhafte Anwendungen) passen bei uns gar nicht, denn nichts ist so klar und deutlich, wie es die Bildbeispiele dieser Literatur vorstellen. Wir brauchen ein europäisches Zonensystemparadigma. Andreas Weidner ging ein wenig diesen Weg - gibt es noch andere?

    Natürlich gibt es dieses Buch.


    Es liegt bei den einigen Leuten hier im Forum. :):)

  • Wenn die Berg mehr Präsenz hätten, würden sie aber wiederum mit den Tannen konkurrieren. Und du hättest eine hyperreale Ansicht, die nicht dem Entspricht, was diese Bild aussagt. Es wäre dann vielleicht ein Adams Abklatsch? Ich hätte, wenn überhaupt, am oberen Rand vielleicht einen schmalen Streifen noch etwas mehr abgedunkelt, damit man nicht bei Betrachten oben aus dem Bild herausrutscht. Aber das kann auch täuschen, weil ich keinen kalibrierten Monitor zum schauen habe.


    War das bei den Saarländern nicht immer so, dass die Sehnsucht eingesetzt hat, sobald sie ihre Heimat hinter sich gelassen haben? Sagt ein Saarländer, der einen Fuß über die Landesgrenze setzt nicht immer noch andächtig...."ein kleiner Schritt für einen Saarländer..." (ist nicht ganz ernst gemeint, aber ich denke ein Körnchen Wahrheit ist dran)


    Gruss Sven.

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