Baryth trocknen

  • Das andere Rezept mit Alkohol muß ich noch ausprobieren. Aber von der Logik her, bei diesem Gehalt von Glyzerin kann man das Papier danach einfach auf irgendeine plane Fläche werfen und es wird plan. Auch das Alkohol nimmt Wasser auf und verdunstet wesentlich schneller.

    Sehr interessant, ein Freund hat sich mit Baryt geplagt, um das plan zu bekommen.


    Glycerin ist ein dreiwertiger Alkohol, HO-CH2-CH(OH)-CH2OH (Ethanol/Spiritus/Vodka) wäre H-CH2-CH2-OH, der im Gegensatz zu Glycerin (Sdp. 290 °C Zers.) leicht verdampft (Sdp. 78 °C). Das bedeutet also, daß das (etwas) Glycerin im Papier verbleibt und weil es hygroskopisch (wasseranziehend) ist, das Papier immer ein bißchen feucht bleibt. Wie sich das langfristig hinter Glas auswirkt, weiß ich nicht.


    Geo, hast Du ein so behandeltes Foto schon längere Zeit hinter Glas gehabt und eine Veränderung festgestellt?


    VG Andreas

  • Die Oberfläche hat an einigen Stellen eine andere Struktur. Mal ein wenig matter als der Rest. Mal, ich glaube bei der Heisspresse, nennt man soetwas Stippchenbildung. Ansonsten zeigen die Prints aboluten Hochglanz. Sowas hab ich tatsächlich noch nicht gesehen.


    Ich werde mal nächste Woche noch eine Acrylglasplatte kaufen und zusägen.


    Oh und man kann es nicht im Wohnzimmer trocknen lassen. Durch die Spannung hört es an als würde eine Eisfläche langsam zerbrechen...


    Gruss Sven.

  • Das bedeutet also, daß das (etwas) Glycerin im Papier verbleibt und ..das Papier immer ein bißchen feucht bleibt


    Ich glaube, das ist zu kurz gedacht.


    Gelatine ist ebenfalls wasserhaltig, aber gefühlt trocken.

    Und ich vermute, daß man das Glyzerin nicht einfach von der Gelatinschicht abwischen kann - solch einen Effekt will keiner auf seinem Bild haben.


    Mir als Hobbychemiker (Spezialgebiet halbwegs kontrollierte Verpuffungen) drängt sich daher der Verdacht auf, daß Gelatine das Glyzerin absorbieren könnte.

    Wie beim Hände eincremen :)


    Möglich auch daß es wurscht ist, ob Glyzerin hygroskopisch ist, denn das ist Papier (und Gelatine womöglich auch?) ja ebenfalls.



    Andererseits:

    Geo, könnten wir noch mal kurz die Geschichte von Deinen verschimmelten Bildern hören?

    :mrgreen:

  • „Mal ein wenig matter als der Rest.“


    Bei der Heizpresse die Metall Platte mit Pril abwaschen und danach mit Alkohol reinigen.


    Presse, Plexiglas, Edelstahl Spiegel, Chrom Platte…. Immer für das Papier trocknen immer flach legen (auch die Wäsche auf der Leine trocknet oben viel schneller als unten).

  • Ja das hatte ich.


    Ein Baryt Papier hinter dem Glas ist immer ein Problem und ist ein gefundenes Fressen für den Pilz. Aber auch da gibt es eine Lösung. Wenn der Print in einer Formalin Lösung gebadet wird die Gelatine nicht nur gehärtet sondern der kompletter Abzug wird gegen Schädlinge resistent gemacht.

  • Wenn der Print in einer Formalin Lösung gebadet wird ...

    ... darf man ihn nachher als Sondermüll entsorgen. Zumal Formalin krebserregend ist.


    Hochglanz bei Baryt finde ich persönlich nicht so hübsch. Dafür gibt es PE.


    Einen ein bis zwei Zentimeter breiten Rand finde ich sinnvoll, um Wellenränder abzuschneiden, anstatt sich darüber zu ärgern. Foma wellt in zu heißen Pressen. Das relativiert den günstigen Preis. Aber beim Aufziehen drückt sich dann ja sowieso noch vieles platt.


    In den Ebay-Kleinanzeigen tummeln sich einige großformatige Büscher-Trockenpressen. Aktuell gibt es hier in der Schweiz einen Durchlauftrockner für 300 Stutz: https://www.ricardo.ch/de/a/ba…eissaufzieher-1190523580/ der geht bis 70 Zentimeter! Man muss ihn nur zu zweit abholen, weil er 60 Kilo wiegt.

  • Ein toller Gerät.

    Würde ich direkt mal kaufen, allerdings befürchte ich, die von Sven erwähnten Knistergeräusche auf der Ansaugseite meiner Strompipeline zu vernehmen :mrgreen:


    Meine Heißpresse saugt schon soviel, daß ich überlege, meine Anzüge über dem Espressokocher zu trocknen; ich glaube ernsthaft, die Stromverbratzeiten sind vorbei..

  • Spinnst Du? Mich hast Du keineswegs beleidigt! Ich finde Deine Tips übrigens immer sehr wertvoll. Sie zeugen von einem profunden praktischen Wissen. - Aber was soll man auch machen, in diesen Zeiten, als deprimieren? Richtig: fotografieren!!!


    Die og. Trockenpresse reizt mich selber durchaus. Ich habe jetzt ein Portfolioprojekt mit 10x24 Bildern auf Agfa Brovira 13x18 ... Da überlege ich es mir durchaus, ob ich das einzeln plätten möchte oder ob so ein Durchlaufteil nicht die bessere Wahl wäre. Es ist halt ein ganz anderes Arbeiten, im großen Stil. Schon bei den üblichen Dreiereditionen bis 30x40 lohnt das. Zumal die Büscherpresse nicht billiger ist.

  • Die große Büscher habe auch ich. Kann ich jedem empfehlen. Die Trommel Pressen sind noch komfortabler aber die sind schwer und brauchen platz und Durchsatz. Ich glaube es sind wirklich weniger Anwender auf der Welt geblieben die 100 30x40 Baryt Abzuge 5 mal in der Woche auf Hochglanz bringen müssen. Ich habe die trocken Pressen zuvor nicht erwähnt weil die Frage von Sven lautete “so einfach wie möglich“. Die Büscher Pressen sind perfekte Apparate und bestens geeignet für klein Mengen, aber man wird so gut wie nicht eine bekommen bei der die Chrom Platten und die Spanntücher noch intakt sind. Das mit den Chromplatten ist nicht so dramatisch ein Edelstahl Spiegel in 0,5 mm Stärke tut es auch. Bei den Spanntücher sieht die Sache etwas anders aus. Aber auch da gibt es Möglichketen. Für meine Büscher mußte ich über 200km fahren um die abzuholen dabei war der Apparat von dem Ideal Zustand weit entfernt. Aber das habe ich bis jetzt kein einzelnes mal bereut.

  • Ach, ich glaube, das Trocknen selber würde durchaus hinhauen, aber das Problem ist meiner Meinung nach der Stromverbrauch. Ich denke, 1350W wären kontraindiziert. Eine T15-Steckdose habe ich ja auch keine. Der Verkäufer der Meteor meint, man könne das Gerät auch mit einem normalen Stecker betreiben, aber welchen Leiterquerschnitt ich habe, bei dieser eher alten Installation, weiß ich eigentlich auch nicht. Ich will ja nicht den Gips grillieren. Das Ding hat eine Wattzahl, die so ein wenig an einen Staubsauger oder einen Wasserkocher erinnert. Also eher nicht an Dauerbetrieb ...


    Ich habe aus der Auflösung der Dunkelkammer eines Museums viel Brovira, von 13x18 über 18x24 bis 30x40, in mittleren Gradationen ... Das ist sowas von schön, insbesondere hat es noch die alten optischen Aufheller, nicht wie das Multicontrast, das jetzt schon grau ist. Aber das 13x18er ist nur papierstark und dementsprechend kapriziös. Ich glaube, solche Dinger wie diese Meteor-Rotationstrockenpressen wurden für solche Anwendungen gebaut ...


    Ach ja, und dass er mich dann selber wie Paulchen Panter auch noch einzieht, wenn ich vergesse, die Hand wegzunehmen, das könnte natürlich auch noch passieren. Ich wäre geplättet.

  • So. Also ich habe jetzt auch Härter zugesetzt, was die Oberfläche weiter verbessert hat. Risse sind jetzt ausgeblieben. Bleiben noch die Stippchen.


    Ich habe dann heute mal die Acrylglasplatte gegen die Chromefolie ausgetauscht und vorher mit Alkohol gereinigt. Und weil ich nicht warten konnte gleich noch die Barythoresse angeschmissen. Und siehe da Glanz ohne Stippchen...


    ...ähm zumindest auf der Hälfte die nicht auf der Chromplatte angeklebt war.


    War die Presse zu heiß?


    Ich habe insgesamt auch bei der Acrylglasplatte das Phänomen, dass der Print sich nicht von selbst löst.


    Gruss Sven

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