• Interessant. Ich kann nicht behaupten, dass ich es zur Gänze verstehe oder gar mag, aber das macht es umso interessanter. Ich möchte mal meine Gedanken dazu abgeben, vielleicht gelangen andere Forenten zu ganz anderen Interpretationen, was mich umso mehr interessieren würde:

    Für mich zeigt das Bild an allen Kanten einen derart drastischen, ungewohnten Beschnitt, dass es kein verunglückter Zufall sein kann. Und angesichts deiner anderen Arbeiten würde ich das auch nicht annehmen. Wenn das also diesmal in dieser konsequenten Umsetzung zweifellos so von dir beabsichtigt ist, frage ich mich, warum. Visuell zieht es mich zunächst zu diesen Spannungspunkten der Bildgestaltung und somit zu den Bildrändern. Und da ich diese weder verstehe noch angenehm empfinde und das Bildzentrum trotz klarer Linienführung dorthin eher indifferent ist, landet mein Blick schließlich auf den Rollern, deren ruhiger Hintergrund dem Auge Halt bietet. Und den Bildtitel verstehe ich so, dass es auch genau das ist, was du beabsichtigt hast.

    Meiner Meinung nach ist das ein sperriges Bild, dessen Qualität ich in seiner gelungenen Aufmerksamkeitsführung des Betrachters sehe. Nur der Sinn dieser Journey ist mir noch nicht so ganz klar. Was ist an den Rollern so interessant, wenn alle anderen Elemente im Bild es offenbar nicht sind?

  • Ich glaube auch langsdam, daß ich Dieters Fotografie einmal ganz anders sehen muß, um sie zu verstehen.


    Das ominpräsente Automobil - ein Running Gag?

    Ich denke inzwischen sogar, das sind bezahlte Statisten.

    Auch ist mir nun im geistigen Rückblick offenbart, daß es eigentlich um Laternen geht - die sind ebenfalls immerdar:-)


    Aber letztlich isses doch gemäß Aksak Mabuls Lehren ganz einfach:


    ""Und alle Leute soll'n es seh'n

    Wenn wir bei der Laterne steh'n"...


    Im Hintergrund - "Schiffchen" und "Hafen".


    ""Wenn sich die späten Nebel drehn

    Werd' ich bei der Laterne steh'n""


    Was sagt das Bild: Dieter ist wehmütig!




    Die pestige Dachkante über den Rollern zieht mich echt runter.

    Die Roller selbst wirken in der Leere abandoniert - auch hier ein raffinierter Bezug zu Hafen, Schiffchen - "Seefahrt".


    Aber die Laterne, die steht wie ne Eins.

  • Eigentlich bin ich der Meinung, ein Bild sollte keiner Erklärung bedürfen. Aber ich schreibe ein paar grundsätzliche Aspekte zu meiner Fotografie:


    Der Titel ist nicht wirklich ein Titel. Meist haben solche Fotos bei mir eine Ortsbezeichnung. Das wäre in diesem Fall "Duisburg am Innenhafen".


    Ich fotografiere keine Objekte, ich fotografiere Szenen, manche nennen das auch Stadtlandschaft. Also ist auf dem Foto eine Reihe von städtischen Installationen, die für mich in einem interessanten Zusammenhang stehen. Meist verwende ich ein Normalobjektiv, so erhalte ich ein Foto, das dicht an meinem spontanen Eindruck von der Szene bleibt: dieses Zusammen soll so auf das Bild, so wie die Objekte in den Bildraum hineinragen.

    Ein Anschnitt macht für mich das Bild spannend. So bleiben Dinge verhüllt, es bleibt Raum für Vorstellungen. Ich zeige nur so viel, dass ein Objekt erklärt ist und weitergedacht werden kann. Genau wie diese Objekte beim Erblicken der Szene unvollständig waren.


    Autos sind in der Stadt überall präsent. Da ich sie nicht vermeiden kann, werden sie ins Bild eingebaut. Häufig sind sie dann (im Anschnitt) ein nahes Objekt, das dem Bild sehr viel Tiefe gibt und so ein tief gestaffelter freigestellter Eindruck (eigentlich finde ich Einschlag=Impact besser) aus einer Stadt als Foto entsteht.

  • Also geht es Dir eher um Grammatik und Syntaktik als um Bedeutung?

  • "Das Bild hat keine Botschaft ..." Spontan glaubte ich, eine solche doch zu erkennen, sogar eine politische: die Autoparkplätze sind nahezu unbelegt. Benzin ist zu teuer geworden, die Leute steigen um, auf E-Roller. Ein bescheidener Anfang, aber immerhin . . .

  • ..Also ist auf dem Foto eine Reihe von städtischen Installationen, die für mich in einem interessanten Zusammenhang stehen...


    ..Ich zeige nur so viel, dass ein Objekt erklärt ist und weitergedacht werden kann...


    Danke für die Erklärung, Dieter.


    Das Auto jedenfalls - für einen Impact, frei nach Mortensens Erörterungen zum Bildaufbau, fehlt mir da noch etwas Masse - das wirkt nicht zufällig.

    Es steht in guter Beziehung zur geschwärzten Dachkante.

  • Alle Stadtlandschaften sind seitlich zur Szenerie aufgenommen, nie frontal, es gibt an den Bildrändern angeschnitte Autos und Werbeträger im Bildfeld, wie Fahnen, Kneipenleuchtreklame, Werbeplanen, die man sonst vermeiden würde, zudem sind manche Anschnitte etwas ruppig.

    Wenn dies beabsichtigt ist lieber Diesch, würde mich die Idee dahinter interessieren.

  • Wenn dies beabsichtigt ist lieber Diesch, würde mich die Idee dahinter interessieren.

    OK


    Alle Stadtlandschaften sind seitlich zur Szenerie aufgenommen

    Frrontal ist für mich die langweiligste aller Ansichten, weil so die Tiefe nicht sichtbar wird. Das lässt sich durch die Verwendung eines Weitwinkels mit geringem Abstand noch steigern; dann schaut auch nichts drüber.


    es gibt an den Bildrändern angeschnitte Autos und Werbeträger im Bildfeld, wie Fahnen, Kneipenleuchtreklame, Werbeplanen, die man sonst vermeiden würde,

    Tut man das? Höchstens, wenn man ein einzelnes Objekt fotografieren möchte, wie es z.B. in der Stadt für einen Architekten der Fall sein könnte. Da soll dann häufig nichts stören.


    Mich interessiert gerade die "Störung", ich trete eher noch einen Schritt zurück, um Objekte im Vordergrund mit ins Bild zu bekommen, die auch gern etwas überdeckend wirken dürfen. So erhält das Bild viel Tiefe. Ansonsten ist bei jeder Landschaftsaufnahme, also auch bei einer Stadtlandschaft, ein Anschnitt am Rand von Objekten unvermeidbar. Je mehr man versucht alles "drauf" zu bekommen, desto langweiliger und beliebiger wird in meinen Augen das Bild, weil nichts mehr wirklich "drauf" ist, das in seinem Umfeld gezeigt wird.

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