Verschlussgeschwindigkeit messen

  • Hallo Forenten,


    was gibt es für Möglichkeiten, die Verschlussgeschwindigkeit zu messen? Außer richtigen Messgeräten gibt es doch sicher irgendwelche Apps (ich bräuchte dann was für's Iphone); wenn ja, wie funktioniert sowas?


    Ich habe ein Objektiv auf einem Compound III bekommen - der erzeugt zwar irgendwie unterschiedliche Zeiten, ich habe aber wenig Vertrauen, dass die eingestellten Zeiten mit den tatsächlichen auch nur einigermaßen übereinstimmen, jedenfalls bei den schnellen. Jetzt möchte ich doch gern wissen, womit ich da rechnen darf und ob das alles reproduzierbar ist.


    Vielen Dank schonmal!


    Viele Grüße

    Peter

  • Hallo Peter,


    für das iPhone (oder auch Android) gibt es den sog. Photoplug (auch für den PC/MAC). Dieser wird über den Klinkeneingang oder Adapter an das Gerät angeschlossen. Dazu gibt es eine App, mit der man dann die Verschlusszeiten messen kann. Theoretisch kann man das auch ohne spezielle App machen.


    Ich habe ihn selbst und finde, dass man mit ihm zumindest gute Anhaltswerte für die Verschlusszeiten kriegt. Ich würde aber meine Hand nicht ins Feuer legen wie präzise es am Ende ist.


    Für das Geld kann man halt auch nicht viel falsch machen.

  • Ich nehme immer Videos mit dem iPhone und der Zeitlupenfunktion auf. Da hat man (je nach Einstellung und Modell) 240 Frames pro Sekunde. Wenn also der Verschluss 15 Frames offen ist auf dem Video, dann ist er also 15/240tel offen. Das muss man dann nur noch auf nachvollziehbare Werte kürzen/umrechnen. Schnellere Zeiten als 1/240 lassen sich so natürlich nicht messen ;)

  • Hab auch den Photoplug und kann ihn empfehlen.

    Klar dürfte aber auch sein, dass dies nur Anhaltspunkte sind und die mechanischen Verschlusse, gerade bei kurzen Verschlusszeiten, die nicht halten können.

    Dann gibt´s noch physikalische Besonderheiten aufgrund unterschiedlicher Blendeneinstellungen.

    Du kannst aber auch z.B. eine Gopro mit 120fps oder 240fps den Verschluss filmen und dann anhand der einzlen Bilder ausrechnen wie lange er offen war.....

    Na, da war Animaux schneller.

    Grüße

  • für das iPhone (oder auch Android) gibt es den sog. Photoplug (auch für den PC/MAC). Dieser wird über den Klinkeneingang oder Adapter an das Gerät angeschlossen. Dazu gibt es eine App, mit der man dann die Verschlusszeiten messen kann. Theoretisch kann man das auch ohne spezielle App machen.

    Anders herum wird (auch) ein Schuh draus: Die (kostenlose) App zum Photoplug funktioniert auch ohne Plug ;)


    Such mal nach "Shutter-Speed" im App Store, der Autor ist Lukas Fritz. Ohne Plug nimmt das Teil die Geräusche des Verschlusses beim Öffnen und Schliessen als Grundlage. Für einen ersten Hinweis bei den langen Zeiten sollte das reichen. Ganz nett ist die Option, in der App verschiedene Objektive anzulegen und die Zeiten zu speichern.


    Der Plug ist ein Lichtsensor, der nochmal genauer arbeitet. Angesichts des Preises von 35 Euro halte ich das Ding für empfehlenswert, wenn man öfter messen möchte.

  • Anders herum wird (auch) ein Schuh draus: Die (kostenlose) App zum Photoplug funktioniert auch ohne Plug ;)

    Nur bei sehr langen Zeiten ohne Plug zuverlässig brauchbar.


    Mit Plug und der richtigen Lichtquelle und richtiger Interpretation der Kurve sind Messungen bis etwa 1/500 reproduzierbar.

    Aufgrund der eingesetzten Methode sind die Fehler aus der Festlegung Anfang /Ende grösser als der Fehler der Messmethode.

  • Es gibt hier im Forum Leute, die schon so einen Shutter Speed Meter/Tester auf Basis von einem Arduino selber gebaut haben. Auch ich habe mir einen selber zusammen gestrickt.

    Der Arduino hat eine Eigenfrequenz. Die verfälscht die kurzen Messergebnisse ab 1/30 zu viel. Wenn in einer Sekunde nur maximal 700 loops laufen, das Skript, mit dem man das Gerät programmiert, also jeweils 1,4 ms braucht, alleine für einen einfachen loop, dann habe ich da schon eine Abweichung von 40% drin. Wenn die 1/1000 s aber 1,3 ms lang ist, was noch in der Toleranz der DIN wäre, hätte ich zu der Abweichung von 0.3 ms noch einen systemischen Messfehler von 0,4 s. Dazu kommen dann noch so blöde Sachen wie die Frequenz eines PWM-Ausgangssignals für den Laser sowie solche Sachen wie die Reaktionsgeschwindigkeit der Messzelle. Das ist gar nicht so trivial.


    Besser sind die billigen China-Oszilloskope zum Selberlöten. Vgl. https://duckduckgo.com/?q=osci…ages&iax=images&ia=images



    Da gibt es sehr gute analoge Schaltungen, die wundervolle Impulse erzeugen, die man sehr gut visualisieren kann mit einem Oszi, oder aber mit audacity.


    Testing the Shutter Speed Accuracy of a Mechanical Camera
    Lomography Cameras: Does 1/100th of a second really mean 1/100th of a second?
    www.lectrobox.com


    audacity ist ein sehr gutes Mehrspur-Aufnahmeprogramm, das auch unter Windows läuft. Mit dem kann man recht hoch auflösen, und zwar mit der Geschwindigkeit des verwendeten Computers. Man steckt den Ausgang der analogen Schaltung in den Mikrofoneingang der Soundkarte und nimmt den Impuls als Knacken auf, das sich ergibt, wenn Licht durch den Verschluss auf den Fototransistor fällt.


    Das sieht man hier:


    External Content www.youtube.com
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  • Normal soll die Konstruktion nicht auf Holz stehen, sondern auf einem Metall Blech stehen oder hängen (beides ist möglich und ist im Moment noch in Arbeit), denn bei allen Teilen zur Stabilität und Justierung sind unten Neodym Magneten eingearbeitet worden. Auf diese Art habe ich mir ein flexibles Universal Gerät angeschafft mit dem ich fast jeden Verschluss oder Kamera ausmessen kann.


    PS:

    Inzwischen halte ich dieses Gerät neben dem Belichtungsmesser für eines der wichtigsten Teile wenn man mit dem Dauerlicht und einem mechanischen Verschluss hantieren muß.

  • Herzlichen Dank für die vielen Tipps! Bei der Elektronik steige ich DIY-technisch aus, Bastellösungen kommen also für mich nicht infrage. Ich habe mir den Plug bestellt, nachdem ich die App mit der akustischen Messung ausprobiert habe; ich denke, das wird mir reichen.


    Viele Grüße

    Peter

  • Bin gerade in Karl Pritschows »Die photographische Kamera« auf die 1931 zur Verfügung stehenden Messmethoden gestoßen. Die eine oder andere Variante wäre mit digitalen Hilfe u. U. auch heute interessant, als Experiment allemal:


    1. »Photochemische« Prüfung durch wiederholtes Belichten.
    2. Prüfung mittels Pendels nach G. Keinath.
    3. Prüfungsverfahren unter Benutzung des freien Falles.
    4. Prüfungsverfahren unter Benutzung eines gleichmäßig rotierenden Punktes.
    5. Verfahren unter Benutzung einer Wechselstrombogenlampe (O. Nairz - I. Preeht).
    6. Apparat von Rieh. Nerrlich.
    7. Verfahren von E. Robert Mayer in Stuttgart (D. R. P. Nr. 400100).
    8. Verfahren der Geschwindigkeitsmessung mittels Stimmgabel.
    9. Verfahren der photographischen Aufnahme eines gesetzmäßig bewegten leuchtenden Punktes.
    10. Die kinematographischen Verfahren von P. G. Nutting und H. Naumann.
    11. Das Verfahren der kontinuierlichen Kinematographie.

    »Im allgemeinen sind die Zahlenangaben auf Verschlüssen aller Art mit großer Vorsicht aufzunehmen …«


    :D

  • Den freien Fall möchte ich meinem Compound dann doch eher ersparen...

    145. Prüfungsverfahren unter Benutzung des freien Falles. Die Geschwindigkeit eines fallenden Gegenstandes läßt sich bei geringem Luftwiderstand in jeder Entfernung vom Ausgangspunkt mit ziemlicher Genauigkeit bestimmen. Diese Geschwindigkeit kann für kleinere Strecken als konstant angesehen werden — in Wirklichkeit ist die Bewegung eine gleichförmig beschleunigte. Es ist für die Bestimmung der jeweiligen (als konstant angenommenen) Geschwindigkeit erforderlich, die bereits durchlaufene Strecke zu kennen; aus diesem Grunde muß zugleich mit dem fallenden Körper ein Maßstab aufgenommen werden, an dem der vom fallenden Körper zurückgelegte Weg abgelesen werden kann. Bezeichnet s die bereits zurückgelegte Wegstrecke, g die Beschleunigung der Schwere, so ist die jeweilige Geschwindigkeit v durch die Gleichung gegeben: v = √2·g·s.


    Die Beschleunigung der Schwere g variiert mit der geographischen Breite, sie beträgt für unsere Breite ungefähr 981 cm, für 0 Grad geographischer Breite 978,1, für 45 Grad 980,6, für 90 Grad 983,1 cm.


    Nach dieser Methode Ergeben sich bei sorgfältiger Ausführung sehr genaue Werte für die wirksame Belichtungszeit. Bei Verwendung dieses Verfahrens kann man bei Schlitzverschlüssen — je nach der Ablaufrichtung des Spaltes — drei verschiedene, aber trotzdem richtige Belichtungszeiten erhalten. Da bei den meisten Momentaufnahmen der Schlitz senkrecht zur Fortbewegungsrichtung des Aufnahmegegenstandes abrollt, wobei der Spalt parallel zur Fortbewegungsrichtung des Gegenstandes verläuft, ist diese Geschwindigkeit die interessierende. Für ihre Bestimmung muß, da die zum Versuch verwendete Kugel senkrecht fällt, der Spalt in wagrechter Richtung ablaufen, also senkrecht stehen.

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