Abbildung = Bild?

  • Mich beschäftigt schon seit einiger Zeit die Frage ob eine Foto Abbildung gleich ein Bild ist.

    Das beschäftigt nicht nur dich, sondern die Fotografen von Anbeginn an.


    In den ersten Jahren der Fotografie, vielleicht so bis 1860/70 galt die Fotografie eher als technische Wissenschaft, die den Fotografen in die Lage versetzte, das Gesehene auf eine Platte zu bannen. Kunstmaler hielten das eher für eine technisch interessante Spielerei als eine Kunstform. Und die Mehrzahl der Fotografen, die in den Gründerjahren sehr mit der Technik zu kämpfen hatten, sah es vermutlich ganz ähnlich.


    Als das Ganze dann populärer wurde und die Künstler der etablierten Kunstformen bemerkten, dass sich so etwas wie Fotokunst entwickelte und auf den Markt drängte, war der Aufschrei groß: Fotografie sei keine Kunst, sondern nur eine Technik, ein Abbild zu schaffen ohne Zutun des Fotografierenden. Der Apparat würde ja das Bild machen!


    Wohin das ganze führte, ist bekannt. Nicht zuletzt führte die Diskussion ja zum Piktorialismus, in dem versucht wurde, den Effekt gemalter Bilder (u.a. mit Konstruktionen wie dem Imagon) auf die Fotografie zu übertragen.


    Heute würde keiner mehr anzweifeln, dass ein Fotograf ein "Bild" erschafft. Lediglich Prozesse wie Übertragung von Dokumenten auf Mikrofilm o.ä. würde ich als "Abbild" bezeichnen. Und selbst solche dokumentarischen Vorgänge sind bereits früh zur Kunstform geworden (siehe die Pflanzenbilder von Bloßfeld).

    Grüße aus dem Schwarzwald, Euer Jens


    instagram/mk: Black Forest Tintype

  • ich denke mit der Aussage :

    .... den Effekt gemalter Bilder (u.a. mit Konstruktionen wie dem Imagon) auf die Fotografie zu übertragen.

    Wird man weder den Malern, noch den Fotografen gerecht. Malerei als Effekt, ich weiss nicht?
    Im Piktorialismus geht es, meines erachtens, darum die eigne Sichtweise auf Dinge, mit den Mitteln der Fotografie
    darzu stellen. Das es da viele Gemeinsamkeiten mit dem Naturalismus gibt ist ja nun auch nicht weiter verwunderlich,
    da beide Darstellungsformen zur gleichen Zeit 'angesagt' waren. Im übrigen nahm die Diskusion um den Piktorialismus
    erst so richtig Fahrt, durch die Bertachtungsweise der Fotografie mit der Gruppe f:64 und Co auf.

    Sicherlich kann man mit dem Imagon Fotos machen, die der Anschauung des Piktorialismuses folgen,
    es ist aber erst nach der Zeit des Piktorialismus entstanden. Bilder die in diese Richtung gehen
    lassen sich mit jedem Objektiv erstellen. Auch in den früheren Zeiten wurde viel mit der Nachbearbeitung
    der Aufnahmen gearbeitet.

  • warum Fotografen ausgehend von einer Mindestdichte in den Schatten eine Szenen- und Papierangepasste Kompression oder Expansion in den Lichtern anstreben,

    und noch dazu:

    Wenn ein Maler mit stark verdünnter Farbe eine weiße Fläche malt oder eine schwarze, oder wenn Arnulf Rainer mit dicker schwarzer Farbe Teile eines Fotos übermalt, wird die schwarze Fläche - oder die weiße - als gestaltet angesehen. Wenn du in einem Foto eine rein schwarze oder weiße Fläche hast, wird dir eher ein Mangel an Gestaltung vorgeworfen. Bei Arnulf Rainer war da vorher Gestalt in Form des Teiles der Fotografie, in deiner Fotografie war da vorher Gestalt in Form des Ausschnitts aus der sichtbaren Realität. Und trotzdem macht das einen Unterschied.

    Mich beschäftigt schon seit einiger Zeit die Frage ob eine Foto Abbildung gleich ein Bild ist.

    Für mich ist das immer noch eine Umformulierung der hier schon mehrfach debattierten Frage "sind meine Fotos Kunst?".

  • ...... "sind meine Fotos Kunst?".

    Kunst her Kunst hin, ändert das etwas an einem Bild das ich gemacht habe?
    Ich vermute mal nicht.

    Finde ich ein Bild, welches ich gemacht habe,
    besser oder schlechter wenn jemand sagt, es sei Kunst?
    Auch nicht.

    Wird mein Bild in der Kategorie künstlerisch teurer?
    Nein, es gibt Vieles was als Kunst bezeichnet wird,
    was aber keiner an haben möchte.

    Gut dem Ego mag es helfen zu sagen: ich mache Kunst.
    Aber, werden nicht auch viele Fehler im Namen der Kunst geduldet?

  • und noch dazu:

    Wenn ein Maler mit stark verdünnter Farbe eine weiße Fläche malt oder eine schwarze, oder wenn Arnulf Rainer mit dicker schwarzer Farbe Teile eines Fotos übermalt, wird die schwarze Fläche - oder die weiße - als gestaltet angesehen. Wenn du in einem Foto eine rein schwarze oder weiße Fläche hast, wird dir eher ein Mangel an Gestaltung vorgeworfen. Bei Arnulf Rainer war da vorher Gestalt in Form des Teiles der Fotografie, in deiner Fotografie war da vorher Gestalt in Form des Ausschnitts aus der sichtbaren Realität. Und trotzdem macht das einen Unterschied.

    Das sollte es aber nicht. Wenn Dir solche Leute begegnen, solltest Du Dich rasch und unauffällig entfernen.


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  • Selbstverständlich. Um nichts anderes geht es bei dieser Frage.

    Das ist nur ein Teil des gesamten Puzzles. Das ich dabei bin zusammen zu fügen.

    Mir geht es nur um die Trennlinie.

    Den Satz „ein Bild macht der Mensch und nicht die Kamera“ haben wir schon x-tausendmal gehört und gelesen. Aber (Hand auf die Bibel) haben wir uns genauso off Gedanken gemacht über die Bedeutung dieses Satzes? Der Satz ist wie ein latente Abbildung die nur entwickelt werden muß um klar zu sehen wo das „niemands Land“ verläuft.


  • Moment.

    Wer sagt denn, dass die Beurteilung eines Fotos als Abbildung oder Bild, als Lichtbild oder Lichtbildwerk, als Handwerk oder Kunstwerk, per se wertend ist?

    Das war sie allenfalls in der Ursprungszeit der Fotografie, als es dem neuen Medium zunächst abgesprochen wurde, Kunst zu sein.


    Heute wird diese Unterscheidung erst aus dem Kontext heraus bewertend, und da fallen mir in finanzieller, ästhetischer, gesellschaftlicher oder kulturwissenschaftlicher Hinsicht spontan ebenso viele positive wie negative Attribute ein.

  • Ich bezog mich nur auf die von Diesch angerissene Fragestellung "sind meine Fotos Kunst?"
    Die ich auch als Zitat angeführt habe.


    Ein ähnliches Thema hatte ich auch mal gestartet "Ab wann ist ein Bild überhaubt ein Bild!"

    Ich bin mittlerweile zu dem Schluss gekommen, das es eigentlich total egal ist
    und ich es so schon schwierig genug finde, habwegs vernünftige Sachen zustande zubringen.


    .

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