Eure Erfahrung mit Glasplattenfotografie

  • Unter Euch sind doch bestimmt einige die schon mal mit Glasplatten fotografiert haben, z.B. die von Zebra, aber von mir aus auch andere Hersteller.

    Mich würde hier vor allem die Qualität des Glasplattennegativs im Vergleich mit nem Filmnegativ interessieren. Grautonumfang wäre interessant, gibt es wahrnehmbare Unterschiede in der Schärfe, ist die Verwendung stressfrei etc... Alle Erfahrungsschilderungen sind mir willkommen.

  • meine Erfahrungen war durchaus positiv, also mit de Zebra Platten, natürlich ist die ISO 1(2) recht niedrig, aber für unbewegte Motive gut zu nutzen.

    Die Entwicklung unter dem Rotlicht ist auch mehr als spannend und man lernt den fotografischen Prozess neu zu verstehen.

    Schärfe passt exakt und der Belichtungsspielraum ist was Grauabstufungen betrifft recht gut.

    Einfach mal machen und schauen wo es dich hinführt.

    insta....

    Getting photographs is not the most important thing. For me it’s the act of photographing. It’s enlightening, therapeutic and satisfying, because the very process forces me to connect with the world…

    (Michael Kenna)

  • Sehr interessantes Thema. Was mich als Glasplatten-Laie wundert: Entwicklung unter Rotlicht? Ist das ein Ortho?

  • Ich habe für mich das Glasplattenprojekt erst einmal ausgebremst, weil die Qualität natürlich nicht so ist, wie industriell gefertigter Film.

    Es ist in jedem Fall haptisch Klasse und auch der Prozess macht Spaß.

    Was mich etwas ernüchtert hat, weil ich sicherlich mit falschen Erwartungen an das Ganze herangegangen bin:

    - immer wieder einmal Emulsionsfehler, die man aber auch man mögen kann. Wenn es aber ein "Lieblingsmotiv" betrifft... und lange Einstellzeiten.

    - Emulsionsablösungen in der Schalenentwicklung, auch bei sehr vorsichtiger Agitation

    - Dicke der Zebra-Dryplates - 2 mm, was sie dann in Blechkassetten nicht mehr oder nur bedingt (in wenigen Kassettentypen) verwendbar macht. Für die guten Linhof Universal-Doppelkassetten sind 2mm zu stark. (Die Dryplates von Jason Lane sind dünner und in den oben besprochenen Medien verwendbar, allerdings finde ich die Zebra-Emulsion besser, davon gibt es laut Nejc auch eine neue Variante, die wohl besser auf den Platten hält.)

    Unten ein Beispiel aus dem letzten Herbst:

    Edited once, last by FilmPlatte (March 15, 2023 at 4:13 PM).

  • Das ist schade das die Zebra Plates nicht in die alten Linhof Glasplattenhalter passen. :(

    Wollte die schon bestellen.

    Grüße

    Ich habe erst einen Posten Zebra-Dryplates geordert und dann das Problem erkannt.

    Ich habe dann auch mit Nejc darüber debattiert, ob es nicht Sinn machen würde, auf 1,5 mm Floatglas zu gießen und sogar einen Anbieter in Deutschland aufgezeigt für die Rohlinge. Er meinte aber, in Slowenien sei solches Glas nicht zu kriegen, der Import aus Deutschland zu nervig und letztlich bietet er ja auch zu seinen Dryplates, die eigens passenden Zebra-Holder. Man kann aber die Zebra Dryplates ganz sicher in den Rada Millionfalz-Kassetten (s. Bilder) verwenden und zum Teil in den Anlegekassetten für Zeiss und ICA - aber bei mir hat da nur etwa die Hälfte funktioniert. Ach ja, das Bild oben stammt aus einer Holz-Doppelkassette 737/6 zur ICA Universal Juwel. Die funktionieren auch.

    Jason Lane schrieb wiederum, dass er im Vorfeld alle möglichen Kassetten ausprobiert hat und seine Platten entsprechend universell in der Dicke gestaltet.

          

  • Ich habe nie Trockenplatten gekauft, weil Wetplate meiner Meinung nach deutlich ausdrucksstärker ist. Wenn auch arbeitsaufwändiger.

    Grautonumfang wäre interessant, gibt es wahrnehmbare Unterschiede in der Schärfe, ist die Verwendung stressfrei etc..

    Die Dynamik beträgt ... wenige Blenden. Drei, wenn ich es schätzen müsste.

    Die Schärfe ist Bombe, wenn du im Studio blitzt und perfekt scharfstellst. Draußen macht ISO 0,5 sehr lange Belichtungszeiten nötig. Modelle die stillhalten und ein stabiles Stativ sind dann essentiell.

    Die Verwendung ist zum Kotzen! Du musst alles vor Ort beschichten und den kompletten Prozess nass durchziehen. Im Sommer muss es also sehr schnell gehen. Die nötige Dunkelkammer dazu muss in der Nähe sein. Fotografiere ich draußen, habe ich 60 kg Gepäck auf dem E-Bike und Radanhänger dabei.

    Wetplate ist nur für die Blauanteile des Lichts und UV-Licht empfindlich. Du kannst also die Belichtung wegen des UV-Anteils nicht messen. Erfahrung ist alles.

    Das bewirkt etwas: Das UV macht auch gerade bei Porträts die Haut oft "älter". Obacht also bei Damen ab 35. ;) Wenn gewünscht, profitieren Porträtierte aber auch vom "Seebären-Effekt" - UV macht halt Hackfressen auch bei Blockflötengesichtern möglich.

    Ich weiß, das ist sehr klischeeig erklärt - der geneigte Leser wird wissen, was ich meine.

    Ich fotografiere auf 4 mm Fensterglas, die Platten befriedigen Haptikbedürftige auf maximale Weise und sind extrem robust. Ich nutze eh keinen der modernen Halter (von Linhof & Co.), die üblichen Blechhalter würden dem Silberbad ohnehin nicht lange widerstehen. Und so kann ich einen modernen Halter oder antike aus Holz nutzen, die können die Stärke und die Chemie. Gerade eben schreinere ich mir einen eigenen, um die Artefakte noch weiter auf die Spitze zu treiben.

    Wer mag, möge sich hier meine Fotos ansehen.

    Ich habe für mich das Glasplattenprojekt erst einmal ausgebremst, weil die Qualität natürlich nicht so ist, wie industriell gefertigter Film.

    Ich mache ja nur Wetplate, aber wenn ich es drauf anlege, ist das Foto - wenn wir mal die unterschiedliche Sensibilisierung außer Acht lassen - von einem auf Film nicht zu unterscheiden.

    Ich lasse mich jetzt auch mal nicht über das lausige Korn von Filmen aus, nur weil ich mit Silber auf molekularer Ebene arbeite ... ;)

    Eben weil die Qualität so gut sein kann, versuche ich es gar nicht, perfekte Ergebnisse zu produzieren. Dann könnte ich einfacher mit Film arbeiten. Im Gegenteil: Mir gefallen die Artefakte des Wetplate-Verfahrens, daran sieht man erst so richtig das Handgemachte.

    Emulsionsablösungen in der Schalenentwicklung, auch bei sehr vorsichtiger Agitation

    Auch hier Erfahrungswerte aus dem Wetplate-Lager: Kein Problem, etwas Albumen auf die Ränder und dann hälts.

  • Karsten: Danke für die Einsichten. Das ist shcon sehr interessant. Das der Wet Plate-Prozess nicht immer angenehm ist dachte ich mir schon. Ich werde erst mal fertige Dry Plates testen und ggf. später meine eigenen Emulsionen benutzen.

    "Seebären-Effekt" - UV macht halt Hackfressen auch bei Blockflötengesichtern möglich.

    :lol: :thumbup:

    Na der Tonwertumfamg sieht doch schon mal gut aus. Da werde ich mich mal um ein paar Zebras bemühen...

  • Auch hier Erfahrungswerte aus dem Wetplate-Lager: Kein Problem, etwas Albumen auf die Ränder und dann hälts.

    Danke vielmals Karsten - ein Erfahrungsbericht mit vielen Einsichten und Tips zu Wetplates.

    Hier geht aber doch um Dryplates, die sich doch anders handhaben. Gut ist es immer, wenn man im Vorfeld doch Einiges mehr über die Tücken der Manufaktur weiß, bevor man sich in Investitionen begibt. Man hat ja manchmal so eine Idee davon, wie etwas sein sollte und ist dann erstaunt, dass diese Annahme in der Realität nicht wirklich entsprechend ist. So ging es mir trotz erheblicher Vorsicht sowie intensiver Beschäftigung mit dem Verfahren.

    Ich habe dennoch noch einen vollen Mini-Kühlschrank mit Glasplatten diverser Provenienz und werde sie sicher auch verarbeiten. Es ist und bleibt ein toller Prozess, der aber auch zu dem passen muss, was man vorhat. Meine Projektidee wurde jedenfalls vom bisherigen Output nicht abgebildet.

  • ich hatte damals die Halter für die dryplates mitgekauft, alles paßte wunderbar zusammen und natürlich auch in die Kameras.

    Die Qualität der Emulsion ist durchweg gut gewesen und konnte problemlos auch für Prints verwendet werden.

    Da die Negative eher hart wirken war ein weiches Papier angesagt, ich hab dann die letzten beiden Platten noch intensiver nach Sicht entwickelt und fühlte mich dabei wie ein Pionier.

    martinf5
    February 2, 2022 at 1:56 PM

    insta....

    Getting photographs is not the most important thing. For me it’s the act of photographing. It’s enlightening, therapeutic and satisfying, because the very process forces me to connect with the world…

    (Michael Kenna)

  • Ich bin gerade (und das auch schon länger) voll auf dem Trockenplatten-Trip : )

    Zur Zeit kann leider Jason Lane nicht liefern, weil er einen neuen Job angetreten hat und somit gibt es akutell keine Speed-Plates (25 ISO) auf dem Markt.

    Meine Jason-Lane-Speed-Plates hatten keine Emulsionsfehler und ließen sich auch ohne Probleme und Ablösungen entwickeln.

    Im Gegensatz zu Lanes Trockenplatten hatten die Zebra-Platten anfangs in der Tat Probleme mit Emulsionsablösungen beim Entwickeln bzw. Fixieren.

    Hatte ich auch und auch Fehler in der Emulsion. Inzwischen hat Nejc aber an der Emulsion geschraubt und das soll jetzt nicht mehr vorkommen. Ich selbst habe die neue Emulsion aber noch nicht getestet.

    Nejc (Zebra) hat jetzt überigens auch Tintypes !

  • Bei Jason-Lanes-Speedplates kam das mit den 25 Iso ganz gut hin, die sind auch orthochromatisch.

    Bei den normalen Dryplates habe ich mit 2 ISO gerechnet, aber ausschließlich Innenaufnahmen gemacht, wo das nicht gereicht hat.

    Aber okay, die sind auch nicht orthochromatisch und mit dem UV-Licht im Innenraum (ohne BIltz!) ist das ja so eine Sache. Da habe ich die richtige ISO-Zahl noch nicht raus. Nejc sagte im Innenraum was von plus drei Blenden. Außen habe ich damit keine Erfahrung.

  • Ok, versuche ich es mal anders herum. Vorausgesetzt ich messe z.B. bei Blende 22 eine gute Sekunde (bei ISO 200), dann müsste ich diesen Wert doch eigentlich mit 100 multiplizieren und komme so auf 100 Sekunden Belichtungszeit bei ISO 2. Oder habe ich da jetzt einen Denkfehler?

  • Ich habe in der Regel auch die UV-Maßgaben für die Empfindlichkeitsschätzung miteinbezogen und außerdem stets Orthochromatische Trockenplattenfilter (von Imperial oder Rhaco usw.) verwendet, um ganz klassisch die Wirkung des Blaulichtanteils in der Belichtungszeit zu verringern und so ausgeglichenere Ergebnisse zu erzielen. Das hat stets wunderbar funktioniert. Mein Problem war dann bei dieser, wie ich finde, materialzugewandten und recht präzisen Vorgehensweise, die Enttäuschung, wenn die Emulsion weggeschwommen ist oder ungleichmäßig gegossen, bzw. Fehler aufwies. Das meinte ich aber auch mit meinen falschen Erwartungen an Perfektion. Es ist jedenfalls sehr schön, dass alles in Bewegung und Verbesserung ist, was Dryplates angeht und andere Verfahren.

  • Zitat von martinf5

    :lol: Na hoffentlich war's ein echt alter Single Malt!

    Wegen der Tulpenbilder: Verglichen mit dem Foma ist der Kontrast auf der Dry Plate schon hart. Kann natürlich auch am Ultrafin liegen. Welchen Entwickler hattest Du damals für die Dry Plate genommen?

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