Rodinal, wann voraussichtlich unbrauchbar?

  • Gerade habe ich einen Tmax 400 - Rollfilm im Rodinal 1 : 50 entwickelt. Das Restkonzentrat ist schon schwarz wie die Nacht, trotzdem zeigt der Entwickler im Ergebnis keinerlei Ermüdungserscheinungen. Der Erstanbruch war am 11.10.2021.

    Nach dem Erstanbruch verteile ich das Konzentrat auf zwei 250 ml-Braunglasflaschen mit Protectan-Schutz. Bei jeder Entnahme wird ebenfalls Protectan benutzt. Aufbewahrung dann bei völliger Dunkelheit. Tiefste Raumtemperatur 15 Grad und höchste 24 im Sommer.

  • Offensichtlich habe ich den Rodinal immer viel zu früh entsorgt. Aber wenn ein 10jähriger noch Brauchbares liefert, dann hat es sich wohl um die klassische Version gehandelt; die heutige soll aus Umweltschutzgründen eine andere mit kürzerer Verwendungsdauer sein.

  • also Tmax 400 in Rodinal ist schon ne Ansage, eher ungewöhnlich, aber gut.

    Rodinal steht lange und gut rum, irgendwann ist er dunkelbraun und verliert dann an Intensität, ich würde ihn dann erst testen, bevor ich einen wichtigen Knips entwickle.

    Je nach Standort sind aber 5-10 Jahre kein Problem.

    insta....

    Getting photographs is not the most important thing. For me it’s the act of photographing. It’s enlightening, therapeutic and satisfying, because the very process forces me to connect with the world…

    (Michael Kenna)

  • so schön diese Erfolgserlebnisse mit alten Flüssigkeiten auch sind (ich hatte sie auch schon) - zwei B-Moll möchte ich doch anbringen:

    1. ist es eigentlich ein Vabanquespiel, denn wäre der Entwickler futsch, wäre auch der Film futsch

    2. steht der Entwickler 10 Jahre herum, habe ich für mich definitiv gar keine ausreichende Anschauungsbasis, um die Wirkkraft der Brühe zu beurteilen. Im Umkehrschluss heißt dass, dass ich gar nicht sagen kann: "Es funktioniert!"

    Was aber beides nicht folgern lässt, dass Du mit Deinen Bildern absolut zufrieden bist. Wie gesagt: bei Rodinal hatte ich mir selbst auch nie Sorgen gemacht.

    Bei R09 hingegen brachte eine neue Flasche viel mehr Fleisch an den Knochen. Das würde ich in höchstens einem Jahr aufbrauchen.

    Was ich gut finde: wie Du das Konzentrat aufbewahrst. Ich glaube, das fange ich auch an.

  • Gerade habe ich einen Tmax 400 - Rollfilm im Rodinal 1 : 50 entwickelt. Das Restkonzentrat ist schon schwarz wie die Nacht, trotzdem zeigt der Entwickler im Ergebnis keinerlei Ermüdungserscheinungen. Der Erstanbruch war am 11.10.2021.

    Nach dem Erstanbruch verteile ich das Konzentrat auf zwei 250 ml-Braunglasflaschen mit Protectan-Schutz. Bei jeder Entnahme wird ebenfalls Protectan benutzt. Aufbewahrung dann bei völliger Dunkelheit. Tiefste Raumtemperatur 15 Grad und höchste 24 im Sommer.

    In Rodinal ist das Reduktionsmittel für Silber das p-Aminophenol, das man auch zum Haare Färben nehmen kann. In der Graphik kannst Du erkennen, daß das p-Aminophenol Dimere und Trimere bilden kann. Dabei können sich schon zwei verschiedene Dimere bilden (einmal über O verknüpft, einmal über N), und drei verschiedene Trimere (O,O und O,N = N,O und N,N verknüpft), die alle "buntig" sind, oft gelb bis rot, aber auch blau. Weiterhin sind die sehr farbkräftig, will sagen, selbst eine 0,01%ige Lösung erscheint sehr dunkel, erst recht bei der vorgenannten geplatzten Apotheke aus Dimeren und Trimeren. Im Übrigen können sich auch 4 oder mehr zu großen Molekülen zusammentun, die dann als wasserunlöslicher, brauner Schlunz (<= Fachausdruck) an der Flaschenwand sitzen.

    Das passiert im Rodinal über die Zeit und erzeugt eher kaum wägbare, aber doch sehr sichtbare Mengen an Farbstoff, die Dir dann den Entwickler als tintige, braune Brühe erscheinen lassen, dessen Funktionalität aber nicht eingeschränkt ist, wie Du erlebt hast. Das Protectan kannst Du Dir sparen, das ist Geldverschwendung und für E6-/C41-Entwickler besser angebracht.

    HTH & viele Grüße

    Andreas

    (... der mal für Schwarzkopf Haarfarbstoffe entwickelt hat)

  • Offensichtlich habe ich den Rodinal immer viel zu früh entsorgt. Aber wenn ein 10jähriger noch Brauchbares liefert, dann hat es sich wohl um die klassische Version gehandelt; die heutige soll aus Umweltschutzgründen eine andere mit kürzerer Verwendungsdauer sein.

    Interessant, in dem Sicherheitsdatenblatt von Rodinsl (AGFA, 2003) steht als Inhaltsstoffe

    Kaliumhydroxid, 3%

    Kaliumsulfit, 30-40 %

    Kaliumbromid, 1-5 %

    p-Aminophenol, 1-5 %

    in dem von Adonal (Adox von Fotoimpex angeblich Originalrezeptur, 2014) nur

    Kaliumhydroxid, 2-5%

    p-Aminophenol, 1-5 %

    da fragt man sich doch, was ist denn jetzt das Original?

    Viele Grüße

    Andreas

  • Mein hier zitierter "Rodinal" war immer ein Adox Rodinal von Impex. Dass ich mir Protectan ersparen kann, habe ich hier zum ersten Mal gehört. Könnte das auch für Papierentwickler gelten, z. B. Ilford Harman Warmtone oder Moersch 2, Special Edition Warm?

  • Mein hier zitierter "Rodinal" war immer ein Adox Rodinal von Impex. Dass ich mir Protectan ersparen kann, habe ich hier zum ersten Mal gehört. Könnte das auch für Papierentwickler gelten, z. B. Ilford Harman Warmtone oder Moersch 2, Special Edition Warm?

    Papierentwickler ist das viel "zickiger" und oxidiert natürlich in der Schale auch viel schneller auf. Der einzige den ich kenne, der über Jahre ohne Protectan im Ansatz hält und noch gute Ergebnisse bring wenn er kaffeebraun ist der N-113 von Calbe (bzw. jetzt von Impex). Ich hatte damals einen Entwickler gesucht, den ich nicht immer wegen chronischer Nichtbenutzung wegwerfen musste. Ich habe sicherlich noch Ansatz im Gebrauch, der gut 7 Jahre alt ist und auch nur in Plastik gelagert wurde und nicht wie sonst bei mir üblich in Glasflaschen mit Teflondichtungen.

    Gruss Sven.

  • Man muss dieser Firma nicht alles glauben.

  • Mein hier zitierter "Rodinal" war immer ein Adox Rodinal von Impex. Dass ich mir Protectan ersparen kann, habe ich hier zum ersten Mal gehört. Könnte das auch für Papierentwickler gelten, z. B. Ilford Harman Warmtone oder Moersch 2, Special Edition Warm?

    Grundsätzlich ja, im Rodinal hatten wir 4-Amino-1-hydroxy-benzol (vulgo p-Aminophenol), in beiden Papierentwicklern ist 1,4-Dihydroxybenzol, also ein Stickstoff N gegen Sauerstoff O ausgetauscht. Das Oxidationsprodukt von 1,4-Dihydroxybenzol ist Benzochinon (guxtu wiki)

    2 Ag+ + HO-Ph-OH ===> 2 Ag + O=ph=O + 2 H+ (im Papierentwickler)

    2 Ag+ + H2N-Ph-OH ===> 2 Ag + HN=ph=O + 2 H+ (im Rodinal)

    und kann mit dem 1,4-Dihydroxybenzol einen sogenannten Charge-transfer-Komplex bilden (denk Dir einfach, die sind magnetisch und ziehen sich an, guxtu nochmal wiki), der für die braune Farbe bei altem Papierentwickler sorgt. Im Gegensatz zum p-Aminophenol-Di/Trimer kann aber die Hälfte des Benzochinon-Komplexes noch Silber im Papier reduzieren, das 1,4-Dihydroxybenzol "klebt" ja nur wie magnetisch (tatsächlich elektrischer Ladungstausch) am Benzochinon.

    In beiden Fällen entsteht auch Säure (2 H+), weshalb recht viel Lauge (Kaliumhydroxid) im Entwickler ist und die Brühe stark alkalisch bleibt, im Sauren wird das Silberkation Ag+ nicht (~ so ohne weiteres) zum Silber reduziert. Das Sulfit dient als Stabilisator (und Sauerstoffänger), das Kaliumbromid KBr ist gegen Verschleierung, die Diethylentriaminpentaessigsäure (Moersch) dient zum Abfangen von anderen Metallionen (Eisen, Kupfer,..) im Wasser (schick, oder?), 1-Phenyl-4-methyl-4-hydroxymethyl-3-pyrazolidon (Moersch) als Desinfektionsmittel gegen Schimmel und ein bißchen Glykol vmtl. als Lösungsvermittler.

    Voila, alles nicht so schwierig, gelle?

    HTH & viele Grüße

    Andreas

  • Meine Fresse . . . bist Du auf Draht! :thumbup:  8o
    Und ich dachte, ich hätte Ahnung von Photochemie gehabt :/

    Die zwei schönsten Geräusche der Welt sind: Ein Verschluss der sich öffnet und wieder schließt.

  • Bei Wikipedia ist ein Artikel verlinkt, welcher die Evolution und Varianten der Rezeptur aufführt: https://www.digitaltruth.com/articles/historic-rodinal.php Für den Chemiker sicher interessant, für mich Böhmische Dörfer :)

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