Chemiewissen zum Fixierer gesucht

  • Mein Fixierer ist der Superfix von Tetenal. Ich bewahre ihn in einer klaren Plastikflsche auf, er steht aber meist im Schrank im Dunkeln.

    Mit der Zeit bildet sich ein schwarzer Niederschlag innen an der gesamten Plastikflasche - das ist vermutlich Silberoxid. Es läßt sich mühsam abschrubben und ich muss den Fixierer filtern, um ihn von schwarzen Schwebeteilchen zu trennen.

    Ich meinte, um das Silberoxid aus dem Fixierer zu trennen, bräuchte es eine Elektrolyse. Ich kann mir den Vorgang nicht erklären - ich bin aber auch kein Chemiker.

  • Ich halte meine Flüssigkeiten in braunen Glasflachen. Da setzts sich das meiste auf dem Boden ab. Nach dem filtern spüle ich die Fixer Flasche mit dem heißen Wasser aus. Wen das Sediment zu hartnäckig ist komm die Flaschenbürste zum Einsatz.

    Ich kann mich noch recht gut an die 20 L Plastik Kanister für den verbrauchten Fixierer[h1] , aus meinem früheren Leben erinnern. Bei denen waren die kompletten Innenwände nach ein Paar Wochen von dem Silber schwarz gewesen.

  • Mein Fixierer ist der Superfix von Tetenal. Ich bewahre ihn in einer klaren Plastikflsche auf, er steht aber meist im Schrank im Dunkeln.

    Mit der Zeit bildet sich ein schwarzer Niederschlag innen an der gesamten Plastikflasche - das ist vermutlich Silberoxid. Es läßt sich mühsam abschrubben und ich muss den Fixierer filtern, um ihn von schwarzen Schwebeteilchen zu trennen.

    Ich meinte, um das Silberoxid aus dem Fixierer zu trennen, bräuchte es eine Elektrolyse. Ich kann mir den Vorgang nicht erklären - ich bin aber auch kein Chemiker.

    Nochmal ein bißchen Anorganische Grundpraktikumschemie...

    In gebrauchtem (!) Fixierer ist das unbelichtete Silbehalogenid AgX mit Natriumthiosulfat Na2S2O3 ("alte" Fixierer) oder (Superfix) mit Natriumdisulfit, (Na2S2O5) auch Natriumpyrosulfit oder Natriummetabisulfit genannt, komplexiert. Bei einem sogenannten Komplex (angedeutet durch die [] Klammern) wird ein Metallion (oder -atom, also ungeladen) von sogenannten Liganden umgeben. Z. B. wird bei Kupfer Cu2+ mit Ammoniak NH3 ein Kupferteramminkomplex gebildet

    Cu2+ + 4 NH3 ===> [Cu(NH3)4]++

    hellblau in Wasser ===> knallblau wie Tinte in Wasser

    d.h., das Metallion wird von den Liganden umgeben, dadurch in der Regel leichter löslich und dann aus dem Film/Papier gewaschen. So weit, so gut. Ach, nochwas, in dem Kupferkomplex oben ist der Ligand ungeladen, das Metall positiv, d. h. wir haben ein komplexes Kation [xxx]+. Es gibt auch bei negativ geladenen Liganden negative, anionische Komplexe [xxx]- mit einem Metallion im Zentrum und einem Metallion als Kation, also M1++ [M2++ L-4] (bei ungleichen Ladungen M1+/M2++ muß man dann 3 M1+ mit zwei M2++ Teilen zum ungeladenen Molekül kombinieren.

    Im Superfix dient das Disulfit-Anion als Komplexbildner und umhüllt das/die Silberatom(e). Ich hab auf die Schnelle keine Graphik vom Komplex gefunden, vermute aber, es bildet sich so etwas wie

    2 Ag+ + 2 O3S-SO2-- ===> [Ag2(O3S-SO2)2]-- (+ 2 Na+ aus dem Disulfit-Salz zum Ausgleich der Ladungen)

    Nun sind S-S-Bindungen relativ schwach und der Komplex kann zerfallen unter Bildung von Sulfid (mit d am Ende), also S2-, das mit Ag+ einen schwerlösichen, braunschwarzen Schlunz aus Silbersulfid Ag2S bildet. Den könntest Du vielleicht aus den Flaschen mit Rostumwandler (Phosphorsäure) rauslösen, aber mach das bitte draußen, das riecht dann nach H2S faulen Eiern und H2S ist sehr(!) giftig. Allerdings können wir unwägbare Mengen riechen (würg), erst wenn man es nicht mehr riecht (in Raffinerien fällt viel und hochkonzentriertes H2S an, da ist das echt eine Gefahr!), wird's echt gefährlich! Aus den Schlunzmengen entstehen nur unappetitliche Mengen, aber in der Wohnung produziert wird Dich Deine weitaus bessere Hälfte fragen, ob Du an Flatulenzen leidest.

    Die öfter beobachtete weiße Trübe ist ausgefallener Schwefel, der sich aufgrund seiner Korngröße (oder besser -kleine) entweder schlecht abfiltrieren läßt oder das Filter gleich dicht setzt. Im O3S-SO2-Anion haben die Schwefelatome unterschiedliche Oxidationsstufen O3S 3x2- + S +4 -- + S +3 + 2O 2x2-, sowas zerfällt gerne in einer Disproportionierungsreaktion in S(VI) und S(0) und S(0) ist dann der ausgefallene Schwefel.

    So, nächste Vorlesung dann auf Anfrage... :D

    Viele Grüße

    Andreas

    Nachtrag:

    Der ausgefallene Schwefel ist nur ein kosmetisches Problem und stört -- außer der Optik -- nicht weiter, dürfte sich auch nicht in der Gelatine verfangen.

    Edited once, last by AndreasJB (April 23, 2023 at 12:03 AM).

  • So, nächste Vorlesung dann auf Anfrage... :D

    Dank, auf dich hatte ich gehofft.

    Jetzt weiß ich aber noch nicht, warum sich der Schlamm gleichmäßig an der Gefäßwand niederschlägt und ihr anhaftet. Ich habe verstanden bis "schwache Bindung ... fällt aus". Dann gibt es - in meinem Verständnis - einen Bodenbelag, da ich annehme, dass die Dichte des Schlamms ihn nicht schwimmen lässt.

    Edited once, last by Diesch (April 23, 2023 at 10:41 AM).

  • Dank, auf dich hatte ich gehofft.

    Jetzt weiß ich aber noch nicht, warum sich der Schlamm gleichmäßig an der Gefäßwand niederschlägt und ihr anhaftet. Ich habe verstanden bis "schwache Bindung ... fällt aus". Dann gibt es - in meinem Verständnis - einen Bodenbelag, da ich annehme, dass die Dichte des Schlamms ihn nicht schwimmen lässt.

    Schwefel hat eine Dichte von 2,07 g/cm^3 und wir hatten ja schon gesehen, daß der Schwefel aus außerordentlich kleinen Teilchen besteht, die ruckzuck Filterporen verschließen, übrigens nicht nur die eher groben eines Kaffeefilters sondern auch Laborfilter, zB Blaubandfilterpapier. Die Brühe, in der die Schwefelteilchen schwimmen, ist aber eine Salzlake, die eine größere Dichte als die des reinen Wassers von 1 g/cm^3 hat, weil eben Sulfit, Kalilauge und anderes drin sind. Dadurch verringert sich der Dichteunterschied, der die Sedimentation treibt.

    Schwefel hat Atomgewicht 32, als S8 dann 256,

    Wasser hat Molgewicht 18, liegt im Wasser aber als "Klümpchen" aus 4--8 Molekülen vor, (H2O)n wiegt dann 72 bis 144,

    Sulfit hat Molgewicht 80, liegt im Wasser mit einer Hülle aus Wassermolekülen vor, also SO3(2-) * x H20, wiegt dann 80 + x*18

    also, das, was da rumschwimmt, hat vergleichbar große Massen, so wie die unterschiedlichen PKW auf der Straße (also nur Mittelklassewagen ohne SUV, Fahrräder oder LKW). Da reicht dann die Brownsche Bewegung aus, um alles wie ein Sack Erbsen auf einem gerüttelten Billardtisch in Bewegung zu halten. Da Du auf dem Billardtisch aber eine Geschwindigkeitsverteilung hast (jempfalz so ähnlich wie im Gas) und damit eine Impulsverteilung, können Teilchen mit kleinen Geschwindigkeiten gegen "die Wand laufen" und dort "magnetisch" (van der Waals Kräfte) kleben bleiben. Für solche Fälle gibt es dann Filterhilfsmittel (zB Silicate, Aktivkohle), an die sich so Teilchen binden und dann leichter albfiltriert werden können.

    Vielleicht kannst Du im Dunklen mit Lochmaske und Taschenlampe mal auf den Tyndall-Effekt prüfen, dann hättest Du den Nachweis für ein (Schwefel)Kolloid, also Teilchen, die nahezu unsichtbar klein sind, aber noch keine einzelnen Moleküle/Atome.

    HTH & viele Grüße

    Andreas

  • Kurz zur Information:

    Der schwarze Schlamm ist Silbersulfid. Das Zeugs ist wasserunlöslich und daher nur lästig, stört den Prozess aber nicht. Silberoxid ist weiß und entsteht nicht beim Fixieren. Es ist ebenfalls wasserunlöslich. Silberchlorid ist ebenfalls weiß und wasserunlöslich.

    Viele Grüße

    Renate

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