Ölige Verschlusslamellen - Quick Flush Cleaning - Welches Mittel?

  • Hallo Leute,

    vielleicht kann mir das Forum helfen? Ich habe ein Sinaron 75er Weitwinkel in einem Copal 0 Verschluss. Nachdem ich einen Check der Verschlusszeiten durchgeführt habe, zeigt sich, dass die kurzen Verschlusszeiten (ab 1/30 bis 1/500) stark hängen. Ich vermute, das liegt an öligen Lamellen. Man kann einen leichten Ölfilm auf den Blättern erkennen, wahrscheinlich hat ein Vorbesitzer des Objektivs es zu gut mit der Schmierung gemeint. Auf Youtube habe ich ein Video von "Fix Old Cameras" zu einem "Quick Flush Cleaning" gefunden. Dort wird ein "Max Professional Contact Cleaner" verwendet, den ich in Deutschland nicht so ohne weiteres bekommen. Kann ich als Ersatz jedes handelsübliche Kontaktspray verwenden? Für jeden Hinweis, jede Empfehlung bin ich dankbar. Christoph

  • Ich würde es erst mal mit n-Heptan oder n-Hexan versuchen. Ersatzweise geht auch Waschbenzin in sehr reiner Qualität. (Hexan und Heptan sind Bestandteile von Benzin.) Heptan ist etwas weniger giftig als Hexan. Eine gute Lüftung während der Arbeiten wird empfohlen.


    Am besten ein Wattestäbchen nehmen und mit einer geringen Menge Heptan tränken und damit die Lamellen reinigen.


    Kontaktspray würde ich erst mal nicht versuchen, da das Zeug Metalle korrodieren kann. Das kann gut gehen oder bleibende Schäden verursachen. Selbst für die Reinigung von Kontakten nehme ich das nur selten.



    Viele Grüße

    Renate

  • Wenn der Verschluß zuvor im Öl „gebadet“ war wird nur das reinigen von den Lamellen wenig helfen, denn das Öl ist kriechend und nach kurzen Zeit wird es sich wieder auf den Lamellen ablagern. Da wird man an einem kompletten auswaschen nicht vorbeikommen. Eine gute Figur bei dem Prozeß macht reines Alkohol oder das gleiche was sich Bio Ethanol nennt für ein Euro mit etwas pro Liter aus dem Baumarkt. Die Copal Verschlüsse sind da schmerzlos.


    PS:

    Über dieses Thema gibt es schon einige gute Beiträge hier im Forum.

  • Noch eine Frage: Das "Komplette Auswaschen" findet dann im Alkoholbad statt, richtig? Kann man da den Verschluss theoretisch als Ganzes reinlegen (da Copal = schmerzlos?).

    So ist das auch gemeint.

    Ein Paar male wechseln und danach komplett austrocknen/ausdampfen lassen. Denn so lange noch noch ein hauch Flüssigkeit im Verschluß vorhanden ist, wird der klemmen.

    Auch Im Archiv mal nach Trockenschmierung sich umsehen.

  • Bei dem Vorgehen hätte ich doch einige Vorbehalte. Alkohol ist aggressiver als Benzin. Deswegen gibt es ja Probleme mit E10 und alten Motoren. Ich glaube auch nicht, dass Copal so schmerzlos ist. Die Getriebe, die bei mir trocken laufen müssen, sind schon speziell dafür gebaut und sie gehen trotzdem häufig kaputt. Die Reparaturen daran sind nicht ganz billig.



    Viele Grüße

    Renate

  • „Alkohol ist aggressiver als Benzin“

    -> Alkohol enthält keine Parraphine und sonstige Zusätze


    „Deswegen gibt es ja Probleme mit E10 und alten Motoren“

    -> würden die Dichtungen bei den Otto Motoren für den Einsatz mit Alkohol ausgelegt würden auch Die ewig laufen. Wo anders ist es kein Problem sogar mit reinem Alkohol.


    „Die Getriebe, die bei mir trocken laufen müssen, sind schon speziell dafür gebaut und sie gehen trotzdem häufig kaputt“

    -> Ein Verschluß ist kein Auto Getriebe auch ist der ist nicht im Dauereisatz


    Man kann aus allem eine Wissenschaft machen. Man muß es nur wollen.


    PS:

    Alle meine Copal und Seiko Verschlüsse sind im Alkohol ausgewaschen, mit Graphit geschmiert und laufen.

  • 1. n-Heptan enthält auch keine Parraphine und sonstige Zusätze. Waschbenzin sollte ebenfalls rückstandsfrei verdunsten. Im Gegensatz zu Alkohol sind die Alkane unpolar und dadurch wenig aggressiv.


    2. Ich habe nie etwas von einem Autogetriebe geschrieben, denn die laufen ja auch im Normalfall nie trocken. Ich benutze Getriebe, um Dinge im Hochvakuum zu bewegen und das geht nur Fett- und Ölfrei. Die Getriebeteile werden mit Teflon "geschmiert". Trotzdem ist ihre Lebensdauer sehr begrenzt und die Reparatur sehr teuer. Außerdem müssen bewegliche Teile, die trocken laufen, speziell aufeinander abgestimmt sein.


    Es ist vorteilhaft, wenn man sich in der Wissenschaft auskennt.



    Viele Grüße

    Renate

  • also nen Verschluss komplett mal 'auszuwaschen', egal in was, is eigentlich keine Lösung. Es sind viele Bauteile drinnen und die müssen einfach reibungsfrei laufen, einige Teile brauchen sogar ne Schmierung um zu laufen. Also auseinandernehmen und reinigen, Lamellen muss man sich dann ebenso anschauen. imho.

  • Von dieser Methode mag jeder halten was der will. Was ich bisher geschrieben habe sind reine praktische Erfahrungen aus der „Wäscherei“. Gewaschen habe ich schon nur mit dem Sprit von der Tanke. Danach mit dem gleichen Zeug plus Ethanol als End Spülung. Auch mit und ohne Graphit Füllung. Am Ende habe ich einen halt bei der Kombi Ethanol + Graphit gemacht.


    Jetzt das Fazit:

    selbst stark verharzte/verdreckte Copal und Seiko Verschlusse laufen auch trocken ohne jegliche Schmierung nach dem Bad im Benzin von der Tankstelle.

    Mit dem Öl etwas nachhelfen müsste ich nur bei den Compuren.


    PS:

    Bei der artigen Problemmen hilft ein stuhrer Nein überhaupt nicht. Da ziehen nur die schon erwähnten 150-180 pro Einheit, oder ein Wie.

  • Ich habe nicht so viel Ahnung, wie Seiko und Copal Verschlüsse von innen aussehen, aber mit Compur kenne ich mich aus. Insofern kann ich nur annehmen, dass meine Erfahrungen prinzipiell auf die anderen Verschlüsse übertragbar sind.


    Ich denke, dass ein Baden in Waschbenzin als letzte Lösung dann angezeigt sein kann, wenn innen wirklich alles verharzt, verölt oder festgebacken ist. Das Problem ist, wie geo schon geschrieben hat, nach dem Auswaschen wieder Uhrenöl an die vielen Stellen zu bringen, die nicht trocken laufen dürfen. Einen Verschluss zu tunken, nur weil man nicht weiss, wie man ihn öffnet, und ohne zu wissen was drinnen los ist, scheint mir nicht der richtige Weg.

    Von einem Bad in Kriechöl würde ich auf jeden Fall absehen. Danach hilft nur ein gründliches Auswaschen mit Benzin, um das Zeug wieder raus zu bekommen und dann kannst du dir das Ölbad auch sparen.

    Wenn die Lamellen verölt sind, würde ich erstmal versuchen zu ermitteln, was das für Öl ist. Ein wenig davon zwischen den Fingern zerreiben, Geruchsprüfung, etc.. Ist es viskoses Öl, würde ich die Lamellen mit Waschbenzin am Wattestick vorsichtig reinigen, wie Renate oben schon empfohlen hat. Ist es Kriechöl, dann wird das nicht reichen.

  • Von Benzin von der Tanke rate ich definitiv ab. Das Zeugs enthält viele Additive, die für Verbrennungsmotoren ganz gut sind, aber für Uhrengetriebe nicht geeignet sind. Die genauen Eigenschaften der Additive sind geheim und sie sind oft so gebaut, dass sie auch in die oberen Schichten der Metalle eindringen, also nicht mehr auswaschbar sind. Wir haben das an meinem Arbeitsplatz im Auftrag der Industrie wissenschaftlich untersucht.


    Wenn man n-Heptan in der Qualität "zur Analyse" benutzt, kann man sicher sein, nur das reine Lösungsmittel einzusetzen. n-Hexan geht auch, ist aber noch giftiger als n-Heptan. n-Hexan sollte nicht geschnüffelt werden, obwohl es sehr angenehm riecht. Der Vorteil dieser Lösungsmittel ist, dass sie seltener Kunststoffe und Lacke angreifen als die weniger giftigen Lösungsmittel Aceton, Isopropanol und Alkohol.



    Viele Grüße

    Renate

  • Vielen Dank euch allen für die Hinweise und Tips, das hilft wirklich sehr. Ich habe jetzt erst einmal minimalinvasiv die Lamellen mit Q-Tips, die ich in Isopropanol getunkt habe, gereinigt. Und siehe da, es hat tatsächlich geholfen, die Zeiten wurden massiv besser, als das Öl halbwegs runter war ... es war anscheinend nicht viel und ist auch nicht gleich nachgeflossen (die Q-Tips waren auch recht dreckig nach der Reinigung). Es kann natürlich sein, dass das nur eine vorübergehende Abhilfe war, aber immerhin, im Augenblick stimmen die Zeiten (einige sind fast schon zu schnell). Also, nochmals vielen Dank. Christoph

  • Hallo Renate,


    mit deiner Wissenschaftlicher Vorangehens Weise bringst du mich so richtig ins Schwanken. Bis dato hatte ich immer gedacht alles was mir nicht schadet kann auch meinen Verschlüssen keinen Schaden anrichten. Jetzt bitte nicht lachen. Seit gestern überlege ich mir ernsthaft wegen der Giftigkeit des Alkohols bei meinem auch schon gemäßigten Konsum, komplett auf dieses Gift verzichten und langsam auf Waschbenzin umsteigen.

  • WD40 oder Olivenöl (Bio natürlich) noch jemand im Angebot?


    Ganz ehrlich, alle Sachen von denen ich keine Ahnung habe und auf die ich mich verlassen muss gebe ich weg. Eine Verschlusswartung kostet nicht die Welt.


    Das „Trockenlegen“ von Verschlüssen machen wohl vor allem Sammler recht gerne. Die haben keine Lust, dass die Teile ständig verharzen weil der Krempel ja nicht genutzt wird. Und für das halbe Dutzend Auslösungen im Jahr muss der Verschluss nicht geölt sein.

  • Bei dem Vorgehen hätte ich doch einige Vorbehalte. Alkohol ist aggressiver als Benzin. Deswegen gibt es ja Probleme mit E10 und alten Motoren.

    -- . Nein. Nein.

    Alkohol ist nicht aggressiver. Das Alkohol-Problem mit E10 und alten Motoren sind die Dichtungen, die zwar gegen Öle/Benzin stabil sind, aber mit Alkohol quellen und weich und schlußendlich undicht werden.


    Am besten einen Verschluss in ein Ultraschallbad mit Brennspiritus legen und ne Weile brummen lassen und spülen. Die erste Runde bei verölten Lamellen würde ich mit Feuerzeugbenzin als Alternative zu Hexan/Heptan (s.o. -- ist zwar richtig, aber woher soll man He{x|pt}an herkriegen?) machen. Schmieren könnte man später mit Teflon-Spray, das ist Staub, den kann man von den Lamellen pusten und innen wird es dann eben "geschmiert"


    HTH & viele Grüße

    Andreas

  • Ich bringe die Verschlüsse meiner Objektive, die eine Wartung nötig haben zu meinem Kameradoktor. Das kostet dann 250 Franken und ich habe im Idealfall für den Rest meines Lebens einen funktionierenden Objektivverschluss.


    Mein Kameradoktor erzählt mir immer mal wieder, dass Leute, die selber an Verschlüssen und Kameras herum gebastelt haben, dann zu ihm kommen, weil das Ding noch immer nicht funktioniert. Oftmals seien die Sachen dann sogar irreparabel kaputt.


    Naja - das muss er mir ja sagen. Er will ja Geld verdienen.

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