Architekturfotografie - Erfahrungen, Ansichten, notwendige Ausrüstung

  • Das fotografische Thema "Architektur" scheint nicht so klar definiert. Mir ist hier nicht an einer Definition gelegen, eine Einschränkung durch eine Definition empfinde ich auch als überflüssig. Vielmehr soll es darum gehen, wie unterschiedliche Aufgabenstellungen zur Fotografie zu unterschiedlichen Anforderungen an Kameras und Objektive führen. Also, ein Haus (etwas Gebautes), eine Gruppe von Häusern soll fotografiert werden - wie sind da die Herangehensweisen, worauf achtet man, was ist wichtig, welches Gerät braucht man, wie ist das mit den Kameraverstellungen ... ??????????????????????????

    Ich habe hier ein einleitendes Beispiel - der Wunsch eines Architekten war es, dass dieses Gebäude abgebildet sein sollte wie auf einer Zeichnung. D.h. bei schräger Ansicht soll trotzdem die zur Kamera weisende Front rechtwinklig abgebildet sein


    Dieses Foto war nicht zur Zufriedenheit eines Architekten

    weil die Front des Gebäudes nicht exakt rechtwinklig wiedergegeben war - trotz der schrägenAnsicht.

    Das Foto sollte so sein

    Dafür braucht man eine Kamera, die entweder beide Standarten drehen kann, oder die ausreichend seitliche Verschiebung der Standarten ermöglicht.

    Wenn ein Gebäude ohne Überdeckungen, ohne "störende" Elemente im Bild vor dem Gebäude abgebildet werden soll. geht das meist nicht ohne Weitwinkel. Eine "natürliche" Ansicht des Gebäudes erfodert deutlich Abstand, aber dafür muss die Umgebung brauchbar sein.

    Ansonsten hätte ich schon Lust, das Video von Rene Schrei zu besprechen, ob seine Verstellabsichten wirklich sinnvoll sind. Das ist aber im Bereich Innenarchitektur; ein Thema, das allein schon wegen der Beleuchtung sehr anspruchsvoll ist.

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  • sehr schön dieses Thema aufzugreifen.

    In dem Buch von Urs Tillmanns, Architekturfotografie Kreatives Großformat Sinar Edition, sind einige schöne Fotos zu sehen,

    keines wurde mit Tilt oder Swing angepasst, nur etwas shiften.

    Die Schärfe wird über die Blende erzeugt.

    René Schrei spricht in seinem sehr interessanten Video von Torkeln was einem bei Tilt und Swing auf zwei Ebenen zum Wahnsinn führt,

    es sein denn man hat eine Torkel freie Kamera wie die Sinar P2.

    insta....

    Getting photographs is not the most important thing. For me it’s the act of photographing. It’s enlightening, therapeutic and satisfying, because the very process forces me to connect with the world…

    (Michael Kenna)

  • Hallo Dieter!

    Eine -- moeglicherweise -- spannende Eroerterung. Ich habe leider noch nicht verstanden, in welche Richtung Dein Interesse strebt. Ich befasse mich seitdem ich mit der GF Photographie angefangen habe auch mit einigen der im Text und im Video erwaehnten Themen, oder Begriffe. Vom praktischen Standpunkt bist Du einer der erfahrensten Architekturphotographen hier im Forum -- wahrscheinlich der erfahrenste. Ich gehe also davon aus, dass es entweder um Begrifflichkeiten oder auch theoretische Ueberlegungen gehen muesste.

    Um mal ein paar Sachen rauszuhauen: Architekten sind schon ziemlich speziell, was ihre Sehgewohnheiten und Erwartungen angeht. Das hat wahrscheinlich mit den formalen Kriterien zu tun, als auch mit etablierten Darstellungsformen. Die photographische Darstellung zur visuellen Begutachtung/Rezeption hat also schon vor dem Betrachten mit Filtern und Kriterien zu tun, die der Betrachter mitbringt. Ich gehe davon aus, dass Du nicht unbedingt die (hier im Forum) bereits gefuehrten Diskussionen um Ueberkorrektur, Restflucht, Perspektiven etc. wiederholen moechtest.

    Beim Video finde ich zum wiederholten Mal die Benennung(en) irgendwie irritierend, aber ebenfalls etabliert. Die gedankliche Fixierung auf die verschiedenen Achsen und Drehpunkte der Objektiv- und Filmstandarte ist irgendwie krueckenartig, oder anders gesagt: man konstruiert eine Kruecke, ueber die man dann beim Nachdenken stolpert. Die urspruengliche Formulierung von Scheimpflug ist *fuer mich* vollkommen ausreichend. Ja, es gibt eine wahrnehmbaren Unterschied bei der Einstellung der Kamera, ob sie "Basisverschwenkungen" (Zitat aus dem Video -> "torkelfrei") erlauben, im Gegensatz zu Kameras, die das nicht haben. Die Bezeichnung "doppelter Scheimpflug" halte ich -- folgerichtig? -- fuer irrefuehrend; im Sinne von: ich definiere erst die beiden Schwenkachsen, z.b. relativ zum Erdhorizont und beobachte, dass Schaerfeverlaeufe mit Anteilen beider Achsen auf einmal nicht mehr kompatibel sind mit dem Gedankengang der Schwenkung einer Achse... Beim Argumentieren nennt man das die "Strohmann - Strategie". Also nicht die eigentliche Fragestellung aufgreifen, sondern einen Strohmann aufbauen, den man dann verpruegeln kann. Welchen Schluss ich aus dem Video ziehen soll ist mir auch nicht klar.

    Zum zentralen Punkt: die jeweiligen Bildachsen (Objektivnormale, bzw. Filmnormale) oder Ebenen (die Flaechen, auf die die Normalen senkrecht stehen) entscheiden ueber den Schaerfeverlauf. Die Illusion irgendeiner Vorzugsachse kommt aus den mechanischen Gegebenheiten die Kamera auch in Realitaet zu bauen. Geometrisch richtig interessant wird dann der Punkt, den Du aufwirfst bezueglich der Abblidung aus einer gewaehlten Perspektive. Also Winkeltreue und/oder Laengentreue.

    Spannend, auch wenn ich mich bewusst (!) fuer einen voellig anderen Ansatz entschieden habe; aber mangels eines geniessbaren Werks unterlasse ich diese Erlaeuterung.

    VIele Gruesse,

    Christoph

    When you change the way you look at things, the things you look at change. — Max Planck

  • Hallo Christoph,

    das ist doch schon mal ein sehr guter Anfang.

    Es geht gar nicht speziell um meine Interessen. Ich habe das Thema aufgemacht, weil in dem "Sinar oder Linhof für Architektur" sehr viel anklang, was aus meiner Sicht ein eigenes Thema sein sollte oder könnte. So hätten wir mal einen Austausch, in dem die unterschiedlichen Auffassungen zusammengetragen sind und die Brauchbarkeit von Kameras und Objektiven.

    Das Video habe ich von einem Forenten übernommen, der das in das Linhof ... Thema gesteckt hatte - es geht darum, ob eine Kamera für Architektur torkelfrei sein müsste. Das ist durchaus ein interessanter Aspekt, denn bei der Auffassung, ein Architekturfoto solle so abbilden wie auf einer Zeichnung, hat man die gleichen Einstellprobleme wie bei der Persilschachtel auf dem Tisch. Im Zusammenhang mit dem Video ist die Fragestellung Torkelfreiheit natürlich davon abhängig, ob man die Vorgehensweise von Rene Schrei für geeignet hält.

    Zum Thema brauchbare Kamera kann man auch besprechen, inwieweit die "Pfannkuchenkameras" welchen Einstellansprüchen genügen (zwei gegeneinander verschiebbare Platten).

    Gruß

    Dieter

  • Heute habe ich lauter Aha-Erlebnisse. Ich dachte immer, "Torkeln" sei, wenn die Swing-Achse nicht parallel zu den Vertikalen im Bildfeld steht.

    Irgendwie hätte ich mir vorgestellt, bei dem im Video gezeigten Bild spielte die Schärfentiefe eine prominente Rolle. Dass der Boden scharf wird, wäre für meinen Begriff nicht das einzige Kriterium bei der ersten Scheimpflugverstellung. Diese sollte ja die "Höhenschärfe" treffen (Linhof: Kardan Master Handbuch, S. 44, https://drive.google.com/file/d/19XYzUC…RzJ4ukghXC/view - zum Torkeln S. 62), den Bereich über und unter der Schärfenebene. Das heißt, Rene Schrei kann die Schärfenebene ruhig etwas ansteigen lassen in die Raumtiefe, weil er ja noch abblendet.

    Das hat er dann vermutlich auch gemacht, aber für die Balustrade vorne im Nahbereich reichte es dann eben nicht mehr, was ich nachvollziehen kann. Ich würde dann vielleicht mogeln und wahlweise die Balustrade rauslassen, durch Seitenverschiebung, oder oder weiter weggehen oder eine kürzere Brennweite nehmen und in den beiden letzteren Fällen eine Ausschnittvergrößerung machen oder einen kleineren Film einlegen, 6x9. Jedenfalls auch abblenden, soweit es geht. - Er hat sein Bild jedenfalls super hingekriegt, Respekt.

    Ich glaube, das klappte deswegen, weil die Swing-Achse bei Rene Schrei senkrecht zu den Vertikalen im Bildfeld bleibt, siehe 2:27 ff - und genau deswegen erkannte ich da jetzt gar kein Torkelproblem.

    Ich als Laie trage da eh nur Eulen nach Athen. Aus der Zeit, in der Architekturfotografien noch mit Großformatkameras gemacht wurden, gibt es informative Bücher, habe ich gesehen, u.a. von Giebelhausen: https://www.zvab.com/buch-suchen/ti…m-giebelhausen/ - "Architektur Fotografie", 256 Seiten, eng bedruckt, ist ein sehr schweres Buch aus dem Hause Linhof. Die Bilder sind sehr instruktiv. Es hat viele Fallbeispiele drin. Auch sehr nützlich, und breiter gefasst: https://www.zvab.com/servlet/BookDe…_-srp1-_-title5 - "Angewandte Fotografie".

    Was mich an den Bildern oben irritiert, ist, dass mir das zweite immer noch schief erscheint, obwohl die Gebäudekonstruktion rechtwinkelig aussieht. Das kann daran liegen, dass die Wandfaltung im oberen Bereich nicht symmetrisch ist - merkwürdiges Gebäude. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Fluchtlinien des Schuppens auf der rechten Seite sich im Eisenbahnwaggon links unter der Schütte treffen. An Bildern des Barock (Rubens, Poussin) habe ich sowas erlebt. Die drängen den Betrachter trotz korrekter Vertikalen und Horizontalen vor einen bestimmten Bildbereich. Weswegen man über den Barock sagt, er setze die Betrachtung körperlich in Bewegung, zumal in den sehr großen Gemälden Rubens'. Freilich ist der Schuppen groß - vielleicht liegt es auch daran, am Aufnahmeabstand.

  • wie sind da die Herangehensweisen, worauf achtet man, was ist wichtig, welches Gerät braucht man, wie ist das mit den Kameraverstellungen ... ??????????????????????????

    mit Blick auf das von dir verwendete Beispielbild ein Gedanke (oder zwei) und eine Frage. Ich verstehe, dass der Architekt eine Zentralperspektive haben wollte. Und ich bin auch so jemand, den es fast körperlich schmerzt, wenn ein Bild weder eine perfekte Zentralperspektive ist, noch eine wirklich gewollte Perspektive mit zwei Fluchtpunkten (schwer in Worte zu fassen, was ich meine...). Wenn es grade eben so nicht zentral ist, sondern auf einer Achse leicht "wegkippt" (wie in deinem Beispiel), sieht das für mich immer so aus, als hätte sich jemand einfach keine Mühe gegeben (oder kein Auge für Genauigkeit).

    Meine Frage. Wie bzw. warum hast du das Bild genau von dort aufgenommen? Wolltest du den Schuppen im Vordergrund so massiv haben?

    Das ist ein Thema, das in der Architekturfotografie sehr schiwerig ist, finde ich. Wenn man nicht selbst am dargestellten Ort war und die Gegebenheiten kennt, kann man sich alle möglichen Gedanken machen, was der Fotograf oder die Fotografin unter Umständen besser hätte machen können. Es ist gewissermaßen einfach, eine gewählte Brennweite oder Perspektive zu kritisieren. Aber wirklich substantiiert darüber urteilen kann man eigentlich nur, wenn man mit der Situation vor Ort vertraut ist. Wie du ja auch schreibst, gibt es so viele Faktoren in der gebauten Umwelt, die in eine Entscheidung für oder gegen einen Blickwinkel einfließen; und irgendwo ist vieles immer auch ein Kompromiss, solange es sich um ImMobilien handelt...

  • Wie du ja auch schreibst, gibt es so viele Faktoren in der gebauten Umwelt, die in eine Entscheidung für oder gegen einen Blickwinkel einfließen; und irgendwo ist vieles immer auch ein Kompromiss, solange es sich um ImMobilien handelt..

    Wenn ich das richtig verstehe, ist der Kompromiss, dass die allzu kurze Brennweite mit ihrer Art der Darstellung vermieden werden sollte. Man kam also gar nicht um den Schuppen drumrum.

  • Wenn ich das richtig verstehe, ist der Kompromiss, dass die allzu kurze Brennweite mit ihrer Art der Darstellung vermieden werden sollte. Man kam also gar nicht um den Schuppen drumrum.

    Da spekulieren wir jetzt schon :) eventuell könnte man noch 10m zurück gehen, dachte ich (und gegebenenfalls das Bild am Ende von der rechten Seite her zuschneiden). Einfach, dass der Schuppen weniger verzerrt dargestellt wird. Je weiter man zurück geht, desto niedriger wird er ja proportional zum Haus dahinter.

    Wäre das denn gegangen, Dieter? Genau in der Achse, in der du standest noch ein Stück nach hinten?

    Das wäre auch vielleicht ein interessanter Punkt für hier und deinen Anstoß, welches Gerät man braucht: Anfangs dachte ich, ein 24mm Objektiv würde mir nie ausreichen (also ein 90mm bei 4x5 inch). Dann habe ich festgestellt, dass das sehr gut ging. Mit wenigen Ausnahmen. Es ist DIE Brennweite für Architektur. Überall liest man jedenfalls, dass man das unbedingt braucht. Aber mit jedem Jahr, das ich älter werde und dazu lerne, werden auch die Brennweiten länger und die Perspektiven enger, die ich abbildenswert finde :D

  • Ich versuche diese Thematik auf meine Art aufzugreifen. Ich denke jeder der schon mal mit einer Laufboden und Rail Camera zu tun hatte wird es verstehen.

    Architektur Fotografie ist ein recht heißes Pflaster. Ich denke es wird nicht übertrieben, wenn ich jetzt behaupten werde; je weiter man sich in diesem Sektor aus der Richtung „Iglu“ in Richtung „Wolkenkratzer“ bewegt desto komplexer/aufwändiger/unübersichtlicher und direkt proportional teurer wird das anzuschaffende Equipment. Ich denke irgendwo in der Mitte dieses Weges wird man schon merken das das Potential einer Laufboden langsam zu Ende geht und für Das was noch mit einer Fach Kamera recht flott geht, müsste man als Erstes die Laufboden Version „vergewaltigen“ und als zweites die Finger brechen (wenn es nur dabeibleibt). Das gleiche meiner Meinung nach gilt auch für die Optik. Egal wie gut die technischen Eigenschaften eines Objektivs auch sein mögen, aber wenn man schon sich die Mattscheibe als Medium zum scharfstellen (und nicht nur) ausgewellt hat, dann muß man auch mit der Anfangsblende auf dem Glas was sehen können.

  • Also schleppst du einfach immer alles mit? Das habe ich noch nicht verstanden.

    Jaein!

    Ich habe In meinem 13x18 Koffer in dem die Kamera liegt zusätzlich zum 13x18 immer das 4x5 Rückteil und die 4x5 Kassetten (geladen) dabei.

    Ergenzung:

    Wenn es mehr als eine Jurte geplannt ist macht es die Arca F

    PS:

    Zur allem habe ich den vorletzten Beitrag von mir aus versehen gelöscht. Sorry.

  • Hallo Dieter,

    ich antworte mit Einschueben:

    [...]

    Es geht gar nicht speziell um meine Interessen. Ich habe das Thema aufgemacht, weil in dem "Sinar oder Linhof für Architektur" sehr viel anklang, was aus meiner Sicht ein eigenes Thema sein sollte oder könnte. So hätten wir mal einen Austausch, in dem die unterschiedlichen Auffassungen zusammengetragen sind und die Brauchbarkeit von Kameras und Objektiven.

    Das Thema hatte ich vorher garnicht auf dem Schirm, den thread kann ich auch nicht voellig nachvollziehen. Von daher finde ich die Idee gut, die Punkte, die vielleicht zu eroertern sind in ein eigenes Thema abzuspalten. Zum Punkt der Brauchbarkeit komme ich weiter unten nochmal.

    Das Video habe ich von einem Forenten übernommen, der das in das Linhof ... Thema gesteckt hatte - es geht darum, ob eine Kamera für Architektur torkelfrei sein müsste. Das ist durchaus ein interessanter Aspekt, denn bei der Auffassung, ein Architekturfoto solle so abbilden wie auf einer Zeichnung, hat man die gleichen Einstellprobleme wie bei der Persilschachtel auf dem Tisch. Im Zusammenhang mit dem Video ist die Fragestellung Torkelfreiheit natürlich davon abhängig, ob man die Vorgehensweise von Rene Schrei für geeignet hält.

    Zum Thema brauchbare Kamera kann man auch besprechen, inwieweit die "Pfannkuchenkameras" welchen Einstellansprüchen genügen (zwei gegeneinander verschiebbare Platten).

    [...]

    Ich fange mal wieder wie der Naturwissenschaftler an -- erstmal definieren, worueber man spricht. Also: Was ist ein Architekturphoto? Wie ich schon erwaehnte gibt es eine ganze Reihe von "strengen" Darstellungen, die zitierte Zentralperspektive (die im uebrigen absolut fiktiv ist!) oder auch bestimmte Winkelansichten, die nahezu mathematisch exakt sein sollten. Letztlich gibt es aber keinen Test, den man anwenden koennte, der bestimmt ob eine bestimmte Aufnahme ein Architekturphoto ist oder nicht. Ich finde den Ausdruck "Stadtlandschaft" viel passender, weil es den Ermessensspielraum deutlich weiter fasst.

    Wir kommen also ganz schnell in den Bereich der Interpretation, wenngleich eine Aufnahme (mit oder ohne Manipulation) immer den physischen Gesetzmaessigkeiten folgen muss. Eine ganz triviale Erkenntnis ist zum Beispiel, dass man nicht von einem unerreichbaren Standpunkt aus photographieren kann. Also nicht durch Waende, nicht in der Luft oder sonst irgendwie unmoeglich photographieren kann. Das schraenkt die Auswahl der "machbaren" Bilder schon extrem ein.

    Die weitere Realitaet bei der Wahl der technischen Mittel ist, dass es Grenzen gibt. Der gewaehlte Standpunkt -- oder Perspektive -- bestimmt eindeutig, dass die Laengentreue unmoeglich ist. Man kann dem entgegenwirken durch passende "Verzerrung", gibt aber dafuer mindestens die Winkeltreue auf. Je nach Sehgewohnheit oder Erwartung sehen die Ergebnisse dann "falsch" aus. Fuer die Wahl der Objektive ist der wichtigste Punkt, dass diese keine weitere Verzerrung hinzufuegen ("rektilinear"0. Die meisten Grossformatobjektive erfuellen diese Anforderung allerdings, wenn man von den echten Telekonstruktionen absieht. Letztlich reduzieren sich die Anforderungen an die Objektive hauptsaechlich auf Brennweite/Bildwinkel und Bildkreis. Wenn man tief einsteigen moechte, dann kommen natuerlich noch 1000+1 weitere Sachen dazu, aber nichts was wirklich relevant fuer das Thema an sich waere.

    Bei Kameras wuerde ich hauptsaechlich zwischen unbrauchbar, brauchbar und gut geeignet unterscheiden. Unbrauchbar sind die Kameras, die die gestellte Aufgabe nicht erfuellen koennen, zum Beispiel nicht (weit genug) verstellbar. Die Unterscheidung zwischen brauchbar und gut geeignet ist dann die Frage nach dem Aufwand, den man treiben muss um die gestellte Aufgabe zu loesen. Man kann mit einer (dazu faehigen) Laufbodenkamera shift und tilt machen, ich haette keine Lust darauf. Und bei bestimmten Anwendungen ist Torkelfreiheit praktisch, aber der Einschaetzung der Unmoeglichkeit der Benutzung eines anderen Kameratyps kann ich mich nicht anschliessen. Es ist letztlich also das gute, alte "kommt darauf an, was man machen will". Die sogenannten Architekturkameras (ich hatte erst eine in der Hand) vom Typ Pfannkuchen finde ich sehr praktisch, wenn die Aufnahmesituation es zulaesst -- genuegend Platz vor dem zu photographierenden Objekt, genuegend Bildkreis und ausreichend Platz auf dem Film, 50% "Verlust" sind schon gut.

    DIe entscheidende Frage taucht bei den genannten Ueberlegungen nur am Rande auf, ist aber auch schon im thread erwaehnt: die Schaerfe der Abbildung. Wir wollen auf eine flache Oberflaeche abbilden. Damit haengt alles auch mal wieder mit circles of confusion, Abbildungsleistungen, MTFs, zusammen; oder wie erwaehnt am Bildformat, der Brennweite, dem verwendeten Aufnahmemedium, etc.

    Ich habe nicht den Ruf sonderlich pragmatisch zu sein. Ich kann (oder will) mir meine Wunschkameras nicht leisten. Letztlich ist die Kamera, die man zur Verfuegung hat die beste, die man verwenden kann. Besonders bei "Architekturaufnahmen" plane ich extrem penibel, also gewuenschtes Licht, Perspektive/Standort, Kamera. Die Ueberlegungen wie ich das Bild erreichen kann, dass ich im Kopf habe finde ich spannender als die Fragen, welche Ausruestung es noch besser oder einfacher machen koennte -- solange es ueberhaupt klappen kann, reicht mir das. Im Zusammenhang damit gefaellt mir das erste (vom Architekten abgelehnte) Bild besser als die strenge und unrealistischere Darstellung, die der Architekt abgenickt hat. Und das Bild aus dem Video finde ich grandios, wobei ich den Ausfuehrungen zur Festlegung der Schaerfeebene zwar folgen kann, aber nicht vollumfaenglich zustimmen wuerde.

    Gruesse,

    Christoph

    When you change the way you look at things, the things you look at change. — Max Planck

  • Kameras - was sollte sein und was geht - bei Architektur /Stadtlandschaft blickt die Kamera meist schräg nach oben, dabei ist ein Beibehalten der Senkrechten häufig gewünscht. Die Kamera wird also zunächst entsprechend aufgestellt:

    Der Ort des Objektivs bestimmt den Blick auf die Dinge. Also stellt man das Objektiv an die gewünschte Stelle. Soll jetzt ein Blick schräg nach oben erfolgen, die Senkrechten aber beibehalten werden, verschiebt man die Bildstandarte nach unten - gleiches gilt für ein seitliches Verschieben bei seitlich schrägem Blick.

    Eine Kamera auf optischer Bank kann das.

    Eine Kamera vom Typ Pfannkuchen kann das auch - die Rückplatte kann nach unten und gleichzeitig seitlich verschoben werden. Einschränkungen bei diesen Kameras gibt es bei der Brennweite; die Kameras werden vorwiegend mit Weitwinkelobjektiven genutzt. Und Einschränkungen gibt es beim Schwenken des Objektivs; das kann eine solche Kamera nur mit entsprechendem Objektivadapter.

    Eine Laufbodenkamera vom Typ Technika 3000 kann das nicht. Die Rückstandarte ist nur eingeschränkt und dann grob beweglich. Man nimmt also die Verstellungen an der Frontstandarte vor. Das Objektiv lässt sich recht weit nach oben verstellen. Nur ist es dann eben nicht mehr am gewählten Ort. Das ist bei Tabletop fatal - bei Architektur oder Standlandschaft bemerkt man den Unterschied wohl eher nicht. Oder man senkt die Kamera ab, bis das Objektiv wieder am gewünschten Ort ist. Das Objektiv lässt sich bei ausreichend langen Brennweiten auch seitlich verschieben. Bei kürzeren Brennweiten (90mm) steht das Objektiv zwischen den Bügeln, die den Laufboden halten. Da ist ein seitliches Verschieben nicht mehr möglich. Das Objektiv kann seitlich geschwenkt werden und auch ein Neigen des Objektivs ist möglich für eine Verlagerung der Schärfenebene. Dann ist da die Rückwand /hintere Standarte. Die kann man in kleinen Strecken frei bewegen und so den Winkel bezogen auf das Objektiv verändern.

    Weil mich die unmögliche seitliche Bewegung des Objektivs kurzer Brennweite mal sehr geärgert hat und ein Bild verhindert hat, habe ich mit den genannten Möglichkiten der Rückstandarte herumprobiert. Man richtet die Kamera schräg aus und dreht dann die Rückwand und die zu parallelisierende Frontstandarte, bis die Bildgeometrie wie gewünscht ist - so lässt sich ein seitlicher Versatz von Objektiv und Bildstandarte erreichen. Siehe Probebild: ein schräger Einblick, aber die zum Betrachter weisenden Gebäudeteile sind rechtwinklig.

  • Steve Simmons hat in seinem tollen Standartwerk Using the View Camera interessante Beispiele aus seiner Praxis. Eben auch Architektur, Innenarchitektur/Interieurs etc.. spannende Lektüre, da hab ich beim Lesen nicht einmal den Eindruck gehabt, es ginge um zuviel Technik, sondern nur um Mittel zum Zweck. Natürlich weist er da auf die spezifischen Herausforderungen vor Ort bei jedem Bildbeispiel hin, zB monorail mit 65mm, oft aber auch nur 'wide-angle camera with a 90mm f8 lens' oder 8x10/120mm.. Ebenso wichtig wie die Ausrüstung is da auch zB was die Klienten wollten im Bild, wichtig is halt nur was hinten rauskommt und für welchen Zweck.

    edit

    Zitat von ManuelMartini
    ..Anfangs dachte ich, ein 24mm Objektiv würde mir nie ausreichen (also ein 90mm bei 4x5 inch). Dann habe ich festgestellt, dass das sehr gut ging. Mit wenigen Ausnahmen. Es ist DIE Brennweite für Architektur...

    hm 90mm sind eigentlich eher 30mm equivalent, 24mm dann eher 75mm, wenn ich nicht irre? :/

    bleibt gesund!

    Andreas

    Edited once, last by eagleEye72 (November 21, 2023 at 1:14 PM).

  • Die Technika kann z.B. mehr Shift als die Frontstandarte alleine her gibt, wenn man sie wie eine Kamera auf optischer Bank schräg stellt und Vorder, sowie Rückstandarte wieder parallel stellt durch tilten. So shiftet man beispielsweise auch nach unten ohne die Kamera kopfüber zu montieren. Was grauselig fummelig zu bedienen geht, auch wenn es ab Werk vorgesehen ist (Stativgewinde unter dem Zubehörschuh).

    Ersteres, die Schrägstellung, vermeide ich, so gut ich kann. Wegen der Torkelei.

    Die Kopfstellung beutze ich hingegen gerne. Einerseits dient der Laufboden als Schutz vor dem Wetter. Andererseits kann ich das Objektiv runterlassen und damit bei senkrechter Vorderstandarte in die Tiefe fotografieren, ohne selbst optisch reinzustürzen, was natürlich den Tiefeneindruck verstärkt. Fummelig finde ich das nicht, eher gewöhnungsbedürftig.

    Natürlich ändert sich - wie Dieter schrieb - damit aber die Position des Objektivs. Im Freien fällt mir das aber auch nicht so auf, dass es mich stört. Man kann ja die Stativhöhe ändern. Und ja, die Kamera auf der optischen Bank ist vielseitiger. Ich bin ja schon zufrieden, habe ich die GF-Kamera tatsächlich vor Ort dabei. Mir stellt sich immer wieder die konkrete Frage nach der Osteopathenrechnung. Es muss lebbar sein.

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