Architekturfotografie - Erfahrungen, Ansichten, notwendige Ausrüstung

  • interessantes Foto, war das ein 65mm oder 75mm? mir bleibt da aber etwas unklar, was das Hauptanliegen war..und zwar deswegen wie die Komposition gewählt ist.

    Die gesamten Elemente basieren auf einer etwas schrägen optischen Hauptachse, de im unteren Bildviertel liegt.

    Die klassisch gehaltenen Gebäudeelemente kulminieren ziemlich stürzend von links in das untere Bilddrittel, wobei das modernistische Bauelement in der Mitte den 'optischen Aufbrecher' macht. Ich frage mich, ob die ausgewählte Basis hier die optimale ist, natürlich probiert man da viel rum. Die egentlich einzige ' vertikal ausgerichtete' optische Kante ( da wo die Laterne steht) geht etwas unter.

    Aber gute Frage wie man so eine lange, offene Aussenkomposition richtig ins Bild setzt, Innenaufnahmen setzen da praktische Grenzen.

    Was mir immer hilft ist schnelle Prä-Visualisation. Ich smach das Foto aufm Handy, dessen Linse meist sehr weit ist (20mm oä), und wähle damit den primären Standplatz und Bildausschnitt. Dann setz ich das möglichst genau an der 4x5 nach, dann zeigt sich sehr schnell ob mir das dann gefällt oder nicht.

  • edit


    Zitat von ManuelMartini
    ..Anfangs dachte ich, ein 24mm Objektiv würde mir nie ausreichen (also ein 90mm bei 4x5 inch). Dann habe ich festgestellt, dass das sehr gut ging. Mit wenigen Ausnahmen. Es ist DIE Brennweite für Architektur...


    hm 90mm sind eigentlich eher 30mm equivalent, 24mm dann eher 75mm, wenn ich nicht irre? :/

    Das kommt darauf an, welchen Bildwinkel du misst... Das 90mm an einer 4x5 Kamera bildet etwas mehr in der Breite ab, aber deutlich weniger in der Länge. Und der diagonale Bildwinkel wäre fast gleich einem 24mm an einer Kleinbildkamera. Wenn ich mich richtig erinnere jedenfalls :)

    Letztlich gibt es keine echte Architekturkamera, weil es sowas wie die echte Architekturphotographie nicht gibt. Es gibt also im wesentlichen persoenliche Vorlieben oder Abneigungen.

    Es gibt sie ja, die "echten" bzw. "exemplarischen" Architekturkameras. Technische Kameras wie die Cambo Wide, die Alpa Max, etc, die lediglich rise/fall/shift (aber davon reichlich) und maximal minimalen Tilt ermöglichen.

    Ich bin aber absolut mit dir einverstanden, dass ein guter Architekturfotograf oder eine gute Architekturfotografin letztlich mit jeder beliebigen Kamera in der Lage sein wird, gute Bilder zu machen - abhängig von den persönlichen Vorlieben.

  • Naja, also dann aber lieber ganz schief, als nur knapp daneben.

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    Linien die ganz minimal verzerrt sind treiben mich regelmäßig in den Wahnsinn...

    Das ist ein sehr gutes Beispiel das die Architektur Fotografie auch anders sein kann.

    Nach mir kann sowas auch wesentlich „provokanter“ aussehen.


    Sorry das ich dein Bild verstümmelt habe.


  • war das ein 65mm oder 75mm

    weder noch, ein 47mm SA XL in der Technikardan 4x5 gaaaaaaaaaaaanz auf dem Boden. Deswegen die auch nach oben stürzenden Linien, trotz maximalem (Bildkreis) Shift.

    Mit einer längeren Brennweite unmöglich, hier der Aufnahmestandpunkt:

    Albertstadt · 01099 Dresden
    01099 Dresden
    maps.app.goo.gl


    mir bleibt da aber etwas unklar, was das Hauptanliegen war..und zwar deswegen wie die Komposition gewählt ist.

    Bildbesprechung müssen wir nicht in diesem Thread machen dafür gibt es schon einen 😉




    Das ist ein sehr gutes Beispiel das die Architektur Fotografie auch anders sein kann.

    Danke! Das war die Intension es hier nochmal anzusprechen.

    Nach mir kann sowas auch wesentlich „provokanter“ aussehen.

    Gibt es in der Form aus anderer Richtung, siehe oben verlinkter Thread 👍.

  • Ich denke, dasss Aksak (Werner, richtig?) einen wirklich entscheidenden Punkt mit Material unterfuettert hat. Sei es die Handreichung oder der Wikipedia Artikel -- Architektur photographiert man nicht im luftleeren Raum. Das Argument "wenn es gefaellt", oder -- noch besser/furchtbarer -- "das soll so/das ist Kunst" ist aussagelos.

    Wie weit oder hoch der eigene Sprung wird, zu dem man mit einem Bid ansetzt kann sinnvoll nur im Einzelfall beleuchtet werden.


    Festzustellen ist, dass es so etwas wie Normen gibt, denen man entsprechen kann (wenn man denn kann); was ich gerne als "strenge" Auslegung bezeichne. Das ist im wesentlichen Handwerk und will erstmal beherrscht werden. Alle Mittel sollten dann diesem Zweck untergeordnet werden, Kamera, Objektiv, sonstiges Geraffel. Macht man das ganze dann "mit Anspruch", dann lohnt es sich natuerlich das passende Werkzeug einzusetzen. Als Profi mit anderer Zielsetzung als als Amateur, aber mit aehnlichem Prozess.


    Eine naechste Frage koennte dann sein, wie man die Aufgabenstellung loest, die sich bei aktivem Nichtbeachten der Normen ergibt. Genies moegen ihre eigenen Spielraum haben; ich wuerde mich von solchen Faehigkeiten ausnehmen. Ich lerne nach wie vor zu sehen und zu photographieren. Und vor der Meisterschaft einiger hier im Forum bin ich weit entfernt. Man kann Architektur auch ohne Verstellungen photographieren -- hat aber die Arbeit nachher. Ich habe schon haeufig im Labor eine Achse "hinbiegen" muessen, die ich mit "normalen" Kameras nicht entzerren konnte. Die Benutzung der Fachkamera hat fuer mich im wesentlichen die Erleichterung dieser Vorgehensweise gebracht -- im Sinne von "was schon richtig auf dem Film gelandet ist, muss nicht mehr korrigiert werden". Aber die Hauptaufgabe bleibt: richtigen Standpunkt finden, passenden Bildaufbau einstellen, das richtige Licht benutzen -- wenn es denn moeglich ist. Ich habe schon mehrere Gebaeude immer und immer wieder photographiert, ohne den Grad an Zufriedenheit zu erreichen, den ich moechte. Zwei der Gebaeude gibt es mittlerweile schon nicht mehr und meine besten Aufnahmen sind von "Erkundungsgaengen" mit anderen Kameras. Manche Gebaeude entziehen sich fuer mich der Photographierbarkeit. Zum Glueck bin ich in dem Fall kein Profi.

    When you change the way you look at things, the things you look at change. — Max Planck

  • Ist eigentlich bekannt, ob er analog, oder digital arbeitet und was für eine Ausrüstung/Kamera er nutzt?

    Ein Teil seiner Fotografie ist analogund mit einer Holzkamera.

    Die Schwarzweiss

    und

    The Fourth Wall: Stages photographed by Klaus Frahm | Artsy
    Galerie XII Los Angeles is pleased to present the first US exhibition of prints from the series The Fourth Wall by Hamburg-based photographer Klaus Frahm. An…
    www.artsy.net


  • Ansonsten hätte ich schon Lust, das Video von Rene Schrei zu besprechen, ob seine Verstellabsichten wirklich sinnvoll sind.

    Ich war irgendwie grade bei dem Thema „Torkeln“ und habe mir tatsächlich das Video angeschaut. Ich bin nicht ganz sicher ob ich ihn richtig verstanden habe. Möchte er sowohl den Boden als Ebene scharf haben als auch eine Ebene analog zum diagonale Geländer? Und deswegen schwenkt er sowohl an der horizontalen (tilt) als auch vertikalen (swing) Ebene? Klingt so, also ob zwei gleichzeitig scharfe Ebenen das Ziel wären, er spricht ja auch davon drei „Flächen“ übereinander zu bekommen. Das geht dann angeblich nur mit dem Basisschwenk. Ansonsten sei das Bild nicht scharf zu bekommen.


    Also so wie ich das verstehe, würde ich sagen er hats nicht verstanden. Aber vielleicht liegt es ja daran dass ich ihn falsch verstehe.


    Ich habe tatsächlich nochmal bei Sinar nachgelesen. Das Torkeln wird dabei so definiert:


    1. Die Basis wird horizontal geschwenkt, solwohl vorne als auch hinten. Alle drei Ebenen (Bild, Objektiv und Gegenstandsebene) sind nach wie vor parallel.

    2. Wenn nun vertikal geschwenkt wird, entsteht dabei eine Schnittgerade und kein Schnittpunkt, weil die Bildebene sich nur „einfach“ bewegt, sie torkelt nicht. Das liegt daran, dass der Drehpunkt für den vertikalen Schwenk oberhalb des Basisschwenks ist. Wenn das nicht der Fall wäre, würde die Ebene sich torkelnd wegbewegen und es entstünde ein Schnittpunkt der drei Ebenen..


    Das Grundproblem mit den ständig aus dem Fokus laufenden Schärfepunkten

    beim Schwenken hat dann auch Sinar mit der P und den asymmetrischen Schwenkachsen gelöst. Hat(te) Arca auch sowas?

  • Also, wenn TORKELN das einzige architekturfotografische Problem darstellt ...


    ... steht meiner erfolgreichen Karriere als Architekturfotogott ja nichts mehr im Wege, denn ich besitze mit der Linhof Kardan Master GTL AMS ja eine torkelfreie Kamera mit asymmetrischer Verstellbarkeit der vertikalen Schwenkachse hinten, Schärfentiefeindikator und Winkelmessskalen. Super. So einfach ist das. Na, dann leg ich mal los ...


    Ääääh, war da noch was?

  • Also, wenn TORKELN das einzige architekturfotografische Problem darstellt

    Naja, das ist jetzt ein Totschlagargument, natürlich gibt es noch viele andere Probleme (auch sonst auf der Welt). Er sagt nochmal explizit am Ende des Videos, dass bei einer nicht torkelfreien Kamera das Bild flächig nicht scharf zu stellen ist, was grundsätzlich falsch ist. Vermutlich meint er, dass diese Scharfstellung praktisch nur schwer zu erreichen ist - dem könnte man beipflichten. Da würde ich gerne nochmal in die Diskussion einsteigen, bzw. den Diskussionsaufruf von Diesch im Eingangsposting aufgreifen.


    Im Video von "derschrei" ist ja immer der doppelten Scheimpflug die Ausgangslage. Jetzt ist natürlich das Problem des doppelten Scheimpflugs (Schwenk in der horizontalen und vertikalen Achse) nicht das Grundproblem des Torkelns, bzw. das erschöpft sich nicht darin. Siehe die Definition von Sinar.


    Zudem könnte man auch noch praktisch hinterfragen warum er bei dem Beispiel doppelt schwenken möchte. Wenn es nur um das Geländer gegangen wäre, hätte er das ja sicher noch in den durch abblenden erweiterten Schärfebereich des Bodens mit reinbekommen.

  • das Video

    Durch Verschwenken und Neigen stellt man die Schärfenebene so ein, dass sie in der größten Ausdehnung verläuft. Senkrecht dazu muss die Blende für die benötigte Schärfe sorgen. Meine erste Idee wäre gewesen, die Achse Geländer-Fenster hinten als die größte Ausdehnung aufzufassen und dementsprechend das Objektiv seitlich zu schwenken. Mich wunderte auch, dass die beiden farbig gezeigten Achsenparallel verlaufen.

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