KI und Urheberrecht: Recherche nach eigenen Werken

  • Schutz der Nutzungsrechte mit verbundenem neu zu definierendem Institut ähnlich der GEMA für Musikrechte einsteht

    Es gibt doch die VG Bild-Kunst

    Ein Schutz des geistigen Eigentums vor widerrechtlicher Nutzung

    Was willst Du machen? Das geistige Eigentum am Bild bleibt ja bestehen. Die KI erstellt ja eben keine Collage sondern "schaut" sich Bilder an im Sinne einer Analyse/Inspiration und schafft daraus ein komplett neues Bild. Das machen 99% aller Fotografen ganz genau so.

    Es kann doch nicht sein, dass alle nur an die Dollar denken wenns um diese Technik geht.

    Wie will man das verhindern?

  • Es gibt doch die VG Bild-Kunst

    richtig, die Erkennung/Nutzung von KI müsste man aber technisch verbessern, automatisiert werden.

    Was willst Du machen? Das geistige Eigentum am Bild bleibt ja bestehen. Die KI erstellt ja eben keine Collage sondern "schaut" sich Bilder an im Sinne einer Analyse/Inspiration und schafft daraus ein komplett neues Bild. Das machen 99% aller Fotografen ganz genau so.

    richtig, das Recht an seiner orginäres Recht bleibt bestehen, wo kämen wir denn sonst hin.

    Die 'Inspiration'/Analyse' darf erst passieren, wenn die Nutzung geklärt ist. Die Veröffentlichung des neuen Produktes kann dann zB automatisiert mit dem Urheber automatisiert autorisiert werden.

    zB ein neues proofsicheres Wasserzeichen das von der VG Bild-Kunst oä herausgebracht wird.

    Dieses Wasserzeichen hat dann zB mehrere Sicherheits-features wie zB ein automatisches 'Vergiften' und Rückmeldung zur Folge. Eine Neues Prüfsiegel/Wasserzeichen im Header oä das Urheber schützt.

    Wie will man das verhindern?

    Kann/soll ja gar nicht, wenn ein Bedarf entsteht. Aber erst Schutz und Nutzungsrechtadressierung.

    denk einfach mal an die Millionen Musiker deren Musik einfach geklaut wird und ohne Einverständnis weiterbenutzt wird, da gibt es ja auch Mechanismen.

    Im Zuge der Monetarisierung zB über YouTube kann man beobachten, wohin heutzutage die Geldströme hingehn und wer quasi leer ausgeht..rate mal wer dsa meistens ist, hat natürlich auch mit der massiven Veränderung der Musikbranche/ Labels zu tun usw.

    Da hat man jetzt mehrere Jahrzehne draus gelernt.

    Jetzt kommt ne neue Digitaltechnik um die Ecke und auf einmal schaun alle nur noch zu, anstatt jetzt genauso konsequent, intelligent und fair das Gelernte darauf anzuwenden.

    bleibt gesund!

    Andreas

  • Stand jetzt sehe ich die Kunst durch KI nicht gefährdet. Im Gegenteil: Viele Künstler werden sich ihrer als ganz normales Werkzeug bedienen.

    Problematisch dürfte vielmehr sein, ob all die Menschen, die jetzt wie selbstverständlich davon ausgehen, dass das, was sie medial und social-medial präsentiert bekommen objektiv real war/ist, lernen und verstehen, dass diese Selbstverständlichkeit zunehmend hinterfragt werden muss. Wenn nicht dauerhaft gesichert ist, das KI dabei hilft, möglichst einfach und in Echtzeit herauszufinden zu können, was ein KI-Deepfake ist, wird es über kurz oder lang dazu führen, dass unsere jetzigen Kommunikationsmittel zur Meinungs- und Willensbildung - vor allem auch im vorpolitischen Raum - nutzlos werden.

    Es gibt keine Lösung, weil es kein Problem gibt.

  • Och, mach Dir um die Zukunft keine Sorgen. Belichte Film. Edelmetall überdauert den 3. Weltkrieg mit Anstand. Und Deine Bilder werden von etwas zeugen, was wirklich mal war. Der 30°C-Temperaturabfall durch das Versiegen des AMOC wird konservierend helfen. Sowieso wirst Du keinen PC mehr nutzen dürfen, wenn erst mal kleine grüne Männchen vor der Tür stehen

    Wenn schon jetzt so gut wie sicher ist, das grüne Männchen früher oder später vor der Tür stehen werden. Dann stellt sich auch die Frage warum diese Männchen in der Gegenwart Tag und Nacht provoziert und herausgefordert werden? Adrenalin Mangel?

  • denk einfach mal an die Millionen Musiker deren Musik einfach geklaut wird und ohne Einverständnis weiterbenutzt wird

    Mit diesem Argument hätte Brahms seine Haydn-Variationen nicht schreiben dürfen. Bach hätte Themen von Vivaldi nicht benutzen dürfen. Sollten wir nicht glücklich sein, dass Bach schon so lange tot ist, dass weder Jacques Loussier noch Wendy Carlos Urheberrechtsverletzungen begangen haben ... ?

    Al é bun sciöch' al é ...

  • Mit diesem Argument hätte Brahms seine Haydn-Variationen nicht schreiben dürfen. Bach hätte Themen von Vivaldi nicht benutzen dürfen. Sollten wir nicht glücklich sein, dass Bach schon so lange tot ist, dass weder Jacques Loussier noch Wendy Carlos Urheberrechtsverletzungen begangen haben ... ?

    In so einem Fall muß man sich auch fragen. Zum welchen Zweck? Wird die KI ein Geschenk für die Menschheit? Das glaube ich nicht. Oder ist es eine Vorarbeit für das spätere Monatliches/Tägliches oder Stündliches Abo?

    PS:

    Brahms, Haydn und alle andere hätten nur davon träumen können

  • Stand jetzt sehe ich die Kunst durch KI nicht gefährdet. Im Gegenteil: Viele Künstler werden sich ihrer als ganz normales Werkzeug bedienen.

    Problematisch dürfte vielmehr sein, ob all die Menschen, die jetzt wie selbstverständlich davon ausgehen, dass das, was sie medial und social-medial präsentiert bekommen objektiv real war/ist, lernen und verstehen, dass diese Selbstverständlichkeit zunehmend hinterfragt werden muss. Wenn nicht dauerhaft gesichert ist, das KI dabei hilft, möglichst einfach und in Echtzeit herauszufinden zu können, was ein KI-Deepfake ist, wird es über kurz oder lang dazu führen, dass unsere jetzigen Kommunikationsmittel zur Meinungs- und Willensbildung - vor allem auch im vorpolitischen Raum - nutzlos werden.

    Vielleicht bildet sich wie immer eine gesellschaftliche Teilung aus.

    Auf der einen Seite die der großen weiten Welt, die Cloudleute, Wolkenkuckucksheimer, die alle ihre Daten bei kommerziellen Dienstleistern auslagern, Medienabos und PayTV beziehen, vermeintliches Expertentum bezahlen, das ihnen alles mögliche irgendwie "zertifiziert".

    Auf der anderen Seite die Welt und die Gesellschaft der privaten Kontakte, in wirksamen Begegnungen im nichtdigitalen Umfeld, Leute, die sich "real" mit einem austauschen und Ideen teilen oder menschenwürdig miteinander diskutieren, und denen man daher auch ganz andere Dinge anvertraut als dem Netz.

    Auf die Bilder heruntergebrochen:

    Einerseits die Bilddatendusche, die flutsch von vorn aus dem Bildschirm auf die Sehzäpfchen prasselt, und von der das kategoriale Dafürhalten (Husserl) meint, dem sei nicht zu trauen, wie schön es auch aussehen mag.

    Andererseits die leibliche Erfahrung im Umgang mit Bildern auf physischem Bildträgern, Ikonen, Tafelbildern, zu denen man sich begibt, mit deren UrheberInnen man sich austauscht, über die man mit anderen spricht, deren Dafürhalten intersubjektiv geklärt werden kann/soll/darf, über die man das Prozessuale weiß, wie sie entstehen, und welchen Sinn ihnen die AutorInnen unterlegen möchten. Bilder mit einer viel ganzheitlicheren Teilhabe. Die natürlich auch mit KI oder Photoshop entstanden sein können, was aber einsichtig gemacht wird.

    Bei uns in Bern wollen sie jetzt Werbung im öffentlichen Raum verbieten.

    Finde ich gar nicht schlecht. Bedeutet: autonom sein, sehen können, was man sehen will. Bei der KI-Geschichte werden uns viel zu schnell irgendwelche Sachen vorgesetzt, die wir schauen sollen, aber nur ganz kurz, um ganz subito pronto irgendwas im anderen Kopf zu speichern und auf irgendeine Weise zu handeln. Meme, Narrative. Zack zack. So wächst die Wirtschaft.

    Die Selbstermächtigung des Subjektes dagegen: man entscheidet, was man sehen will. Und blendet anderes aus. Ich blende die ganze Sache eigentlich aus, auch wenn ich die ganze Zeit hier mitdiskutiere über KI.

    Grossformatfotografie hilft mir dabei. Heute habe ich endlich Schalenentwicklung von 13x18-Negativen OHNE jeglichen Kratzer hingekriegt, auf sechs Negativen! Hey, das war eine sehr intensive Zeit mit Bildern und deren Prozessen, ohne KI, deren Fixfertig! da keinerlei Rolle spielt.

    Ich denke, irgendwann sollten die Verantwortlichen Geld zahlen, dass ich mir ihre Sachen anschaue. Müssten die wirklich was abdrücken dafür, dass sie unsere visuelle Welt jetzt auch noch mit KI zumüllen, löste sich das Problem von selber. Man sollte sich an der Gesetzgebung für den Umweltschutz orientieren, wobei ich übrigens noch dafür plädiere, entgegen allen (Gross-)Bauernprotesten nur noch biologisch-nachhaltige Landwirtschaft zu subventionieren und tierquälende Grundwasservergifter mit ihren methanfurzenden Kühen und antibiotikadünnschissigen Schweinen endlich zur Hölle fahren zu lassen.

    Edited 2 times, last by aksak_maboul (February 17, 2024 at 5:57 PM).

  • Einerseits die Bilddatendusche, die flutsch von vorn aus dem Bildschirm auf die Sehzäpfchen prasselt, und von der das kategoriale Dafürhalten (Husserl) meint, dem sei nicht zu trauen, wie schön es auch aussehen mag.

    Gutes Stichwort:

    Wäre sicher unterhaltsam zu sehen, was diesen ganzen alten Schlachtrösser wie der Husserl oder eben auch Descartes, Leibniz, Spinoza, Kant, Hegel, Wittgenstein bis hin zu Merleau-Ponty, Barthes oder Foucault reagieren würden, wenn man ihnen diese Sora-Filme zeigte und ihnen erklärte, dass die in - gewisser Weise - ohne menschliches Zutun entstanden sind. Und trotzdem auf Hermeneutik basieren.

    Andererseits die leibliche Erfahrung im Umgang mit Bildern auf physischem Bildträgern, Ikonen, Tafelbildern, zu denen man sich begibt, mit deren UrheberInnen man sich austauscht, über die man mit anderen spricht, deren Dafürhalten intersubjektiv geklärt werden kann/soll/darf, über die man das Prozessuale weiß, wie sie entstehen, und welchen Sinn ihnen die AutorInnen unterlegen möchten. Bilder mit einer viel ganzheitlicheren Teilhabe. Die natürlich auch mit KI oder Photoshop entstanden sein können, was aber einsichtig gemacht wird.

    Wie "erfährt/erlebt" man denn - ich nenn das mal provokant: die bisherige - Leiblichkeit? Stecken dahinter letztlich nicht dieselben - in elektromagentische Impulse zerlegte - Daten, wie sie auch eine perfekte, KI-generierte und mittels Human Interface "ästhetisch" "erfahrbare" "künstliche" "Realität" benutzt (man landet immer wieder bei Signifikaten und Signifikanten, toll). Braucht unser Gehirn Merleau-Pontys "corps propre" überhaupt? Oder lässt sich Intersubjektivität, Performativität, Phänomenalität und damit letztlich eine Sinnhaftigkeit auch künstlich erzeugen, die für die meisten, die diese "erleben" so überzeugend ist, dass ihnen das "einsichtig machen" - ich interpretiere dich hier so: offenlegen der Genese - am Ende als überflüssig erscheint?

    Vielleicht müsen wir nicht nur KI entwickeln, sondern parallel dazu - besser noch ihr vorausgehend - eine Rückkehr des Misstrauens entwickeln, wie das Paul Ricoeur mit seiner "Hermeneutik des Verdachts" umschrieben hat.

    Ich könnt das aber auch abkürzen:

    Display Spoiler

    Willkommen in der Matrix

    :mrgreen:

    Bei uns in Bern wollen sie jetzt Werbung im öffentlichen Raum verbieten.

    Beneidenswert. Aber nicht auch illusorisch? Wie definieren die denn "Werbung"? Muss man seinen Mercedesstern abschrauben?

    Grossformatfotografie hilft mir dabei. Heute habe ich endlich Schalenentwicklung von 13x18-Negativen OHNE jeglichen Kratzer hingekriegt, auf sechs Negativen! Hey, das war eine sehr intensive Zeit mit Bildern und deren Prozessen, ohne KI, deren Fixfertig! da keinerlei Rolle spielt.

    Hast du die sechs Negative gleichzeitig in einer Schale entwickelt oder was war das Problem?

    Ich denke, irgendwann sollten die Verantwortlichen Geld zahlen, dass ich mir ihre Sachen anschaue. Müssten die wirklich was abdrücken dafür, dass sie unsere visuelle Welt jetzt auch noch mit KI zumüllen, löste sich das Problem von selber.

    Wer sind denn die "Verantwortlichen"? So wie es jetzt aussieht, sind das in gewisser Weise ja auch wir alle. Jedenfalls alle die, die digital aufbereiteten Content erzeugen und posten, hochladen, verbreiten. Egal ob Bilder, Videos, Töne. Mit unseren maschinenlesbar aufbereiteten Informationen wird KI ja erst möglich.

    Vielleicht wird irgendwann einmal nur noch Flüchtiges, Transitorisches, "Verderbliches" als "echt" angesehen werden?

    Es gibt keine Lösung, weil es kein Problem gibt.

  • Vielleicht wird irgendwann einmal nur noch Flüchtiges, Transitorisches, "Verderbliches" als "echt" angesehen werden?

    Dann ist das Kunstwerk aber kein Gut mehr, das Dauer hat.

    Zu Husserl und den andern:

    Husserl würde darauf verweisen, dass er von Anfang an die Frage nach der Realität des Wahrgenommenen ausklammert. "Wahrnehmen" ist erst in einem späteren Schritt "Für-Wahr-Nehmen". Für Husserl ging es eigentlich vor allem um Bewusstseinsphänomene, unabhängig von der Frage nach deren Grund außerhalb des Bewusstseins.

    Die Münchner Schule der Phänomenologie, ich kenne nur die Ästhetiker Moritz Geiger und Lorenz Dittmann, sowie Maurice Merleau-Ponty sehen das schon ein wenig realistischer in dem Sinne, als dass sie die Frage nach der Realität nicht ausklammern, sondern annehmen, dass die Wahrnehmungen durchaus vermittelt sind von Dingen außerhalb des Bewusstseins. Neukantianisch halt. Ich meine, es gab ja noch Schlick, Carnap, Neurath, also den Wiener Kreis, und lose verbandelt Karl Popper und Herrn Wittgenstein.

    Aber ich denke, beide Richtungen würden da eine prinzipielle Täuschung des "Vermeinens" stattfindet. Dass das, was wir den Bewusstseinsinhalten (Husserl) oder den Dingen (München, Wien) an Bedeutung unterlegen, etwas prinzipieller in Frage steht.

    Aber: Fälschungen, KI: das gab es ja damals schon. Die Sowjets retuschierten wie wild Fotos, je nachdem, wer gerade irgendwo erschossen wurde. Überall wurde fingiert und die Zeugenschaft des Bildes massiv hintergangen.

    Ein guter Film - ich mag Trintignant, Hackman und Nolte - ist "Under Fire". Nicht, weil Nolte da dauernd mit Nikons rumrennt, sondern weil er zeigt, wie einfach es ist, Fake News zu erzeugen und damit viral zu gehen. Der Film entstand ja nicht "aus dem Nichts", sondern thematisierte durchaus zeitgenössische Medialität - nehme ich mal an, ohne konkrete Beweise zu haben (sonst wäre er ja unplausibel).

    Was brauche ich überhaupt KI, wenn es ausreicht, vor einem Gremium ein paar Tränen abzudrücken ...

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    Die Rückkehr des Misstrauens? Ja klar, das war aber nie weg.

    Wo Du Ricoeur erwähnst: Mimesis, in "Zeit und Erzählung", 1. Band, ganz am Anfang: Nachahmung ist nicht nur die Kopie einer Vorlage, sondern auch der gedankliche Nachvollzug dessen, was man sieht (mimesis I), sodann das Produkt, das da vor einem liegt, als physischer Gegenstand (mimesis II), und außerdem auch der Nachvollzug in Gedanken desjenigen, für den die Nachahmung gedacht ist (mimesis III).

    Ich versuch's mal durchzudeklinieren: da geht einer hin und macht Bilder im Stile Ansel Adams'. Das wäre einerseits Kopistentum, der "Künstler" wäre die Copycat. Er lässt sich einen Bauch wachsen, einen Bart, kauft sich einen Cowboyhut, hat ne Hornbrille und lässt sich die Nase krümmen. Hosenträger! Zuhause macht er in der Dunkelkammer rum, spielt zwischendurch klassische Musik, fabriziert schichtenweise aufgebaute SW-Bilder mit expressivem Formenspiel innerhalb eines wohltemperierten tonalen Spektrums. Dazu benutzt er das Zonenssystem, entwickelt GF-Negative, schleppt ne GF-Kamera rum, sondert sich ein wenig von der Nachbarschaft ab, die seinen "darkroom" für eine Swinger-Porno-Zentrale halten und sich denken, wo kriegt dieser bärtige Gnom mit dem Riesenhut die ganzen Frauen her? Und dann terrorisiert er noch seine Mitwelt mit archivfest gewässerten Prints, heißaufgezogen in der Seal und hinter selbst geschnittenem Passepartout, signiert, das teuerste Halbeglas. In (eigentlich nur angedachten) Ausstellungen. Drunter geht es nicht.

    Sehen wir mal davon ab, dass das jetzt ein wenig nach mir klingt ... Aber "legitime Nachahmung" ist da mehr als einfach nur "Bilder machen im Stil von". Nachahmung ist ein Lebensmodus, die Art und Weise, wie man mit der Umwelt interagiert - und auf diese Weise - vielleicht - neue künstlerische Strukturen entwickelt. - So, wie wenn einer zum hunderttausendsten Male "Autumn Leaves" interpretiert.

    Jemand, der seine Bilder mit KI machen lässt, muss nicht per se schlechte Sachen erzeugen. Aber er wird selten einen Cowboyhut oder eine Hornbrille tragen, weil er nicht bei Wind und Wetter draußen ist. Er hat keine Dunkelkammer, also auch eher selten gammelige, fleckige Klamotten, mit denen er sich von den shiny people im Quartier absondert, er spielt kein klassisches Instrument, weil Üben im Zeitalter dier Instantproduktion sinnlos scheint, formexpressive SW-Bilder interessieren ihn nicht, weil KI ja atemberaubende Möglichkeiten im Vorspielen, Vortäuschen hat, also in der Betonung des Gewohnt-Gewöhnlichen, das auch bitte so aussehen soll. Er schleppt keine GF-Kamera rum, entwickelt auch nicht unbedingt GF-Negative, und was soll er mit einem Printwascher, einer Heißklebepresse oder einem Passepartoutschneider: die KI-Bilder werden vom Dienstleister kostengünstig auf Aludibond gezogen und das wird nach Hause geliefert. Ausstellungen? Fehlanzeige. Viel effektiver sind Webshops mit Beispielbildern, wie der Print über der Couch aussieht. - Ok, wenn er dabei neue künstlerische Strukturen entwickelt, wenn er neue Aussagen trifft, die immer noch oder aufs Neue irgendeine Gültigkeit haben, dann dürfte auch KI dazu geeignet sein, echte Kunstwerke zu erzeugen. Irgendwann gibt es dann vielleicht doch noch eine Retrospektive mit Häppchen und Weißwein? Eher nicht.

    Das wäre jetzt die Antwort, wie man die bisherige und die neue Leiblichkeit erfährt, am Beispiel der Ricoeurschen Nachahmung.

    Zum Werbeverbot in Bern:

    Keine Reklamen im Aussenraum - Werbeverbot: Grenoble macht's vor, Bern will nachziehen
    Der Berner Stadtrat will Werbeplakate verbieten. Was bringt das? Die französische Stadt Grenoble hat Erfahrung damit.
    www.srf.ch

    Zur Schalenentwicklung:

    Das Problem waren zuallererst Strömungsstreifen in den Filmhängern, wegen der Löcher. Vermutlich zu enger Tank, mit zu schneller Bewegung.

    Daher Schalenentwicklung, ohne Hänger, sechs Negative aufs Mal. Da aber Kratzer auf der Filmschicht, von den Ecken der Negative, die die Schicht des darunterliegenden Negativs zerkratzten.

    Also nochmal Literatur durchgehen. Und siehe da, Unterschiede in den Methoden gefunden. Jost Marchesi meint, Schicht nach oben und dann von unten nach oben durchblättern. Wie ich es tat, und was Kratzer verursachte. Andere Autoren machen das auch so. Es gibt welche, die biegen den Stapel vom untersten Negativ weg. Finde ich nicht gut, weil im Stapel, der sich biegt, alle Negative gleichzeitig verkratzt werden können.

    Einer aber macht es anders: John Schaefer legt die Negative mit der Schicht nach unten in die Schale. So kann eine Ecke nicht die Schicht verkratzen, sondern allenfalls die Rückseite des Films. Wenn die Schale eng genug ist, also 13x18 für 13x18, und nicht etwa 18x24, in der man die 13x18-Negative suchen geht, irren da auch gar keine Ecken in der Gegend rum, auf der Suche nach unverkratzten Schichten. Ich bin mir sicher: die Leute, die schreiben, man sollte die Schale immer eine Nummer größer wählen als das Filmformat, die haben Kratzer im Negativ.

    Aber verkratzt die Schicht nicht dadurch, dass sie den Schalenboden berührt? Nein, denn erstens ist die Patersonschale unten geriffelt, und zweitens mache ich ganze 1,5 l Arbeitslösung in die 13x18-Schale, fast randvoll, und das macht, dass der ganze Stapel schwimmt. Und weil er schwimmt, bewegt er sich beim Herausziehen des untersten Blattes etwa einen halben Zentimeter von diesem Blatt weg, zumal noch Lösung über dem herausgezogenen Blatt ist, auf der der Stapel dann weggleiten kann.

    Hätte nicht gedacht, dass es so einfach ist. Ich habe sogar zwei Bilder N-2 entwickelt, während der Rest N war. Ich markierte die zwei Blätter, indem ich sie um 180° drehte, so dass die Kerbe nicht rechts oben, sondern links unten lag. Genial einfach.

    Sogar das Herausziehen geht einfacher, man greift eh nur den Rand. Und das Niederdrücken der Blätter im Entwickler erfolgt jetzt auf der Filmrückseite, nicht auf der Schichtseite. Alles mit einer Hand. Ohne großen Dosen- und Spiralenaufwand, sehr straight, zackig.

    Wässerung und Trocknung erfolgten dann in den gewohnten Filmhängern.

    Edited once, last by aksak_maboul (February 18, 2024 at 8:11 AM).

  • Einer aber macht es anders: John Schaefer legt die Negative mit der Schicht nach unten in die Schale.

    So habe ich es von einem alten Photoexperten vor vielen Jahrzehnten gelernt: Meine (damals!) Silbereosinplatten auf die Schichtseite in die Schale legen, bei Rotlicht (möglich wg Ortho) entwickeln, bis die ersten Konturen von der nun oben liegenden Rückseite zu sehen sind. Fixieren. Wässern. Fertig.

    Al é bun sciöch' al é ...

  • Lichtbildner und aksak_maboul

    Euren Ausführungen folge ich mit grossem Interesse. An der Diskussion teilnehmen kann ich nicht. Ich verstehe nicht alles und müsste wohl die von Euch zitierten Autoren lesen. Auch dann würde ich nicht alles verstehen und könnte kaum etwas zu der Diskussion beitragen.

    Aber mitlesen tue ich und Gedanken dazu mache ich mir auch.

    Freundliche Grüsse, stephan

  • Die Sache mit der Wahrheit ist interessant, wenn es um Handelnde und um Handlung geht. Auch von dem Thema betroffen ist die Dokumentation.

    Aber wenn ich die Kamera ins Gebüsch halte, um ein Bild zu machen, dann gestalte ich den Ausschnitt und später die Helligkeitsverteilung nach meinem Gutdünken und eventuell spiegele ich das Bild sogar, um die Linienführung unserer Sehgewohnheit gemäß zu verbessern.

    Und wenn ich für meine Bildidee nicht das richtige Gebüsch finde, dann lasse ich das Bild von der KI erzeugen. Wahrheit ist da völlig uninteressant.

    Ansonsten sollte der Begriff "Wahrheit" erst einmal näher beleuchtet werden. Und auf der Suche nach der "wahren Welt" sind die Philosophen längst vom CERN abgelöst worden.

  • Wenn ein Baby auf die Welt kommt und in seinem Bett vorbildlich auf dem Rücken liegt, sieht es - nichts. Nur eine weiße Zimmerdecke.

    Natürlich weiß es nicht, dass das eine Zimmerdecke ist. Auch nicht, dass die weiß ist. Solche Bedeutungen wie "weiß" oder "oberer Raumabschluss" sind den Anschauungen nicht angeboren. Vielmehr lernen wir im laufe der Kindheit, was "weiß" ist und was eine "Zimmerdecke" ist. Ich meine, so lange der wurm nicht auf den Bauch rollt, weiß er ja noch nicht einmal, dass er auf dem Rücken liegt, oder?

    Wir handeln dann so, als sei das eine weiße Zimmerdecke, wenn wir im zarten Alter von sechs Farbpulver und Dispersionsfarben an die Decke schleudern.

    Dass der wütende Papa mit uns zuerst Schimpfis und nachher noch ein Beweisfoto macht und uns dann immer wieder rückblickend und lachend erzählt, was für einen Seich wir fabrizierten: das bestätigt uns darin, dass das "wirklich" eine weiße Zimmerdecke ist.

    Wir unterlegen den Dingen eine Bedeutung, und diese Bedeutung wird dann bestätigt, dann ist es wahr oder echt oder gegeben, die Vermutung erfüllt sich - oder sie wird enttäuscht, sie kollidiert mit dem Gegebenen, etwas ist falsch, unsere Vermutung bleibt unbestätigt.

    Wahrzunehmen, etwas für wahr nehmen, darin üben wir uns seit der Geburt, vielleicht ja schon davor, warum eigentlich nicht? So ein Fötus weiß ja nicht, dass das die Mama ist, die mit ihm spricht, oder gegen die er von innen anstrampelt. Aber er wird lernen, dass, wenn er strampelt, es warm wird und still (weil die Mama die Hand auf den Bauch legt). Und wenn er dann rauskommt, schreit und strampelt er, damit es ihm wieder warm wird und jemand die Hand auf ihn legt. Da hat er was gelernt, das ist sein - sinnliches - Für-Wahr-Nehmen.

  • Genau,

    du nimmst das Bild wahr - das macht keine Aussage über den Wahrheitsgehalt des Abgebildeten. Die Nörgelei über KI geht bei einem Foto davon aus, es sei ein Repräsentant einer Wahrheit, anstelle von der Wahrnehmung "aha ein Bild". Ich will zunächst zwischen einem Mondrian und meinem Kürbis keinen substantiellen Unterschied machen. In beiden Fällen führte die detailliert ausgeführte Bildidee zu einem Bild.

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