• Ich habe einen 120er Ilford hp5+ in der Jobodose nach dem Rezept von Stefan Heymann (Enwickungszeiten, ganz unten) entwickelt. Das Resultat - übrigens reproduzierbar - ist ein netter heller Streifen am Negativrand. Die Jobospiralen scheinen sich nicht gut mit dieser Quasistandentwicklung zu vertragen.

    Vielleicht haben auch andere diesen Effekt schon mal erlebt? Im Forum habe ich nur wenige unspezifische Hinweise gefunden.

    Al é bun sciöch' al é ...

  • Die Jobospiralen scheinen sich nicht gut mit dieser Quasistandentwicklung zu vertragen.

    Du meinst, die eine Spiralenseite verhaut Dir die Entwicklung dermaßen, aber die andere überhaupt nicht? ;)

    Abgesehen davon, daß Standentwicklung nun wirklich in den Bereich der Esoterik gehört, deutet das eher auf zu wenig Chemie in der Dose hin.

    Obwohl das auch nicht unbedingt die durchaus gut entwickelte äußerste Filmkante erklärt. Außer, daß da ev. noch genug Entwickler hängenbleibt...

    Alles Spekulation.

    Aber durch die "Quasi-Standentwicklung" wird die Dose immerhin wenigstens so oft bewegt, daß es keine Bromidabläufe gibt.

  • Das habe ich früher auch öfters gemacht, aber nach 1/3 und 2/3 der Zeit nochmals gekippt. Ich hatte nie Probleme mit dem Verfahren bei gleichem Film aber mit Rodinal. Wenn schon Esoterik, dann meinen einige Gläubige, dass Edelstahl-Spiralen dafür besser geeignet sind. Je nun, könnte stimmen. ;)

    Gut Licht!

    Frank

  • Gerade von einem Vortrag zurück. Das hat den Vorteil, dass ich jetzt alle Fragen in einem Rutsch beantworten kann.

    schade ums Bild...

    Das ist nicht so schlimm. Das Motiv ist bei mir um die Ecke, es läuft nicht weg, also problemlos wiederholbar. Den Film hatte ich auch bewusst zum Testen verwendet. Der miese Effekt hat allerdings zweieinhalb Filme meines reanalogisierten Bruders versaut. Auch nicht tragisch, aus ähnlichen Gründen .... aber ich musste Ursachenforschung betreiben.

    Du meinst, die eine Spiralenseite verhaut Dir die Entwicklung dermaßen, aber die andere überhaupt nicht?

    Yo.

    Und ja, Standentwicklung ist mir zutiefst suspekt. Das Heymannrezept sieht in der ersten Minute kontinuierliche Agitation vor, nach der vierten Minute dreimal Kipp. Das hielt ich für akzeptabel. In den korrekt entwickelten Partien ist das Resultat ja auch völlig ok.

    Sag mal im wecher Dose und mit wie viel Entwickler.

    Dose 2521 mit 960ml. Das reicht. Kann man auch daran sehen, dass "oberhalb" des Streifens, also bei diesem Bild am rechten Rand, die Entwicklung ganz normal ist.

    Ist ein Lichteinfall am Rande des Schutzpapieres möglich?

    Nein. Das war zwar auch mein erster Gedanke. Aber Lichteinfall hätte im Positiv einen hellen Streifen produziert. Trotzdem hatte ich die Kamera im Verdacht; irgendwelche Teile, die den Lichteinfall stören. Ich habe aber hier zum Test eine Rollfilmkassette an meiner Reiseplaubel benutzt (der einzige geänderte Parameter). Die Entwicklung wie gehabt, und siehe da, der reproduzierbare Streifen. Das hat mir zwar nicht gefallen, aber es hat mich beruhigt. Dann werden Rollfilme eben wieder nach alter Väter und Mütter Sitte mit konventionellem Kipprhythmus entwickelt. Das hat schließlich bei meinen früheren Filmen perfekt funktioniert.

    Never change a running system! Oder: Keine Experimente.

    Das habe ich früher auch öfters gemacht, aber nach 1/3 und 2/3 der Zeit nochmals gekippt.

    Siehe Heymann. Es ist keine reine Standentwicklung.

    Wenn schon Esoterik, dann meinen einige Gläubige, dass Edelstahl-Spiralen dafür besser geeignet sind.

    Die müssen dann aber von Jungfrauen bei Vollmond gefertigt werden, mit magischen Werkzeugen. ;)

    Nun denn. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Die nächsten Filme werden selbstverständlich wieder perfekt! 8)

    Al é bun sciöch' al é ...

  • Schlitzverschluss wäre auch eine mögliche Fehlerquelle. Aber: Dieser Fehler trat bei zwei verschiedenen Kameras auf. Die brüderliche Kamera mit Schlitzverschluss, meine Reiseplaubel für den Testfilm mit Zentralverschluss.

    Btw, "Reiseplaubel" meint meine gebastelte "hpeco/suprawide", die ich wegen ihrer Kompaktheit gegenüber der Profia im Urlaub als leichtes Gepäck bevorzuge.

    Al é bun sciöch' al é ...

  • ich habe einiges mit Standentwicklung gemacht. Probleme gab es nur bei Kleinbild, da bildet sich die Perforation deutlich ab.

    Hier 4x5,    mit Fomapan 100, SPUR Acurol-N, 1:200, stand development 2h

    und hier 6x12, mit Rollei Infrared 400, stand development Spur Acurol-N, 1:200, 2 h

    Man muss dabei auf eine Mindestmenge an Entwickler achten, hatte ich gelesen.

    VG Dierk

    PS: nach je 30 Min. einmal kurz bewegt

  • Wenn es verschiedene Kameras sind, ist es die Entwicklung, nicht der Schlitzverschluss - bei altersschwachen Schlitzverschlüssen ist manchmal eine Feder träge usw dann wird es unregelmäßig. Ich hatte mal eine wundervolle Norita, aber die war dann irreparabel ...

    Aber die Entwicklung geht über den ganzen Film. Daher wäre es jetzt wichtig, zu wissen, ob zwischen den Bildern, auf den Stegen, auch solche Streifen auftauchen und ob diese Streifen im Negativ über die ganze Filmbreite gehen, vom ersten bis zum letzten Bild. Da es dunkle Streifen sind, heißt das, das Negativ wurde dort nicht genug entwickelt. Auf den Filmstegen oder den Blankstellen müsste vielleicht der Grundschleier daher geringfügig dünner ausfallen, was mit einem Spotmeter oder einem Densi ausmessbar wäre, weiss nicht.

    Was ich bei den Jobodosen beobachtet habe: die sind oben ganz knapp dimensioniert. Die Dose für 2 Spiralen à 6 Blatt 4x5 ist so knapp, dass mir bei der Kippentwicklung manchmal der Deckel abgeht. Wenn ich die aufmache, sehe ich, dass die Spiralen bündig mit der Dosenoberkannte abschließen. Wenn ich da Flüssigkeit nach Herstellerspezifikation eingieße, habe ich oben nicht alles entwickelt oder fixiert. Das passierte mir am Wochenende gerade wieder. Ich finde diese Dosen gräßlich, zumal sie die teuersten auf dem Markt sind.

    Ich vermute, Jobo hat diese Dosen nur für die Rotation konzipiert. Das Dumme ist nur: weil die so schnell und leicht aufgehen, würde ich die erst recht nicht in der Rotation einsetzen. Vielleicht haben sie ja auch einfach nur am Plastik gespart und würden in Konkurs gehen, wären der Dosenrand 1 cm höher als die Spiralenoberseite. - Dagegen die älteren Paterson: da wird der Deckel einfach aufgeschraubt, fertig. Und das neuere System ist auch stabil. Und nach oben hat es mehrere Zentimeter Platz.

  • Danke für die vielen aufschlussreichen Anmerkungen!

    Ich bin sicher (werde ich noch bestätigen, nach dem nächsten Film), dass ich diesen speziellen Fehler in meinem Fall dingfest gemacht habe. Vermutlich vertragen sich Jobodosen/-spiralen nicht so richtig mit wenig Agitation. Für mich (sic!) sind die Konsequenzen jedenfalls klar ...

    Daher wäre es jetzt wichtig, zu wissen, ob zwischen den Bildern, auf den Stegen, auch solche Streifen auftauchen und ob diese Streifen im Negativ über die ganze Filmbreite gehen, vom ersten bis zum letzten Bild. Da es dunkle Streifen sind, heißt das, das Negativ wurde dort nicht genug entwickelt.

    Dieses Wissen kann ich nachliefern. Die Streifen gehen über die gesamte Filmlänge, die Breite der Streifen ändert sich fast periodisch, ziemlich genau passend zu den "Filmeinspulhilfsvertiefungen" der Spiralen. Weil das so ist, hatte ich beim ersten Film schon vermutet, ich hätte ihn versehentlich mit der Schichtseite nach außen eingespult. Unwahrscheinlich, aber möglich, und durch die folgenden Entwicklungen ausgeschlossen.

    Ich vermute, Jobo hat diese Dosen nur für die Rotation konzipiert.

    Kann sein. Zumindest hat Jobo bei den ganz alten Dosen, den mit dem "Rührgriff", ständige Bewegung empfohlen. Das ist allerdings mindestens 60 Jahre her.

    Das Dumme ist nur: weil die so schnell und leicht aufgehen, würde ich die erst recht nicht in der Rotation einsetzen.

    Ich finde nicht, dass die leicht aufgehen. Und wenn sie das täten, widerspräche es der Annahme, dass sie für die Rotation gemacht sein könnten. Beim Kippen würden die Dosen noch leichter aufgehen. Vielleicht sind es gar keine Entwicklungsdosen? :lol:

    Vielleicht haben sie ja auch einfach nur am Plastik gespart und würden in Konkurs gehen, wären der Dosenrand 1 cm höher als die Spiralenoberseite.

    Sehr witzig. Angesichts des durchaus gehobenen Preisniveaus und des propagierten Qualitätsanspruchs eher unwahrscheinlich.

    Dagegen die älteren Paterson: da wird der Deckel einfach aufgeschraubt, fertig.

    Das war bei den alten Jobodosen auch der Fall, siehe oben. Ich halte die aktuelle Verschlusstechnik nicht für so sehr schlecht. Meine Meinung. Im Übrigen werden Dichtungen beim Anschrauben stärker beansprucht als bei einer Steck-/Klemmverbindung.

    Salvatorische Klausel: Ich werde nicht von Jobo bezahlt. Die Dosen und Trommeln finde ich gut. Da sind die Preise auch noch akzeptabel. Die Prozessoren dagegen ... da bin ich sehr froh, dass ich meine defekte CPA mittels eines neuen Netzteils und eines Arduino reanimieren konnte, ohne große Elektronikkenntnisse. Neukauf ist für mich definitiv ausgeschlossen.

    Al é bun sciöch' al é ...

  • Ich finde nicht, dass die leicht aufgehen. Und wenn sie das täten, widerspräche es der Annahme, dass sie für die Rotation gemacht sein könnten. Beim Kippen würden die Dosen noch leichter aufgehen. Vielleicht sind es gar keine Entwicklungsdosen? :lol:

    Lach nicht! Der Händler, der mir die Dose angedreht hat, ist der, der mir auch Adonal schickte statt Rodinal. Würde mich nicht wundern, wenn der die Jobodose in China bestellt hätte. Aber ich mache da keine Jobologie.

  • Update. Film nach der bewährten Agfa-Methode entwickelt (Dose und Spirale nicht geändert) - keinerlei Streifen oder sonstige Fehler. Fazit: Die von Stefan Heymann empfohlene Quasistandentwicklung ist zumindest mit den Jobo-Spiralen nicht kompatibel.

    Al é bun sciöch' al é ...

  • Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Was will man hier standentwickeln

    Äpfel und Birnen - beides Kernobst. Das Multitankbild ist ganz sicher vollkommen korrekt, hat aber mit meiner (!) Situation nicht das geringste zu tun. Wer sich das entwicklungsgeschädigte Bild ansieht, wird gewiss entdecken, dass der "Schaden" zwar in Randnähe ist, aber keineswegs bis zum Rand durchgeht, was der Fall wäre, wenn die Füllmenge nicht ausreicht. Also noch mal: Ich habe den Fehler definitiv an der Spiralengeometrie verorten können!

    Das Bild mit der Patersondose ist die Antwort auf eine nicht gestellte Frage.

    Und zur Sicherheit wie zum Verständnis noch ein kleines Belegbild meiner Dosensituation; da ist wohl genug Raum oberhalb der Spirale, sogar für Hardcorestandentwickler.

    Al é bun sciöch' al é ...

  • Also, ich versuch's mal so, ohne Äpfel-Birnen-Vergleich.

    -- Du zeigst Deine Dose. Da sieht man über dem Filmeinsatz noch einen Haufen Platz. Super. Da passt es also mit der Standentwicklung.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Streifen von der Spiralengeometrie kommt. Denn bei korrekter Füllmenge ist die Spirale gänzlich von Flüssigkeit umgeben. In Flüssigkeiten gilt die Annahme der Brownschen Molekularbewegung, sowohl für den Negativbereich mit Streifen, als auch für den ohne Streifen. Es kann aufgrund dieser Brownschen Bewegung gar nicht zu so einem Streifen kommen, es sei denn, es gab dort einfach keine Flüssigkeit.

    Der helle schmale Streifen am Rand? Klar: in dem dunklen Streifen gab es nicht ausreichend Entwickler - oben am Rand aber blieben aufgrund der Adhäsion von Flüssigkeiten Depots, in denen die Entwicklung "regulär" erfolgte. Weiss gar nicht: nennt man das "Kapillarität"? Ich vermute, diese Depots entstanden, als die Dose anfangs mehrfach gekippt wurde: "Heymannrezept sieht in der ersten Minute kontinuierliche Agitation vor, nach der vierten Minute dreimal Kipp", wie Du schreibst.

    Ich gehe also davon aus, dass zu wenig Entwickler in der Dose war. Ich würde die Dose mit der Spirale komplett mit Wasser füllen und das dann in einen Messzylinder gießen. Das wäre dann das richtige Arbeitsvolumen. Mir ist aufgefallen, dass die Joboangaben eh sparsam gehalten sind.

    Dass es bei regulärem Kipp gut klappt, scheint mir einleuchtend: der Entwickler kommt überall regelmäßig hin und wird rechtzeitig ausgetauscht, und überdies hat es wegen des geringen Volumens an Entwicklerflüssigkeit ordentliche Wirbel in der Dose.

    Ich behaupte übrigens keineswegs, dass Du nicht weißt, was Du tust. Es kann durchaus sein, dass Du die richtige Menge Saft eingefüllt hast. Nur: wenn man die Dose dann kippt, kann es sein, dass die Spirale am Spulenkern hochrutscht - und oben bleibt ...

  • Viele Hypothesen. Ist alles ok. Ich mache sowieso keine Standentwicklung. Das Heymannrezept habe ich genommen, weil es auf der HC-110-Seite stand und genau passend zur Situation erschien. Die Nutzung dieser Vorgehensweise war eben ein Ausrutscher! Mit den Angaben von Massive Dev sind die Ergebnisse perfekt. Und nein, ich bin absolut nicht vergrätzt. Wie gesagt, Heymann und Jobo sind offensichtlich keine Freunde. Macht mir nix, weil ich mit meinen sonst gebräuchlichen Standardverfahren stets die gewünschten Ergebnisse erhalten habe. Für mich: Ende gut, alles gut.

    Al é bun sciöch' al é ...

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