Voigtländer Portrait Objektiv 40cm Informationen gesucht

  • Hallo in die fröhliche Runde.

    Mal wieder bin ich auf der Suche nach Informationen zu einem Objektiv, dieses Mal ein echter Exot.

    Es geht um ein Voigtländer Portrait Objektiv I 40cm von 1906

    So eines wie in diesem Angebot: https://www.ebay.de/itm/266625572553

    Es lassen sich keine wirklichen Informationen dazu finden. Was ich weiß ist das es kein Euryscope ist, es scheint eher ein Petzval Objektiv zu sein.

    Im Katalog von 1906 taucht es seltsamer Weise nicht auf, da finden sich nur noch die Aplanat Objektive.

    Vielleicht hat jemand noch einen älteren Katalog von Voigtländer herumliegen in dem etwas das steht.

    Mich würde interessieren ob es ein voll korrigiertes Petzval Objektiv ist oder her doch eins das auf Weichzeichner gemacht wurde. Die tatsächliche Lichtstärke und der max. Bildkreis.

  • Es ist dieses hier, Serie I, 40cm f/3.2

    Lt. Lens Makers Vademecum soll es 28° Bildwinkel haben.

    Vom Vorbesitzer weiß ich das es bis etwa in die 1930er Jahre im Familien Atelier an einer 18x24 cm Atelier Kamera im Einsatz war und wurde dann durch ein 360mm Heliar ersetzt.

    Wenn es 28° Bildwinkel hat entspricht das etwa einem 90mm Objektiv in KB.

    400mm sind um die 55-60mm auf KB Format ungerechnet.

    Der schmale Bildwinkel wird aber wohl reichen für Porträts und Halbporträts. Dieser Bildwinkel ist der den das Objektiv scharf auszeichnet, denke ich. Der ausgeleuchtete Winkel wird um einiges größer sein.

    Jetzt muss mir nur noch etwas einfallen an welche Kamera ich das "Monster" setze. An meiner 8x10" Sinar Norma sieht es etwas überdimensioniert aus.

    Mal schauen, vielleicht gegen was anderes tauschen.

  • Oh!

    Du bist fündig geworden. Sehr gut.

    Eben erst von der Arbeit nachhause gekommen, habe ich sogleich das:

    Fabrikationsbuch

    Photooptik

    Voigtländer von:

    Hartmut Thiele

    Privatdruck München 2022

    4. Auflage

    zur Hand genommen und nachgeschaut.

    Das verlinkte Objektiv mit der Seriennummer 81874 wurde am 2.8.1905 im Fertigungsbuch festgehalten. Es wurden zu dieser Zeit insgesamgt 6 Stück mit der Brennweite von 40 cm und einer Öffnung von 1:3.2 hergestellt. Die Seriennummern gehen von 81871 bis 81876. Weitere Angaben sind in dem Buch leider nicht aufgeführt.

    Freundliche Grüsse, stephan

  • Hallo Stephan,

    vielen Dank für die weiterführenden Infos, mein Objektiv hat eine andere Seriennummer: 84614

    Also etwas später gebaut.

    Kann mir nicht vorstellen das davon viele hergestellt wurden.

    Es ist schon Gewöhnung bedürftig ein 400mm mit f/3.2 zu verwenden, ist sicher was für die lichthungernden Wetplater.

    Der Schärfebereich wird wohl nur ein paar Millimeter sein.

    Zum Glück sind bei meinem Objektiv mehrere Steckblenden dabei.

    Aber wie ich bereits rhetorisch gefragt habe, was macht man damit? Soll ich jetzt mit Wetplates anfangen?

  • Gemäss meinem Buch wurden vom Porträtobjektiv I mit der Brennweite 40cm 1:3.2 am 3.4.1906 weitere 6 Stück gefertigt. Die Seriennummern sind 84611 bis 84616.

    Aber wie ich bereits rhetorisch gefragt habe, was macht man damit? Soll ich jetzt mit Wetplates anfangen?

    Porträts fotografieren, so wie es der Name des Objektivs sagt.

    Wenn ich so ein Objektiv hätte und es irgendwie an die Sinar adaptieren könnte, würde ich das so machen. Mit mehreren Steckblenden, meistens fehlen die bei solchen Objektiven, kann man doch wunderbar ausprobieren, wie es wirkt und sicherlich ganz interessante Porträts kreieren. Auch auf "normalen" Film.

  • Gemäss meinem Buch wurden vom Porträtobjektiv I mit der Brennweite 40cm 1:3.2 am 3.4.1906 weitere 6 Stück gefertigt. Die Seriennummern sind 84611 bis 84616.

    Porträts fotografieren, so wie es der Name des Objektivs sagt.

    Wenn ich so ein Objektiv hätte und es irgendwie an die Sinar adaptieren könnte, würde ich das so machen. Mit mehreren Steckblenden, meistens fehlen die bei solchen Objektiven, kann man doch wunderbar ausprobieren, wie es wirkt und sicherlich ganz interessante Porträts kreieren. Auch auf "normalen" Film.

    Ich habe mir überlegt das Objektiv vorne mit einer zweiten Standarte abzufangen. Es würde sonst die Klemmung der Sinar überlasten.

    Als Verschluss habe ich an einen Guillotine Verschluss gedacht. Ich müsste noch dünnes Titanblech haben dafür. Das sollte gehen.

  • Bei solch grossen, ausladenden Objektiven ist eine Abstützung sicher sinnvoll.

    Mein Busch Perscheid mit der Brennweite 42cm vermag die Klemmung für die Objektivplatine an der Sinar noch halten, ohne dass ich mir Sorgen machen muss.

    Ich verwende den Sinar Hinterlinsenverschluss. Leider ist dessen lichter Durchmesser nur ca. 75mm. So wird viel von der grossen Linse beschnitten. Im Format 8x10" gibt es sogar Vignettierung in den Ecken.

  • Das Problem bei dem Voigtländer ist die Länge, mit Sonnenblende ist es ca. 30cm lang. Dann das Gewicht von fast 5kg dazu.

    Irgendwie passt das vom Verhältnis nicht mehr zu einer Sinar.

    Ursprünglich saß die Optik mal in einer Globus Atelierkamera. Dessen Frontstandarte hätte zur Not auch ein massiven Stahlstab mit den Abmessungen gehalten.

    Weil es solche Objektive gab wurden auch die entsprechenden Kameras dafür hergestellt.

  • In den alten Büchern sind die Kameras bis 18x24 cm oftmals als Kleinkameras, oder Kameras für kleinere Formate bezeichnet.

    Das waren noch Zeiten.

    Ich kenne die Kamera in dem das Voigtländer montiert war, das Ding hat mehr als 15kg gewogen und war auf einem Gabelstativ montiert.

    Ich habe auch noch zwei Fotos die damit gemacht wurden.

    Interessant ist das die meisten dieser Abzüge Verkleinerungen waren, kaum 7x9cm gross.

    Das muss damals alles deutlich teurer gewesen sein als Heute.

  • Grad letzte Woche gefunden, von Walter Hege im März 1950 in der Zeitschrift "Die Fotografie", passt hier ganz gut:

    Die Liebe zur langen Brennweite verdanke ich außer eigener Beobachtung meinem verehrten, kürzlich verstorbenen Lehrmeister Hugo Erfurth.

    Als ich 1920. zu ihm in die Lehre kam, imponierte mir die große Atelierkamera mit einem Petzval-Objektiv von etwa 60·cm Brennweite. Damit wurden auf 18 x 24 - Platten große Köpfe aufgenommen, die selbst bei flachem Tagesvorderlicht erstaunliche Plastik in der Kopie zeigten.
    Wenn auch, da nie sehr weit abgeblendet wurde, die Ohren meist in Unschärfe lagen, so war der Teil des Gesichtes, der im Schärfebereich lag, ungewöhnlich scharf gezeichnet.

    Diese Eigenschaft der Porträtinstrumente wurde mir 1924 zum großen Nutzen, als ich meine ersten Versuche im Naumburger Dom nach den steinernen Skulpturen machte. Mit einem Euriskop [sic] von Voigtländer von 40 cm Brennweite fotografierte ich meist im Winkel des Betrachters mit nach oben gerichteter Kamera und senkrechter Mattscheibe bei kleinster Blende auf 9 x 12 und vergrößerte daraus sogar kleine Ausschnitte. Meist bekam ich durch den kleinen Bildwinkel dem Augeneindruck ähnliche Bildwirkungen. Die ungewöhnliche Schärfe der Achsenstrahlen bei Verwendung von kleinem Format war hier von sehr großem Nutzen, und es entstanden trotz der großen Vergewaltigung gute plastische Fotos, die dann in meinem ersten Buch „Der Naumburger Dom und seine Bildwerke“ zum großen Teil Verwendung fanden.

    Seit meiner ersten Reise nach Griechenland 1927 besitze ich nun – und Gott sei Dank, ich besitze es noch! – das Triplet 120 cm Brennweite, f:7, von Zeiss, welches die vorher beschriebenen Eigenschaften in noch besserem Maße besitzt.

    Zuerst verwendete ich es zur Wiedergabe von Marmorköpfen im Athener Nationalmuseum (selbstverständlich auch zur Abbildung von Ganzfiguren) auf 18 x 24-, 24 x 30- und sogar 30 x 40- Platten, so daß mancher Kopf in natürlicher Größe abgebildet wurde. Hierbei war das Objektiv 2,40 m von dem aufzunehmenden Gegenstand entfernt. Genau so lang war die Entfernung vom Objektiv zur Platte, so daß eine ebenso lange Kamera notwendig war. Um die Blende recht klein zu bekommen, nahm ich einen Pappdeckel mit einem etwa ½ cm großen Loch und bekam nun auch den Ohrenbereich sehr scharf. Durch die lange Brennweite und weiten Abstand vom Objekt wurde der Gesichtsumfang groß, und Einzelheiten, wie Nase und Mund, waren in richtigen Größenverhältnis angeordnet.

    [Hier weiter als Scan:]



  • Gerade im Porträtbereich und in den großen Formaten werden meist zu kurze Brennweiten benutzt. Die Ergebnisse sehen dann auch entsprechend aus wenn formatfüllend fotografiert wird.

    Das 400mm wird für Halbporträts gedacht gewesen sein oder für grosse Köpfe (so nannte man das damals) im kleineren 13x18cm Format.

    Ich bin aber ganz ehrlich, ich nutze auch 360mm Objektive im 18x24cm Format, noch längere Brennweiten sind eher selten zu finden und meist sehr teuer.

    Ein 360mm Heliar ist noch bezahlbar, nach meiner Meinung, ein 420mm oder 480mm sind mir echt zu teuer und auch schon schwierig an den heutigen Kameras anzusetzen.

    Verschlüsse dafür muss man sich auch selber anfertigen, da gibt es nichts Fertiges mehr zu kaufen und bei offener Blende sind die Verschlusszeiten kaum im Sekundenbereich. Bei Wetplate ist es bei ISO 2 natürlich was anderes.

    Die Aufnahme mit der 1200mm Brennweite zeigt sehr deutlich das eine zu lange Brennweite auch nicht gut ist, die Köpfe werden platt wie eine Flunder, das mag für den beschriebenen Einsatz passen aber Porträts von lebenden Personen sollte man damit nicht machen.

    Ich habe ein 550mm Teleobjektiv, das ist im 18x24cm Format für mich das Maximale. Ich habe auch noch ein 600mm Reproobjektiv aber das nutze ich sehr ungern für Porträts, zum einen ist es mir zu scharf und es braucht elendig viel Auszug.

    Um wieder auf das eigentliche Thema zurück zukommen.

    Für das Voigtländer Objektiv werden ich noch die fehlenden Steckblenden anfertigen, es sind drei dabei, f6,3; 9,0 und 12,5

    Vermutlich gehörten noch f/4,5; 18 und 25 mit dazu.

    In dem Objektiv werden 2mm dicke Steckblenden verwendet, unglaublich was die für Material verschwendet haben. 0,5mm hätte es auch getan.

    Es soll aber original sein also habe ich das entsprechende Blech bestellt.

    Dann noch einen schönen Frontdeckel dafür machen und gut ist.

  • Ich bin dabei für die zwei "Monster" Objektive Guillotine Verschlüsse zu bauen.

    Bei dem kleineren Derogy 4,2/360mm kann ich einen Ausriss von 100mm machen, damit bekomme ich etwa eine 1/15 Sekunde als kürzeste Verschlusszeit.

    Bei dem großen Voigtländer Objektiv habe ich vorne einen Durchmesser von 150mm was die Verschlusszeit um einiges verlängert.

    Die Fallgeschwindigkeit von 9,81m/Sek.² ist hier zu gering.

    Jetzt zu meiner Frage, ich kann den Ablauf durch eine Feder unterstürzen aber das ist dann nur noch sehr schwer zu berechnen.

    Hat jemand ein Verschlusszeiten Messgerät?

    Vielleicht ist es sogar denkbar die Feder um festgelegte Faktoren zu spannen um verschiedene Verschlusszeiten zu erhalten.

    Mir würde die 1/15 Sek. schon reichen, eine 1/30 Sek. zusätzlich wäre reizvoll.

    Die Objektive werden nur im Studio für Porträts eingesetzt, d.h. die Beleuchtung kann entsprechend angepasst werden.

    Eine andere Idee habe ich nicht. Der Hutverschluss kommt eher nicht in Frage weil ich die Objektive natürlich auch gern mit voller Öffnung nutzen möchte.

    Der SInar Verschluss ist leider zu klein mit seinen 75mm Durchlass.

    Die Packard Verschlüsse sind neu zu teuer und gebraucht nicht zu bekommen.

  • Und den Guillotine Verschluss als Schlitzverschluss mit voreingestellter Weite wäre keine Möglichkeit?

    Keine Ahnung ob das funktionieren kann.

    Grüße

    Ich bin jetzt nicht der Mathematiker vor dem Herrn. Bisher habe ich immer mit dem vollem Belichtungsfenster gerechnet und dabei komme ich auf 1/10 Sekunde bei 150mm.

    Wenn ich jetzt den Schlitz von 150mm auf 50mm verkleinere würde dieser nur 1/3 der Zeit brauchen um 1/3 des Bildfensters zu belichten.

    Soweit die Theorie, wird wohl auch so sein, da hast Du sicher recht.

    Jetzt fiel mir nur noch ein weiteres Problem ein.

    Die Objektive habe sehr große Sonnenblenden die entsprechend weit von der Frontlinse abstehen.

    Es kann natürlich sein das beim Ablaufen des Verschlusses das Bild nicht linear und lotrecht belichtet wird sondern es durch schräg einfallendes Licht zu Streuungen kommt. Das würde alles Rechnerei unmöglich machen.

    Wird sicher schwierig jemanden zu finden der sich mit dem Problem schon befasst hat.

    Die Blenden bekomme ich nicht abgeschraubt, die scheinen verlötet zu sein.

    Vermutlich bleibt mir nur die ganze Sache durchzutesten.

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!