Rodenstock Weitwinkel Bistigmat

  • Hilfe, ich habe ein Bistigmat ;-)


    Im Ernst, ich habe ein Weitwinkel Bistigmat 13x18 von Rodenstock München. Optiknummer ist in den 35-tausend, also vor 1910. Die Blende ist eine Lochblende, drehbar in vier Lochgrößen. Lustiges Detail: durch einen "Bildaufnahme" und "Mattscheibe" Schieber wird die Optik leicht vor und zurückbewegt, die passende Kamera hatte wohl einen Fokus-shift ;-)
    Kann mir jemand weitere Infos zu der Optik geben? Welchen Blendenwerten entsprechen die Löcher?


    Gruß Peter

  • Hallo Peter,


    laut Compendium der Photographie von F.Schmidt 1899:


    Unter dem Namen Bistigmat bringt Rodenstock-München Objektive mit zwei symmetrischen, getrennt stehenden, einfachen, nicht achromatischen Linsen (Aplanate) in Verkehr, deren Focusdifferenz nach dem Einstellen jedesmal durch Einschieben des Objektivs in eine besondere Röhre um ein bestimmtes Stück beseitigt werden muss. Die Bistigmate, die als Portrait-, Weitwinkel- und gewöhnliche Bistigmate, sowie in Form von Objektiv-Sätzen angefertigt werden, sind die billigsten Objektive, trotzdem leisten sie sehr Gutes.


    Mehr hab ich im Moment leider nicht gefunden :cry:


    Liebe Grüße
    Jutta

  • Quote

    Welchen Blendenwerten entsprechen die Löcher?


    Wenn die Lochblenden nicht markiert sind, hilft nur messen. Da meines Wissens die WW-Bistigmate aber nicht lichtstärker hergestellt wurden als mit 1 : 18, wird die größte Öffnung wohl Blende 18 sein. Die folgenden wären dann 25, 36, 50 - also um jeweils 1/3 Blende gegenüber der heutigen Blendenreihe verschoben.
    Uli

  • Quote from "JUTTA"

    ..., deren Focusdifferenz nach dem Einstellen jedesmal durch Einschieben des Objektivs in eine besondere Röhre um ein bestimmtes Stück beseitigt werden muss. Jutta


    ??? Ist bei den Optiken das nicht scharf, was auf der Mattscheibe scharf ist? Oder gilt das bei Abblenden?


    Quote from "JUTTA"

    ...., sind die billigsten Objektive Jutta


    Ja, 12 Euro für das schnuckelige Teil fand ich es allemal Wert


    Quote from "JUTTA"

    trotzdem leisten sie sehr Gutes.Jutta


    Jetzt muß ich endlich mal das Rückteil meiner alten Reisekamera modifizieren dann kann ich das hoffentlich bestätigen!


    Quote from "Uli"

    Da meines Wissens die WW-Bistigmate aber nicht lichtstärker hergestellt wurden als mit 1 : 18, wird die größte Öffnung wohl Blende 18 sein. Die folgenden wären dann 25, 36, 50 - also um jeweils 1/3 Blende gegenüber der heutigen Blendenreihe verschoben. Uli


    Ordentlich abblenden ist ja eher gut ohne Verschluß! Dann kann ich nach ein paar Bastelstunden mit den Werten anfangen.


    Gruß Peter

  • Peter,
    durch Abblenden kannst du die Fokusdifferenz schon beseitigen, nur verlierst du dabei unnötig Spielraum bei der Schärfentiefe. Also besser das Problem bei der Wurzel packen:


    Dieses einfach aufgebaute Objektiv aus zwei gegeneinander gestellten Einzellinsen kann die verschiedenen Farbanteile des Lichts nicht in einem Brennpunkt vereinen. Bei der Scharfeinstellung des Bildes auf der Mattscheibe richten wir uns hauptsächlich nach dem gelbgrünen bis grünen Farbanteil, weil der unseren Augen am hellsten erscheint. Würden wir auf gelb bis rot scharfstellen, wäre der Auszug um einiges länger und für blau bis violett läge er näher am Objektiv. Folglich haben wir ein Problem und zwar abhängig davon, für welchen Bereich der Film sensibilisiert ist.


    Am einfachsten ist der Fall, wenn man einen orthochromatischen Film verwendet, weil der rot- unempfindlich ist und die Fokusdifferenz für rot damit bedeutunglos wird. Blockiert man zusätzlich mit einem Gelbfilter auch noch den blauen bis violetten Farbanteil, dann kann die Mattscheibe bleiben, wo sie ist.


    Bei panchromatischem Material, das für alle Farben sensibilisert ist und oft eine sehr hohe Blauempfindlichkeit hat, bleibt jedoch nichts anderes übrig, als die Filmebene um einen gewissen Betrag näher ans Objektiv zu rücken - und unter Umständen auch noch ein Grünfilter zu benutzen. Dieser Betrag ist bei Einstellung auf Unendlich 1/50 der Brennweite - bei einem 20cm-Objektiv sind das immerhin 4 Millimeter. (Rodenstock hat dir die Rechenarbeit durch ein Hebelchen an der Objektivfassung bereits abgenommen.) Bei näherer Aufnahmeentfernung wächst die Differenz aber mit dem Auszug an und zwar ganz erheblich: Für das Foto eines Gegenstands in natürlicher Größe, also mit 40cm Auszug beim 20cm-Objektiv, müsste nach dem Scharfstellen die Mattscheibe um 16mm näher ans Objektiv gerückt werden. Immerjhin: die Formel zur Berechnung der Fokusdifferenz ist einfach:
    Fd = (Abstand der Linse von der Mattscheibe) ² / ( 50 - Brennweite).
    (ACHTUNG: DA IST ETWAS FALSCH. BERICHTIGUNG WEITER UNTEN!)


    Trotzdem viel Spass!
    :D
    Uli

  • hallo Peter,


    jetzt kannste Dir vorstellen, wie viel Spaß das Blümchen-Fotografieren 8) mit so einer Scherbe macht :P


    Liebe Grüße
    Jutta

  • Quote from "fourbyfive"

    Für das Foto eines Gegenstands in natürlicher Größe, also mit 40cm Auszug beim 20cm-Objektiv, müsste nach dem Scharfstellen die Mattscheibe um 16mm näher ans Objektiv gerückt werden. Immerjhin: die Formel zur Berechnung der Fokusdifferenz ist einfach:
    Fd = (Abstand der Linse von der Mattscheibe) ² / ( 50 - Brennweite). Uli


    Die Formel wollte ich mir gerade notieren, da kann aber was nicht stimmen.
    Fd=40cm²:(50-20cm)
    Fd=1600cm²:30cm
    Fd=53,33cm
    Das heißt ich müßte die Mattscheibe gut 13cm vor die Optik setzen.


    Gruß Peter

  • Peter,
    gut, dass du den Fehler gleich entdeckt hast! Im Nenner muss 50 x Brennweite stehen. Die Formel heißt also richtig:


    Fokusdifferenz Fd = (Abstand der Linse von der Mattscheibe) ² / ( 50 x Brennweite).


    Quelle: Ludwig David "Photographisches Praktikum - Lehrbuch der Photographie", 7.u.8.Auflage, Halle 1931.


    Entschuldigung!
    Uli :-(

  • Lieber Peter,


    Beispiel: (etwas ausführlicher) :D


    Um die chromatische Abweichung, also die "Fokusdifferenz" des Objektivs unschädlich zu machen, muß der Abstand zwischen Objektiv und Platte nach erfolgter möglichst scharfter Einstellung gemessen und dann um ein bestimmtes Maß verkürzt werden, damit das photographische Bild die gleiche Schärfe wie das auf der Mattscheibe beobachtete aufweist. Andernfalls wird dessen wollige Unschärfe, besonders bei Verwendung längerer Brennweiten, unerträglich. Die Berichtigung der Fokusdifferenz geschieht durch Verschieben des Mattscheibenrahmens nach vorn; es wird also die Platte der Linse "genähert". Wenn das Monokel an einem verschiebbaren Rohr mit Millimeterteilung befestigt wurde, kann man die Korrektur auch durch Einschieben der Linse bewirken. Durch die Verkürzung des Linsenabstandes wird das Bild natürlich etwas kleiner.


    Die "Fokusdifferenz" beträgt bei Einstellung auf die Ferne (beispielsweise bei Landschaften) zirka 1/50 der Brennweite; bei der Aufnahme naher Gegenstände, z.B. von einem Porträt oder Stilleben, wird sie in einem bestimmten Verhältnis größer und beträgt etwa 1/40 des Auszuges. Sie ist für die verschiedenen Formen der aus schwach brechenden Gläsern hergestellten Linsen bei gleicher Brennweite stets gleich. Die Fokusdifferenz läßt sich leicht berechnen nach der Formel:


    Fokusdifferenz: =
    AxA
    -------
    50xB


    wobei A die Länge des Auszuges der Kamera (Abstand von der Linse bis zur Mattscheibe), nach dem scharfen Einstellen gemessen, und B die Brennweite der angewendeten Linse bedeutet.


    Liebe Grüße
    Jutta


    PS: Aus dem gleichnamigen Buch wie Uli es beschrieben hat! :D

  • Bei mir ist jetzt auch ein Bistigmat 13x18 gelandet, also hole ich diesen Thread mal aus der Versenkung.


    Die Beiträge hier haben mir geholfen, einigermaßen scharfe Portraits zu machen, vielen Dank dafür.
    Netterweise leuchtet das Objektiv bei diesen Abständen auch 8"x10" aus, wobei leuchten bei diesen Blendenwerten eher ein Euphemismus ist.


    Eine Frage habe ich noch: Wo gibt es eine Quelle, die von der Seriennummer auf das Baujahr schließen lässt?

  • Vielen Dank, aber dass Rodenstock zwischen 1910 und 1940 nur 900 Objektive gebaut haben soll, ist doch eher unwahrscheinlich.
    Und der für mich interessante Bereich um 38.000 kommt überhaupt nicht vor.

  • Ja, und dafür zw. 1940 und 45 fast 2 Millionen? Da dürften die kaum Optiken für den zivilen Markt gebaut haben und nur für den militärischen Bereich kann ich es mir nicht vorstellen.
    Danach läßt sich auch nur sagen, dass es vor 1910 gebaut wurde.

  • Vielen Dank, aber dass Rodenstock zwischen 1910 und 1940 nur 900 Objektive gebaut haben soll, ist doch eher unwahrscheinlich.
    Und der für mich interessante Bereich um 38.000 kommt überhaupt nicht vor.

    Die in der angegebenen Tabelle genannten Zahlenwerte vor 1945 sind einfach mit tausend zu multiplizieren, dann stimmen sie mit den bekannten Angaben überein.

    Im übrigen freue ich mich, jetzt Angaben zu nach 1998 gebauten Rodenstock-Objektiven zu haben, die fehlten mir bisher.


    Von Rodenstock kursieren leider nur diese doch recht lückenhaften zeitlichen Angaben.

    Möglicher Grund dafür können allerdings Produktionsbatches sein - diverse Hersteller haben Nummernkontingente für bestimmte Objektivmodelle und/oder bestimmte Großkunden reserviert, das kann genauere Angaben sehr erschweren.

    Solcherlei Angaben sind jedoch immer mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten. Einzelne wenige der Nummern zu Compuren und Objektiven in meiner Sammlung passen nicht zu dem Nummernschema der jeweiligen Hersteller. Bis jetzt habe ich immer einen Grund dafür gesehen (nicht geprägte Ziffer; für Voigtländer reservierter Nummernbereich).

    Exakte Zuordnungen bis hin zum Produktionstag erlauben nur Werkbücher - manchmal gibt's eines in der Bucht zu kaufen ... es gibt Fans, die dafür einiges hinblättern ...

    Na gut, es ist kommt vor, dass leere Originalkartons zu Plattenkameras teurer gehandelt werden als eine dazupassende funktionsfähige Plattenkamera ...


    Objektive etwa von Schneider-Kreuznach ermöglichen eine deutlich schärfere zeitliche Einordnung.


    Wieviele Objektive während WK I und WK II gebaut wurden - das ist eine ganz andere Frage.

    Nach WK II haben einige Hersteller neu zu zählen begonnen.

    Bei Rodenstock heißt die Nummer 2.000.000 "erstes 1945 und mit neuer Zählung gebautes Objektiv".

    Auch Compur hat 1945 mit neu aufgesetzter Nummer begonnen.

    Im übrigen hat kaum je ein Hersteller die Produktion mit der Seriennummer 1 begonnen - wer kauft denn gleich ein neues Versuchsobjektiv aus einer als Nullserie erkennbaren Serie? (Klar, einen Sammler würde das später interessieren).

    Die meisten Hersteller haben beim Neuaufsetzen mit einer oft deutlich höheren Nummer begonnen als vor dem Krieg, es gibt aber auch den Fall, dass ein Hersteller dieselbe Seriennummer zweimal verwendet hat ...

    Manche Hersteller haben übrigens anfangs bei unterschiedlichen Objektivtypen neu zu zählen begonnen ...

  • Tolle Seite habe lange gesucht wo sowas zum kaufen gibt, danke!

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