Kontraststeigernde Entwicklung FP4+ ohne Anpassung der Filmempfindlichkeit

  • Situation:
    Ich belichte FP4+ mit 100 ISO, Lichtmessung, Rollfilm. Auch gestern, angesagt war Sonnenschein, tatsächlich wieder alles Grau in Grau, typisch Berlin im Winter.
    Ich gehe davon aus, dass die Bilder recht flau werden, wenn ich sie standardmäßig entwickle (HC110 1+31, 9 min, erste min ständige Bewegung, danach 1x /min).

    NER Norman Riley erwähnte in einem anderen Thread die Möglichkeit der verlängerten Entwicklung, leider ohne Daten.

    Frage:
    Kann ich durch eine verlängerte Entwicklungsszeit / intensivierter Bewegung / angepasster Entwicklerverdünnung den Kontrast steigern? Gibt es Richtwerte?

    Danke euch, Kay

    Die Fotografie ist der Todfeind der Malerei, sie ist die Zuflucht aller gescheiterten Maler, der Unbegabten und der Faulen.

    (Charles Baudelaire)

    Edited once, last by Kayak (March 2, 2024 at 11:57 AM).

  • es gibt keine Richtwerte, die muss man sich erarbeiten.

    ich empfehle den Film möglichst korrekt zu belichten, das heißt alles schön in der Mitte zwischen schwarz und weiß,

    dann die Entwicklung bei Nebel um ca. 10% zu steigern.

    Den Rest dann im Labor, oder EBV
    BTW. ich würde Rodinal vorziehen, den dann 1+100 verdünnen und hübsch lang entwickeln, das holt das beste aus dem Film

    FP4 in Rodinal 1+50 = 12 min, 1+100 = 20 min plus Nebel = 22min, 20C° 1min Kipp

    insta....

    Getting photographs is not the most important thing. For me it’s the act of photographing. It’s enlightening, therapeutic and satisfying, because the very process forces me to connect with the world…

    (Michael Kenna)

  • Schau auf die Angaben, die eine Anpassung des Filmkontrastes an die Beleuchtungsart des Vergrößerers zeigen. Für Mischlicht wird ein höherer Kontrast entwickelt als für Kondensorbeleuchtung - ausgedrückt im Gamma-Wert.

  • Frage:
    Kann ich durch eine verlängerte Belichtungszeit / intensivierter Bewegung / angepasster Entwicklerverdünnung den Kontrast steigern? Gibt es Richtwerte?

    Verlängerung der Belichtungszeit führt gerade zum Gegenteil, also eher knapp belichten!

    Und dann länger entwickeln, erster Versuch=> normale Entwicklungszeit um 25% verlängern.

    Geringere Entwicklerverdünnung bringt auch was in Richtung Kontraststeigerung.

    s.a. https://www.digitaltruth.com/devchart.php?doc=pushproc

  • Verlängerung der Belichtungszeit führt gerade zum Gegenteil, also eher knapp belichten!

    Und dann länger entwickeln, erster Versuch=> normale Entwicklungszeit um 25% verlängern.

    Geringere Entwicklerverdünnung bringt auch was in Richtung Kontraststeigerung.

    s.a. https://www.digitaltruth.com/devchart.php?doc=pushproc

    Oh, danke, das war ein Schreibfehler, ich wollte Entwicklungszeit schreiben, korrigiere ich.

    Die Fotografie ist der Todfeind der Malerei, sie ist die Zuflucht aller gescheiterten Maler, der Unbegabten und der Faulen.

    (Charles Baudelaire)

  • Sehe ich auch so wie Kurt.

    Kürzer Belichten und länger Entwickeln erzeugt eine Kontrasterhöhung, wird auch im Zonensystem unter dem Begriff "N+" verstanden. Z.B. "N+1" pusht die Lichter eine Zone nach oben, "N+2" pusht zwei Zonen. Bei der Kontrastreduktion ist es genau umgekehrt, N-1 pullt die Lichter eine Zone nach unten usw.

    Prinzipiell wirkt sich die Entwicklungszeit/Kipprhytmus stärker auf die Lichter aus (hohe Dichten) als auf die Schatten (niedrige Dichten). Die Belichtung hat hingegen Einfluss auf Lichter und Schatten. Folglich ist es günstiger für eine Kontrastreduktion den Film stärker zu belichten und gedrosselter zu entwickeln. Für eine Kontraststeigerung ist es hingegen sinnvoller, den Film normal o. kürzer zu belichten aber forcierter zu entwickeln.

    Stell dir den Tonwertumfang (von Schwarz bis Weiß) wie eine Spiralfeder vor. Durch die Manipulation von Belichtung + Entwicklung lässt sich die Feder auseinanderziehen oder zusammenstauchen.

  • Hallo Leute, vielen Dank.

    Ich werde die Negative zwischen 10 und 20% verlängert entwickeln, mal sehen, was rauskommt. Testreihen mache ich nicht, dafür bin ich zu faul :)

    Die Fotografie ist der Todfeind der Malerei, sie ist die Zuflucht aller gescheiterten Maler, der Unbegabten und der Faulen.

    (Charles Baudelaire)

  • Hallo Kay,

    eine Belichtung mit ISO100 ist beim FP4 (Nennwert ISO125) bereits eine Überbelichtung. Wenn du dann noch überentwickelst, werden die Negative tendentiell zu dicht.

    Um Potential für eine gesteigerte Entwicklung zu haben, empfehle ich daher einen Entwickler einzusetzen, der sich empfindlichkeitssenkend auswirkt. Zum Beispiel Perceptol. In einem alten Ilford-Handbuch (ich hab gerade nur eine Fotokopie der betreffenden Seiten greifbar) finde ich dazu folgende Angaben:

    FP4 in Perceptol Stammlösung
    Normaler Kontrast: Belichtung mit ISO64, Kippentwicklung 10 Min.
    Hoher Kontrast: Belichtung mit ISO100, Kippentwicklung 13 Min.

    LG, Klaus
    ___
    Langeweile? Was ist das?

  • Ich belichte FP4+ mit 100 ISO, Lichtmessung, Rollfilm. Auch gestern, angesagt war Sonnenschein, tatsächlich wieder alles Grau in Grau, typisch Berlin im Winter.
    Ich gehe davon aus, dass die Bilder recht flau werden, wenn ich sie standardmäßig entwickle (HC110 1+31, 9 min, erste min ständige Bewegung, danach 1x /min).

    ...


    Kann ich durch eine verlängerte Entwicklungsszeit / intensivierter Bewegung / angepasster Entwicklerverdünnung den Kontrast steigern? Gibt es Richtwerte?


    Hier noch Chris Johnson: https://chrisjohnsonphotographer.com/charts.shtml#anchor30675 - Ich finde seine Ausgangspunkte immer wieder anregend, wenngleich ich HC110 mehr verdünne.

    Der hat dieselbe Verdünnung wie Du, 1+31, sein N+1 käme bei 10 Minuten, und zwar vermutlich auch bei ISO 100.

  • Mir ist noch was eingefallen bezüglich:

    Auch gestern, angesagt war Sonnenschein, tatsächlich wieder alles Grau in Grau

    Vielleicht ist der UV und Blauanteil im Licht zu hoch?

    Wenn Du wieder mal so eine Situation vorfindest, mach doch mal eine Aufnahme normal und eine weitere mit Gelbfilter. Der Filter sollte die UV + blauen Wellenlängen stark drosseln. Wenn Du Lust hast poste mal die Aufnahmen, wäre sicher interessant.

  • Falls es noch interessant ist (ich hab den Thread eben erst gefunden): hier sind einige gemessenen Testergebnisse von FP4+ mit einer D76-Variante. Rotation, 20°, Verdünnung 1+1. Belichtungsstufen 0.15d = 1/2 Blende. Kurze Beurteilung:

    Man sieht, daß die Empfindlichkeit für 0.1d Dichte auf dem Film von 5:00min zu 12:00 min um 0.3d steigt (zu Deutsch: der Film hat 3 Din oder eine Blende mehr). Das ist nicht viel. wenn man bedenkt, daß die Entwicklungszeit etwa 150% erhöht wurde. 10% Verlängerung der Entwicklungszeit verschwinden im Rauschen. Die Steigung der Dichtekurve ist recht drastisch, von Ci 0.4 -> 0.65. Fazit: "push"-Entwicklung macht den Film deutlich härter, steigert aber die Empfindlichkeit nur unbedeutend. Irgendwelche Fantasien "2-3 Blenden durch Push-Entwicklung rausholen" sind genau das. Man sieht auch, daß die Kurve des FP4+ ziemlich linear ist, bei größerer Belichtung wird der Film minimal kontrastreicher. Das bedeutet: auch bei (deutlicher) Überbelichtung ändert sich nur die Gesamtdichte, der Kontrast aber nur unwesentlich. Von der gerne kolportierten "S-Kurve" keine Spur. Der komplette Kontrastumfang des Graukeils ist 10 1/2 Blenden, ein "normales Motiv hat 7 Blenden. Für meinen (Color-) Vergrößerer würde ich den FIlm 10:00 entwickeln, ein Ci von ca. 0.60 klingt gut.

    Martin

    .

    Belichtung #100#101#102#103
    D76H 12:00D76H 9:00D76H 7:00D76H 5:00
    0,00 0000
    0,15 0000
    0,30 0,010,010,010,01
    0,45 0,030,020,020,02
    0,60 0,050,040,030,02
    0,75 0,10,070,050,04
    0,90 0,150,10,070,06
    1,05 0,220,160,110,1
    1,20 0,310,230,160,14
    1,35 0,40,30,220,18
    1,50 0,50,380,280,23
    1,65 0,60,470,350,29
    1,80 0,70,560,420,35
    1,95 0,810,660,50,41
    2,10 0,920,760,570,48
    2,25 1,030,860,660,54
    2,40 1,150,980,760,62
    2,55 1,261,080,850,69
    2,70 1,391,20,950,78
    2,85 1,511,311,060,88
    3,00 1,681,441,210,97
    CI 0.65CI 0.58CI 0.50CI 0.40

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