Blitzköpfe mit Sicherungen "übertakten"

  • Werte Kollegen!

    Mir hat mal ein Kollege erzählt, dass man seine Blitzköpfe mit mehr Wattsekunden befeuern kann, indem man die Sicherung gegen eine stärkere austauscht. Das soll zwar die Blitzröhre etwas kürzer leben lassen, aber das kann ich verkraften: Bei meinen Wetplates blitze ich maximal zweimal pro Stunde.

    Weiß jemand, in welchen Größenordnungen man da Sicherungen wechselt? Falls das wichtig ist: Ich nutze Elinchrom Classic Generatoren.

    Kann jemand abschätzen oder - noch besser - berichten, wie sehr das die Lebensdauer der Blitzröhren verkürzt?

    Ich weiß: "Das soll man nicht tun!" Kenn ich, brauche ich hier nicht nochmal lesen.

    Ich weiß aber auch, dass in der zivilen Ingenieurskunst oft massenhaft Reserven eingebaut werden, um die teuren Geräte zu schützen. Wie haben das die lieben Schweizer bei Elinchrom gehalten?

    Fakt ist, dass es immer weniger gebrauchte, starke Generatoren auf dem Markt gibt. Von Blitzköpfen mal ganz zu schweigen. Und immer weniger Marken sind weiterhin verfügbar bzw. unsinnig, da einzusteigen (zB Multiblitz mit ihren speziellen Platinen). Neues gibt es schon gar nicht mehr in der für Wetplate benötigten Leistung.

    Von daher bitte ich alle Elektro-Buchhalter und Elektronik-Korinthenkacker mal über den eigenen Schatten zu springen und konstruktiv beizutragen anstatt Bedenken mit langem Bart gebetsmühlenartig in immer wiederkehrender Dauerschleife vorzutragen.

    Jetzt freue ich mich auf eure Antworten,

    der Karsten

  • Das soll zwar die Blitzröhre etwas kürzer leben lassen, aber das kann ich verkraften: Bei meinen Wetplates blitze ich maximal zweimal pro Stunde.

    Ein Tsunami, der Kernkraftwerke zerstört, kommt auch nur alle paartausend Jahre mal vor ;)

    Die leistungsstarken Röhren sind allermeistens ziemlich alt und haben abertausende Blitze hinter sich. Zudem sind nagelneue Röhren extrem teuer (sehr viele hundert Euro).

    Und wenn die ohne Glocke am offenen Reflektor bei einem Portrait explodieren, dann brauchste 'ne gute Gesichtschirurgin...

  • Ich denke, dass sich alle "Elektro-Korinthenkacker" bei der Anrede mit einer konstruktiven Antwort zurückhalten werden, hihi.

    Die Fotografie ist der Todfeind der Malerei, sie ist die Zuflucht aller gescheiterten Maler, der Unbegabten und der Faulen.

    (Charles Baudelaire)

  • Ich glaube, du hast nicht verstanden, was ich meine. Nochmal kurz: Köpfe "übertakten", dann mit mehr Leistung (als für den Kopf "erlaubt") aus einem stärkeren (!!!) Generator befeuern.

    So wird doch n Plan draus, oder?!

    Doch.

    Versuch mal eine 110V Glühbirne bei uns in die Steckdose zu stecken. Da passiert das gleiche.

  • ob das sinnvol ist, weiß ich nicht,

    als ich für meine Elinchrom Anlage neue Blitzbirnen kaufen mußte,

    entschied ich mich für schwächere, habe ja 3 Lampen, und für diese musste ein anderer Widerstand eingelötet werden.

    Über diesen R im Blitzkopf wird die Leistung die der Generator liefert eingestellt.

    insta....

    Getting photographs is not the most important thing. For me it’s the act of photographing. It’s enlightening, therapeutic and satisfying, because the very process forces me to connect with the world…

    (Michael Kenna)

  • So ich das verstanden habe war die Idee von Karsten die vorhandenen Generator Blitzköpfe mit einem wesentlich potenten Generator zu betreiben. Das wird bei voller Generator Leistung nur ein Paar Male funktionieren und dann wird die Blitzröhre wegen der Überhitzung hinüber sein. Leider. Anders rum; „schwacher“ Generator -> „starke“ Blitzröhre (so habe ich es bei meinem 2 zweiten Generator) ist da kein Problem.

    In so einem Fall hätte ich z.B. mehrere Blitzköpfe auf einen Rahmen gesetzt und in eine Softbox gesteckt. 10 x 1000 W/sek sind auch 10000 W/sek. So ist man von dem Fabrikat unabhängig und man hat auch kürzeren Ladezeiten.

  • Ich frage mich auch, wie die Portraitierten diese Bestrahlung überstehen. Bei meinem Metz 45 Ct mit Televorsatz wurde bei Entfernungen unter 10m vor Augenschäden gewarnt, der Blitz ist mit ca. 90 WS x 2 für den Vorsatz angegeben.

  • Ich frage mich auch, wie die Portraitierten diese Bestrahlung überstehen.

    Ein bisschen Schwund ist immer!

    Und jetzt mal ganz ernsthaft: Brutale Überlastung der Blitzröhren geht auf den Deckel des Fotografen. Bestrahlung mit ganz besonders viel UV ist schon beinahe vorsätzliche Körperverletzung. Bei derartigen Ideen ist meine Begeisterung - trotz aller Bastellust - extrem eingeschränkt.

    Al é bun sciöch' al é ...

  • Nun denn, nach Lektüre aller dieser bisherigen Beiträge brauche ich ja keinerlei Hemmungen zu haben, mich in den Chor der Antwortgeber einzureihen:

    "ICH KANN DEINE KONKRETE FRAGE EBENFALLS NICHT BEANTWORTEN"

  • Ich weiß aber auch, dass in der zivilen Ingenieurskunst oft massenhaft Reserven eingebaut werden, um die teuren Geräte zu schützen.

    Jetzt kann ichs mir wirklich nicht mehr verkneifen. Die höchsten Sicherheiten in der "zivilen Ingenieurskunst" gibt es überall dort, wo Menschen (!!!) gefährdet sind. Die "teuren Geräte" sind nicht das Problem. /Ende Korinthenkackermodus

    Al é bun sciöch' al é ...

  • Laut BG sind 25% zusätzlich als Sicherung zwingend. Das Betreiben der Gerätschaft mit 125% Last ist aber verboten.

    Wie gesagt:
    Mehrere mobile Blitzköpfe mit reduzierten Leistung = gleiche Leistung wie ein einzelner Generator bei voll Last, wesentlich kürzere Abbrennzeit, kurze Ladezeit, und so gut wie kein „Bums“.

    Edited once, last by geo (March 25, 2024 at 1:43 PM).

  • Für das Kollodium-Nassverfahren nahm man damals doch Magnesiumpulver in Tüten - ist das nicht potenter als der Blitz, wegen Lichtleistung und Abbrennzeit?

    Blitzpulver - noch (k)ein Erfahrungsbericht - fotointern.ch – Tagesaktuelle Fotonews
    Wenn es am 1. August blitzt und kracht ist auch der Fotohistoriker gefordert. Einmal im Leben mit Blitzpulver zu fotografieren, das wärs. Doch bereits...
    www.fotointern.ch

    ZWEI KOMPONENTEN-BLITZPULVER | Fire, Ice And Magic

  • So gern hat man das nicht genommen. Die geblitzdingsten Portraitopfer hatten häufig einen ziemlich verschreckten Gesichtsausdruck. Lichtleistung ok, aber ästhetisch anfechtbar.

    Kollodium ist etwa seit 1880 out, dank der wesentlich einfacher zu handhabenden Trpckenplatten ( Karsten no offense intended). Blitzlicht kam etwa zu dieser Zeit allmählich auf.

    Al é bun sciöch' al é ...

  • Nach meiner Erfahrung ist es nicht das Licht in seiner Stärke, Das einen zu so einem Gesichtsausdruck bringt, sondern der lauter Knall wenn man den Blitz mit voller Last abfeuert. Bei den Magnesium/Kaliumpermanganat Mischung hat es auch ordentlich „Bums“ gemacht.

  • Da war mal ein französischer Fotograf, Albert Londe, https://www.biusante.parisdescartes.fr/sfhm/esfhm/esf…2018x01x016.pdf, https://sfp.asso.fr/collection/pdfs/londe_albert.pdf, der perfektionierte die Pulverblitzerei, um die Insassen einer psychiatrischen Klinik abzulichten. Vgl. auch https://journals.openedition.org/etudesphotographiques/pdf/188

    Das Interessante ist, Londe schrieb aufgrund seiner Erfahrungen auch einige Bücher. Eines davon ist "La Photographie Moderne", von 1896, https://books.google.ch/books/about/La…AAJ&redir_esc=y, ein anderes ist eine Aide-mémoire, https://ia802601.us.archive.org/7/items/8Vsup1953/8VSUP1953.pdf, angefangen hat er mit einer Publikation über "La Photogrphie médicale", 1893, https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3041419g/f23.item. Dort findet man viel über Blitzpulver in der Abbildung von Menschen, ab S. 131. Allerdings ist das Trockenplattenfotografie. Die Anwendung des Blitzpulvers versetzte die Insassen der psychiatrischen Klinik in Katalepsie, aber das schien die Medizin damals nicht sonderlich zu interessieren.

    Ich stiess auf Londe, als ich mal ein Buch schrieb über "Erotisierte Darstellungen hysteroepileptischer Frauen" an der Salpêtrière in Paris. Londe war in den 1880ern dort und sammelte Erfahrungen, die letztlich in seine Publikationen mündeten. Sein Vorgänger, Paul Régnard, fotografierte noch mit Kollodiumnassplatten und richtete sich dafür ein schönes Atelier ein, in dem Tageslicht von allen Seiten auf die Abgebildeten fallen konnte. Seine Werke sieht man hier: https://archive.org/search?query=%28%28subject%3A%22Regnard%2C%20Paul%22%20OR%20subject%3A%22Paul%20Regnard%22%20OR%20creator%3A%22Regnard%2C%20Paul%22%20OR%20creator%3A%22Paul%20Regnard%22%20OR%20creator%3A%22Regnard%2C%20P%2E%22%20OR%20title%3A%22Paul%20Regnard%22%20OR%20description%3A%22Regnard%2C%20Paul%22%20OR%20description%3A%22Paul%20Regnard%22%29%20OR%20%28%221850-1927%22%20AND%20Regnard%29%29%20AND%20%28-mediatype:software%29

    Besonders zu erwähnen ist neben Delikatessen über Hexenwerk, Morphinismus, Magnetismus und Größenwahn die "Iconographie photographique" aus den 1870ern. Die ersten Jahrgänge der "Iconographie photographique" weisen kein so hohes Maß der Professionalisierung auf, während mit dem Bau des Ateliers, wohl aufgrund der Erfolge der frühen Jahrgänge, die Bilder besser werden, ab 1878.

    Edited once, last by aksak_maboul (March 26, 2024 at 1:36 PM).

  • Eine andere Idee: wäre es nicht sinnvoller, die Empfindlichkeit der Fotoemulsion durch Zugabe entsprechender Sensibilisatoren zu erhöhen? Ich weiß jetzt nicht, was Du da verwendest und ob Du Wert darauf legst, mit einem Originalrezept aus grauer Vorzeit zu arbeiten, aber da Du auch Beleuchtungstechnik einsetzt, die es damals noch nicht gab, könnte man auch die Chemie modifizieren.

    Die Fotografie ist der Todfeind der Malerei, sie ist die Zuflucht aller gescheiterten Maler, der Unbegabten und der Faulen.

    (Charles Baudelaire)

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