62 x 62 cm - Was ist das für eine Kamera?

  • Hallo!

    Kürzlich hat mir eine befreundete Fotografin eine Kamera vorbeigebracht, weil sie keinen Platz mehr dafür hat. Das gute Stück ist doch ein bisschen größer als ich dachte. Da ich von Kameras in dem Format und dem Alter kaum Ahnung hab, stell ich die Kamera hier mal vor. Vielleicht kann mir jemand was näheres dazu sagen. Wie alt? Welche Marke? Welchen Verwendungszweck hatte sie wohl ursprünglich? Wofür würde sie sich sonst noch eignen? Etc.

    Die Mattscheibe hat die Maße 62 x 62 cm.
    Das Objektiv ist ein Doppel Anastigmat Serie III DAGOR, 480mm, 1:7,7 von C. P. Goertz Berlin. Seriennummer 174424.

    Meine erste Vermutung war, daß es sich vielleicht um eine Reprokamera handelt. Da bin ich mir aber nicht sicher. Kann das jemand erkennen? Worin unterscheiden sich Reprokameras von Studiokameras für Portraits und anderen?
    Die Beschläge an der Kamera sind zum Großteil aus Aluminium. Ich tippe deswegen auf ca. 20er - 40er-Jahre für die Kamera selbst. Aber das is nur eine grobe Schätzung. Kenn mich wie gesagt nicht wirklich aus. Vielleicht kann das ja jemand genauer eingrenzen.
    Das Objektiv scheint zwischen 1900 und 1908 gebaut worden zu sein.

    Bin sehr gespannt...!

    Grüße,

    Michl

  • Wunderschön

    Geht das Rollo von der Kassette noch ?

    Bei meinem Monster ist eine Glasscheibe eingesetzt auf der befestigte ich Fotopapier

    oder Röntgenfilm.

    Meine Kamera hat sieht etwas anders aus.

    Gruß Bernd

    9x12 ist eine schöne Negativ Größe
    13x18, 18x24, 30x40

  • Hallo Bernd!

    Der Rollo ist bissl kaputt. Klemmt und is gerissen. Aber den würde ich schon wieder hinkriegen.

    Bevor ich anfang die Kamera zu restaurieren, will ich aber erst mal wissen, was das überhaupt für eine Kamera ist und was damit möglich wäre...

  • Danke! Die is ne Nummer kleiner. Die einzige Ähnlichkeit die ich sehe ist das diagonale Kreuz auf der Mattscheibe. Ist das was typisches für Repro-Kameras? Oder haben das auch Portrait- und Studiokameras? Welchen Zweck hat es eigentlich?


  • wow, das is ein schönes Stück, sehr gute bauliche Handwerksqualität,noch gut 'in Schuss'..tolles Holz.
    Dann das 480mm Dagor, war bestimmt nicht billig damals. Ich tippe auch auf Reprokamera im Studio, Portraits etc.

    62x62 is riesig, das Dagor is ja teilbar, aber für über 60mm würde das brennweitenmässig nicht mehr viel Sinn machen als Aufnahmekamera oder? .. 480mm wären bei 'nur' 8x10 inch ca 70mm (kleinbildequiv) / 240mm ca 35mm..Bildkreis is wahrschl aber gross genug..
    Waren da Masken oä dabei, vllcht gibt das ja Hinweise

    bleibt gesund!

    Andreas

  • Das ist eine Reprokamera, wurde zumindest ursprünglich dafür gebaut. Sie wurde im Laufe der Jahre aber für bildmäßige Fotografie abgeändert, dafür spricht auch das Objektiv. Ein Dagor ist nicht wirklich geeignet als Reprooptik, es hat sphärische Aberrationen und nicht wenig, wenn es abgeblendet wird muss ordentlich nachfokussiert werden.

    Es ist aber ein sehr gut brauchbares Objektiv und die Brennweite spricht dafür das mit der Kamera 20x30cm Aufnahmen gemacht wurden, vielleicht auch noch 30x40cm. Aber das ist Spekulation.

    Als Portätkamera ist ein Reprokamera immer zu nutzen, viel zu verstellen gibt es dabei kaum. Stabil sind diese Dinger und schwer. Eher nichts für das Landschaftsbild in den Alpen.

  • Daß die Kamera für Portraits geeignet ist, hört sich schon mal gut an!

    eagleEye72 Was meinst Du mit "das Dagor is ja teilbar"? Kann man es wohl zerlegen und so die Brennweite ändern?

    "Waren da Masken oä dabei, vllcht gibt das ja Hinweise" -> Es war nur das dabei, was auf den Bildern zu sehen ist. Ein paar kleine Rahmen, deren Zweck ich nicht kenne sieht man auf dem Bild von der Rollo-Kassette.

    Varg "Es ist aber ein sehr gut brauchbares Objektiv und die Brennweite spricht dafür das mit der Kamera 20x30cm Aufnahmen gemacht wurden, vielleicht auch noch 30x40cm. Aber das ist Spekulation."
    Du meinst also, daß größere Formate mit dem Objektiv gar nicht möglich sind - richtig?*

    Auf der Mattscheibe ist mittig mit Bleistift ein Rechteck im Format DIN A 4 aufgezeichnet. Das deutet darauf hin, daß Deine Vermutung mit 20 x 30 stimmt. Vielleicht hat damit mal jemand Photopapier direkt belichtet.

    "Als Portätkamera ist ein Reprokamera immer zu nutzen, viel zu verstellen gibt es dabei kaum."
    Ein anderer Großbild-Photograph hat mir gesagt, daß Studiokameras (also keine Reprokameras) damals mehr Verstellmöglichkeiten hatten. Aber braucht man sowas nicht eher für Architekturphotographie? Ich wüßte jetzt auch nicht, welche Verstellmöglichkeiten man damals für Portraits noch gebraucht hätte. Und portraits werden damals warscheinlich die häufigsten Arbeiten in Studios gewesen sein.

    rawitz "stark abgeblendet für den grossen Bildwinkel bis 80Grad"
    * Das hört sich wieder bisschen so an, als könnte das Objektiv doch größere Bilder als 20x30 ausleuchten.


    Wenn Ihr Euch fragt, warum ich den Bildwinkel nicht einfach ausprobiere: Das liegt daran, daß ich das Objektiv bisher noch nicht befestigen konnte. In die Löcher der Holzplatten, die bei der Kamera sind, passt es nicht. Oder ich mach irgendwas falsch. Ich versteh auch grade noch nicht so ganz, wie das Objektiv genau funktioniert, bzw. man kann einiges auseinanderschrauben. Da hab ich mich noch nicht rangetraut. Gibts vielleicht irgendwo Infos zu dem Objektiv? Ich will nichts kaputt machen.
    Außerdem ist das Untergestell der Kamera noch nicht bei mir und deswegen ist es ein bisschen schwierig sie zu bewegen (z.B. zum Fenster).


  • Daß die Kamera für Portraits geeignet ist, hört sich schon mal gut an!

    Varg "Es ist aber ein sehr gut brauchbares Objektiv und die Brennweite spricht dafür das mit der Kamera 20x30cm Aufnahmen gemacht wurden, vielleicht auch noch 30x40cm. Aber das ist Spekulation."
    Du meinst also, daß größere Formate mit dem Objektiv gar nicht möglich sind - richtig?*

    Das meinte ich nicht, es bezog sich auf die reine Brennweite von 480mm welches eine typische Porträtbrennweite für 20x30cm ist.

    Das Dagor hat Goerz mit etwa 90° Bildwinkel angegeben und das passt auch. Ordentlich abgeblendet kann ich mein 150mm Dagor als SWW Objektiv an 18x24cm verwenden.

    480mm mit 90° Bildwinkel; dann bist Du bei etwa 900mm Bildkreis, denke den wirst Du nicht so schnell ausreizen.

  • Die Schraubenlöcher würden schon passen, aber dieses Loch passt nicht so recht zum Objektiv. Evtl. muß ich eine neue Holzplatte machen.

    Wenn ich den hinteren Teil des Objektivs abschraube, könnte ich den vorderen Teil an der alten Holzplatte mit 5 Schräubchen befestigen. Aber dann läßt sich der hintere Teil nicht mehr an´s Objektiv schrauben, weil das Gewinde zu kurz ist.

  • Die Schraubenlöcher würden schon passen, aber dieses Loch passt nicht so recht zum Objektiv. Evtl. muß ich eine neue Holzplatte machen.

    Wenn ich den hinteren Teil des Objektivs abschraube, könnte ich den vorderen Teil an der alten Holzplatte mit 5 Schräubchen befestigen. Aber dann läßt sich der hintere Teil nicht mehr an´s Objektiv schrauben, weil das Gewinde zu kurz ist.

    Hast du mal in Betracht gezogen; das was hier auf dem Foto 1 und 2 nicht die vordere Seite der Platine auf der Flansch sitzt, sondern die hintere?

    Es scheint mir so das dieses Objektiv in retro Stellung in Gebrauch war.

  • Das Dagor besteht soweit ich weiss aus zwei symmetrischen Elementen, man kann also sowohl das hintere als auch das vordere verwenden.
    Soll 20"x24" locker abdecken, guter Kontrast auch uncoated. Abberationen kann man evtll mit Filtern entgegenwirken, und abblenden halt.
    Vorausgesetzt dass das alte Messinggehäuse/Gewinde noch iO sind..Dagors über 600mm sind ziemlich selten und kostbar.


    https://www.wetplatedreams.com/goerz-doppel-anastigmat-no-8-dagor-480mm-f7-7

    Lens Review: Goerz Dagor 19" (480mm) f/7.7

    bleibt gesund!

    Andreas

  • Leider kann nur die chromatische Aberration durch einen Auszugsfilter behoben werden. Die sphärische Abweichung kann nicht behoben werden, das muss der Konstrukteur machen. Zu Zeiten des Dagors war es aber das technisch mögliche. Es ließen sich nicht alle Fehler gleichzeitig beheben und der hier übrig geblieben ist war der am ehesten zu tolerierende.

    Dieser optische Fehler macht das Dagor bei voller Öffnung aber auch zu einem sehr angenehm zeichnenden Porträtobjektiv. Das wird kaum mal erwähnt vor allem seit Ansel Adams es als den "Scharfzeichner" stilisiert hat. Das Objektiv kann einiges mehr als nur "scharf" sein.

    Die langen Brennweiten sind immer sehr selten. Sie waren für normal verdienende Menschen schier unerschwinglich, zumal in Kontinental Europa. Die meisten der langen Brennweiten finden sich in den USA.

    Es ist interessant mal zu schauen was diese Objektive gekostet haben, das waren unglaubliche Beträge, heute sind das Gegenwerte von 10000-20000 Euronen.

    Mein 360mm Heliar hat in den 1930ern um die $US200 gekostet. Ein Arbeiter bei Ford hat 60 Cent verdient und das war damals viel. D.h. es musste 333 Std. für ein solches arbeiten.

    Das 480mm Dagor ist noch etliche Jahre älter und da waren Objektive im Verhältnis noch teurer. So gesehen sind es absolute Luxusgüter gewesen und wir haben Glück das sich Superreiche dafür überhaupt nicht interessieren.

  • Hast du mal in Betracht gezogen; das was hier auf dem Foto 1 und 2 nicht die vordere Seite der Platine auf der Flansch sitzt, sondern die hintere?

    Es scheint mir so das dieses Objektiv in retro Stellung in Gebrauch war.

    Ja. die Rundung an der Kante des Lochs in der Sperrholzplatte deutet darauf hin, daß das Objektiv verkehrtherum eingebaut war. Aber das kann auch nicht sein, denn weder passt das Objektv komplett in der Loch, noch kann man es zusammen mit der Sperrholzplatte zusammenschrauben. Auch nicht, wenn´s rückwärts eingebaut würde. Das Gewinde am Objektiv ist auch so rum zu kurz.

    Das Dagor besteht soweit ich weiss aus zwei symmetrischen Elementen, man kann also sowohl das hintere als auch das vordere verwenden.

    Du meinst also, daß man nur mit dem halben Objektiv fotografiert? Versteh ich das richtig? War das damals so vorgesehen? Was bewirkt das dann? Eine änderung der Brennweite? Oder welchen Sinn würde das machen?

    Die langen Brennweiten sind immer sehr selten. Sie waren für normal verdienende Menschen schier unerschwinglich, zumal in Kontinental Europa. Die meisten der langen Brennweiten finden sich in den USA.

    Ab wann spricht man denn bei solchen Formaten von einer "langen Brennweite"? Wenn ich das Dagor mit 480mm zum Fotografieren auf einer 20"x24" Platte verwende, dürfte das ungefähr 26mm Brennweite bei Kleinbild entsprechen, was da ja eine ziemlich kurze Brennweite ist.

    Es ist interessant mal zu schauen was diese Objektive gekostet haben, das waren unglaubliche Beträge, heute sind das Gegenwerte von 10000-20000 Euronen.

    Mein 360mm Heliar hat in den 1930ern um die $US200 gekostet. Ein Arbeiter bei Ford hat 60 Cent verdient und das war damals viel. D.h. es musste 333 Std. für ein solches arbeiten.

    Das 480mm Dagor ist noch etliche Jahre älter und da waren Objektive im Verhältnis noch teurer. So gesehen sind es absolute Luxusgüter gewesen und wir haben Glück das sich Superreiche dafür überhaupt nicht interessieren.

    Wirklich "Luxusgüter"? Ich denke eher, daß solche Objektive vor allem von Profis gekauft wurden - also Leuten, die mit Photographieren ihr Geld verdient haben.


    Ich glaub, ich wart jetzt mal auf das Untergestell. Wenn ich das hab, kann ich die Kamera ans Fenster fahren, mir eine passende Holzplatte bauen um das Objektiv zu befestigen und dann ein bisschen mit der Kamera rumspielen...

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