Im Idyll verloren

  • herrlich ausgearbeitet,

    die Gedanken werden angeregt

    insta....

    Getting photographs is not the most important thing. For me it’s the act of photographing. It’s enlightening, therapeutic and satisfying, because the very process forces me to connect with the world…

    (Michael Kenna)

  • Schönes Beispiel für gelungenes Storytelling und zudem eine Bildkomposition mit vielen bewusst gestalteten Details. Kaum etwas dem Zufall überlassen, möchte man meinen. Sehr gut.

    LG, Klaus
    ___
    Langeweile? Was ist das?

  • Ich danke herzlich für eure Rückmeldungen - das weiß ich sehr zu schätzen!

    Im Jahr 2020 habe ich diese Aufnahme in Kressbronn am Bodensee gemacht. Meine Eltern hatten einen kurzen Urlaub gebucht, aber meine Mutter konnte aufgrund beruflicher Verpflichtungen nicht teilnehmen. Daher bin ich spontan mit meinem Vater gereist. Zu dieser Zeit befand ich mich in einer Episode meiner Depression und suchte Ablenkung in der Fotografie. Dabei sind einige Großformate und etliche Aufnahmen auf 35-mm-Film bei Spaziergängen entstanden. Trotz meiner Verfassung blicke ich positiv auf diesen Ausflug zurück.

    Herausforderung bei dieser Aufnahme waren das Haushalten der Schärfentiefe und der gegebene Motivkontrast. Ich glaube, das war meine erste Großformataufnahme, bei welcher ich mit diesen Schwierigkeiten konfrontiert wurde, beziehungsweise bewusst nach einer Lösung suchte. Zeit war genug da, um über die Problematik nachzudenken und ich habe später auf gut Glück kürzer entwickelt, um Schwarzschild und Kontrast zu kompensieren.

  • Schön, nur das Glas hätte ich etwas mehr zur Tischmitte gerückt. So steht es in meinen Augen unglücklich vor dem Türrahmen.

    “I photograph to see what the world looks like in photographs.”

    Gary Winogrand

  • Schön, nur das Glas hätte ich etwas mehr zur Tischmitte gerückt. So steht es in meinen Augen unglücklich vor dem Türrahmen.

    Ich habe angenommen, dass das absichtlich sehr präzise so ausgerichtet ist und finde das gar nicht unglücklich. 😂

    Unglücklich trifft jedenfalls die Stimmung des Fotos - haha

    Ich kann das Argument gut nachvollziehen. Rein kompositorisch betrachtet, wäre das Glas in der Mitte des Tisches bestimmt besser positioniert gewesen. Zum Zeitpunkt der Aufnahme habe ich jedoch lediglich das Bild auf der Mattscheibe betrachtet, und dort hob sich das Glas im Rahmen der Balkontür deutlicher ab. Außerdem gefiel mir der Konflikt mit der Stuhllehne nicht, wenn das Glas davor stand. Die zahlreichen vertikalen Linien im Bild wirken wie Gitterstäbe, und diesen Eindruck wollte ich an dieser Stelle nicht abschwächen. Das Glas weiter nach vorne zu rücken, um den Kontakt mit dem Stuhl zu vermeiden, erschien mir zu konstruiert. In der vorliegenden Fassung finde ich die Platzierung schön unangenehm. Ein Kompromiss wäre vielleicht möglich gewesen. Vielleicht ist aber auch gerade der Diskussionspunkt interessant. Eventuell hätte man so auch besser erkennen können, dass das Glas leer ist. Ich möchte anmerken, dass ich mehr Übung darin habe, mit gegebenen Kompositionen zu arbeiten, als diese zu konstruieren. Deshalb bin ich über jeden Input dankbar!

  • der Standort des Glases ist ein Symbol der Zerbrechlichkeit und es steht ja gefährlich nahe am am Rand.

    So gesehen passt es zur Intention sehr gut.

    insta....

    Getting photographs is not the most important thing. For me it’s the act of photographing. It’s enlightening, therapeutic and satisfying, because the very process forces me to connect with the world…

    (Michael Kenna)

  • Auch wenn ich sonst nur wenig Kommentare absondere: Ich finde die Positionierung des hellen Glases vor dem dunklen Türrahmen total genial, egal, ob Absicht oder (glücklicher?) Zufall.

    Al é bun sciöch' al é ...

  • Mir gefällt die Vorstellung, daß da morgens jemand, vielleicht nicht ganz angezogen, mit der 4x5 auf einem Stativ, in einer Ferienwohnung rumläuft und wichtige Befindlichkeiten oder Momente festhalten will. Möglicherweise war es ganz ruhig, Du kannst also richtig mit eben diesem Moment "korrespondieren", quasi wirklich in sich kehren, bevor Du den Auslöser niederdrückst.
    Da kann man erahnen was in dem Kopf einens Photographen abläuft wenn dabei solche beeindruckenden Photos da Licht der Welt erblicken. Zudem sind das, so empfinde ich das zumindest, oftmals ganz wichtige Zeitdokumente seines eigenen Befinden. Ähnlich wie ein Buch das man zu "bestimmten" Zeiten ließt.
    Auch ich hatte in meinem Leben schwere Momente durchleben müssen, in denen ich das fotografieren begann. Für mich sind das ganz bisweilen wichtige Photographien in meinem Leben geworden. Glückwunsch !

    Die zwei schönsten Geräusche der Welt sind: Ein Verschluss der sich öffnet und wieder schließt.

  • Das zweite Bild habe ich mir gerade ungefähr eine halbe Stunde angesehen, und entdecke immer noch weitere Details, die mich begeistern. Technisch und kompositorisch beeindruckend, mit einer sehr persönlichen Komponente. Im Sinne des Wortes: "personare" = "hindurchtönen", ich sehe da weniger die Dokumentation von irgendeinem Frühstücksarrangement, sondern die Vermittlung einer sehr individuellen Stimmung. Ich bin mir nicht sicher, wenn mir ein vergleichbares Bild gelingen würde, ob ich dieses öffentlich machen würde. Jedenfalls Danke fürs Zeigen!

  • Erneut möchte ich mich herzlich für eure wertvolle Zeit und die ermutigende Anerkennung meiner Aufnahmen bedanken. Eure Unterstützung bedeutet mir sehr viel und motiviert mich enorm.

    Wie es bei unbekannten Orten oder temporären Ortswechseln oft der Fall ist, fällt mir die Inspiration für Aufnahmen dann besonders leicht. Beim Fotografieren spüre ich das immer wieder. Neugier ist zweifellos das wichtigste Gut im Reisegepäck - oder der Fototasche. Wie unschwer zu erkennen ist, bin ich ein großer Bewunderer der klassischen Fotografie. Das kleine Ferienhaus, in welchem wir unterkamen, war von der Einrichtung eher klassisch und spartanisch zu beurteilen. Ich liebe es, wenn Ferienwohnungen den Eindruck erwecken, als sei die Zeit ein wenig stehengeblieben. Hier kam bei mir sofort die Lust, Fotos zu machen, die der Ästhetik klassischer Meisterinnen und Meister der Fotografie entsprechen. Ich hatte das Gefühl, diesen Menschen ein Stück näherzukommen, während ich mich mit den dortigen Sujets auseinandersetze. Dabei bin ich mir der Gefahr bewusst, in eine Klischeefalle zu tappen, denn selbst wenn klassische Schwarzweißfotografie zeitlos ist, sind es die Motive vielleicht nicht immer. Doch diese Umgebung und das ursprüngliche Erleben, insbesondere durch die Fotografie, hatten eine wohltuende Wirkung auf mich. Zumindest während ich fotografierte. Abends habe ich mich mit Wein und Filmen des Studio Ghibli abgelenkt.

    Da ich mich als kulturschaffenden Fotografen sehe, gehört das Zeigen meiner Arbeiten für mich untrennbar dazu – sei es in Form von Büchern, Ausstellungen oder im Internet. Es ist das schönste Gefühl für mich, wenn ich andere Menschen mit meiner Arbeit inspirieren kann. Inspiration durch die Werke anderer Künstlerinnen und Künstler zu erhalten, ist schon wunderbar. Was ich an Inspiration gewinne, gebe ich gerne weiter.

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!