Realität und Fotografie

  • Blende8 schrieb:
    Klaus schrieb gleich in seiner ersten Antwort zu diesem Thema:
    "Es liegt ja auf der Hand, das Fotografie nur das abbilden kann, was sie sieht. Da sie das aber niemals objektiv tut und auch nie tun kann.liegt es ebenfalls auf der Hand, daß man beim Fotografieren das was da ist lediglich interpretiert. Also ausschließlich subjektiv darstellt."


    Zunächst ist "die Fotografie" weiblich und schon deshalb zum Denken und Umdenken unfähig. D.h., "die Fotografie" kann nur objektiv dokumentieren.
    ...allerdings auch nur, wenn mann es will. Irgendwer muss ja auf den Auslöser drücken.
    - Ursprünglich die Erfindung einer komplexen Technik zum Zweck der max. objektiven visuellen Dokumentation.-


    Wenn mann allerdings beim Fotografieren durch Veränderung von technischen Parametern inkl. Standpunkt das, was da für den Menschen sichtbar ist, lediglich interpretiert, strebt mann ein subjektives Ergebnis an.
    Die Interpretation ist die zweite Möglichkeit , wie mann Fotografie nutzen kann.


    "Ich sehe was, was du nicht siehst und zeige es Dir", "sagt" die fotografische Technik zum Menschen und beschreibt damit die dritte Möglichkeit, nämlich das für das menschliche Auge Unsichtbare mit phototechnischen Mitteln sichtbar zu machen.


    Zum besseren Verständnis: "Die Fotografie" definiert aus meiner Sicht eine Technik zum Zweck der Dokumentation und keinen Menschen, wie Klaus darstellt. Zur Verdeutlichung habe ich den Unsinns mit dem unsinnigen Vergleich "weiblich" karikiert.
    Fototechnik kann nicht denken und ist daher objektiv und nicht subjektiv, Klaus.


    Erst durch menschliche Manipulation der Technik wird die Realität interpretiert oder subjektiv gesehen.
    In beiden Fällen sieht der Mensch, was er dokumentieren oder interpretieren möchte.


    Dann gibt es noch den Fall, dass die Technik zuerst "sieht" bzw. für den Menschen sichtbar macht und ihm die Entscheidung über das weitere Vorgehen überlässt. Das kann auch visualisierte abstrakt-technische Realität sein.


    HG, blende8

  • Hallo Andreas, das soziale Evolutionsmodell von Marx und Engels hat mit dem von Dir vorgetragenen Thesen kaum etwas zu tun. Mit dem Basis-Überbau-Modell von 1845, wie ich es nenne, wurde ein Modell (analog heute Klimamodell...) insofern geschaffen, als sich damit die soziale Evolution erklären läßt, insofern theoretische Soziologie und nicht naturgesetzlicher Ablauf konkreter Entwicklungen. Allein dieses naturgesetzlich, von dem Marx mal spricht, war damals ganz anders verstanden, nicht aber deterministisch, die Revolution kommt nicht von allein... Die Systeme des realen Kommunismus hätten Marx und Engels wahrscheinlich als kleinbürgerliche Projekte des "wahren Sozialismus" verlacht (bei weiterem Interesse siehe meine Homepage).


    Mit Fotografie hat das insofern zu tun, als Marx von seinem Schwiegersohn Lafargue in London einen fotografischen Betrieb übernahm (Abzugspapierherstellung?), mit dem ein Patent verwertet werden sollte, das aber nicht funktionierte. Als Lafargue nach Paris ging, wurde Marx der Abwickler. Und Marx mit Familie wie Engels waren immer wieder Kunden bei Portraitfotografen.


    Gruß
    lars

  • Quote from "Commander8x"


    Wie´s beliebt.....!
    Aber nicht mehr heute, ich war bis grad eben draußen draußen, Dias machen.


    Bis demnächst, Matthias




    Hi Matthias,


    lass dir ruhig Zeit, wir können ja noch diskutieren, bis wir alt und zerknittert sind :P .


    Grüsse
    sanchi

  • Quote from "Blende8"


    Fototechnik kann nicht denken und ist daher objektiv und nicht subjektiv, Klaus.


    Da hast Du was gründlich mißverstanden! Die Rede war NICHT von Fototechnik - die Rede war von Fotografie!


    Quote from "Blende8"


    Erst durch menschliche Manipulation der Technik wird die Realität interpretiert oder subjektiv gesehen.
    In beiden Fällen sieht der Mensch, was er dokumentieren oder interpretieren möchte.


    Das ist doch genau das, was ich sagte!!


    "Manipulation der Technik" . . . ist eine Worthülse. Faktisch "manipulierst" Du bereits durch die Wahl des Kamerastandpunktes, also die Wahl der Perspektive in der Du etwas betrachtest. Das ist bereits eine entscheidende rein subjektive Handlung. Denn damit bestimmst DU die Weise - die Perspektive im optischen wie im übertragenen Sinn - etwas zu sehen.
    DAZU kommt dann noch die "Manipulation der Technik", indem Du eine bestimmte Brennweite wählst - damit also Bildwinkel und optischen Eindruck (WW, Tele usw.) festlegst, dann durch die Belichtung (knapp/üppig) den Grad der Helligkeit und der Farbigkeit bestimmst. Und zuvor - nicht zu vergessen - ein weiteres Parameter bewußt vorgewählt hast: den Film.


    Das alles geschieht, BEVOR Du den Auslöser zum ersten Mal gedrückt hast bei einem Motiv. Du gehst also bereits manipulativ ans Fotografiren eines Motivs heran bevor Du es ÜBERHAUPT fotografierst.


    Weiter: gesetzt den Fall, Du machst das Foto im Kontext eines Projekts, eines übergeordneten Themas . . dann geschieht allein die Auswahl des Motivs bereits subjektiv.


    Wenn also das Motiv dann fotografiert ist und im Labor oder per EBV weiterverarbeitet wird (und dabei ggf. weiter manipuliert wird) ist dem Vorganf des Fotografierens bereits mental ein ganzer Prozess vorausgegangen. Ist das Foto fertig kommnt die Auswahl des Rahmens, der Ort und die Beleuchtung wo es wie hingehängt wird und in welchem Kontext es hängt.


    Das Foto hat dann eindeutig erkennbar einen eigenen Charakter, eine eigene "Gestalt" - deren Gestaltung Du bereits VOR dem Fotografieren begonnen hast festzuschreiben.


    Ist also von der Realität weit entfernt! War es bereits im Moment der Belichtung.


    Gleichzeitig kann ein Foto nur das zeigen was vorhanden ist. Nicht Mehr. Weniger aber schon, wenn es unter- oder überbelichtet ist und Details nicht zeigt, die es zeigen könnte.
    Metaphysisches kann ein Foto nicht zeigen - außer vielleicht der schon angesprochenen Kirlian- und vergleichbarer Fotografie (wie weit das dann wirklich meta-physisch ist sei mal dahingstellt . . )


    Gruß, Klaus


    P.S.:


    natürlich zeigt dokumentarische Fotografie - Capa, Salgado, Franck usw. - die "ungeschminkte Realität" . . ungeschminkt aber nur in dem Sinn, als sich die Realität keiner Mimikri bedient (Kriegsfotos, Katastrophen usw.).
    Aber auch pure dokumentarische, Fotografie zeigt immer einen vom Fotografen willkürlich gewählten Ausschnitt - räumlich und zeitlich. Bildwinkel/Perspektive, Belichtungszeit.
    Ich hoffe niemand glaubt wirklich, die Realität als eine "Zeitscheibe" von 1/125 Sekunde und mit einer willkürlich, gestalterisch, bewußt gewählten perspektive über den Bildwinkel eines 35mm Objektivs einer KB oder eines 90mm Objektivs einer GF wiedergeben zu können . . .


    Das ist ja auch weder möglich noch ist es nötig! Zu zeigen, wie etwas IST erscheint mir wenig interessant. Die Sicht eines Autoren auf ein Ereignis, seine persönliche Einstellung dazu, seine Empfindungen dabei . . kurz: die "Geschichte", die er uns mit einem Bild erzählen will: DAS ist interessant an der Fotografie!
    Je gekonnter er seine Geschichte erzählt, je mehr sie uns berührt, je mehr sie im Idealfall in uns etwas in Bewegung setzt - desto besser ist sie erzählt!

    herzlichen Gruss, Klaus
    -----------
    “Simplicity is the keynote of all true elegance.” Coco Chanel

    Edited once, last by klausesser ().

  • Quote from "LarsHennings"

    Mit Fotografie hat das insofern zu tun, als Marx von seinem Schwiegersohn Lafargue in London einen fotografischen Betrieb übernahm (Abzugspapierherstellung?), mit dem ein Patent verwertet werden sollte, das aber nicht funktionierte. Als Lafargue nach Paris ging, wurde Marx der Abwickler. Und Marx mit Familie wie Engels waren immer wieder Kunden bei Portraitfotografen.


    Gruß
    lars



    Is eben Alles mit Allem verbunden :P

  • Quote from "LarsHennings"


    Und Marx mit Familie wie Engels waren immer wieder Kunden bei Portraitfotografen.


    Na - da hat Paris Hilton ja auch wahnsinnig viel mit Fotografie zu tun . . . :mrgreen:

    herzlichen Gruss, Klaus
    -----------
    “Simplicity is the keynote of all true elegance.” Coco Chanel

  • Quote from "LarsHennings"


    Mitte des 19. Jh., Klaus.

    . . . .


    och - ich dachte, der wäre immer noch bei den Backstreet Boys . . . . :shock::roll:

    herzlichen Gruss, Klaus
    -----------
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  • Düsseldorf muss ein Eldorado für Filmfotografen sein.... !
    Ich warte eine Woche, bis die Filme von Fujicolor Gera wiederkommen.


    Quote from "klausesser"

    "Gerätepark" von vielleicht 10 Kameras und 25 Objektiven, 12 Stativen, ..... etc pp. .....
    ......
    Es geht darum, ein im Sinne der Aufgabe ästhetisch wie technisch optimales Ergebnis zu erreichen. EGAL WIE!!.....


    Hallo Klaus,


    "Gerätepark" klingt wie "Apparatemedizin" in meinen Ohren.


    Allerdings ist der Gerätepark allein kein Garant für Erfolg. Man darf zwei Dinge nicht vergessen:
    1. Jedes Gerät ist nur so gut wie sein Bediener.
    2. Wer nicht "sehenden Auges" arbeitet, also nicht den Willen und die Fähigkeit zur Gestaltung besitzt, wird wohl nichts von Wert hervorbringen; also etwas, das entweder gekauft oder von Anderen für betrachtenswert gehalten werden wird.
    Das gilt für Amateure und Profis gleichermaßen.


    Quote from "klausesser"

    Zu zeigen, wie etwas IST erscheint mir wenig interessant. Die Sicht eines Autoren auf ein Ereignis, seine persönliche Einstellung dazu, seine Empfindungen dabei . . kurz: die "Geschichte", die er uns mit einem Bild erzählen will: DAS ist interessant an der Fotografie!
    Je gekonnter er seine Geschichte erzählt, je mehr sie uns berührt, je mehr sie im Idealfall in uns etwas in Bewegung setzt - desto besser ist sie erzählt!


    Mist, jetzt hast Du mir das Wort aus dem Mund genommen. Genau das wollte ich auch schreiben.....
    Das ist das Einfache, das schwer zu machen ist. Man braucht dazu wache Sinne und die Bereitschaft, sich stets selbst zu überprüfen und in Frage zu stellen.


    Ich bin mittlerweile davon überzeugt, daß man einem Bild ansehen kann, ob es mit innerer Beteiligung gemacht wurde oder nur nach Sondierung der Marktlage. Das gilt für die gesamte bildende Kunst - also nicht nur für Fotografie, sondern auch z.B für die Malerei.
    (Ich sehe schon, gleich entwickelt sich wieder mein Lieblingsfeindbild, also bitte niemand was über Jörg Immendorf oder Neo Rauch einwerfen, dann wird mir ungemütlich....)


    Natürlich setzt das zwingend voraus, aß man sich vordem eigentlichen "Schaffensprozess" schon mit seinem Thema befasst und sich innerlich darauf eingestellt haben muss.


    Die Redewendung "...ein Bild muss eine Geschichte erzählen..." halte ich persönlich für eine zu allgemeine Floskel, die gern und oft in Amateurkreisen :mrgreen::mrgreen: benutzt wird. Es gibt sehr wohl Bilder, die nicht sprechen, sondern gerade durch ihre Statik/ihr Schweigen Wirkung entfalten.


    Gruß, Matthias


    P.S.
    Verstehe nicht, was Marx & Co. in dieser Diskussion verloren haben.


    Mir schwellen bei dem Namen gleich die Mandeln, denn ich hatte das sozusagen "in der Praxis", was die meisten Disputanden hier nur aus der Theorie und gelegentlichen Besuchen bei der Ost-Verwandtschaft kennen. Die letzten 19 Jahre der real existierenden M&E&L-Theorie waren meine ersten. So Slogans wie "Die Lehre von Marx ist allmächtig weil sie wahr ist" haben sich mir gut eingeprägt...

  • Quote from "Commander8x"


    Mir schwellen bei dem Namen gleich die Mandeln, denn ich hatte das sozusagen "in der Praxis", was die meisten Disputanden hier nur aus der Theorie [....] kennen.


    Das ist das Problem. Das, was alle Welt für die Praxis hält, hatte mit der Theorie überhaupt nichts zu tun.


    Ulrich

  • ...und ich kann Dir versichern, mich interessiert jetzt weder das eine noch das andere mehr.
    Besonders die Frage "Was wäre wenn...?" geht mir sowas von am A.... vorbei.
    Und ich mag auch nicht mit Leuten darüber diskutieren, die das Wasser nicht trinken mußten, das ihnen gar nicht mal gepredigt wurde.


    Entschuldige meine deutlichen Worte.


    Matthias

  • Hallo Sanchi,


    jetzt zu Dir..... :D


    Quote from "sanchi heuser"

    mir kommt es in der Darstellung der Natur unter anderem auf eine Detailgenauigkeit an, je mehr Einzelheiten desto besser.
    Weil die Ausarbeitung bis in die kleinsten Details, ein sehr wichtiger Aspekt in der Arbeitsweise der Natur ist. Es wäre ja denkbar, daß alles in der Natur viel einfacher, gröber und unkomplizierter aufgebaut und organisiert ist - ist es aber nicht!


    Ich glaube, daß man das so nicht sagen kann. Wer weiß schon, wie "Die Natur" arbeitet? Jährlich werden Nobelpreise für die Arbeit an der Beantwortung solcher Fragen vergeben, aber bislang wurden immer nur klitzekleine Teilergebnisse erreicht. Die Komplexität der Vorgänge in der Natur ist vermutlich höher als unsere Vorstellungskraft, deshalb können wir immer nur Teilwissen erreichen. Mit anderen Worten: Du wirst nie eine genügend hohe Auflösung (Genauigkeit) erreichen, egal wie weit Du in die Details vordringst. Es wird immer noch Fakten und Zusammenhänge geben, die Dir verborgen bleiben. Und wenn Du wirklich ganz tief drinnen bist, dann steckst Du so tief in einem Geflecht aus Zusammenhängen drin, daß Du die Gesetzmäßigkeiten ihres Zusammenwirkens nicht mehr erkennen kannst (sozusagen eine "Heisenbergsche Unschärferelation" für Biologisten).
    Gesetzt den Fall, Du kämst bei der Makroaufnahme einer Blume immer näher heran, die "Auflösung" würde immer größer. Irgendwann würde man nicht mehr erkennen, ob da eine Blume abgebildet wurde, oder nasagenwama ein Darmbakterium. Hat Dir dann die Suche nach den kleinsten Details weitergeholfen? Eher nicht, wenn nämlich die Abbildung einer Blume als Blume Dein Ziel war und nicht die Struktur ihrer ribosomalen DNA.


    Abgesehen von alldem gibt es noch einen Faktor namens "Zufall". Wären wir heute alle Dinosaurier, wenn nicht zufällig der Riesen-Meteorit damals die Erde verfehlt hätte (oder so ähnlich)?


    Vermutlich wird die Lösung so aussehen, daß Du auswählen mußt, welche der von Dir erkannten Eigenschaften / Fakten / Merkmale Dir besonders hervorhebenswert sind. Deren Darstellung wird Deine "subjektive Realität" sein.


    Quote from "sanchi heuser"

    Ich hatte mal die Idee, die Realität "direkt und ungeschönt" zu zeigen. Dabei wollte ich eine Darstellung,"in der jeder kleinste Krümel zu sehen ist" ereichen. Natürlich ist jedes Foto nur ein winziger Ausschnitt, einer riesigen und sich ständig änderndern, Welt.
    Ich wollte deshalb Orte oder Situationen finden, die irgendwie diese, schwer faßbare Wirklichkeit, besonders hervorstechen lassen.


    Ich denke, daß mittlerweile klar genug geworden ist, daß diese Suche ein ganz individuelles Ergebnis zeigen wird; mit anderen Worten: die Lösung des Problems findet sich ausschließlich in Dir und durch Dich, und deshalb wird es eine subjektive, durch Dich geprägte/beeinflusste Antwort sein.


    Quote from "sanchi heuser"

    Was hat es für mich einen Sinn, wenn ich die Schönheit in der Natur suche und versuche, sie in Fotos wiederzugeben, wenn auf der anderen Seite, die Alltagsrealität die Menschen so niederdrückt?
    Mein spontaner Gedanke war, nur noch diese Alltagsrealität darzustellen.
    Dann wiederum dachte ich an die ganzen schönen Szenen in der Natur...


    Ich versuche nun, diese scheinbar entgegengesetzten Seiten, als Polaritäten zu sehen,als verschiedene Sehweisen, die gleichzeitig die Welt einmal als Jammertal begreifen und das andere Mal, als Quelle von Schönheit (oder dem was ich als Schönheit wahrnehme).


    Beides Male kommen mir die vielen Details im 4x5 Format entgegen.


    Wie würdest Du das denn machen wollen, diese "Alltagsrealität" abzubilden? Und wie kann Dir da ein größeres Aufnahmeformat von Nutzen sein?

  • "Die Redewendung "...ein Bild muss eine Geschichte erzählen..." halte ich persönlich für eine zu allgemeine Floskel, die gern und oft in Amateurkreisen benutzt wird."


    Vielleicht, weil Leute schonmal was anderes lesen als geschrieben steht . . .


    ich sagte nicht: "ein Bild muß eine Geschichte erzählen" - ich sagte: "Die Sicht eines Autoren auf ein Ereignis, seine persönliche Einstellung dazu, seine Empfindungen dabei . . kurz: die "Geschichte", die er uns mit einem Bild erzählen will:"


    Das ist ein Unterschied.


    Ein Foto, mit dem der Fotograf NICHT etwas über SEINE Sicht der Dinge mitteilt ist per se unmöglich. So, wie jemand auch etwas über sich erzählt , wenn er eine fiktive Geschichte schreibt, so zeigt/"erzählt" ein Fotograf etwas von sich wen ner ein Foto macht.


    Die Art und Weise wie er es macht "spricht"/"erzählt" was über ihn. Nicht unbedingt immer zu seinem Vorteil . . . es kann auch Nachlässigkeit, Ungenauigkeit, Flüchtigkeit, Minderwertigkeitsgefühle oder auch Größenphantasien offenlegen.
    Andersrum kann es über sein Engagement, seine Liebe zum Detail, seine Hingebung an eine Idee, seine Phantasie erzählen.
    Übrigens ist das vollkommen unerheblich, ob er GF benutzt oder Digital oder eine Lochkamera.


    Es gibt diese Beispiele in der Literatur - man lese "Der Zauberberg", Ulysses, Tod in Venedig" oder 2der Mann ohne Eigenschaften" . . Liebe zum Detail, keine Scheu vor Aufwand, Lust an der Sprache, Spiel mit Charakteren . . Beeindruckend!


    Viele Fotos sind vor lauter Schlichtheit beeindruckend auf dem Punkt - Fotografen wissen, daß hinter vielen schlicht und einfach aussehenden Fotos ein irrer Aufwand stecken kann. Ich bewundere Menschen die keinen Aufwand scheuen, ihre Ideen zu visualisieren - da wartet man schonmal nicht ein paar Stunden sondern Tage auf den richtigen Moment, an dem Licht und Motiv optimal zusammenpassen, beschäftigt sich bei Portraits u. U. zwei Tage mit einem Menschen, sucht eine zu ihm passende Umgebung, schleppt Licht heran, baut stundenlang auf und leuchtet ein usw.
    Ob man das dann auf GF oder sonstwas fotografiert ist noch das am wenigsten Wichtige oder Interessante.


    Mir ist ein hingebungsvoll, phantasievoll, engagiert gemachtes KB- oder digitales Foto allemal lieber als ein zwar mit wichtigtuerischer Geste aufgesetztes aber vollkommen langweiliges GF voller "Detailgenauigkeit" . . .

    herzlichen Gruss, Klaus
    -----------
    “Simplicity is the keynote of all true elegance.” Coco Chanel

  • Klaus,
    wieso besprenkelst du deinen Gedankengang wieder mit dem tausendfach umgewälzten Reizwort der Formatfrage ? Gibt's da ein persönliches Feindbild :mrgreen: ? Die von dir erwähnten literarischen Werke: Mein Gott - Hut ab, wenn du all das (incl. "Mann ohne Eigenschaften") so aufgesogen hast, dass ein
    krachender Analogieschluss zur Fotografie gelingt. Castorpsche röchelnde Grüße
    Henrik

  • Klaus schrieb:
    "Ein Foto, mit dem der Fotograf NICHT etwas über SEINE Sicht der Dinge mitteilt ist per se unmöglich".
    Wenn ich eine fotografische Reproduktion mache, mache ich das Unmögliche möglich!?


    Blende8 schrieb:
    Fototechnik kann nicht denken und ist daher objektiv und nicht subjektiv, Klaus.


    Klaus antwortete:
    "Da hast Du was gründlich mißverstanden! Die Rede war NICHT von Fototechnik - die Rede war von Fotografie!"
    Obiges Beispiel der fotografischen Reproduktion (Dokumentation) war meinem Verständnis nach das Ur-Ziel, die Foto-Technik zu entwickeln.
    Bei dem Beispiel sind Foto-Technik und Fotografie noch identisch.


    Danach kommen die individuellen fotografischen Ambitionen mit ihren visualisierten Absichten und nicht selten eingebettet in zusätzlich erklärender Verbal-Akrobatik. Das weist schon auf ein Kommunikationsproblem der interpretierenden Abbildung hin bzw. auf das Problem von Anspruch und Realität.
    Egal wie und was da kommt, vor PC-Zeiten hieß es : "Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht!" Seit der Verbreitung des PC weiß man, dass auch ein PC nicht frisst, was er nicht kennt.
    Und genau so verhält es sich auch beim menschlichen Betrachter von Fotografien.


    Übrigens: Damit ist auch schon grundlegend beantwortet, was ein Foto "gut" macht. "Gut" lässt sich nicht verallgemeinern sondern nur als "gut für X, Y, Z" beantworten.


    HG, Blende8


  • "Wenn ich eine fotografische Reproduktion mache, mache ich das Unmögliche möglich!?"


    Was sollen denn solche Wortklaubereien!!!!!!!


    "Obiges Beispiel der fotografischen Reproduktion (Dokumentation)"


    Wir reden über Fotografie und nicht über Reproduktion, zum Henker! Fotografische Reproduktion und fotografische Dokumentation sind zwei paar Schuhe - wem das nicht klar ist sollte sich vielleicht auf das Abfotografieren von Bildern beschränken


    "Danach kommen die individuellen fotografischen Ambitionen mit ihren visualisierten Absichten und nicht selten eingebettet in zusätzlich erklärender Verbal-Akrobatik. Das weist schon auf ein Kommunikationsproblem der interpretierenden Abbildung hin bzw. auf das Problem von Anspruch und Realität.
    Egal wie und was da kommt, vor PC-Zeiten hieß es : "Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht!" Seit der Verbreitung des PC weiß man, dass auch ein PC nicht frisst, was er nicht kennt.
    Und genau so verhält es sich auch beim menschlichen Betrachter von Fotografien."


    Gefasel, entschuldige bitte, versteh ich nicht. Muß ich, glaub ich, auch nich.


    "Übrigens: Damit ist auch schon grundlegend beantwortet, was ein Foto "gut" macht. "Gut" lässt sich nicht verallgemeinern sondern nur als "gut für X, Y, Z" beantworten."


    Eine umwerfende Erkenntnis . . . herzlichen Glückwunsch . . gut, daß wir drüber geredet haben . . :mrgreen::mrgreen:


    Da leg ich mir doch lieber gutes Vinyl auf, höre feinen Jazz und spare mir das Gestarre auf´s Display . . 8)


    Gute Nacht, Blende acht . . :mrgreen:

    herzlichen Gruss, Klaus
    -----------
    “Simplicity is the keynote of all true elegance.” Coco Chanel

  • Quote from "klausesser"

    Ein Foto, mit dem der Fotograf NICHT etwas über SEINE Sicht der Dinge mitteilt ist per se unmöglich. So, wie jemand auch etwas über sich erzählt , wenn er eine fiktive Geschichte schreibt, so zeigt/"erzählt" ein Fotograf etwas von sich wen ner ein Foto macht.


    Nanu? Wie ist es dann bei der Auftragsfotografie, wenn ein Auftraggeber dem Fotografen seine Vorstellung überhilft, frei nach dem Motto "Ich habe die Musik bezahlt, also bestimme ich auch was gespielt wird?"


    Oder wenn äußere Umstände (etwa ein repressives Regime) ihn dazu nötigen, seine Sicht auf die Dinge so anzupassen, daß sie nicht mehr auffällig sind und sich im akzeptierten Bereich bewegen?
    Ich denke da z.B. auch an die Werke der Amateur-Arbeiterkunst, die in der DDR im Anschluß an die Bitterfelder Konferenz entstanden sind ("Greif zur Feder, Kumpel!" beispielsweise als Slogan für die Zirkel schreibender Arbeiter). Da wurden ohne äußeren Druck Aberhunderte von Arbeitern am Schmelzofen / in der Raffinerie / auffem Bau erzeugt. Übrigens unter Anleitung von Berufskünstlern, die NPT (Nationalpreisträger) waren oder "Verdienter Künstler des Volkes"...


    Gruß, Matthias

    • Official Post
    Quote from "Commander8x"

    Nanu? Wie ist es dann bei der Auftragsfotografie, wenn ein Auftraggeber dem Fotografen seine Vorstellung überhilft, frei nach dem Motto "Ich habe die Musik bezahlt, also bestimme ich auch was gespielt wird?"


    Hallo Matthias,


    wenn ein Auftraggeber einen Fotografen aussucht kennt er im Allgemeinen dessen Arbeiten und sucht ihn deshalb aus weil die Art der Fotografie seinen Vorstellungen am nächsten kommt. Es sei denn er schaut nur nach dem Preis und sucht sich einen Amateur mit Fotokenntnissen, weil der dann die Arbeit "schwarz" für ihn macht.


    Aber auch wenn z. B. der Grafiker ein genaues Layout gezeichnet hat wird die Aufnahme keine "Reproduktion" sondern eine Produktion bei der die Vorstellungen des Auftraggebers und die des Fotografen zu einem neuen Ganzen werden. Das sowohl die Hand des Fotografen als auch die des Grafikers erkennen läßt.


    Peter K

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