Historisches Objektiv ICA Litonar

  • Hallo Forenten,

    ich hatte neulich das Glück, eine wunderschöne und sehr gut erhaltene ICA 10x15 Kamera, eine Orix 308, aus der Bucht zu fischen. Darin befindet sich ein Doppel-Anastigmat "Litonar" 1:6,8 / 16,5cm in einem Compur-Verschluss.

    Kennt jemand dieses Objektiv? Informationen darüber sind sehr spärlich. Um was für einen Typ handelt es sich hierbei? Wie sind eure Erfahrungen mit Kamera / Objektiv ?

    Ich konnte noch keine Bilder mit dem guten Teil machen, weil die Planfilmeinlagen für meine PLattenhalter noch unterwegs sind. Das schöne Wetter lockt einen ja geradezu raus in die Landschaft, um ein paar verträumte Winterlandschaften im Postkartenformat damit zu machen. Bin schon gespannt, wie meine ersten Ergebniss werden.

    Btw, falls noch jemand 10x15 Filmhalter übrig hat - ich wäre interessiert!

    Bis dahin würde ich mich freuen, wenn ich ein paar Informationen zusammentragen könnte.

    Danke schon mal und viele Grüße
    Matthias

  • Hartmut Thiele in "Deutsche Photo-Objektive von A - Z" gibt als Hersteller OAS an, allerdings mit einem Fragezeichen versehen. "OAS" steht für Optische Anstalt Saalfeld, die - gegründet 1911 - Kamerahersteller mit Objektiven belieferte und schon nach wenigen Jahren von Zeiss Jena übernommen wurde. Das Lithonar 6,8 wurde (so Thiele) ab 1913 in Brennweiten von 105 - 180mm hergestellt und besteht aus vier freistehenden Linsen.
    Gruß
    Uli

    Alles kommt zu dem, der warten kann

  • Danke Uli,

    kling ja interessant. Ich bin im Objektivbau nicht so theoretisch bewandert, aber ein Doppelanastigmat ist doch eine streng symmetrische Konstruktion, bei der jede Hälfte als Einzelobjektiv mit Korrektur für Astigmatismus funktioniert. Wenn das Litonar nun aus vier frei stehenden Linsen besteht, kann man das Objektiv dann schon als Vorläufer des Planar sehen? Es ist doch dann ein Gauß-Typ, oder? Meyer hatte doch einen sog. Aristostigmaten gebaut, der ebenso symmetrisch aus vier Einzellinsen bestand.

    Wie auch immer, das Ergebnis in der Fotografie zählt, interessant ist es dennoch, sich mit der Konstruktion zu beschäftigen...

    Viele Grüße
    Matthias

  • Quote

    ICA 10x15 Kamera, eine Orix 308

    Hallo Matthias

    Ich habe ja genau die gleiche Kamera, aber ich finde nirgends eine Bezeichnung des Objektivs, muss man es abschrauben um die zu finden?

    Gruss Armin

    " You push the button and we do the rest."
    Kodak Werbespruch!
    Today
    "You push the button and the pixels do the rest"

  • Quote from "johnars"

    Hallo Matthias

    Ich habe ja genau die gleiche Kamera, aber ich finde nirgends eine Bezeichnung des Objektivs, muss man es abschrauben um die zu finden?

    Gruss Armin

    Hallo Armin,

    bei meinem Objektiv ist das vorne am Stirnring eingraviert. Vielleicht wurde Dein Objektiv mal repariert und der Ring gewechselt, oder Du hast ein anderes Objektiv.

    Viele Grüße
    Matthias

  • "Anastigmat " heißt nur, dass das Objektiv auf Astigmatismus ( Punktlosigkeit) korrigiert ist, was auch mit 3 Linsen, also auch un-symmetrisch geschehen kann. Und es gibt viele Anastigmate, bei denen man keineswegs die "Hälften" vor und hinter der Blende einzeln verwenden kann, so z.B. auch nicht beim Tessar-Typ, geschweige denn bei den modernen Hochleistungsobjektiven. Die sind alle als Gesamtheit konstruiert, und wenn sich mit einer Hälfte vielleicht auch ein Bild auffangen lässt (weil sie positive Brennweite hat), dann sicher nicht ännähernd mit der Abbildungsqualität, die das ganze Objektiv bringt.
    Gruß
    Uli

    Alles kommt zu dem, der warten kann

  • Hallo Uli,

    danke nochmal für Deinen Input. Das ein Anastigmat lediglich den Astigmatismus korigiert ist schon klar und dass die meisten nichtsymmetrische Konstruktionen sind, ist mir auch bewusst. Die Benutzung des Begriffs Doppel-Anastigmat ist mir jedoch nicht ganz klar. Bei Johannes Flügge, "Das Photographische Objektiv" wird dieser Typ als Sonderform der Anastigmaten gleichbehandelt mit sog. Satzanastigmaten und sämtliche gelisteten Beispiele sind symmetrisch. Deshalb meine Annahme, aber da ich keine weiteren Quellen habe, ist das sicher nicht fundiert. Nur deshalb nehme ich an, dass mein Litonar symmetrisch aufgebaut ist, ist aber eben nur eine Annahme.

    Viele Grüße
    Matthias

  • Matthias,
    ich hatte leider deine Frage nicht genau gelesen. Pardon!

    Die Bezeichnung "Doppelanastigmat" ist in der Tat nicht ganz klar. Für alle DA gilt zumindest, dass ihre Hälften an-astigmatisch und einzeln verwendbar sind. Man kann sie insofern also zu den "Satzobjektiven" zählen - mit der Einschränkung allerdings, dass (nach meinem Verständnis) Dopppelanastigmate vorn und hinten gleichen Aufbau und gleiche Brennweite haben, also vollsymmetrisch sind und damit nur zwei Brennweiten bieten, während bei "ausgewachsenen" Satzobjektiven die Einzelkomponenten unterschiedliche Brennweiten aufweisen (Halbsymmetrie). Dies erklärte dann. warum die Hersteller manche Objektive entweder als Doppel-( Protar, -Plasmat usw.) oder als Satz- (Protar, Plasmat...) angeboten haben. In jedem Fall ist es aber so, dass der Konstrukteur vor einem zusätzlichen Problem stand, wenn er zusätzlich zur Leistung des Gesamtobjektiv auch noch auf bestmögliche Verwendbarkeit der Hälften hin rechnen musste.

    Gruß
    Uli

    Alles kommt zu dem, der warten kann

  • Hallo Matthias,

    wenn Dein Objektiv symmetrisch aufgebaut ist hat sowohl Vorder- als auch Hinterglied dieselbe Brennweite und zwar die doppelte des Gesamtobjektives. Also bei Deinem ungefähr 330mm. Ungefähr weil die tatsächliche Brennweite fast immer von der gravierten Brennweite abweicht.

    Um das zu überprüfen kannst Du das vordere Teil aus dem Verschluß schrauben um dann zu versuchen ob Du ein Bild auf der Mattscheibe sehen kannst. Wenn ja und der Verschluß keiner der Größe #1 ist, bei dem sind vorderes und hinters Gewinde unterschiedlich groß, schraubst Du das Vorderglied in das hintere Gewinde des Verschlusses. Fokus und Bildgröße sind ungefähr gleich wenn das Objektiv symmetrisch aufgebaut ist.

    Wenn Du das vordere Teil nicht nach hinten setzen kannst oder umgekehrt, also wenn das Objektiv z. B. in einem Compur #1 eingebaut ist, wirst Du unterschiedlich lange Auszüge bekommen auch wenn die Brennweiten der Hälften gleich ist weil die Hälfte eines Objektivs immer stark unsymmetrisch ist. Da hilft dann nur die Brennweite über die Abbildungsgröße eines Objektes abzuschätzen.

    Oder Du kannst die Brennweite mit der "x = f * tan(Theta)" Methode ermitteln. Dazu wird die Kamera auf ein stabiles Stativ mit einem "Panoramakopf" montiert, wo man ablesen kann um wieviel Grad gedreht wurde. Wenn Du dann auf ein weit entferntes Objekt wie z. B. eine Kirchturmspitze fokussierst und dann die Kamera so drehst dass die Kirchturmspitze 5 cm auf der Mattscheibe gewandert ist. Einfacher geht es wenn Du einen 1 m langen Stab, bei Kameras auf optischer Bank funktioniert auch eine entsprechende Bankverlängerung, vor die Kamera montierst dessen Spitze sich um eine entprechende Strecke bewegt wenn die Kirchturmspitze auf der Mattscheibe bewegt wird. Bewegt sich die Kirchturmspitze z. B. 10 cm auf der Mattscheibe und die Spitze des Stabs 2 cm, also im Verhältnis 2 / 10, ist die Brennweite des Objektivs 1/5tel der Länge des Stabs, also 20cm.

    Der Vorteil dieser Methode ist man kann so die Brennweite bestimmen ohne zu wissen wo die Hauptebenen des Objektives, der Einzellinsen usw. liegen. Also auch z. B. bei Teleobjektiven, WW-Objektiven mit vergrößerter Schnittweite usw.

    Übrigens, auch bei Anastigmaten ist der Astigmatismus nicht vollständig korrigiert sondern nur so weit das er auf den Bildern nicht mehr auffällt. :wink:

    Peter

  • Quote from "Peter K"

    Hallo Matthias,

    wenn Dein Objektiv symmetrisch aufgebaut ist hat sowohl Vorder- als auch Hinterglied dieselbe Brennweite und zwar die doppelte des Gesamtobjektives..."

    Peter

    Das ist nicht ganz richtig, da hier auch der Abstand der beiden Glieder eine Rolle spielt. So haben, um nur ein Beipiel zu nennen, beim Doppel-Protar f 20,5cm die Einzelkomponenten nicht 40cm Brennweite, sondern 36cm.
    http://www.cameraeccentric.com/html/info/zeiss_8.html

    Alles kommt zu dem, der warten kann

  • Hallo Uli,

    ich hatte Kontakt mit Éric Beltrando - er kennt das Litonar so halbwegs und er meint es sei sehr wahrscheinlich ein Celor-Typ. Auf seiner Seite habe ich ein Paar Celor-Typen gefunden, alles alte Goerz-Konstruktionen.

    Das nur zur Info, falls es interessiert.

    Viele Grüße
    Matthias

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!