Wer fertigt Filmkassetten an?

  • Moin,


    bei mir steht ja auch etwas Hölzernes im Wohnzimmer und nachdem so ganz langsam alle Chemikalien eintreffen, kann es demnächst mit Wet-Plates losgehen.


    Ein Punkt, der mir Bauchschmerzen bereitet, ist die Kassette: http://img5.fotos-hochladen.ne…s/b1d0a3091l3dyfzw8j7.jpg


    Die schwarzen Einsätze kann man herausnehmen. Das größte Maß innen ist dann 19x19cm.



    Ich habe nur ein richtig gut erhaltenes Exemplar und befürchte, dass der Einfluss durch die Chemikalien auf Dauer nicht gut tut. Ich selber habe eher zwei linke Hände, so dass selbst nachbauen keine Option ist.


    Kennt jemand jemanden, der solche Kassetten nachbauen könnte?


    Gruß aus dem Norden
    AndréHH

  • Moin Andre´,


    ich würde mir die selber bauen, aber wenn du handwerklich nicht so geschickt bist, würde ich mal mit der Musterkassette zu einem Tischler gehen. Jeder halbwegs vernünftige (Tischler) müsste das locker hinkriegen. Es könnte nur sein , dass es dann etwas teurer wird!


    Gruß aus dem nördlichsten Westfalen


    Frank

  • Moin,


    daran habe ich auch schon gedacht, aber ursprünglich wieder verworfen, da meine Suche mehr "Grobes" wie Schränke, Türen, Treppen usw. ergeben hat. Jetzt habe ich aber jemanden gefunden, dessen Leistungsangebot auch die Stichworte Restaurierung und Problemlösung enthält.


    Mal sehen, was die zu den Kassetten sagen.


    Danke für den Tipp.

  • andrehh hat geschrieben:
    > Moin,
    >
    > daran habe ich auch schon gedacht, aber ursprünglich wieder verworfen, da
    > meine Suche mehr "Grobes" wie Schränke, Türen, Treppen usw.
    > ergeben hat. Jetzt habe ich aber jemanden gefunden, dessen Leistungsangebot
    > auch die Stichworte Restaurierung und Problemlösung enthält.
    >
    > Mal sehen, was die zu den Kassetten sagen.
    >
    > Danke für den Tipp.
    Die Holzarbeiten bei GF-Kameras sind nicht so ganz trivial und dürften idR die Möglichkeiten normaler Tischlereien übersteigen. Man benötigt nämlich spezielle Fräswerkzeuge für die Schlitze und Nuten, die eine Tischlerei in den Dimensionen regelmäßig nicht verfügbar haben dürfte. Tischlereien (auch die, die sich mit Restauration befassen) arbeiten normalerweise auch mit Toleranzen, die in der Messgenauigkeit von Gliedermaßstäben (aka Zollstöcken) liegen. Das entspricht etwa einen 1/10 mm. Das ist für Kameras viel zu ungenau. Soweit ich mal was von Selbstbauern gelesen hab, haben die die Holzbearbeitung auf Metallbearbeitungsmaschinen vorgenommen. Wie gut das funktioniert kann ich nicht beurteilen, aber von der Genauigkeit her, scheint mir das naheliegender zu sein.
    Ich würde mich mal an Chamonix wenden.


    Ulrich

  • Ulrich Drolshagen hat geschrieben:
    Soweit ich mal was von
    > Selbstbauern gelesen hab, haben die die Holzbearbeitung auf
    > Metallbearbeitungsmaschinen vorgenommen. Wie gut das funktioniert kann ich nicht
    > beurteilen, aber von der Genauigkeit her, scheint mir das naheliegender zu sein.


    Hallo, Ulrich,


    es spricht nix dagegen, mal ein Stück Holz z.B. in die Drehbank oder Fräse zu werfen, aber die Ungenauigkeiten rühren sicher eher vom Material (Holz) her - zumal dies auch noch zum Arbeiten neigt.
    1/100 stel Toleranzen halte ich so für schwierig zu erreichen...


    Im Wissen um die Verarbeitung von Holz scheint mir der kompetente (Möbel)Tischler doch die Nase vorn zu haben :)
    Ein Restaurator muss nicht zwangsläufig allzuviel von der Materie verstehen, hier kann man auch rumzischeln und tricksen.
    Ein Tischler wäre schon meine 1. Wahl, allerdings hat der wohl heute das Problem, ähnlich wertige und abgelagerte Hölzer wie die originalen Holzkassetten zu beziehen - vielleicht kann ein netter Holzkamerahersteller wirklich weiterhelfen.


    Gruss,
    Ritchie

  • So wie sich mir die betreffende Kassette darstellt, sehe ich nirgendwo die Notwendigkeit, spezielle Fräswerkzeuge einzusetzen, über die eine gewöhnliche Tischlerei nicht verfügt. Die Schwierigkeit wird eher darin liegen, jemand zu finden, der gewillt ist, so ein Einzelstück zu einem annehmbaren Preis zu fertigen. Chamonix verlangt für die Wetplateholder in 4x5 110 $, in 8x10 240$, Serienprodukte wohlgemerkt.


    Wie genau muss was denn sein? Hauptsache ist, Mattscheibe und Film-, in diesem Falle die Glasebene fallen hinreichend genau zusammen. Leider habe ich im Moment keinen Zugriff auf das Sinar-Buch "Grundlagen der Großbildfotografie", oder so ähnlich. Unter dem Punkt Planfilmkassetten ist glaube ich ein Tolleranzwert angegeben, der, wenn ich mich recht erinnere, gar nicht so weit weg ist von den oben genannten zehntel Millimetern. Bei kleinen Formaten wäre mir aber auch unwohl. Und was nicht passt, wird passend gemacht. Ich glaube auch nicht, dass die Manufakturen, oder waren es eher Fabriken, die vor hundert Jahren oder noch länger, Kameras bauten, CNC-Fräsen in ihrer Werkstatt hatten. Aber es stimmt vermutlich, dass es heute schwieriger ist als damals, ordentlich abgelagertes Holz aufzutreiben. Dennoch, ich würde es wagen. Die bewährte Konstruktion kann man ja 1:1 von der Vorlage übernehmen.


    Wenn ich mir die Umbauten von herkömmlichen Planfilmkassetten für das Nassplattenverfahren so ansehe, wird dabei das Bildfeld ausgeschnitten und an den Ecken Draht gespannt, bzw. etwas über die Ecken geklebt, sodass die Glasplatte einen Anschlag hat. Eigentlich müsste zwischen Kassette und Anschlag aber noch etwas in Planfilmstärke sein. Soweit ich das erkennen konnte, war da aber nichts. Kann aber auch sein, dass ich es übersehen habe, bzw. sich mir der englischsprachige Text dazu nicht in Gänze erschlossen hat. Und was machen die Leute? Sie fotografieren damit.

  • bequalm hat geschrieben:
    > Ulrich Drolshagen hat geschrieben:
    > Soweit ich mal was von
    > > Selbstbauern gelesen hab, haben die die Holzbearbeitung auf
    > > Metallbearbeitungsmaschinen vorgenommen. Wie gut das funktioniert kann ich nicht
    > > beurteilen, aber von der Genauigkeit her, scheint mir das naheliegender zu sein.
    >
    >
    > Hallo, Ulrich,
    >
    > es spricht nix dagegen, mal ein Stück Holz z.B. in die Drehbank oder Fräse zu werfen,
    > aber die Ungenauigkeiten rühren sicher eher vom Material (Holz) her - zumal dies auch
    > noch zum Arbeiten neigt.
    > 1/100 stel Toleranzen halte ich so für schwierig zu erreichen...
    >
    > Im Wissen um die Verarbeitung von Holz scheint mir der kompetente (Möbel)Tischler
    > doch die Nase vorn zu haben :)
    Das geht nicht um das Wissen sondern um die Maschinen und Werkzeuge. Tischlereimaschinen sind nicht für die Bearbeitung solch filigraner Werkstücke gemacht. Z.B. braucht man für den Schieber einer Kassette eine Nut von kaum einem Millimeter. Für sowas hat ein Tischler schlicht kein Werkzeug.

  • Wer sich damit herausredet, dass er keine passenden Maschinen oder Werkzeuge hat, der hat schon mal gar keine Lust, so ein Teil anzufertigen. Für alle anderen gilt, wo ein Wille ist, ist ein Weg. Für eine 1 mm breite Nut zu Fräsen, habe ich auch nichts da. Auf Anhieb habe ich für die Oberfräse Scheibenfräser mit 1,5 mm Stärke gefunden, für eine stationäre Fräse 1 mm, beides für tlw. sehr kleines Geld. Dass es noch dünneres gibt, will ich nicht ausschließen. Alternativ ist so etwas auch mit einer entsprechenden Handsäge hinunter bis 0,1 mm Stärke zu erledigen. Desweiteren besteht auch noch die Möglichkeit, zwei Teile zu einem zusammen zu setzen, wobei an dem einen ein Falz in der Stärke des Schiebers plus ein wenig Luft angearbeitet werden könnte. Dies kann mittels Fräse, Säge oder Hobel bewerkstelligt werden. Klar, bei so etwas sollte schon das Herz dabei sein. Falls der Schlitz für die gewählte Schieberstärke zu breit ist, kann man diese auch mit Stoff oder ähnlichem ausfüttern. Ich bin schon auf die nächsten Einwände gespannt, auf jeden Fall interessiert mich, wie die ganze Sache ausgegangen ist.

  • Ich war vor einigen Tagen bei unserem Schreiner hier im Markt. Hatte meine Holzkamera mit und fragte ihn, ob er mir zwei Reserveplatinen für die Kamera fertigen könne. Nachdem ich ihm erklärt hatte, was ich da genau mache, zeigte er großes Interesse an der Sache.
    Ich hatte ihm Mahagoni-Bretter mitgebracht und er meinte, so einfach ein Brett zuschneiden und den Falz fräsen wäre in dem Fall sicherlich zu wenig.
    Die Platine müsse genauso hergestellt werden wie das Original (also mehrfach verleimt), damit sie sich nicht verzieht.


    http://up.picr.de/11605078nk.jpg


    Das Problem liege in der Breite der Feder, die da mitverleimt sei. Er meinte, wenn es nicht haargenau auf die 5mm Dicke der Schiebeplatine ankäme (also etwa 1mm dicker), wäre es kein Problem, so etwas nachzumachen.


    Daß die Herstellung einer Holzkassette ziemlich teuer werden kann, erscheint mir logisch.


    http://up.picr.de/11605152iq.jpg


    So etwas ist ja ein Kunstwerk in jeder Hinsicht. Besonders mit Elfenbeineinsatz für die Beschriftung wie im Bild.


    http://up.picr.de/11605648qy.jpg


    ..und artistisch begabt sollte die Kassette ja auch sein:


    http://up.picr.de/11605678mh.jpg


    So gesehen sind 200 USD ja fast preisgünstig..


    Viele Grüße


    Gerhard

  • Bonjour,


    offensichtlich ist unser Beitrag im Datenjungel verloren gegangen.


    Goolge mal nach der Juri Ebel und der Naturholztischlerei in Langelingen. Er besitzt eine CNC-Anlage für Holzfräsearbeiten und kann auch etwas mit Werkstoffen wir MDF oder Biegesperrholz anfangen. Aber auch ein Modeltischler sollte das können. Alternativ könntest du aber auch eine Internationale oder eine alte Metallkassette adaptieren oder deine Kassette mit einem ordentlichen Bootslackanstrich schützen.


    LG


    vom Zappa und dem kleinen Tiger (…der kiekt jerade ma im Datenjungle nach na voll dücken Hünakeule!)

  • Moin,


    so, heute morgen bin ich bei besagtem Tischler gewesen und habe erklärt, was ich will, was wichtig ist und welche Maße eher flexibel sind. Bei erster Begutschtung wurden keine zu großen technischen Hürden erkannt. Eine "Ruine" habe ich da gelassen. Da jetzt erst einmal Urlaub ist, bekomme ich in schätzungsweise 2-3 Wochen einen Preis benannt.


    Gruß
    AndréHH

  • ANALOGO hat geschrieben:


    > Wie genau muss was denn sein? Hauptsache ist, Mattscheibe und Film-, in
    > diesem Falle die Glasebene fallen hinreichend genau zusammen. Leider habe
    > ich im Moment keinen Zugriff auf das Sinar-Buch "Grundlagen der
    > Großbildfotografie", oder so ähnlich. Unter dem Punkt
    > Planfilmkassetten ist glaube ich ein Tolleranzwert angegeben, der, wenn ich
    > mich recht erinnere, gar nicht so weit weg ist von den oben genannten
    > zehntel Millimetern.


    So, das Buch "Grundlagen und Anwendungen Kreatives Großformat" aus der Sinar Edition vom Verlag Photographie ist wieder aufgetaucht. Allerdings hatte ich die Auslassungen zum Thema Planfilmkassetten etwas umfangreicher in Erinnerung. Sei es drum: Sinar wirbt hier mit der Entwicklung einer 4x5" Einzelkassette mit ganzflächiger Andruckplatte, die frontal geladen wird. Die Toleranz der Filmplanlage ist für dieses kleine Format mit +- 1/10 mm angegeben. Das Ganze unter dem Aspekt, dass es bei herkömmlichen Doppelplanfilmkassetten der verschiedenen Preis- und Qualitätsklassen teilweise zu erheblichen Abweichungen zum Normmass kommen könnte und sich somit bei heiklen Aufnahmen Unschärfen ergeben.


    @ AndréHH: Wie hat sich die Sache denn nun weiterentwickelt?

  • Also jeder sog. Kunsttischler oder gute Funktionsmodellbauer mit Liebe zum Holz dürften das genauso wie Restauratoren schaffen. Es gibt für den Modellbau Kleinmaschinen (Stationärmaschinen von Proxxon z.B.), die die Arbeit ungemein erleichtern. Ist halt ein nicht unerheblicher Zeitaufwand, daher kann ich Dir meine Hilfe nicht anbieten. Es gibt hier in Zeitz eine "Alte Tischlerei" vom Tischlermeister und Restaurator Frei (Steintorvorstadt). Der hilft gern!


    MfG Thomas

    Der Fotograf zum Maler: Geiles Bild - mit welchem Pinsel gemalt?

  • Guten Abend!


    Ich habe mir von einer Tischlerei in der Nähe zwei Reserve-Platinen für meine Holzkamera anfertigen lassen. Die sind wunderschön geworden und vom Original nicht zu unterscheiden.


    Hier das Original und ein nachgemachtes Objektivbrett:


    http://up.picr.de/11922507cq.jpg


    Was bei solchen Sonderanfertigungen in's Gewicht fällt, ist die Arbeitszeit. Bei solchen Dingen sind 2 Stunden im Nu weg. Ich hatte das Mahagoni-Material selbst mitgebracht.
    Mit so einem schönen Resultat hatte ich gar nicht gerechnet.


    Viele Grüsse


    Gerhard

  • Ulrich Drolshagen hat geschrieben:
    Tischlereien (auch die, die sich mit
    > Restauration befassen) arbeiten normalerweise auch mit Toleranzen, die in der
    > Messgenauigkeit von Gliedermaßstäben (aka Zollstöcken) liegen. Das entspricht etwa
    > einen 1/10 mm. Das ist für Kameras viel zu ungenau. Soweit ich mal was von
    > Selbstbauern gelesen hab, haben die die Holzbearbeitung auf
    > Metallbearbeitungsmaschinen vorgenommen.
    > Ulrich


    Massivholz arbeitet, auch die Filmholder aus Holz.
    Ein Filmhalter arbeitet bei -20C° anders als bei 20C°.
    Wichtig ist dass dass Holz gut gelagert ist. Ich persönlich würde mir auf dem Flohmarkt
    ein günstiges englisches Möbel aus sauberen Mahagoni heraus suchen(Wurmfrei).
    (Vielleicht ein Wandregal, oder ähnliches).
    Das schwierigste an der Anfertigung des Halters ist es, die dünnen Stärken(Parallelität) der Holzplatten
    zu Hobeln (Dicktenhobel) und das zusammen Leimen der einzelnen Hölzer.
    Eventuell noch die Oberflächenbehandlung, wie Shellack? Keine Ahnung was die früher benutzt haben.
    Wenn man eine genaue Zeichnung des Filmhalters hätte, wäre das Herstellen kein Problem.
    Und wenn man eine baut, kann man auch direkt zwei für den doppelten Preis bauen :)
    Gruss

  • Meine Holzkamera, Ende des 19.Jahrh. gebaut, ist eine sorgfältig gebaute Mahagonikonstruktion. Die Kasette aber eine einfache Weicholz, Sperrholz und Blechkonstruktion. Marke Eigenbau . Der Vorbesitzer hat eine Weichholzleiste auf eine Sperrholzplatte geleimt und auf diese eine zweite mit einem geringen Abstand-dazwischen passt eine Blechplatte (Schuber). Eine denkbar einfache Konstruktion, präzise, Schuber leichtgängig. Als begeisterter Hobbytischler ist mir klar , dass eine edle Mahagonikasette mit Holzschuber viele Facharbeiterstunden erfordert. Die Leistenkonstruktion ist preiswert. Jedoch könnte diese Konstruktion auch den Amateur überforden, da der Brennpunkt des objektives exakt mit der Rückwand = Planfilmhalter der Kasette übereinstimmen muß. Für den Möbeltischler kein Problem, der durchaus Toleranzen von < 1mm einhalten kann. Natürlich funktioniert die Kasette nicht bei Blende 2,0 !
    Zusmmengefasst: Blechschuber vereinfachen die Konstruktion erheblich, besonders da hier eine funktionsfähige Kasette als Muster dienen kann !


    Weihnachtsgrüße


    Erich

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