Posts by sventetzlaff

    Besorg dir eine kiste mit Rotlicht innendrin und einer roten Folie oben drauf durch die du durch schauen kannst. Der Washi ist doch orthochromatisch.

    Du kannst es auch mal in der Collodiun nass Szene versuchen. Die machen doch Schalenentwicklung on the fly.

    Gruss Sven.

    Ja, unter "portable darkroom" findet man tatsaechlich jede Menge Beispiele, die dem von Dir geschildertem Setup sehr nahe kommen. Es scheint sogar kaufbares Equipment zu geben. Ich hab jetzt eine Umzugs-Pappkiste mit Velcro auf dem Tisch (temporaer) fixiert und das Tuch mit Tischtuchklammern gesichert. Das scheint zu funktionieren. Als Rotlicht spar ich mir das Fenster und nehm die Handy App RedVision. Bin jetzt sehr zuversichtlich ...

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    Hier gibt es noch ein paar mehr Loesungen ... http://www.luminous-lint.com/__phv_app.php?…rn_examples_01/

    Was ist das für ein Spezialfilm der nicht in die Dose will?? Entweder 2509 Spirale in der Jobodose oder in einer Papiertrommel. Film entwickeln in Schalen im Van unter Dunkelstoff führt in den Wahnsinn mit anschließendem Erstickungstod.So hab mal gegoogelt, der Film muß sich problemlos in der 2500 Jobo Dose verarbeiten lassen.
    ( Rotation→in 270 ml Chemie)
    aragon


    Das funktioniert leider nicht. Es handelt sich eigentlich um Papier ... also ohne Plastiktraeger als Stuetze. Der "Film" wuerde einfach in sich zusammenfallen und evtl. mit den anderen Sheets verkleben. Also genau so, wie wenn man sein Kopierpapier ins Waschbecken taucht... Der 120er traegt sich ein bisschen mehr, aber auch da sollte man allzuviel Bewegung vermeiden. Ich hab das einmal probiert und das Ergebnis war nicht gut. Schalenentwicklung ist ja an sich auch kein Problem, nur mobile Schalenentwicklung scheint eine gewisse Herausforderung zu sein.

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    Das angebotene Washi W aus Frankreich ist zwar nicht so extrem duenn wie das im folgenden Video, aber es gibt einem eine gewisse Idee ... ;)

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    .. du musst den waren nicht rodinalisieren, sondern nur scheiben lichtdicht verhängen!! : )(gar nicht so schwer, wenn man ein wenig darüber nachdenkt)


    Mit rodinalisieren mein ich einsauen.

    Quote

    ansonsten fällt mir nur ein wechselzelt in entsprechender größe ein ..
    da kannst du den film in seiner entwicklung allerdings nicht beobachten.


    Wenn schon Schalenentwicklung, dann auch auf Sicht.

    Quote

    warum willst nicht nach der reise entwickeln?
    ist doch üblicher standart, auch bei profis oder?!


    Das ist etwas Off Topic, aber ... bei einer Reise von Berlin nach Hangzhou ueber Amsterdam, wird das Handgepaeck mindestens 5x durchleuchtet. Da faengt selbst ein ISO100 Film sich langsam an zu bewoelken - auch in der Bleituete. Hinzu kommt das Risiko, dass ein Beamter 'Kraft seiner Wassersuppe' fordert, die Filmpackung mal eben zu oeffnen. Aus der Bleituete muss man sie schon standardmaessig herausnehmen. Ich entwickle nur noch im bereisten Land oder lasse dort entwickeln und mir die Negative zusenden. Bei meinem Lieblingsfilm HP5+ hab ich gar keine andere Moeglichkeit mehr. Wenn ich das vorher nicht organisiert bekomme, dann bleibts digital.

    Mehr Infos zu dem X-Ray-Mist hier: http://printerattic.com/2016/12/travel…lm/#conclusions

    .. aber wenn du in einem van entwickeln willst, sollte es doch leichter sein die fenster lichtdicht zu bekommen, als in dem van mit einem riesigen lichtdichten zelt herum zu machen.


    Ist ein Mietwagen - ich will den nicht rodinalisieren. Ich will eben gerade nicht mit einem riesigen Zelt rummachen, sondern eben mit der DeckeUebermKopfMethode. Dazu suche ich Erfahrungsberichte.

    Quote

    p.s. sag mal - warum wird es der washi film?


    Warum nicht? Ist ja nicht der einzige Film, den ich dabei habe. Die entwickel ich jedoch in der angegebenen Jobo2500.

    Was den Washi W mal so ganz generell betrifft - und jetzt fache ich wahrscheinlich eine religioese Foren-Schlacht an - ich find den cool! :evil: Leider waren meine Ergebnisse bislang nichsodolle. Aber ich sehe das Potenzial. ... Ausserdem ... Ich schreibe gerade einen Artikel ueber einen jungen DE/CN Kuenstler, der aktuell auf der Photo Book Shanghai ausstellt und mit diesem Film wirklich tolle Sachen gemacht hat ... Und mal ganz nebenbei ... auch ganz gut verkauft. (Wird ja gerne vergessen, dass es auch darum geht.) Seine Arbeit hat mich tatsaechlich motiviert, mit dem Film weiter zu machen.

    Sven

    Ich habe für den ganzen September einen Auftrag, der mich täglich in eine andere Gegend scheucht. Eine günstige Gelegenheit, neben dem Job ordentlich Filme/Kassetten vollzumachen. Entsprechend hab ich mir einen Van gemietet, eine Jobo2500 nebst Zubehoer und Chemie dazugepackt und beabsichtige nun jeden Abend auf den Campingplätzen ein bisschen zu entwickeln. Das sollte kein Problem sein.

    Ein bisschen problematisch ist der Washi-W-Film (4x5). Den kann man nur in der Schale entwickeln. Dose ist nicht. Leider habe ich keine Ahnung, wie man eine mobile Schalenentwicklung aufsetzt. Ich weiss, dass die Wet-Plater das ja auch irgendwie hinbekommen. Ich denke dabei eher nicht an diese Head-Shop-Zelte, sondern an Pappkarton-und-Decke-ueberm-Kopf-Loesungen. Entsprechend hab ich mir schon mal 3x1.5m Dunkelstoff besorgt und mal zu Hause mit 4 kleinen 4x5-Schalen probiert ... na ja, das ist alles weitab von bequem - und sicher. Das ist alles sehr lavede. Irgendwas rutscht immer ...

    Kann hier mal jemand sein (ultra)mobiles Schalenentwicklungs-Setup vorstellen oder einen Link senden. Ich steh da im Moment etwas auf dem Schlauch.

    Bin wieder von der Shanghaier Foto-Messe zurück. Erwartungsgemäß war dort nicht wirklich großformatiges Zeugs zu finden - auf der »International Photographic Equipment and Digital Imaging Exhibition«. Natürlich gab es »richtige« Stative mit »richtigen« Köpfen, und dazu noch Filterhalter(konstruktionen), die man sich nur schwer vorstellen kann. Ebenso schwer wie der Gedanke, wer das eigentlich kaufen soll?

    Interessant evtl. auch, dass chinesische Objektivhersteller wie Kamlan, YongNuo ... nun auch darueber nachdenken, die Formate >KB zu unterstützen. Ich hab ueberhaupt den Eindruck, dass Fujifilm vor allem mit der GFX in Asien Sony die Show stiehlt. Fujifilm war auf der Messe wohl auch der größte Stand oder evtl. gleichgroß mit Canon(?)

    Zum Abschluss noch ein Produkt von SWEBO, welches, je nach Vorschädigung, bei dem einen G.A.S. auslöst und beim anderen den Puls in die Höhe treibt. :evil:

    (P.S. Ich werde zu verschiedenen Produkten, Firmen, Personen usw. demnächst noch mehr veröffentlichen. Naturgemäß nicht hier. Wer sich dafuer interessiert, sollte gelegentlich auf meiner Website vorbeischauen.)

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    Eben hat der Postbote geklingelt und .... Tara!!! ... Badge & Pin sind da. Die Jungs und Maedels von Intrepid sind wirklich schnell! Da ich schon GF habe, und trotzdem das Projekt unterstuetzen wollte, hab ich ein bisschen Kleinkram bestellt [Blocked Image: https://www.facebook.com/images/emoji.php/v9/fb0/1.5/16/1f609.png] Vielleicht sollte man noch dazu sagen, dass nicht unbedingt jeder Bote was mit lat. Buchstaben - ebensowenig, wie die meisten DE-Boten was mit Mandarin - anfangen kann ... entsp. dauert das zuweilen.
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    Quote from Schwarzweißseher

    Von daher glaube ich auch nicht an eine Agonie des Fotojournalismus'. Ich glaube, wir sind z.Zt. halt immer noch in einer ganz blöden Übergangsphase, aber es wird wieder besser, eben auch weil Internet und Print zwei unterschiedliche Sachen sind, was eben viele Medienmacher noch nicht wahr haben wollen oder noch nicht erkannt haben - da bin ich ebenfalls bei dir.


    Gerade ist mir diese Podcast-Folge ueber den Weg gelaufen, die dieses Thema doch nochmal abhandelt. Es ist ein laengliches Interview mit Hans-Jürgen Burkard. Ich denke, jeder hier hat schonmal ein Bild von ihm gesehen. Er ist der (vermtl.) letzte angestellte Fotojournalist da draussen. Sein Fazit ist entsprechend ernuechternd.

    Er kreist das Problem von zwei Seiten ein. Es gibt keine Interessenten mehr fuer diese Form der Fotografie - daher gibt es kein Geld dafuer. Und vice versa, es gibt kein Geld, also wirds nicht gemacht, also vermisst es keiner. Wenn ich mir so anschaue, was in der Werbung/PR rausgehauen wird, kann es nicht an der absoluten Geldmenge liegen. Geht es um Lifestyle, Reisen ... und Co. dann hauen die Verlage auch was raus ... also nicht direkt die Verlagen, sondern die Veranstalter, PR-Agenturen ..., also die, welche die Kohle rueberreichen.

    Burkhard sagt dann ja auch, dass besonders seichte Themen, die z.B. vom Feuilleton oder der Reiseredaktion vollstaendig abgedeckt werden, voll im Trend sind. Natuerlich ist das kein Journalismus, aber ich frage mich, ob man den Verlagen daraus einen Vorwurf machen kann?

    https://fotopodcast.de/fpc189/

    Quote from bequalm

    Ein aus Deiner drübigen Sicht doch wieder objektiven Bericht zur dortigen Entwicklung würde ich sehr gerne lesen, ich habe, was diese "Ecke" betrifft, noch immer ein vollkommen falsches Weltbild.

    Ich möchte den Thread nicht unnötig in die Länge ziehen. Es ist ja auch alles schon gesagt. Nur zum letzten Punkt ein paar Bemerkungen.

    Asien & Fotografie ist ja irgendwie mein Thema. Aktuell mache ich gerade eine Serie mit sehr jungen Fotografen, die z.T. in Europa studieren oder studiert haben und von Kommerziell bis Frei, von Analog bis Digital unterwegs sind. In Asien lassen sich diese Artikel ganz gut verkaufen, in DE biete ich die eher wie sauer Bier an. (Lediglich Ho Fans Tod hatte kurz den Fokus ein wenig verschoben ...) Neben der genannten FE 01/15 mit Yu Xiang, gibt es noch einen Artikel über den CN-Kunstmarkt FE 09/15 und ein Interview mit dem Architekturfotografen HG Esch 01/16 zu »Chinaflug«.

    Die wichtigste und größte chinesische Zeitschrift ist »Photographer's Companion« (nur Chinesisch). Wer des Englischen mächtig ist, dem empfehle ich »The Invisible Photographer«. Dieses Angebot umfasst alle asiatischen Länder. Leider ist darunter gelegentliche belangloser Kram westlicher Fotografen der Sorte, »Meine Reise nach X«, »Meine Tage in Y«, »Meine Sicht auf Z«. XYZ steht für irgendwas in Asien. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Fotografen meist nur die Exotik suchen (und finden). Denen ist der asiatische Alltag, deren Kunst, deren Codes ... reichlich wumpe.

    Und diese Art von Fotografie ist genau die, welche man auch zum überwiegenden Teil in Europa vorgesetzt bekommt. Es ist ungefähr so, wie wenn man Deutschland mit Bayern & Oktoberfest gleichziehen würde. In beiden Fällen gibt es eine Erwartungshaltung, die auch damit zu tun hat, dass man sich nicht wirklich mit dem anderen abgeben möchte.

    Die EU-Verlage machen es sich da auch reichlich einfach. Üblicherweise lassen sie sich Reisen von Reiseveranstaltern sponsoren und der Foto"journalist" soll dann etwas Brauchbares daraus machen. Das kann nicht funktionieren, selbst wenn der Fotograf noch so gut ist. Rauskommen tut immer Neuschwanstein, Lederhosen & Bierexzesse beziehungsweise Nachtmärkte, Hochhäuser & viele Mopeds. Und so kommt es, dass wir uns gegenseitig unsere Disneylands zeigen.

    Das bringt mich zurueck zu dem Großformat. Eventuell steckt darin ja eine Chance? Fährt man von meiner Wohnung aus nur 50-100 Kilometer nach Westen, entdeckt man ein sehr unverbrauchtes China (z.T. auch urban). Die GF-Workshops von Chamonix finden genau dort statt. Die Leute zeigen den GF-Fotografen – auch den Ausländern gegenüber – ein deutlich anderes Gesicht als den Digiknipsern im Vorbeiflug. GF hätte evtl. das Zeug, gegen diese Reisebildchen anzustinken. Mal sehen ... ;)

    Sven

    PS: Vom 13-16. Juli wird die International Photographic Equipment and Digital Imaging Exhibition stattfinden. Ich werde da sein und wenn mir was grossformatiges auffaellt, auch hier berichten.

    Quote from bequalm

    Ich erlaube mir in diesem Zusammenhang ebenfalls eine Prognose ...

    Prognosen sind natürlich kompliziert. Nicht nur, wenn sie die Zukunft betreffen, sondern besonders dann, wenn Gefühle mitschwingen. Mit ausreichend hohem Dopaminspiegel sieht der eine Canon die ultimative GF-Edition herausbringen und für den anderen ist das der Klimax der GF vor dem endgültigen Abröcheln. Selbstverständlich liegt die Wahrheit NICHT in der Mitte. Liegt sie sowieso meist nie.

    Es sind ja nicht nur die 450 Kameras, die nun bis Ende des Jahres(!) auf den Markt gespült werden. Die anderen Hersteller produzieren in der Zeit ja nicht nichts. Ich kenn die diversen anderen Firmen nicht, aber zumindest bei Chamonix gehen die Verkäufe – vor allem in Asien – nach oben. Ich spekulier mal: Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn die anderen asiatischen Hersteller nicht von diesem Trend partizipieren würden.

    Sehr wahrscheinlich hängt die Einschätzung der Zukunft auch mit der Wahrnehmung zusammen. Wie gesagt, in Japan, China, S’pore ... geht gerade die Post ab. Es kommen gelegentlich sogar Kickstarter aus der Gegend. (Und das, obwohl man Crowdfunding in Asien seeehr skeptisch sieht.) Dito spür ich eine breite Begeisterung in US. Mentalitätsbedingt miesepetern die Europäer zwar ein wenig rum, aber rein am Verkauf gemessen, scheinen die sich jedoch heftig »im Stillen zu begeistern«.

    Wie in dem Artikel versucht zu erläutern, steckt dahinter evtl. mehr als nur die Begeisterung für Manufactum, Omas Kochrezepte&Co. Gerade das technikverliebte Asien ist gegenüber dumpfbackigem Hipstrizismus berliner Schule relativ unverdächtig. Ich behaupte, dahinter steckt mehr.

    Was die temporäre Präsentation meiner Bilder im Forum betrifft ... Ich poste die lieber auf Instagram (und parallel auf FB, G+). Aus verschiedenen Gründen: Ich brauch dort nicht zwischen den Formaten und Analog/Digital unterscheiden, ich löse nicht einzelne Bilder aus dem Œuvre heraus und l.b.n.l. ich strapaziere meine Kritikfähigkeit nicht allzu sehr. (Viel wichtiger finde ich ohnehin die permanente Präsentation der Bilder in einer eigenen Galerie - auch wenn das jetzt nichts mit dem Thema zu tun hat.)

    Sven

    Wer den 8x10" Intrepid-Kickstarter bis heute (24.06.2017) verfolgt hat, der kann nun sehen, dass GF mal ganz schwer im Kommen ist. Es wurde über 12x mehr Geld eingesammelt, als eigentlich geplant. Also statt 18k nun 220k(!) Ich finde das sensationell.

    Die Folge wird sein, dass alle Backer nun nach Kassetten, Linsen, Verschlüssen ... und dann irgendwann nach Chemie& DR-Equipment Ausschau halten werden. Ca. 450 neue GF-Freunde sind ja nicht eben wenig. Ich seh schon die eBay-Preise durch die Decke gehen. :evil:

    Und wenn man dann noch bedenkt, dass eine nicht geringe Zahl dieser Menschen in Zukunft noch mehr Leute anstecken werden ... Ich hab die letzen 5 Minuten Live verfolgt und da hat doch tatsächlich noch jemand in den letzten 60 Sekunden zugeschlagen. Wie viele mögen sich nicht rechtzeitig entschieden haben? Die kommen dann zu ShenHao, Chamonix, Gibellini, Linhof, Toyo, Cambo, Sinar, unameit.

    Fazit: Heute ist ein guter Tag für Großformat. :thumbup:

    Quote from schwarzweißseher

    Als Journalist glaube ich nicht, dass die qualitativ hochwertige Reportage- oder auch die Dokumentationsfotografie aussterben wird.


    Es geht eher nicht darum, dass die einzelne Reportage ausstirbt, sondern gemeint ist die Agonie des Fotojournalismus als Zunft. Natürlich werden auch in der Zukunft sensationelle, phantastische oder wunderschöne Reportagen gemacht werden. Aber dies wird in Zukunft nicht mehr bei Süddeutsche, Spiegel oder der HAZ stattfinden – schon gar nicht mit »richtigen« Fotojournalisten(*).

    Ich sehe da draußen Magazine wie »Brand Eins«, die sich schon eine ganze Weile erfolgreich schlagen. Sorgfältige Bilderwahl, schönes Layout ... und das in einem Wirtschaftsmagazin! Neben mir liegt gerade die aktuelle »LFI«. Da drin eine Reportage von Florian Bachmeier über China oder Frederico Rios Escobar über die FARC. Das sind im besten Sinne gesellschaftskritisch-aktuelle fotojournalistische Arbeiten ... und das in einem Fotomagazin! Oder man schlage eine beliebige »National Geographic« auf: Grandioser Fotojournalismus – und das in einer Vereinszeitschrift! 8) Btw, ich kann mir vorstellen, dass alle drei genannten Medien auch mit Analog oder gar GF zurechtkommen würden ...

    Was all diesen Beispielen gemeinsam ist, dass die Erschaffer nicht unter dem extremen Zeitdiktat - mit Liveticker& Co. - leiden müssen. Auch finanziell lassen sich diese Magazine nicht lumpen. Zeit & Geld sind die wesentlichen Determinanten in einer kapitalistischen Welt. Deren Mangel tötet lang- oder gar mittelfristig Qualität, Originalität, Kreativität ... Und mal am eigenen Bart gezupft: Wir haben in das Lied »Schneller, Höher, Weiter« der Digitaltechnik gerne eingestimmt – damals. (Ich habe in meiner Einstandsvorstellung ja auch angedeutet, mit welchem Impact.)

    Zum Zeit/Geld-Quotienten: Schau ich in meinen Terminkalender für 2017, dann sind da an größeren rein fotojournalistischen Projekten (>1 Woche), nur drei Aufträge mit insgesamt 9 Mannwochen. Dazu kommen non-fotojournalistische Assignments von zwei PR-Agenturen (DE, US/UK) im Bereich Travel/Livestyle. Der Rest sind die obligatorischen 2-3-Tage Jobs (ein bisschen Fotojournalismus dabei) und natürlich die Produktfotografie für Alibabakunden. Zwar verdiene ich am Ende des Jahres deutlich mehr, als noch vor 10 Jahren, aber eben nicht länger im Fotojournalismus. Ich bin sicher nicht repräsentativ, möchte jedoch jede Wette eingehen, dass manche Fotojournalisten jetzt heftig mit dem Kopf nicken ...

    Keineswegs paradox ist dabei, dass ich mit der finanziellen Absicherung durch Werbung&PR nun auch meine eigenen Projekte relativ entspannt angehen kann. Und die sind keineswegs reiner Fotojournalismus, sondern ich versuche, meine eigene Verbindung von »Contemporary& Documentary« zu finden.

    Ein letztes Wort zu Online: Die Haptik von Papier ist zweifellos nicht zu ersetzen. Aber Online hat seine ganz eigenen Vorzüge, die Papier nicht hat. Es ist m.E. falsch, »guten Fotojournalismus« automatisch mit Papier zu assoziieren. Leider haben die meisten (alten) Verlage das noch nicht gerafft. Beides sind völlig unterschiedliche Medien. Ich bin fest davon überzeugt, dass es in Zukunft auch fotografisch hochwertige Onlinemagazine geben wird. Gefunden hab ich da leider noch nicht sooo viel ...

    Sven

    (*) Wobei die Definition etwas fischig ist. Nach R.Nobel ist das ein journalistisch arbeitender Fotograf, der u.U. einen Schreibkollegen dabei hat. Häufig ist damit aber der schreibende und fotografierende Journalist gemeint. Ich tendiere zur zweiten Variante.

    Für mich hinkt das schon insofern, weil ich nicht mit »analoger« Fotografie aufgewachsen bin - die gab es damals einfach nicht.
    Man hat schlicht mit Film geknipst.

    Fotografiert, hoffe ich und nicht geknipst oder – Gott bewahre! – geshootet? :D

    Was mich im Allgemeinen stört, ist das Überstülpen von Begrifflichkeiten, wie z.B. auch dieses »Renaissance«.
    Film,Papier, waren doch nie weg ?
    Film wird nicht wiederentdeckt, weil man das damals nam und irgendwo seinen Reiz hat - Film gibt es ununterbrochen, weil Einiges dafür spricht.


    Das hat seine Gründe, und die sollte man heute auch besser vermitteln, wie ich finde.
    »Renaissance« klingt mir etwas wie Kramen im Mülleimer, und was man da rauskramt, schmeißt mal nach dreimaligem Angucken auch gern wieder rein.
    Statt einen Hype zu kreieren - lieber die Beständigkeit festigen.
    Und das fängt beim Sprachgebrauch an.

    Ich lebe seit über 12 Jahren nicht in DE und merke, wie mein Deutsch langsam Karies bekommt. Entsprechend beschäftige ich mich seit einiger Zeit viel intensiver mit Sprache. Und ja, Menschen neigen dazu, Phänomenen, die sie noch nicht ganz durchblickt haben, trotzdem schon mal einen Begriff zuzuordnen. Das geht oft gut, manchmal nicht. Daran kann man sich zwar reiben, aber es macht z.B. das Artikelschreiben deutlich einfacher.

    Was den Begriff Renaissance betrifft, der wurde tatsächlich erst 400 Jahre NACH der Renaissance geprägt. Da Vinci & Co. haben sich nicht als Renaissancekünstler - oder gar Wiedergeborene – begriffen. Sie haben lediglich einen Faden aufgenommen und weiterentwickelt, der durch das »Dunkle Zeitalter«(*) verloren gegangen war. Heute steht der Begriff für die Überwindung kolossaler Dumpfbackigkeit. Ist also durchaus positiv besetzt. Ich würde den Begriff nie mit Recycling gleichsetzen.

    Ob der Begriff nun Bestand haben wird oder man in 400 Jahren irgendwas anderes erfindet, ist letztlich wumpe. Tatsache ist ja, dass die Digitaltechnik die Filmfotografie heftig gewürgt hat. Nun kommt sie – anders als zuvor – zurück, und erobert sich hoffentlich einen komfortablen und dauerhaften Platz.

    Der Begriff »Chamonix« wird mir übrigens hier im Forum inzwischen auch auffällig oft übergestülpt :)

    Hier muss ich mal einen kurzen Disclaimer einschieben: Ich werde weder von Chamonix, noch von Jobo bezahlt. Der Artikel ist ein Derivat eines anderen Artikels, den ich für eine chin. Zeitschrift geschrieben habe. Die haben mich auch bezahlt. Dies hier ist also eher eine kostenlose Zweitverwertung ... oder so.

    (*) »Digital Photography – The Dark Ages« wär auch mal ein schöner Titel für einen Artikel 8)

    »Ich denke, dass die »Documentary Photography« ausstirbt«

    mag jetzt stimmen. aber auch nur tendenziell. denn die alten helden wie evans, sander oder frank werden ja nach wie vor sehr häufig ausgestellt. ...

    Yu Xiangs Aussage ist durchaus provakativ (gemeint). Natürlich werden auch in 100 Jahren noch Bilder zur Dokumentation der Zeitgeschichte gemacht werden. Allerdings in einer ganz anderen Form, bzw. auf einer gänzlich anderen Basis.

    Bis vor kurzem existierte noch eine echte Gattung des Fotojournalismus mit seiner Ethik, seinem Anspruch und einem definierten technischen Level. Es gab eine Tradition wie, Fotolehre, Studium bei Rolf Nobel und dann zu einer Tageszeitung, Magazin ... Diese Biographie ist Geschichte.

    es hat schon immer auch das andere, ehemalige weiterhin gegeben, gegen den brutalen trend der mode. das gilt ja auch für die scheinbar seit jahren tote analoge s/w-landschaftsfotografie im großformat: mitglieder dieses forums hier sind ja schon der konkrete gegenbeweis. in den usa sieht das noch mal ganz anders aus. wolfgang riepl scheint stellenweise widerlegt zu sein. aber bei vielen kommunikationstechnologien scheint er recht zu haben, sonst gäbe es sie nicht nach wie vor (oder kehren sogar zurück).

    Nein, Riepl ist keineswegs widerlegt. Es geht ja um den »vollständigen Ersatz«. Die »Documentary Photography« stirbt zwar in ihrem bisherigen Selbstverständnis, aber die von mir erwähnten »Bürgerbilder« existieren ja – es wird ja dokumentiert.

    Man gehe mal auf einen Flohmarkt und schaue sich die alten Illustrierten wie Stern, Quick usw. der 70er und 80er an. Das waren auch damals nicht die »ausgemachten Künstlermagazine«, aber die Bilder da drin zeigen, was heute alles verloren gegangen ist. Dieser Qualitätsverlust ist nicht ueberall gleich schlimm, aber der Trend ist klar.

    Extrembeispiel ist für mich ein deutscher Verlag, der meist in der IT unterwegs ist, aber auch ein eigenes Fotomagazin herausgibt. Die Redakteure füllen den Online-Auftritt mit Handygeknipse unterster Kanone. Die Idee, dass man einen Fotografen zu einem Event mitgesendet, wird, so wie das im Zeitalter der »Documentary Photography« usus war, wahrscheinlich nicht mal mehr gedacht. Und der Erfolg gibt ihnen Recht. Die Bilderstrecke wird geklickt – Bild by Bild – ordentlich mit Werbung gespickt. In dieser Umwelt hat der Fotojournalismus nicht den Hauch einer Chance.

    Nach Riepl ist diese Form der Bebilderung das Echo des alten Mediums.

    Ich denke also das es in zukunft vielleicht genau aus diesem grund wieder mehr junge leute geben wird, die mit einer fm2 oder einer hassi losziehen und sich ihr bild von der welt machen. bewusst alle mängel der analogen fotografie akzeptierend um eben diesen einen vorteil - eine höhere glaubwürdigkeit - auf ihrer seite zu haben.

    im übrigen würde ich persönlich nie die digitale mit der analogen fotografie in dem sinne vergleichen, welche nun die »bessere« sei. für mich sind das zwei völlig verschiedene medien/kommunikationsmittel. deren wesentlicher unterschied nicht in einem voneinander unterscheidbaren ergebnis liegen muss (es aber ruhig darf, wenn es der zweck erfordert und soll, wenn es möglich ist), sondern in ihrem entstehungsprozess, ihrem anspruch an das eigene leistungsvermögen und in der persönlichkeit der sie benutzenden fotografen/künstler.

    Ja, ich denke auch, dass dieser Vergleich »Analog vs Digital« hinkt. Daher nehme ich im Artikel das »Analog« als eine Metapher daher. Zumal sowohl »Analog«, als auch »Digital« ja nie wirklich stimmen. Ein gedrucktes Digitalbild ist ganz schön analog ... und ein analoges Bild im Internet kommt eben auch in Bits&Bytes daher. Diese Unterscheidung ist eher hinderlich. Es geht um das Konzept.

    Den jungen Leuten geht es – auch mit der Wahl analoger Werkzeuge – vor allem um die Rückerlangung beschriebener Freiheitsgrade. Die älteren Semester haben sich ohne Not dieser Freiheitsgrade entledigt. Z.T. mit ganz abstrusen Begründungen. Die müssen sich jetzt sich selbst gegenueber ständig rechtfertigen ... ;)

    Die junge Generation sieht jedoch, dass sie betrogen wurde – und beginnt zu korrigieren. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Emanzipation der Fotografen, der Fotografie - insbesondere in der Form der »Contemporary Photography« , zu neuen Höhen verhelfen wird.

    http://solarphoto.org/c1forum/ftp/UAO-Magazine.pdf
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    Hi Andreas, ist ein nicht allzu hochaufgeloester Scan vom Negativ. X-Ray-Scanner bedingt, habe ich die Negative bei meinem letzten Deutschlandaufenthalt in DE entwickeln lassen und nicht mit nach China hergenommen. Die fertig entwickelten Negative werden mir spaeter zugesendet und dann gehts hier in die Dunkelkammer ...

    So weit ... Sven