Posts by Berthold Seidl

    Ich habe mir vor über 10 Jahren einen Traum erfüllt! Über die elektronische Bucht habe ich einen Homrich 8x10 (eigentlich 10x10) erstanden. An meinem Arbeitsplatz war eine Kammer frei, ich konnte das Ungetüm aufstellen. Erstes Vergrößern: tolles Feeling! Vom Format her spielt man in der Liga Ansel und Clyde! Eine Dukasession dauert 5 Stunden, nachher hat man einen schönen 50x60 cm Abzug und min. 10 Blätter im Abfalleimer. Daneben je 10 L Entwickler, Stopbad und Fixierer, die entsorgt werden müssen.
    Aber wann hat man schon 5 Stunden Zeit, wenn man neben dem Beruf auch noch Familie, Ehefrau, Freunde und andere Interessen ernst nehmen möchte? Wann hat man vorher die Zeit, die 8x10 Kamera auszuführen, etliche Negative zu entwickeln (ich habe ca. jedes 10. Negativ vergrößert). Und auch die Nacharbeit ist nicht zu vergessen: Aufziehen auf 70x80 cm Museumskarton (mit dem Bügeleisen), rahmen , ja und wo eigentlich aufhängen und präsentieren? Ich nenne ja kein Schloss mein eigen - und auch keinen Loft.
    Und dann wurde dar Gebäude, in dem mein Büro ist, umgebaut - dar Homrich musste raus. Im Haus meines Vaters fand er Unterkunft, wurde in einem ehemaligen Badezimmer einer ehemaligen Einliegerwohnung aufgestellt (ideale Bedingungen!).... und da stand er nun 5 Jahre. In der Duka im eigenen Haus wurde 6x6 (Hasselblad), 6x7 (Shen Hao TFC) und 4x5 (Sinar) ausgearbeitet. Überschaubares Format, überschaubarer Zeitaufwand, überschaubare Kosten....
    Und so wurde der Homrich verkauft, mit der 8x10 Kamera mache ich Kontakte, eine Dekade ist zu Ende!
    Alles in Ordnung! Und manchmal frage ich mich, ob ich nicht den Käufer anrufen sollte und fragen, ob ich nicht für einen Nachmittag seine Duka mieten dürfte. Wieder einmal das Ansel & Clyde Feeling.....
    8x10 ist großartig - aber auch aufwändig!
    Und so bleibe ich bei 4x5! Und denke nach, ob ich nicht eine LED-Lichtquelle für die Kamera bauen sollte, damit man zumindest ab und zu......

    Ich habe in der letzten Zeit etwas viel davon über(Zeit!) - und so war ich in der Werkstatt. Herausgekommen ist eine Wet Plate Kamera im Format "Half plate"(12x16,5cm) - ich hatte eine alte Kasette mit Rollo, dürfte von einer Studiokamera stammen. Das Objektiv ist ein Industar 4,5/300mm. First Light war vor einigen Tagen, funktioniert alles wie geplant. Das Holz ist Ulme, die Oberflächen sind geölt, manche Teile aus Sperrholz(Halterung der Objektivplatine) werden in Messing nachgefertigt(ich konnte ja nichts kaufen wegen Corona).

    Genau das hab ich gemeint - nur halt schlecht ausgedrückt. Die 2. ISO Taste ist auf eine höhere Empfindlichkeit (2 Blendenstufen nach Adams: "Schatten auf Zone 3") eingestellt als die getestete(!)Empfindlichkeit des Filmes

    Aus meiner Erfahrung (vor allem aus der Tischlerei/Bootsbau) mit "schrägen" Maßangaben kann ich sagen, dass oft die Umrechnung Zoll(Inch?)/mm schuld ist. Wobei Zoll nicht Zoll oder Inch und Inch nicht Inch ist. Jedes Land hatte sein eigenes Normensystem. Und im Bereich von Zoll kommen die Brüche dazu(wobei in der Waffenfertigung wieder Dezimalstellen verwendet wurden/werden) . Das ist für den im Jahr 2020 lebenden Mitteleuropäer schon etwas schwierig. Wenn dann ein Produzent von Drehbänken seine Gewindesteigungen nach (Pariser, Berliner,Österreichischen)Zoll baut und dann irgendwann in mm "umbezeichnet", dann kommen(mit Toleranzen und Rundungen) schon "schräge" Bezeichnungen heraus (auch das "Leicagewinde" ist meiner Erinnerung nach nicht ganz "gerade, die 39mm liegen nahe an den 1 1/2 Inch und die Steigung ist 1/26 Inch/Zoll).
    Ich finde es toll, wenn diese alten Maße nicht ganz verlorengehen - und so photographieren wir auf 5x7 Planfilm mit einem 12 Inch Objektiv und vergrößern auf 305 × 406 mm (=12x16 Inch).

    Ich hab mich in meiner Laufbahn durch alle möglichen Belis "durchgearbeitet". Fürs Großformat hatte ich am liebsten (bis ich ihn in einem Bach versenkt hab - jetzt weiß ich auch, warum die Dinger eine Leine haben!) den Minolta Spotmeter F. Schatten mit Zeichnung anmessen, Shadow-Taste drücken, Belichtung ablesen. Lichter anmessen, Entwicklung notieren."Haben fertig!" Für die Rolleiflex 2,8 und die Hassi hatte ich lange Zeit den Sekonic Studio Deluxe II. Nett, ohne Batterie, Lichtmessung, zusammen mit dem Tri X und einem leicht ausgleichenden Entwickler (und MCC Papier in der Duka) eine komfortable Sache. Inzwischen verwende ich meist den Sekonic L 508. Spot- und Lichtmessung je nach Bedarf (Achtung: man kann auch die falsche Messmethode eingestellt haben, ergibt abenteuerliche Werte), Ablesen für die Hassi in EV, 2. Iso-Einstellung (verwende ich statt der Shadow-Taste).
    Wichtig ist, dass man einen (!) Belichtungsmesser hat und den in- und auswendig kennt. Und dass man den Hausverstand beim Fotografieren nicht zuhause lässt!

    Da wir mehr oder weniger Zuhause bleiben müssen, wird es schwieriger, die mir vorgenommen Portraits zu machen, weil niemand vorbeikommt.

    Meine Frau, meine Tochter, mein Schwiegersohn, meine Enkel haben schon Modell stehen müssen (Wet Plate). Inzwischen ergreifen sie die Flucht, wenn ich die Kamera auf der Terrasse aufbaue :evil:

    1. Man(n) kann nie genug Kameras haben!
    2. Wenn dir die Tachi gefällt, kauf sie dir!
    3. Wenn sie dir in 2(3,5) Jahren nicht mehr gefällt, verkauf sie wieder! (das mach ich mit der Sinar F2 so. Hab ich mir gekauft, war nicht glücklich, hab sie verkauft, hab mir 2 Jahre später wieder eine gekauft,...)
    4. Wenn du von deinen Bildern leben musst, brauchst du verlässliches, stabiles Zeug. Beim Hobby seh ich das nicht so eng!
    5. Ob ich ein Bild mit meiner Shen Hao gemacht habe oder mit der F2, sieht man dem Negativ nicht an (ich finde auch so genug möglichkeiten ein Bild zu vermasseln!)

    Hallo HORO!
    Schön, dass es in OÖ noch einen zweiten Großformatler gibt!
    Ja, der Almsee ist eine landschaftliche Perle! Und deine Bilder gefallen mir. Im ersten besonders die Spiegelung des Himmels und im zweiten die Diagonale (Weg/Straße)....
    Viel Spass im großen Format!
    Berthold Seidl, Steyr

    Ich habe da eine relativ entspannte Sicht der Dinge. "Analog" ist eine Möglichkeit, ein Bild zu schaffen. "Digital" ist eine andere Möglichkeit, ein Bild zu schaffen. "Hybrid" ist eine weitere Möglichkeit, ein Bild zu schaffen. Niemand würde den "Feldhasen" von Albrecht Dürer gegen die "Mona Lisa" von Leonardo da Vinci ausspielen, nur weil das eine ein Aquarell ist und das andere ein Ölgemälde (noch dazu ist der Feldhase "hybrid", Dürer hat auch Gouache-Farben verwendet).
    Ich habe einen mir bekannten Künstlerfreund gefragt, warum er Radierungen anfertigt und keine Ölbilder oder Acryl und er hat sinngemäß geantwortet: "Weil ich es so kann!"

    Hallo!
    Es gibt auch eine Paper Lab App (Google Play).
    Einfach Bild vom Smartphone auswählen, invertieren, Zeit wählen, Phone in den (Mittelformat-)Vergrößerer schieben und Belichtung mit einer seitlichen Taste starten.
    Suchen und probieren ;)