Posts by Alles-von-Hand

    Vorwässern ist Quatsch bei modernen Filmen. HC 110 ist auch Quatsch für den Ilford-Film. Gewöhnlichen Metol-Hydrochinon-Entwickler nehmen, also so etwas altes wie D-76 oder ID-11 oder dann X-tol oder Microphen. Genügende Badmenge; Temperatur und Zeiten konstant halten. Letzter offener Faktor ist dann die Agitation. Die sollte nicht zu gering sein. Zu viel Bewegung ist auch nicht gut. Filmbearbeitung ist die Kunst der goldenen Mitte.

    Bin ja auch Mechaniker und erlaube mir die Frage, ob Messungen durchgeführt worden sind, ich meine Durchmesser und vor allem Längen. Glas herausnehmen, Durchmesser und Dicken aufschreiben. Unbedingt. Steinheil war wie alle anderen 1893 von Taylor, Taylor & Hobson mit dem Cooke-Triplett überrascht worden. Es ist gut möglich, daß das Triplar diesem entspricht. Trinar und Cassar waren auch Steinheil-Dreilinser, wobei das Cassar zwei plankonvexe Linsen besitzt. Also Wissen über die Konstruktion sammeln, dann darf die alte Fassung sterben. Warum Aluminium gewählt wurde, liegt gewichtig auf der Hand. Ich würde mir keine Mühe machen bei dem Altmetall. Frisches reines Aluminium nehmen. Zuvor aber das Original auf den Granit legen und alle bestimmenden Längen messen. Zeichnung anfertigen.

    Für diese richtige Gedankenverbindung gibt es hundert Punkte.


    Zehn Punkte müssen wir aber abziehen, weil es Basler heißt, nicht Baseler, wie Zürcher, nicht Züricher. Wo ich eigentlich herkomme.


    Das Überwältigende an lohis Bild ist ja das Hochformat, das der Landschaft gänzlich zuwider zu laufen scheint. Doch die Dunkelhellstufen von unten noch oben hin machen es gerade aus. Modern und mutig

    Du machst das ganz richtig. Helldunkel, deine Arbeit um das Licht, ist eine Schwarzweißsache. Farben drücken immer in die Fläche.


    Dunklere Vorderpartie gehört zum Thema, die Dämmerung geschieht ja am Horizont, dort, wo die Sonne aufgeht. Damit hast du Bildtiefe.


    Ich bin ein Schweizer, der unter Aussicht nicht den Blick an Bergwände versteht. So weit weg geht das für mich. Ich warte auf eine am Boden gemachte Fotografie, auf der man Berge und das Meer dahinter sieht.

    Mich dünkt, die Person gleiche ein klein wenig Wladimir Putin. Ansonsten: warum nicht mit einem blendelosen Petzval-Objektiv aufnehmen? Das Licht ist nicht schlecht, vielleicht etwas zu hart. Im 19. Jahrhundert hätte man eine ganz leichte Untersicht gemacht und bestimmt nicht eine Frau so leicht bekleidet fotografiert. Das ist, was mir als Kunsthistoriker so durch den Kopf geht.

    lohi, danke für die Erklärung


    Was glaubt ihr, wie es mir am Computer-Monitor geht, nachdem ich 20 Jahre lang als Berufsfilmvorführer in 15 Kinos gearbeitet habe? Ich war Cutter, habe Bild- und Magnetfilm auf dem Schneidetisch synchron gelegt, geschnitten und montiert, hunderte von Stunden Material. Habe produziert und Kamera geführt. Eigenes Labor gehabt, neun Jahre lang, dort mit Kopierapparaten hantiert, Filme von Hand entwickelt in allen Formaten. Auch für Berufsfotografen, daher mein Forumname. Ich habe eine Anniversary Folmer Graflex mit Kalart-Entfernungsmesser. Daneben einen Eyemo

    Auf den Zusammenhang zwischen Bild und Digitalisierungsschlacht komme ich grad nicht. Du mußt eine Fotografie ja einlesen, um sie hier darstellen zu können. Noch unverständlicher ist mir die Funktion Vergrößern mit der kleinen Lupe unten rechts. Das Bild erscheint kleiner. Dafür kannst du nichts.


    Es wäre interessant zu erfahren, weshalb du bei einem orthochromatisch empfindlichen Film ein Gelbfilter verwendest.


    Ich frage mich, warum du öffentlich fragst, was du selber beantwortest. Ich lasse mich nicht gern in Diskussionen ziehen, die bloß der Bestätigung der eigenen Meinung dienen. Wer ist denn man?

    Nun, zum Formellen habe ich mich geäußert, das Licht macht nichts her. Fotografie ist Lichtzeichnen, wörtlich. Wenn du Bauklötze hinlegst oder stellst, dann werden auch die etwas aussagen. Jeder Gegenstand, den du ablichtest, bringt etwas mit sich, darum kommst du nicht herum.


    Streng technisch scheinen dich die Geometrie der Abbildung und die Schärfentiefe zu beschäftigen, genauer noch, wo die Schärfenebene liegt. Zur Abbildung: Unrunde Bälle rufen einem zu: Wir können nichts dafür, daß wir so aussehen, das war die Fotografin bzw. der Fotograf. Mit der Schärfeverteilung lenkst du den Betrachter.


    Zurück zum Licht. Sofern die Farben nicht von Bedeutung sind, geht es ums Zeichnen. Farben ziehen immer in die Fläche, verflachen das Bild, im Extrem unten grün, oben blau und irgendwo etwas Rotes, das Knipsbild schlechthin. Mit Schwarzweiß kann man ganz leicht Tiefe, Raumgefühl erzeugen. Die Flasche bietet sich da an, Gegen-, schräges Rück- oder Seitenlicht aufzunehmen und weiterzugeben. Die Golfbälle verlangen förmlich nach Schatten in ihren Grübchen. Das Lot mit der fasrigen Schnur kann Oberflächenkontraste geben. Solche Aspekte mit Farben tragen die Frage in sich: Siehst du mich? Genau an der Stelle entscheidest du über Zweck oder Nutzen von scharf-unscharf.

    Stillleben sind höchst akademisch. Ich habe ein Kunstgeschichtestudium hinter mir.


    Das Grundproblem deines Arrangements ist der Inhalt. Im Moment scheint es dir egal, Chemikalienflasche, Elektrokerze, Pistill, Golfbälle und ein Maurerlot zu versammeln. Doch wenn du dir selbst einst das gut erstellte Bild ansiehst oder jemand anderes, wird die Frage kommen, was es soll. Die Gegenstände haben miteinander so wenig zu tun, daß es zum Achselzucken kommt, Kopfschütteln womöglich.



    Wenn es dir nur ums Technische geht, muß ich sagen: Schau hin! Schau die nature morte so lange an, bis sie lebendig wird, bis die Gegenstände zu sprechen anfangen. Eine Geschichte wird erzählt, vielleicht die von Arbeit und Müßiggang, der Maurer, der Golfspieler. Chemikalien, Apotheke, moderner Advent, der Bogen würde sehr weit gespannt werden.



    Du fotografierst mit einem geschlossenen Auge, wenn du nur die Form siehst. Mach beide Augen auf, blick auf den Tisch, sieh dich um, betrachte dich selbst als Spiegelbild auf der Einstellscheibe. Dann wirf dir das Einstelltuch über den Kopf und denke an meine Worte: Form und Inhalt lassen sich nicht voneinander trennen. Wenn doch, dann finde ich das Licht langweilig.

    Nach Durchlesen dieser Diskussion stelle ich fest, daß der Aspekt des Drumherum von Archivgut nicht aufgenommen worden ist. Da ich Kinomensch bin, bleibe ich beim gelochten Film und weise noch ein Mal darauf hin, daß digitale Daten nichts davon enthalten, was das Kino auch ausmachte: das Licht vom Rein- oder Hochintensität-Kohlenbogen, der mechanische Projektionsapparat, die Holzklappsitze, das Lichtspieltheater mit knarrendem Parkett oder muffigem Plüsch oder gelochtem Messing an Wandleuchten. Kassehäuschen, Rollenkarten, Eiswagen, Bauchläden, Dia-Reklame vom Abwinkler, der elektromechanische Gong, die Erklärer und Erzähler, das verstimmte Klavier, das Nichtvorhandensein von Handy und Computer. Gerade daran erkennt man, welchen Tod das Kino gestorben ist, einen kühlen, distanzierten, programmierten, charakterlosen und entwürdigenden.


    Es ist nicht möglich, mit Daten allein Filme zurückzuholen. Filme müssen mit Filmprojektoren gespielt werden. Ein Kochrezept duftet nicht, man muß die Zwiebel aus dem Garten holen und sie schmoren, anschwitzen oder kochen. Eine Pizza ist kulinarisch das Unterste, was man in Italien kennt, eine Resteverwertung. Ihre weltweite Verbreitung macht sie nicht zu etwas Besserem, im Gegenteil, die industriell hergestellte Aufwärmpizza ist nur grauslig. Ehemalige Filmbilder auf RGB-Bildschirmen, sei es das Display vom Handy, sei es die LED-Wand, schrecken mich ab. Ich gehe seit vielen Jahren nicht mehr ins Kino und meide Ausstellungen, wo es Videokram gibt. Das heutige Kino gehört zum Fernsehen-Video-Computer-Komplex.


    Ich vermisse das alte Kino, das mich ernährt hat. Ich war Berufsvorführer in 15 Häusern, Geschäftsführer von Kinos, Einrichter von Kinotechnik, Unternehmer mit zwei Kinobetrieben auf eigene Rechnung und Techniker bei Filmprojektionen in Kunstmuseen, eine davon mit Endlosschleife. Der digitale Weg ist tödlich für die Filmarchive. Es ist mindestens so wichtig, Perforierapparate, Kameras, Kopieranlagen, Betrachter, Montagegeräte und Projektoren zu erhalten wie Filme. Die meisten Produktionen sind ohnehin Schund. Das knappe Geld in Digitales stecken finde ich völlig falsch, wenn die Apparate deswegen mißachtet bleiben.

    1977 nahm ich teil an einem Fotokurs an der Schule. Mein Vater lieh mir seine Kleinbildkamera. Wir knipsten in der Stadt herum, entwickelten die Aufnahmen und machten Vergrößerungen auf Papier. Zum ersten Mal den Duft von Fix geschnuppert


    1984 bis 1986, glaube ich, war ich Leiter der Diathek am Seminar für Kunstgeschichte an einer Universität. Der Kern der Sammlung waren etwa 50'000 Glasdias im Format 8,5 × 10. Daneben häuften sich Dias an im Rahmenformat 2" × 2", über 130'000. Manchmal bestellte ein Dozent Projektion alter Glasdias, in den Hörsälen standen noch entsprechende Apparate. Ich habe auch noch Epidiaskope erlebt und selber benutzt. Für die Herstellung neuer Dias benutzten wir eine Reprovit-Anlage mit einer Leica M3. Aufträge an Fotografen in der Stadt ergingen zur Lieferung von Mittelformatdias.


    1988-89 machte ich den Vorführkurs im Kino mit Prüfung und Fähigkeitsausweis. Ich kann in jedes Kino auf der Erde spazieren und Vorstellungen durchführen. Daß ich auch gelernter Mechaniker bin, hat bis jetzt nicht geschadet.


    Um zum Punkt zu kommen: Es überlebt nur, was gelebt wird. Ein digitales Archiv ist im Innern etwas Totes, von allem Anfang an. Spätere Generation werden nur Daten zur Verfügung haben, kein Drumherum und kein Dazwischen. Die Entmaterialisierung der Fotografie ist die Abkehr von der Geschichte. Oder noch ein Mal anders ausgedrückt, Datenhaufen sind jeder Zeit enthoben. Es kann kein 19. Jahrhundert mehr erspürt werden, kein 20., gar keines. Im Umgang mit den Glasdias habe ich viel über diesen Zweig der Fotografie gelernt. Das schwarze Papierband, die Klebestoffe, die Vignetten, Tönungen, Körnungen, Stockflecke, Gläser, Newton-Ringe, Staub, Farbenverfahren, Perspektive, Tageslicht, Optik


    Später, 1999 bis 2008, hatte ich ein eigenes kommerzielles Labor, spezialisiert auf Schwarzweißfilm. Der Markt schrumpfte zusammen, Konkurs. Ich habe noch Dinge aus den Jahren, Duplikate auf Gigabitfilm, Zwischennegative, Belichtungsproben, Vorführpositive, Duka.-Journal, Ansätzeheft, Rezepte, 35-mm- und 16-mm-Originale. Es ist Fleisch am Knochen, es sind noch Sehnen dabei. Binär-numerische Daten sind bloße Impulsfolgen. Sie mögen Neurotiker befriedigen, ich brauche mehr. In der Hoffnung, daß es auch in 3000 Jahren noch Menschen gibt, die ihren Namen eigenhändig mit Tinte auf Papier schreiben mögen, plädiere ich für die Fotochemie.

    Auf die Eingangsfrage antwortend, muß ich sortieren: Materielle Fotografie gibt es nicht ohne Arbeit, Handwerk. Bei der digitalen Fotografie ist die körperliche Anstrengung aufs Auslösen und das Manipulieren der Computer-Technik verringert. Speichermedium umstecken und dergleichen


    Kunst liegt ganz bestimmt nicht allein beim Betrachter oder Zuhörer, das wäre absolutistisch. Kunst beruht gerade auf dem allgemein Menschlichen, auf Erlebtem und Erlebbarem. Kunst ist immer persönlich, weil es die persona ist, die Schwingende, von der alles ausgeht. So viel ist uns von der Antike überliefert.


    Körperliche Anstrengung muß als Erstes spürbar sein, sonst würde nicht ein Mal ein Gekritzel von einem Affen angeschaut werden. Freude am Material und damit die Auseinandersetzung mit ihm gehört dazu, sonst ist alles kalt wie bei der heutigen zusammengeklickten Architektur.


    Kunst ist nicht möglich, so lange jemand das Handwerk nicht einigermaßen beherrscht. Der Fotograf muß wenigstens brauchbar belichten und scharf stellen können. Er bemißt das fertige Bild nach dem Gegenstand, eine Landschaft im Hochformat von 10 auf 7 cm wirkt ebenso zufällig wie das Portrait eines Stehenden im Querformat von 3 auf 5 Metern. Was in der Musik oder beim Theater so richtig zelebriert wird, das Geschehen über Zeit, spitzt sich bei der Fotografie zu. Die Belichtungszeit kann sehr lang sein, ist meistens jedoch sehr kurz. Wir sprechen kaum mehr von Momentfotografie, denn ein Moment ist ein Verweilen. Das Allermeiste an Fotografie ist geschossen, mit der Licht-Guillotine abgehackt. Es muß sich alles durch einen Sekundenbruchteil hindurchzwängen. Der Maler läßt Farbe von den Pinselhaaren fließen, er sieht zu, wie Töne sich mischen. Er malt über Stunden und Tage.


    Kunst, von griechisch kaustos, Brandstelle, Herd, Ofen, ist das Erbaute, ganz einfach. Was gibt es Erwärmenderes als einen Herd? Kunst erbaut.